Die Xiaomi Corporation (chinesisch 小米集团, zum Brand Hub) ist ein im April 2010 gegründetes chinesisches Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Peking. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Internet-Unternehmen, das Hardware (Smartphones und IoT-Geräte) über eine Plattform aus Software und Internetdiensten verknüpft. Xiaomi ist seit 2018 an der Hongkonger Börse gelistet und gehört seit 2019 regelmäßig zu den Fortune Global 500.
Unternehmensgeschichte
Anfänge als Software-Schmiede (2010–2011)
Entgegen dem Branchentypus startete Xiaomi nicht mit Hardware, sondern am 16. August 2010 mit der Android-basierten Benutzeroberfläche MIUI. Das Gründungsteam um Lei Jun und Lin Bin bestand aus Veteranen von Konzernen wie Google, Microsoft und Motorola. MIUI wurde zunächst als kostenlose Custom-ROM für bereits existierende Smartphones wie das Google Nexus One oder das HTC Desire verbreitet. Ein zentrales Merkmal war die enge Einbindung der Nutzerbasis („Mi Fans"), die über Online-Foren wöchentlich Feedback gab, das direkt in die Software-Updates einfloss.
Einstieg in den Hardware-Markt (2011–2013)
Am 16. August 2011 stellte das Unternehmen mit dem Xiaomi Mi 1 sein erstes eigenes Smartphone vor. Das Gerät bot Flaggschiff-Spezifikationen zum halben Preis der damaligen Konkurrenz (1.999 Yuan). Um die Kosten niedrig zu halten, verzichtete Xiaomi auf klassische Werbung und Zwischenhändler und verkaufte die Geräte ausschließlich online über die eigene Plattform. Durch zeitlich begrenzte Verkäufe kleiner Chargen („Flash Sales" oder „Hunger Marketing") wurde eine künstliche Verknappung erzeugt, die die Nachfrage massiv steigerte.
Internationale Expansion und Markenstrategie
Ab 2013 trieb der ehemalige Google-Manager Hugo Barra als Vizepräsident die globale Expansion voran. Der Fokus lag zunächst auf Schwellenländern, wobei sich insbesondere Indien zum wichtigsten Auslandsmarkt entwickelte, in dem Xiaomi zeitweise zum Marktführer aufstieg. Um verschiedene Preissegmente effizienter zu bedienen, gliederte Xiaomi seine Produktlinien aus:
- Redmi: Früher "Sub-Brand" und 2019 als eigenständige Marke für das Einsteiger- und Mittelklassesegment etabliert.
- POCO: 2018 gestartet und 2020 als unabhängige Marke positioniert, spezialisiert auf ein junges, technikaffines Publikum mit Fokus auf Leistung.
- Xiaomi (ehemals Mi): Fungiert heute als Premium-Marke für High-End und Premium-Mittelklasse Smartphones und Lifestyle-Produkte.
Das IoT-Ökosystem („Human x Car x Home")
Xiaomi verfolgt eine Strategie der „strategischen Koaleszenz". Dabei investiert der Konzern in spezialisierte Partnerunternehmen, die Produkte unter Xiaomis Design-Vorgaben und IoT-Protokollen fertigen. Dieses Netzwerk umfasst hunderte Firmen und deckt Bereiche wie Smart Home (Marke Mijia), Wearables und Mobilität ab. Bis März 2025 waren über 943 Millionen Geräte mit der KI-gestützten IoT-Plattform verbunden.
Markteintritt in Deutschland
Der offizielle Start in Deutschland erfolgte 2019 mit der Eröffnung eines Büros in Düsseldorf. Durch Partnerschaften mit Netzbetreibern wie O2 (Telefónica), Vodafone und der Telekom sowie die Eröffnung von Mi Stores (u.a. in Düsseldorf und Essen) etablierte sich Xiaomi schnell als drittstärkste Kraft auf dem deutschen Smartphone-Markt. Zwischendurch wurden die Stores wieder geschlossen, wobei seit 2025 wieder Stores eröffnet werden.
Geekbench Single Core (V6)
Geekbench Single Core (V5)
Geekbench Multi Core (V6)
Geekbench Multi Core (V5)
3DMark Wild Life Extreme Unlimited
3DMark Solar Bay Unlimited
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3DMark Steel Nomad Light Unlimited
Software-Evolution: Von MIUI zu HyperOS
Im Oktober 2023 löste Xiaomi HyperOS das alte MIUI-System ab. Ziel war die Vereinigung der Software-Architekturen für Smartphones, IoT-Geräte und Fahrzeuge. Anfang 2026 war die Version HyperOS 3.1 aktuell. Zu den wichtigsten technischen Neuerungen gehört das „Super-OTA"-System (SOTA), das Firmware-Updates effizienter im Hintergrund installiert und Neustartzeiten drastisch verkürzt. Zudem wurden tiefere KI-Funktionen (HyperAI) für Bildbearbeitung und Textzusammenfassungen sowie das „HyperIsland" (ein interaktives Benachrichtigungszentrum) integriert, welches ab HyperOS 3.1 auch mit dem entsprechenden Android-Standard kompatibel ist.
Xiaomi Automobile (Xiaomi EV)
Seit 2021 investiert Xiaomi massiv in die Elektromobilität. Das erste Fahrzeug, die Limousine Xiaomi SU7, wurde im März 2024 eingeführt. Im Gesamtjahr 2025 lieferte Xiaomi in China 411.837 Elektrofahrzeuge aus und übertraf damit das ursprüngliche Ziel von 400.000 Einheiten. Besonders erfolgreich war dabei das SUV-Modell YU7, das Ende 2025 das meistverkaufte Modell der Sparte wurde. Für das Jahr 2026 hat das Unternehmen ein Absatzziel von 550.000 Fahrzeugen gesetzt. Ein Export nach Europa ist offiziell für das Jahr 2027 geplant.
Zur Demonstration technologischer Leistungsfähigkeit testet Xiaomi Prototypen auf der Nürburgring Nordschleife. Der Xiaomi SU7 Ultra (Serienmodell mit Track Package) stellte am 1. April 2025 mit 7:04,957 Minuten einen Rekord für rein elektrische viertürige Serienlimousinen auf. Ein spezieller Prototyp erreichte im Juni 2025 eine Zeit von 6:22,091 Minuten.