Mediatek hat mit dem Dimensity 9600 Pro seinen neuen Oberklasse Chip für Smartphones vorgestellt. Es handelt sich um den ersten Mobilprozessor des Unternehmens, der im 2nm Verfahren N2 von TSMC gefertigt wird, und um den Nachfolger des Dimensity 9500 aus dem vergangenen Jahr. Als erste Geräte mit dem neuen Chip nennt Mediatek das Vivo X500 Pro und das Vivo X500 Pro Max, die im Rahmen der für den 21. September angesetzten China Präsentation der X500 Serie erwartet werden, sowie das Oppo Find X10 Pro Max. Oppo's Produktchef Pete Lau hat dabei bereits bestätigt, dass das Find X10 Pro Max auch außerhalb Chinas mit dem Dimensity 9600 Pro an den Start gehen soll. Nach Herstellerangaben sind erste Chips zudem schon an Xiaomi, Oppo und Vivo ausgeliefert worden.
Der Dimensity 9600 Pro tritt damit kurz vor der für den 22. bis 24. September angesetzten Snapdragon Summit auf Hawaii an, auf dem Qualcomm den erwarteten Nachfolger des Snapdragon 8 Elite Gen 5 vorstellen dürfte. Parallel zum Dimensity 9600 Pro hat Mediatek mit dem Dimensity 9600M eine güstigere Variante für ein breiteres Flaggschiff Segment angekündigt, die weiterhin im 3nm Verfahren gefertigt wird und laut Hersteller dieselbe Agentic AI Engine nutzen soll. Detaillierte technische Daten zum 9600M hat Mediatek bislang allerdings nicht veröffentlicht. Der Dimensity 9600M wird im Vivo X500 und vermutlich auch im Oppo Find X10 E zum Einsatz kommen.
Beim Prozessor bleibt Mediatek der eigenen All Big Core Strategie treu, bei der auf klassische Effizienzkerne verzichtet wird. Der Dimensity 9600 Pro setzt dabei erstmals auf ARM's neue CSS for Mobile 2 Plattform und ist nach Angaben des Herstellers die erste vollständige Umsetzung dieses IP Baukastens im Markt. Acht Kerne teilen sich auf in zwei ARM C2-Ultra mit bis zu 4,55GHz und je 2MB L2 Cache, drei ARM C2-Pro mit bis zu 4,35GHz und je 1MB L2 Cache sowie drei weitere ARM C2-Pro mit bis zu 3,10GHz und je 512KB L2 Cache. Hinzu kommen 16MB L3 Cache für das gesamte CPU Cluster sowie 10MB System Level Cache als Teil des System Interconnect. Zusammengerechnet ergibt das rund 34,5MB Cache ohne L1, der Dimensity 9500 kam mit etwa 33MB auf einen ähnlichen Wert, sodass die von Mediatek genannten 21 Prozent mehr L2 Cache vor allem aus der Verteilung auf die einzelnen Kerne stammen.
Bei der Referenzplattform von ARM ist für das CPU Cluster eigentlich eine Verdoppelung auf zwei SME2 Einheiten für schnellere Inferenz direkt auf der CPU vorgesehen. Mediatek belässt es beim Dimensity 9600 Pro jedoch bei einer SME2 Einheit, vermutlich um Fläche für die eigene NPU zu sparen, die im Gegensatz zur CPU und GPU nicht von ARM sondern aus eigener Entwicklung stammt. Insgesamt bringt der Wechsel von 3nm auf 2nm laut Hersteller rund 14 Prozent mehr Leistung und 23 Prozent weniger Verbrauch auf reiner Chipebene, bevor die neue Kernarchitektur überhaupt einberechnet wird. In der Summe nennt Mediatek 17 Prozent mehr Single Core und 15 Prozent mehr Multi Core Leistung gegenüber dem Dimensity 9500, bei gleichzeitig 37 respektive 61 Prozent geringerem Stromverbrauch. In ersten Geekbench 6.4 Benchmarks erreicht der Chip 4276 Punkte im Single Core und 12650 Punkte im Multi Core Test, der Dimensity 9500 kam im selben Test auf 3666 respektive 11014 Punkte.
Beim Arbeitsspeicher unterstützt der Dimensity 9600 Pro erstmals LPDDR6 mit bis zu 10667MT/s, was laut Mediatek eine um 33 Prozent höhere effektive Speicherbandbreite gegenüber LPDDR5X-10667 des Vorgängers ermöglicht, alternativ bleibt LPDDR5X weiterhin verfügbar. Beim Massenspeicher kommt UFS 5.0 zum Einsatz, das gegenüber zweikanaligem UFS 4.0 doppelt so hohe Lese und Schreibgeschwindigkeiten bieten soll.
Auch bei der Grafikeinheit setzt Mediatek auf neue IP von ARM aus der CSS for Mobile 2 Plattform, konkret auf die Mali G2-Ultra NX. Wie schon bei der CPU weicht Mediatek dabei jedoch vom Referenzdesign ab: Verbaut sind 14 GPU Kerne mit ebenfalls 14 Ray Tracing Einheiten, allerdings nur sechs statt der von ARM vorgesehenen acht Neural Beschleuniger, im Datenblatt als NX bezeichnet. Diese NX Einheiten übernehmen Neural Super Sampling, ein KI gestütztes Denoising sowie eine Neural Frame Rate Upscaling Funktion, wodurch sich laut ARM nur noch ein Achtel der Pixel nativ rendern lässt, während der Rest von der KI Hardware berechnet wird.
In der Praxis führt das laut Mediatek zu 27 Prozent höherer Spitzenleistung bei gleichzeitig 24 Prozent geringerem Verbrauch unter Volllast sowie bis zu 18 Prozent mehr Raytracing Leistung gegenüber dem Vorgänger. Unterstützt werden zudem native 185fps in kompatiblen Spielen sowie hardwarebeschleunigtes Raytracing mit OMM Beschleunigung für mehrfach reflektierende Materialien.
Den größten Umbau hat Mediatek bei der KI Hardware vorgenommen. Der Dimensity 9600 Pro setzt auf zwei getrennte NPUs: Die NPU 1090 mit einem Performance Core und einem Flexible Core übernimmt rechenintensive generative und agentische Aufgaben, während die kleinere eNPU 2.0 direkt an den Sensor Hub angebunden ist und stromsparende Dauerbetrieb Funktionen wie proaktive Vorschläge oder Szenenerkennung im Hintergrund erledigt. Für die NPU 1090 nennt Mediatek eine im Vergleich zum Vorgänger verdoppelte INT4 Rechenleistung, 51 Prozent schnellere LLM Prefill Verarbeitung sowie 55 Prozent mehr Token Generierung pro Watt. Die eNPU 2.0 soll ihrerseits 40 Prozent effizienter arbeiten als in der Vorgängergeneration.
Eine neue Hardware Kompressionseinheit reduziert dabei den Speicherbedarf des KV Cache großer Sprachmodelle, zusätzlich unterstützt der Chip laut Hersteller Mixture of Experts Modelle mit bis zu 30 Milliarden Parametern direkt auf dem Gerät, ohne dass dafür eine Cloud Anbindung nötig wäre. Die Kombination aus AI Compute Fusion Architektur und der neuen Dimensity Scheduling Engine 3.0 koordiniert dabei CPU, NPU und Speicherzugriffe als ein zusammenhängendes System. Mediatek nennt hierfür 40 Prozent schnellere LLM Token Generierung sowie 27 Prozent schnelleren Start von KI Modellen gegenüber dem Dimensity 9500.
Für die Bildverarbeitung integriert Mediatek einen als Imagiq 1290 bezeichneten Bildprozessor, der über die sogenannte AI Imaging Fusion Architektur direkt mit der NPU verbunden ist. Unterstützt werden Sensoren mit bis zu 200MP Auflösung sowie Videoaufnahmen bis 8k mit 30fps, 4k mit 120fps und elektronischer Bildstabilisierung sowie eine Zeitlupenfunktion mit bis zu 4k bei 240fps. Für professionellere Aufnahmen nennt Mediatek zudem eine HDR Videoaufzeichnung mit bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang unter Einsatz von LOFIC und UFCC Technologie sowie eine kontinuierliche Motiverkennung mit bis zu 60fps.
Bei der Videokompression bringt der Dimensity 9600 Pro nach Angaben von Mediatek als weltweit erster Smartphone Prozessor einen Hardware Decoder für den H.266 Codec mit, der bei vergleichbarer Bildqualität rund 30 bis 50 Prozent weniger Datenrate benötigt als der ältere H.265 (HEVC) Standard. Laut Mediatek sinkt der Stromverbrauch beim Decodieren dank der neuen Hardware Unterstützung um bis zu 23 Prozent gegenüber einer reinen Softwaredekodierung. Ergänzt wird das um Unterstützung für MV-HEVC für räumliche Videos sowie eine durchgängige BT.2020 Farbpipeline für Displays mit bis zu WQHD+ Auflösung und 180Hz, inklusive eines dreifachen MIPI Ports für Tri-Fold Geräte.
Bei der Konnektivität integriert der Chip ein 5G Advanced Modem mit Unterstützung für bis zu fünf gebündelte Frequenzblöcke im Downlink für theoretisch mehr als 7,4Gbit/s sowie eine im Modem verankerte KI Funktion zur Reduzierung der Latenz bei Onlinespielen. WLAN läuft über Wi-Fi 7 mit Triband Unterstützung und bis zu 7,3Gbit/s, Bluetooth wechselt von Version 6.0 auf 6.2 und verkürzt damit unter anderem die Verbindungsintervalle auf bis zu 375 Mikrosekunden, was vor allem bei Controllern oder VR Zubehör spürbar sein dürfte, zudem lässt sich die Entfernungsmessung per Channel Sounding besser gegen Angriffe absichern. Bei der Standortbestimmung über GNSS nennt Mediatek eine um bis zu 65 Prozent verbesserte Energieeffizienz gegenüber dem Vorgänger. Bei der Sicherheit setzt der Chip auf ein Hardware Root of Trust, eine Absicherung gegen künftige Quantencomputer Angriffe sowie eine über Hypervisor Isolation abgesicherte KI Verarbeitung, die Mediatek als AISeal bezeichnet.
Erste Smartphones mit dem Dimensity 9600 Pro sollen laut Mediatek noch in diesem Monat in China vorgestellt werden, mit dem Vivo X500 Pro, dem X500 Pro Max sowie dem Oppo Find X10 (Pro Max) als bislang offiziell bestätigten Modellen. Für den internationalen Markt hat Oppo eine Vermarktung des Find X10 Pro Max mit demselben Chip bereits zugesagt, während zum Vivo X500 Pro bislang nur der China Start feststeht. Mit dem Dimensity 9600M positioniert Mediatek zusätzlich eine im günstigeren 3nm Verfahren gefertigte Variante für ein breiteres, günstigeres Flaggschiff Segment, zu der aber noch keine detaillierten technischen Daten vorliegen. Der Chip dürfte weitgehend auf dem Dimensity 9500 basieren.
Mediatek Manager JC Hsu erklärte gegenüber Reuters, dass man gemeinsam mit den Geräteherstellern nach Wegen suche, die steigenden Bauteilkosten möglichst nicht in voller Höhe an die Kundschaft weiterzugeben, sehe zugleich aber auch die Möglichkeit, dass leistungsfähigere Hardware und neue KI Funktionen höhere Preise für Flaggschiff Smartphones zunehmend zur Regel machen. Sollte dies eintreten, muss sich zeigen, ob die Kunden das Spielchen mitspielen werden oder der Fokus künftig verstärkt in Richtung günstigere "Performance Flagships" geht.
Während der Beitrag geschrieben wurde, ging auch das Datenblatt zum Dimensity 9600M online, sodass wir auch dazu noch die technischen Daten klären können. Wie vermutet, handelt es sich im Kern um einen Dimensity 9500 mit derselben CPU und GPU, unveränderten Taktraten und Fertigung im N3P Prozess von TSMC. Die Neuerungen beschränken sich auf Details. Die Dimensity Scheduling Engine wurde auf Version 3.0 aktualisiert. Zudem soll der Chip in Spielen höhere Frameraten von bis zu 185fps per Frame Interpolation erzielen können. Für die NPU wurde Unterstützung für die KI Modelle Gemini Nano 4 und Qwen 3.5 Omni 4B nachgereicht. Zudem gibt es einen neuen Kamera Agenten, welcher beim Fotografieren in Echtzeit Ratschläge erteilen kann. Für den Alltag dürfte also in der Regel alles beim Alten bleiben.
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