Vivo hat in den vergangenen Tagen erneut mehrere Teaser zur kommenden X500 Serie veröffentlicht, diesmal mit Fokus auf das Basismodell ohne Pro Zusatz. Produktmanager Han Boxiao meldete sich am 3. September gleich zweimal auf Weibo zu Wort, zunächst mit den Kamera Daten des Vivo X500, am Nachmittag folgte ein ausführlicher technischer Einblick in die Sensorik der Serie. Bereits am Tag zuvor hatte Vivo zudem den Starttermin für die neue Softwareversion OriginOS7 bestätigt.
Zu den Kameras der beiden Pro Modelle hatte Vivo bereits zuvor Details veröffentlicht, darunter der neue Hauptsensor Lytia 900 für X500 Pro und Pro Max sowie die gemeinsam mit Sony entwickelte Telekamera. Mit den aktuellen Beiträgen ergänzt der Hersteller nun vor allem die Kamera Ausstattung des Basismodells und liefert gleichzeitig Hintergründe zur verbauten Sensortechnik.
Laut Han Boxiao erhält das Vivo X500 als Hauptkamera denselben 50MP Sensor, der bereits im Vivo X300 Pro (derzeit ca. 707€ bei TradingShenzhen*) zum Einsatz kommt. Der von Vivo und Sony gemeinsam entwickelte Sensor mit der Bezeichnung Lytia 828 misst 1/1,28 Zoll und ist laut Hersteller der größte jemals in einem Standardmodell der X Serie verbaute Hauptsensor. Dazu kommt die aus dem Pro Modell bekannte Zeiss Gimbal Stabilisierung mit CIPA 5,5 Bewertung. Im Vorjahr hatte das Vivo X300 Standardmodell noch einen eigens für dieses Modell entwickelten 200MP Sensor mit der Bezeichnung HPB erhalten. In diesem Jahr geht Vivo den umgekehrten Weg: Statt eines eigenen Sensors bekommt das Basismodell die Sensorik, die im Vorjahr dem Pro Modell vorbehalten war. Dabei tauscht man Auflösung gegen Sensorgröße ein.
Bei der Telekamera setzt das Vivo X500 auf einen 64MP Periskop Sensor von Sony mit der Bezeichnung Lytia 610, denselben Chip, den auch das Vivo X500 Pro in seiner APO Telekamera nutzt. Auch hier ist eine CIPA 5,5 Stabilisierung mit an Bord, dazu unterstützt die Kamera Zeitlupenvideos in 4K120fps. Laut Han Boxiao ist das Vivo X500 zudem das einzige Smartphone der Branche, das einen besonders kompakten Telekonverter unterstützt. Laut Hersteller soll der Konverter das Basismodell auch für Konzertfotos oder weit entfernte Motive geeignet machen. Mit dieser Kombination aus Pro tauglicher Haupt und Telekamera bewirbt Vivo das X500 unter dem bereits etablierten Slogan der Serie als "erste Wahl für Fotos, einzige Wahl für Video".
Im zweiten Beitrag des Tages ging Han Boxiao ausführlich auf die Sensortechnik der Pro Serie ein, konkret auf den neuen Hauptsensor Lytia 900, der laut eigener Einschätzung des Produktmanagers zu den technisch stärksten Kamerasensoren zählt, die er bislang gesehen hat. Der Sensor kommt im Vivo X500 Pro und Pro Max zum Einsatz und nutzt eine Technik namens Lofic, bei der ein zusätzlicher Kondensator überschüssige Ladung aus besonders hellen Bildbereichen aufnimmt. Dadurch lässt sich der Dynamikumfang deutlich erhöhen, im Fall des Lytia 900 laut Vivo auf 17EV bei realen Messwerten, rein rechnerisch unter Einbeziehung aller theoretischen Werte auf über 18EV. Die sogenannte Full Well Capacity, also die maximale Ladungsmenge pro Pixel und damit ein zentraler Faktor für den Dynamikumfang, soll bei rund 250.000 Elektronen liegen, nach Angaben des Herstellers das Fünf- bis Sechsfache klassischer Sensoren und deutlich über den rund 150.000 Elektronen konkurrierender Techniken ohne Lofic.
Han Boxiao ordnet die Technik dabei auch kritisch ein: Der zusätzliche Kondensator sorgt zwar für mehr Dynamikumfang, hat in der Vergangenheit aber häufig zu höherem Bildrauschen und höherem Stromverbrauch geführt, unter anderem durch Störsignale am Übergang zwischen den beiden Ladungspfaden. Lofic kam laut dem Produktmanager bislang vor allem in Fahrzeug und Sicherheitskameras zum Einsatz, wo ein hoher Dynamikumfang wichtiger ist als eine makellose Bildqualität, weshalb manche Smartphone Hersteller bislang auf alternative Techniken mit geringerem, aber stabilerem Dynamikumfang setzten.
Beim Lytia 900 soll laut Vivo genau dieses Problem gelöst worden sein. Das Ausleserauschen soll bei 0,75 Elektronen liegen, nach Angaben von Han Boxiao der bislang niedrigste Wert am Markt. Vergleichbare Sensoren liegen laut dem Produktmanager meist zwischen 1,5 und 2 Elektronen, bei hochauflösenden oder anderen Lofic Sensoren teils bei bis zu 2,2 Elektronen, ein Wert von 1,5 Elektronen galt bislang als sehr gut. Auch beim Farbrauschen beziehungsweise Übersprechen zwischen benachbarten Pixeln, was Vivo mit dem Kürzel CNG angibt, soll der Sensor mit einem Wert von 1,38 besser abschneiden als die Vorgängergeneration vergleichbarer Sony Sensoren mit einem Wert von 1,6, gewöhnliche Flaggschiff Sensoren liegen laut Han Boxiao meist bei rund 2.
Nach Angaben von Han Boxiao führt Sony den hier als Lytia 900 bezeichneten Sensor intern unter der Bezeichnung LYT910. Er verweist zudem darauf, dass die Verbesserungen bei Auslese und Farbrauschen bereits in den Vorgängersensoren LYT818 und LYT828 angelegt waren, jenen Chips, die unter anderem im Vivo X300 Pro und nun auch im Vivo X500 Basismodell stecken. Die gute Kamera Bewertung des X300 Pro erklärt Han Boxiao entsprechend auch mit dieser Sensor Grundlage, ebenso seine Erwartung an die Leistung des X500 Standardmodells. Trotz der zusätzlichen Ladungspfade soll der Stromverbrauch bei 4K Videoaufnahmen um 30 Prozent gesunken sein, dazu nennt Han Boxiao eine höhere Auslesegeschwindigkeit, die natives 4k Video mit 240fps ermöglicht, was ja zuvor schon angeteasert wurde. Auch bei Einzelbildern mit hohem Dynamikumfang, etwa im DCG oder TCG Modus, bleibe der Sensor selbst bei zweifachem Zoom leistungsfähig, was laut dem Produktmanager besonders für Videoaufnahmen wichtig ist, da sich Mehrbild HDR Verfahren dort anders als bei Fotos kaum anwenden lassen. Zum bereits aus früheren Beiträgen bekannten Telesensor Lytia 610 mit seiner RB2×2 GG1×1 Pixelstruktur äußerte sich Han Boxiao nur kurz. Die eigentliche Herausforderung liege hier nicht in der Hardware, sondern in der Bildverarbeitung, die gleichzeitig volle Auflösung und zuverlässigen Autofokus aus denselben Pixeln herausholen muss.
Bereits am 2. September, einen Tag vor den Kamera Beiträgen, hatte Han Boxiao den Starttermin für OriginOS 7 bekanntgegeben. Die auf Android 17 basierende Softwareversion soll am 16. September auf der diesjährigen Vivo Entwicklerkonferenz vorgestellt werden und ab Werk auf der X500 Serie laufen.
Im Mittelpunkt des aktuellen Beitrags steht der sogenannte Atomic Workbench, ein Multitasking Feature, das bislang den faltbaren Vivo X Fold Modellen vorbehalten war und nun erstmals auch auf regulären Smartphones der X500 Serie verfügbar sein soll. Ob das Feature auch auf ältere Modelle wie der X300 Serie kommt, bleibt erstmal offen. Mit dem Atomic Workbench lassen sich bis zu fünf Apps gleichzeitig auf einem Bildschirm offen halten und schnell nacheinander durchschalten, etwa um Berichte, E Mails, Nachrichten und Recherche Material parallel im Blick zu behalten.
Laut Han Boxiao steckt hinter der Funktion einiges an technischem Aufwand, da Android im Grundzustand nur die Vordergrund App priorisiert und alle anderen Apps im Hintergrund einfriert. Vivo hat dafür eigenen Angaben zufolge einen mehrstufigen Scheduling Algorithmus entwickelt, der Rechenleistung einzelbildgenau verteilt, zudem wurde die Speicherverwaltung überarbeitet und eng mit Mediatek auf Ebene des Befehlssatzes der Dimensity Plattform abgestimmt, damit mehr Apps aktiv im Speicher bleiben können. Für die gleichzeitige Darstellung mehrerer Fenster musste laut Han Boxiao zusätzlich die Rendering Logik neu geschrieben werden, damit die GPU mehrere Fenster parallel zusammensetzen kann. Der Produktmanager räumt dabei auch die Kehrseite ein: Durch die tiefen Eingriffe ins Android Framework steigt der Wartungsaufwand bei jedem größeren Google Update spürbar, da die Anpassungen jeweils neu vorgenommen werden müssen. Vivo will die Funktion nach eigener Aussage dennoch langfristig weiterpflegen.
Ergänzt wird der Atomic Workbench durch eine zweite Neuerung im Bereich der Systemanimationen. Bislang mussten Nutzer bei manchen Wischgesten warten, bis eine laufende Animation abgeschlossen ist, bevor das System auf eine neue Eingabe reagiert. Laut Han Boxiao wurden dafür sowohl die Touch Erkennung als auch die App Wechsel Steuerung überarbeitet, sodass Fingereingaben künftig direkt priorisiert und ohne Verzögerung umgesetzt werden sollen. Dadurch soll sich die Reaktionsfreudigkeit des Systems weiter verbessern. Beide Funktionen sind laut Vivo Teil einer umfassenderen Überarbeitung der sogenannten Blue River Engine, weitere Details will der Hersteller auf der Entwicklerkonferenz am 16. September nachreichen.
Quelle(n): Vivo (Weibo)
Kommentare