Vivo hat OriginOS 7 offiziell vorgestellt, die neue Version seiner Android Oberfläche auf Basis von Android 17. Die Vorstellung fand am 16. September im Rahmen einer Entwicklerkonferenz in China statt und bringt gegenüber OriginOS 6 einen deutlich sichtbareren Umbau der Optik mit sich, ergänzt um ein überarbeitetes Multitasking Konzept, tiefere KI Integration und mehrere Leistungsversprechen. Parallel zur Vorstellung hat Vivo auch den Rollout Zeitplan für den chinesischen Markt veröffentlicht.
Wie schon bei OriginOS 6 orientiert sich Vivo optisch stark an Apple's Liquid Glass Designsprache aus iOS 26, treibt das Konzept mit OriginOS 7 aber noch weiter. Für den internationalen Markt hat der Hersteller bislang nur ein geschlossenes Beta Programm für einzelne Geräte gestartet, ein Termin für den stabilen globalen Rollout steht noch nicht fest.
Kernstück der optischen Überarbeitung ist ein System, das Vivo als "Licht und Schatten Ästhetik" bezeichnet. Menüs, Benachrichtigungskarten und Icons erhalten eine durchscheinende Glasoptik, die auf Umgebungslicht und Tageszeit reagiert: Tagsüber wirken Icons und Widgets kräftiger und klarer, abends dunkler und weicher. Nutzer können zwischen drei Texturstufen wählen, die Vivo als Real, Natürlich und Weich bezeichnet, wobei Real der stärksten Transparenz entspricht. Glaseffekte gab es zwar auch schon in OriginOS 6, doch mit der neuen Version verfeinert man das ganze nochmal und gestaltet die Effekte eben nochmal aufwändiger.
Ergänzt wird das Ganze durch mehrere neue Sperrbildschirm und Homescreen Themes. Beim Liquid Theme reagieren Wallpaper auf Berührungen und Bewegungen des Geräts, unter anderem mit einem gummiartigen "Bounce Effekt" und einer Wasserwellen Simulation, die auf optischer Brechung basiert. Die neue "Atomic Sticker Library" erlaubt es, Motive aus eigenen Fotos oder Videos freizustellen und als Sticker auf Homescreen und Sperrbildschirm zu platzieren, inklusive KI gestützter Bearbeitung. Für Haustierbesitzer gibt es zudem ein KI Haustier Theme, das aus einem hochgeladenen Foto ein interaktives Motiv des eigenen Mitbewohners erzeugt, das auf Entsperren, Schütteln, Ladezustand und Musik reagiert. Die "Flash Card Themes" nutzen den Gyrosensor, um je nach Neigungswinkel des Geräts variable Lichteffekte auf dem Sperrbildschirm zu erzeugen.
Vivo überträgt mit OriginOS 7 sein von den Foldables wie dem X Fold 6 (derzeit ab ca. 1.297€ bei TradingShenzhen*) bekanntes Multitasking System, den Atomic Workbench, erstmals auch auf reguläre Smartphones. Zur Wahl stehen ein Layout nebeneinander für parallele Kommunikation und Recherche sowie ein Layout übereinander, bei dem eine Hauptaufgabe im Fokus bleibt und zusätzliche Informationen darunter sichtbar sind.
Um mehrere gleichzeitig laufende Apps flüssig zu halten, hat Vivo nach eigenen Angaben Rechenzuteilung, Speicherverwaltung und Bildschirmrendering grundlegend überarbeitet. Dazu zählen ein selbst entwickelter mehrstufiger Scheduling Algorithmus für die Rechenleistung, ein Speicherfusionsmodell für die Zuteilung von Arbeitsspeicher sowie eine neue Multifenster Rendering Architektur. Die Bedienung selbst profitiert von der neuen Atomic Animation 7.0: Beim Tippen, Wischen und Ziehen verformen, trennen und verschmelzen sich Oberflächenelemente je nach Interaktion, unterbrechbare Animationen sollen zudem verhindern, dass eine laufende Bewegung eine neue Eingabe blockiert.
Laut Vivo hat OriginOS 7 zudem den eigenen sechsjährigen Alterungstest durchlaufen, bei dem Hintergrundspeicherung, Multitasking Last und Speicherfragmentierung über die gesamte Nutzungsdauer geprüft werden. Der Performance-Verlust nach sechs Jahren soll bei nur 5,08 Prozent liegen.
Für die reine Systemperformance ist die überarbeitete Blue River Engine zuständig. Sie fasst laut Hersteller mehrere Renderschritte zu einem einzigen Durchlauf zusammen und soll dadurch die Rendereffizienz um 14 Prozent steigern. Ein neuer Scheduling Algorithmus zur Erkennung von Abhängigkeiten soll die Reaktionszeit beim Seitenwechsel um 19 Prozent und den App Start um 12 Prozent beschleunigen. Bei Speicher und Ablage verspricht Vivo eine um 60 Prozent schnellere Speicherbereinigung sowie mit Storage Compression 2.0 bis zu 25GB zusätzlich freien Speicherplatz bei einem 256GB Modell.
Der hauseigene KI Assistent (international meist "Xiao V" bezeichnet) wurde ebenfalls überarbeitet. Mit OriginOS 7 erhält er einen neuen Pro Modus, der sich Gewohnheiten und Vorlieben merken und komplexere Aufgaben eigenständig in mehreren Schritten abarbeiten soll. Für die Reiseplanung genügt laut Vivo ein einzelner Satz, woraufhin Xiao V anhand gespeicherter Vorlieben und Angaben zu Mitreisenden eine Route erstellt und Hotel, Flug und Ticketdaten aus verschiedenen Apps automatisch zusammenführt. Eine Bewerbungshilfe liest Stellenausschreibung und Unternehmen aus, erstellt darauf abgestimmte Lebensläufe und übernimmt auf Wunsch auch Interviewsimulationen. Über die Funktion Xiao V Hilfe lassen sich zudem Systemeinstellungen wie Energiesparmodus, Gaming Modus oder eine Kindersicherung per Sprachbefehl aktivieren, ohne die passenden Menüs suchen zu müssen.
Auch auf Systemebene zieht KI stärker ein. Ein "Screenshot Direct Access" sammelt Gutschein und Ticketcodes automatisch aus Screenshots und erinnert vor Ablauf daran. Die Galerie erhält eine KI gestützte Schnellbereinigung, die ähnliche Fotos anhand eines Ästhetikwertes vergleicht und Löschvorschläge macht. Die Tastatur kann während eines Chats passende Dokumente, Termine und Kontakte vorschlagen, ein KI Dateimanager gruppiert Dateien automatisch nach Thema. Notizen aus der App "Atomic Notes" lassen sich nach Freigabe auch von Drittanbieter KI Apps als Arbeitskontext nutzen, Ergebnisse werden zurückgeschrieben. Der Kalender bekommt eine eigene Aufgabenverwaltung, in die sich unter anderem aus der KI Zusammenfassung der Diktier-App erkannte Termine importieren lassen.
Wie gewohnt dürfte der KI Assistent jedoch China vorbehalten bleiben. In der internationalen Version von OriginOS 6 dürfte wie üblich Google Gemini integriert sein.
Bei der Akku-Effizienz setzt Vivo unter anderem auf den "Micro Power Wizard 3.0", der bei kritischem Akkustand kurze Anrufe und Textnachrichten mit Standort ermöglichen und nach dem Laden automatisch zum vorherigen Zustand zurückkehren soll. Die transparente Akkuanzeige zeigt konkret an, wie lange Navigation, Videowiedergabe oder ein Meeting noch möglich sind, inklusive verbleibender Ladezeit. Die "Blue Ocean Engine" passt den Verbrauch situativ an Aufgaben wie Navigation, Fotografie oder Meetings an und soll den Verbrauch bei der Bildbearbeitung um bis zu 11 Prozent senken. Beim heterogenen Computing sinkt der Verbrauch für Animationen und Bildschirmrendering laut Vivo um bis zu 20 Prozent, der Verbrauch des Umgebungslichtsensors unter dem Display um bis zu 13 Prozent, während sich die Videolaufzeit beim Streaming Dienst Youku um bis zu 34 Prozent verlängern soll. Ein verbessertes Netzwerk Standby erhöht die Standby Zeit um 6 Prozent, das "Global Direct Power Supply 3.0" verlängert durch dynamische Ladeleistung und Schutz vor Überhitzung die Akkulebensdauer um bis zu 3 Prozent.
Weitere Neuerungen betreffen unter anderem die Anzeige: Ein Blendschutz für Spiele erkennt zu helle und übersättigte Bildbereiche und passt sie automatisch an. Laut Vivo verbessert das den visuellen Komfort deutlich. Eine neue duale Audioausgabe erlaubt paralleles Abspielen über Lautsprecher und Bluetooth Gerät, etwa für Musik über Kopfhörer bei gleichzeitigen Navigationsansagen aus dem Lautsprecher. Über das Vivo Office Paket lassen sich Geräte plattformübergreifend verbinden, neu hinzugekommen ist in diesem Jahr die Möglichkeit, während einer Konferenz auf die Smartphone Kamera als externe Kamera zu wechseln.
Bei der intelligenten Fahrzeugvernetzung in Version 7.0 unterstützt Vivo nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 190 Automarken und über 10.000 Modelle, ergänzt um ein Schlüsselprotokoll für Elektrozweiräder. Für Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung bietet OriginOS 7 zudem einen Gebärdensprachdolmetscher mit Echtzeitübersetzung sowie die Funktion Vivo Sehen, die per Video in Echtzeit Fragen zur Umgebung beantwortet. Kleinere, aber alltagsrelevante Änderungen gibt es zusätzlich bei Benachrichtigungen, die sich nun je App für eine Stunde oder einen Tag stummschalten lassen, sowie beim mobilen Internet. Nach der Landung im Ausland soll ein kostenloses Datenkontingent für rund 30 Minuten den ersten Zugang ins Netz ermöglichen.
Beim Thema KI Sicherheit verweist Vivo auf zwei Zertifizierungen der China Academy of Information and Communications Technology für den eigenen Umgang mit KI Agenten, unter anderem zu Transparenz, Identität, Rechten und Kontrolle. Wie belastbar solche Zertifizierungen im Alltag tatsächlich sind, lässt sich von außen kaum beurteilen, angesichts der wachsenden KI Integration im System sind entsprechende Bemühungen aber naheliegend.
Für China hat Vivo einen konkreten Rollout Zeitplan veröffentlicht. Ab dem 9. Oktober erhalten unter anderem das X Fold 6, das X Fold 5 sowie die X300 Serie zusammen mit mehreren iQOO Modellen OriginOS 7 als erste Welle. Eine zweite Welle ab dem 29. Oktober soll unter anderem das X Fold 3 Pro und die X200 Serie abdecken, weitere ältere Vivo und iQOO Modelle bis hin zur Z und S Serie sollen bis in den Januar 2027 hinein folgen. Die kommende X500 Serie sowie das iQOO 16 und das iQOO Pad Ultra sollen laut bisherigen Ankündigungen bereits ab Werk mit OriginOS 7 ausgeliefert werden.
International ist bislang deutlich weniger bekannt. In Indien hat Vivo vom 16. bis 20. September ein Preview Programm für das X300 Pro und das iQOO 15 geöffnet, mit jeweils 500 Plätzen und einer Registrierung ohne Garantie auf Teilnahme. Ein Termin für den stabilen globalen Rollout wurde bislang nicht genannt. Nach dem Muster von OriginOS 6, das im vergangenen Jahr mit einigem zeitlichen Abstand zur chinesischen Version international ausgerollt wurde, ist auch diesmal nicht mit einem sofortigen weltweiten Start zu rechnen.
Quelle(n): Vivo
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