Nach der Vorstellung der High-End-Modelle Snapdragon X2 Elite und X2 Elite Extreme im September 2025 hat Qualcomm zur CES 2026 die neue Snapdragon X2 Plus Serie präsentiert. Die Mittelklasse-Prozessoren sollen ARM-basierte Windows Laptops für ein breiteres Publikum zugänglich machen, ohne dabei auf wesentliche Funktionen wie KI-Beschleunigung und moderne Konnektivität zu verzichten.
Die Snapdragon X2 Plus Serie umfasst zwei Modelle: den 10-Kern-Prozessor X2P-64-100 und die 6-Kern-Variante X2P-42-100. Beide Chips basieren auf der dritten Generation der Oryon-CPU-Architektur und werden bei TSMC im 3-Nanometer-Verfahren gefertigt. Die Kernaufteilung folgt dabei dem Konzept der teureren Elite-Modelle mit einer Unterscheidung zwischen Prime- und Performance-Kernen.
Das 10-Kern-Modell X2P-64-100 verfügt über sechs Prime-Kerne und vier Performance-Kerne, während die 6-Kern-Variante X2P-42-100 ausschließlich auf sechs Prime-Kerne setzt. Beide Prozessoren erreichen eine maximale Taktfrequenz von 4,0 GHz. Der Unterschied in der Cache-Ausstattung ist deutlich: Das 10-Kern-Modell bietet 34 MB, während die kleinere Variante 22 MB Cache mitbringt.
Bei der integrierten Grafik setzen beide Modelle auf die Adreno X2-45 GPU, allerdings mit unterschiedlichen Taktfrequenzen. Die GPU im 10-Kern-Modell erreicht bis zu 1,7 GHz, während die 6-Kern-Variante mit 0,9 GHz arbeitet. Trotz dieser Unterschiede verspricht Qualcomm für beide Varianten eine um 29 Prozent verbesserte Grafikleistung gegenüber der Vorgängergeneration Snapdragon X Plus.
Ein besonderes Merkmal der X2 Plus Serie ist die leistungsstarke NPU. Beide Modelle verfügen über eine Hexagon NPU mit 80 TOPS, womit sie auf dem gleichen Niveau wie die teureren Elite-Modelle liegen. Dies qualifiziert die Prozessoren für Windows 11 Copilot+ PCs und ermöglicht die lokale Ausführung von KI-Modellen ohne Cloud-Anbindung. Im Vergleich zur Konkurrenz setzt Qualcomm damit neue Maßstäbe: Intels Core Ultra 200V erreicht maximal 48 TOPS, AMDs Ryzen AI 300 Serie kommt auf 50 bis 55 TOPS.
Die Prozessoren unterstützen bis zu 128 GB LPDDR5X-9523 Arbeitsspeicher über einen 128-Bit-Speicherbus mit einer Bandbreite von 152 GB/s. Die Anbindung von Speichermedien erfolgt über PCIe 5.0 mit acht Lanes für NVMe-SSDs. Zusätzlich wird UFS 4.0 unterstützt, was besonders für kompakte Designs interessant sein dürfte.
Bei der Konnektivität müssen Anwender keine Kompromisse eingehen. Wi-Fi 7 über den FastConnect 7800 Chip, Bluetooth 5.4 und optionales 5G über das Snapdragon X75 Modem sind verfügbar. Drei USB4-Anschlüsse mit 40 Gbit/s sowie die Unterstützung für bis zu drei externe 4K-Displays mit 144Hz runden das Paket ab.
Qualcomm macht umfangreiche Leistungsversprechen für die neue X2 Plus Serie. Im Vergleich zur ersten Generation Snapdragon X Plus soll das 10-Kern-Modell X2P-64-100 eine um 35 Prozent höhere Single-Core-Leistung und 17 Prozent bessere Multi-Core-Performance erreichen. Die 6-Kern-Variante bietet ebenfalls 35 Prozent mehr Single-Core-Leistung, aber nur 10 Prozent Zuwachs bei Multi-Core-Aufgaben.
In Geekbench 6.5 erreichte ein Referenzsystem mit dem X2P-64-100 laut Qualcomm 3.323 Punkte im Single-Core- und 15.084 Punkte im Multi-Core-Test. Im Vergleich zur x86-Konkurrenz soll der 10-Kern-X2-Plus bei gleicher Leistungsaufnahme eine 3,5-fach höhere Single-Core- und 3,1-fach höhere Multi-Core-Leistung als Intels Core Ultra 7 265U erreichen.
Bei KI-Anwendungen demonstriert die starke NPU ihre Vorteile. In Geekbench AI erreicht die X2 Plus NPU laut Qualcomm 83.624 Punkte, was etwa sechsmal so viel wie Intels Core Ultra 7 265U ist. Diese Werte unterstreichen Qualcomm's Fokus auf KI-Beschleunigung als Differenzierungsmerkmal.
Ein zentrales Argument für ARM-Prozessoren bleibt die Energieeffizienz. Qualcomm verspricht für den X2 Plus eine um 35 Prozent höhere CPU-Performance bei gleichzeitig 43 Prozent geringerem Stromverbrauch gegenüber dem Vorgänger. Dies soll sich in einer Akkulaufzeit über mehrere Tage niederschlagen, wobei die tatsächliche Laufzeit natürlich von der Akkugröße und Nutzung abhängt. Qualcomm betont, dass die Leistung auch im Akkubetrieb nicht einbricht. Die Lastverteilung zwischen CPU, GPU und NPU erfolgt optimiert, um die Leistungsaufnahme zu minimieren.
Ein traditionelles Problem von Windows on ARM ist die Software-Kompatibilität. Qualcomm gibt an, dass zum Launch mehr als 90 Prozent der meistgespielten Spiele auf der X2 Plus Plattform lauffähig sein sollen. Tausende Windows-Anwendungen werden unterstützt, native Unterstützung gibt es für DirectX 12.2 Ultimate, Vulkan 1.4 und OpenCL 3.0.
Die Weiterentwicklung der Emulationsschicht von Microsoft sowie die zunehmende Anzahl nativer ARM64-Anwendungen verbessern die Situation kontinuierlich. Professionelle Anwendungen wie DaVinci Resolve oder die Adobe Suite sind mittlerweile als stabile ARM-Versionen verfügbar.
Mit der X2 Plus Serie vervollständigt Qualcomm sein Produktportfolio für Windows on ARM. Das Angebot umfasst nun den X2 Elite Extreme für High-End-Systeme, den X2 Elite für Premium-Ultrabooks und den X2 Plus für Mainstream-Geräte. Dies ermöglicht Herstellern eine flexible Produktpositionierung über verschiedene Preissegmente hinweg.
Im Vergleich zur Elite-Serie verzichtet die Plus-Variante auf die höchsten Taktraten und reduziert die Kernanzahl. Die NPU-Leistung und die grundlegende Funktionsausstattung bleiben jedoch identisch. Dies dürfte besonders für kompakte Geräte ohne oder mit eingeschränkter aktiver Kühlung interessant sein, wo die Leistungsaufnahme kritischer ist als die absolute Performance.
Die ersten Laptops mit Snapdragon X2 Plus Prozessoren sollen im ersten Halbjahr 2026 auf den Markt kommen. Qualcomm nennt Ende Juni als Zieltermin. Bereits zur CES wurden erste Geräte von Herstellern wie HP, Lenovo und Asus angekündigt. Das Portfolio soll dabei vom schlanken Ultrabook über 2-in-1-Geräte bis zu lüfterlosen Designs reichen. Die Preisspanne für Laptops mit X2 Plus Prozessoren wird auf 799 bis 1.299 US-Dollar geschätzt, wobei die aktuell steigenden Speicherpreise die Endpreise beeinflussen könnten. Damit positioniert sich die Serie zwischen Einstiegsgeräten und Premium-Ultrabooks und adressiert einen Markt, der bisher überwiegend von Intel- und AMD-Prozessoren dominiert wird.
Quellen
Qualcomm
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