Qualcomm hat im Rahmen der Snapdragon Summit 2026 offiziell seine neuen Flaggschiff Chipsätze für Android Smartphones vorgestellt. Erstmals kommen dabei zwei getrennte SoCs für das Spitzensegment auf den Markt: der Snapdragon 8 Elite Gen 6 als direkter Nachfolger des Snapdragon 8 Elite Gen 5 sowie der Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6, der zusätzliche Funktionen bei Grafik, KI und Video mitbringt. Beide Chips werden im 2nm Verfahren gefertigt und tragen laut Datenblatt die internen Bezeichnungen SM8950 (Elite Gen 6) beziehungsweise SM8975 (Elite Extreme Gen 6).
Mit der Aufteilung in zwei Varianten verfolgt Qualcomm nach eigenen Angaben eine Zwei Stufen Strategie im Flaggschiff Segment, die Herstellern mehr Auswahl bei der Ausstattung geben soll. Der Extreme Gen 6 baut dabei auf dem Elite Gen 6 auf und ergänzt ihn um zusätzliche Hardware bei GPU und NPU sowie erweiterte Videofähigkeiten, während CPU, Modem und WLAN Ausstattung bei beiden Chips weitgehend identisch bleiben.
Als Launchpartner für die neuen Chips nennt Qualcomm unter anderem Honor, iQOO, Motorola, Nubia, OnePlus, Oppo, Redmi, RedMagic, Vivo, Xiaomi und ZTE. Samsung fehlt in der Liste, was zum gewohnten Muster passt: Der größte Qualcomm Abnehmer kündigt den Einsatz in eigenen Geräten meist erst näher am eigenen Produktlaunch an.
Im Zentrum beider Chips steht die vierte Generation der hauseigenen Qualcomm Oryon CPU Kerne. Beim Snapdragon 8 Elite Gen 6 und beim Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 kommen jeweils zwei Prime Kerne mit bis zu 5GHz Takt sowie sechs Performance Kerne mit bis zu 4GHz Takt zum Einsatz. Damit ist es laut Qualcomm der erste Mobilprozessor am Markt, der die 5GHz Marke erreicht.
Bei der CPU Leistung unterscheiden sich beide Chips leicht, obwohl die Taktraten identisch ausfallen: Qualcomm beziffert das Leistungsplus gegenüber dem Snapdragon 8 Elite Gen 5 beim Elite Gen 6 mit 10 Prozent, beim Extreme Gen 6 mit 13 Prozent. Bei der Effizienz gibt der Hersteller für beide Chips ein Plus von 37 Prozent an. Für den Level 2 Cache setzt Qualcomm bei beiden Chips auf einen gemeinsamen Pool von 16MB, den sich alle acht Kerne teilen, statt wie bisher getrennte Cache Bereiche für Prime und Performance Kerne vorzuhalten.
Für KI Aufgaben setzen beide Chips auf eine überarbeitete Hexagon NPU mit einem neuen Element Accelerator, der laut Qualcomm gezielt elementweise Rechenoperationen bei großen Sprachmodellen übernimmt und diese effizienter abarbeiten soll als die bisherigen Scalar und Vector Einheiten allein. Die NPU Konfiguration mit 12 Scalar, 8 Vector und je einmal Tensor und Element Einheiten ist bei beiden Chips identisch, ebenso die Unterstützung für die Formate INT2, INT4, INT8, INT16, FP8 und FP16.
Der wesentliche Unterschied liegt beim Speicher: Der Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 erhält laut Qualcomm einen um 50 Prozent vergrößerten gemeinsamen Speicherbereich innerhalb der NPU. Der Hersteller nennt dafür explizit sogenannte Mixture of Experts Modelle mit über 30 Milliarden Parametern, die dadurch direkt auf dem Gerät statt in der Cloud laufen sollen. Der Snapdragon 8 Elite Gen 6 verzichtet auf diese Vergrößerung und setzt stattdessen auf eine 64-Bit Speichervirtualisierung. Bei der reinen NPU Leistung nennt Qualcomm für den Elite Gen 6 ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorgänger bei bis zu 20 Prozent besserer Leistung pro Watt, beim Extreme Gen 6 liegen die Werte bei 35 Prozent mehr Leistung und bis zu 33 Prozent besserer Effizienz pro Watt.
Ergänzt wird die NPU bei beiden Chips durch den Qualcomm Sensing Hub mit zwei dedizierten Micro NPUs, der Kontext aus Gewohnheiten, Umgebung und Nutzung direkt auf dem Gerät auswerten soll, unter anderem für den sogenannten Personal Scribe, der Informationen aus Nachrichten und Mails in einen persönlichen Wissensgraphen überführt. Für den Extreme Gen 6 nennt Qualcomm hierbei ein Leistungsplus von bis zu 85 Prozent, eine vergleichbare Angabe für den Elite Gen 6 liegt nicht vor.
Bei der Grafikeinheit fällt der Unterschied zwischen beiden Chips am deutlichsten aus. Die Adreno GPU des Snapdragon 8 Elite Gen 6 bringt es laut Qualcomm auf ein Leistungsplus von 35 Prozent gegenüber dem Vorgänger bei 40 Prozent besserer Effizienz, der Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 kommt auf 44 Prozent mehr Leistung bei ebenfalls 40 Prozent Effizienzgewinn. Als dedizierten Grafikspeicher nennt Qualcomm für den Extreme Gen 6 18MB, für den Elite Gen 6 12MB.
Exklusiv dem Extreme Gen 6 vorbehalten bleiben die neuen Adreno Matrix Cores und die darauf aufbauende Adreno Neural Fusion Technologie. Dabei handelt es sich um zusätzliche, für KI Berechnungen optimierte Recheneinheiten direkt in der GPU (quasi eine Art von Tensor Cores), die unter anderem für KI gestützte Superauflösung und Frame Generation genutzt werden. Laut Qualcomm sollen dadurch Grafikeffekte auf Konsolenniveau bei geringerem Energieverbrauch möglich sein, inklusive Unterstützung gängiger Game Engines. Der Elite Gen 6 bleibt bei einer klassischen Adreno GPU ohne diese zusätzlichen KI Kerne, unterstützt aber weiterhin Hardware beschleunigtes Raytracing mit Lumen Global Illumination sowie Nanite Virtualized Geometry für detailreiche Spielwelten.
Beim Bildprozessor setzen beide Chips auf denselben Spectra Triple ISP mit 20-Bit AI Verarbeitung. Fotos sind laut Datenblatt mit einer Triple Kamera bis 64MP, mit einer Einzelkamera bis 108MP sowie in Summe bis zu 320MP möglich, jeweils mit Zero Shutter Lag. Bei der Videoaufnahme trennen sich die Wege: Der Snapdragon 8 Elite Gen 6 nimmt Videos bis 8k bei 30 Bilder pro Sekunde auf, Zeitlupen sind in 4k bis 120 Bilder pro Sekunde und in 1080p bis 960 Bilder pro Sekunde möglich. Der Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 legt nach und erlaubt 8k Aufnahmen bei 60 Bildern pro Sekunde sowie 4k Zeitlupen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde, zusätzlich nennt Qualcomm für den Extreme Gen 6 einen speziellen Pro Sight Aufnahmemodus. Beide Chips unterstützen laut Datenblatt zudem das professionelle APV Videoformat, eine vollständige Videoproduktion direkt auf dem Smartphone bewirbt Qualcomm allerdings ausschließlich für den Extreme Gen 6.
Beim Mobilfunk kommt bei beiden Chips das integrierte Qualcomm X105 5G Modem RF System zum Einsatz, mit Downloadraten von bis zu 14,8Gbps und Uploadraten von bis zu 4,2Gbps. Beim Extreme Gen 6 nennt Qualcomm für den Sub 6GHz Bereich ein 4x6 MIMO System, beim Elite Gen 6 sind es 4x4 MIMO Antennen, im mmWave Bereich sind beide Chips mit 2x2 MIMO und bis zu acht Trägern identisch ausgestattet. Für WLAN Verbindungen ist bei beiden Chips das Qualcomm FastConnect 8800 System mit Unterstützung für Wi-Fi 8, Wi-Fi 7 und Wi-Fi 6 sowie Bluetooth 6.0 und Ultra Wideband zuständig, die Brutto-Downloadraten liegen laut Datenblatt bei rund 11,6Gbps.
Beim Speicher unterstützen beide Chips LPDDR5X sowie LPDDR6 Arbeitsspeicher mit bis zu 5300MHz und einer maximalen Kapazität von 24GB. Beim internen Speicherstandard trennen sich die Wege erneut: Der Elite Gen 6 bleibt bei UFS 4.1, der Extreme Gen 6 unterstützt bereits UFS 5.0. Bei der Sicherheit setzen beide Chips auf den Qualcomm 3D Sonic Sensor Max für die Fingerabdruckerkennung sowie auf eine Trust Management Engine, eine Type 1 Hypervisor Isolation und eine dedizierte Secure Processing Unit.
Konkrete Geräte mit den neuen Chips lassen nicht lange auf sich warten. Xiaomi hat den Einsatz in der Xiaomi 18 Serie bereits bestätigt, der Launch in China ist für heute angesetzt, ein globaler Verkaufsstart soll später folgen. Motorola hat den Einsatz des Extreme Gen 6 im kommenden Signature 27 bestätigt und dieses auch schon präsentiert. Auch für das OnePlus 16 und das iQOO 16 werden die neuen Chips erwartet, offizielle Bestätigungen der Hersteller zur konkreten Chipvariante stehen dazu allerdings noch aus.
Mit der Aufteilung in zwei Varianten dürfte sich das obere Preissegment bei Android Flaggschiffen weiter ausdifferenzieren: Hersteller, die alle neuen Funktionen bei Grafik und KI mitnehmen wollen, brauchen künftig den teureren Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6, während der Elite Gen 6 bei CPU Leistung und Grundausstattung kaum Abstriche verlangt. Wer zuerst mit einem der beiden Chips in Europa startet, dürfte sich in den kommenden Wochen rund um die ersten China Launches zeigen.
| Snapdragon 8 Elite Gen 6 SM8950 (2nm) | Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 SM8975 (2nm) |
| On Device Display bis QHD+ bei 240Hz Externe Displays bis 4k bei 120Hz bzw. 8k bei 30Hz HDR10, HDR10+, HDR Vivid, Dolby Vision, 10Bit, Rec.2020 | On Device Display bis QHD+ bei 240Hz Externe Displays bis 4k bei 120Hz bzw. 8k bei 30Hz HDR10, HDR10+, HDR Vivid, Dolby Vision, 10Bit, Rec.2020 |
| Qualcomm Oryon CPU (4. Generation) 2 Prime Kerne bis 5GHz 6 Performance Kerne bis 4GHz 16MB Oryon FlexCache Adreno GPU ohne dedizierte Matrix Cores CPU Leistung +10%, Effizienz +37% (laut Qualcomm) GPU Leistung +35%, Effizienz +40% (laut Qualcomm) 12MB Adreno HPM | Qualcomm Oryon CPU (4. Generation) 2 Prime Kerne bis 5GHz 6 Performance Kerne bis 4GHz 16MB Oryon FlexCache Adreno GPU mit Matrix Cores und Adreno Neural Fusion CPU Leistung +13%, Effizienz +37% (laut Qualcomm) GPU Leistung +44%, Effizienz +40% (laut Qualcomm) 18MB Adreno HPM |
| LPDDR5X / LPDDR6, bis 5300MHz, bis zu 24GB UFS 4.1 | LPDDR5X / LPDDR6, bis 5300MHz, bis zu 24GB UFS 5.0 |
| Spectra Triple ISP 20-Bit AI ISP Triple Kamera bis 64MP, Einzelkamera bis 108MP, bis 320MP Fotoauflösung Zero Shutter Lag Video bis 8k@30fps 4k Zeitlupe bis 120fps, 1080p Zeitlupe bis 960fps | Spectra Triple ISP 20-Bit AI ISP Triple Kamera bis 64MP, Einzelkamera bis 108MP, bis 320MP Fotoauflösung Zero Shutter Lag Video bis 8k@60fps, 4k Zeitlupe bis 240fps, 1080p Zeitlupe bis 960fps Zusätzlich Pro Sight Modus |
| Qualcomm X105 5G Modem RF System Downlink bis 14,8Gbps, Uplink bis 4,2Gbps 4x4 MIMO (Sub6), 2x2 MIMO (mmWave, 8 Träger) FastConnect 8800 Wi-Fi 8/7/6, bis 11,6Gbps Bluetooth 6.0, Ultra Wideband, Thread | Qualcomm X105 5G Modem RF System Downlink bis 14,8Gbps, Uplink bis 4,2Gbps 4x4 MIMO (Sub6), 2x2 MIMO (mmWave, 8 Träger) FastConnect 8800 Wi-Fi 8/7/6, bis 11,6Gbps Bluetooth 6.0, Ultra Wideband, Thread |
| Trust Management Engine, TEE Type 1 Hypervisor Secure Processing Unit USB-C mit DisplayPort, USB 3.1 Gen2 Snapdragon Sound Suite, Aqstic Codec, aptX Adaptive/Lossless/Voice Triple Frequenz GNSS, Sidewalk Level Genauigkeit | Trust Management Engine, TEE Type 1 Hypervisor Secure Processing Unit USB-C mit DisplayPort, USB 3.1 Gen2 Snapdragon Sound Suite, Aqstic Codec, aptX Adaptive/Lossless/Voice Triple Frequenz GNSS, Sidewalk Level Genauigkeit |
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