Qualcomm hat am 2. September in einem offiziellen Blogbeitrag weitere Details zur kommenden Flaggschiff Plattform veröffentlicht, diesmal zur Grafikeinheit. Im Zentrum steht eine neue Technologie namens Adreno Neural Fusion, die KI gestütztes Rendering direkt in die Grafikpipeline verlagert, ergänzt um dedizierte KI Kerne sowie einen vergrößerten, lokalen Speicherblock für die GPU. Die eigentliche Vorstellung des neuen Chips findet erst auf der Snapdragon Summit vom 22. bis 24. September in Maui statt, Qualcomm liefert aber wie schon in den vergangenen Wochen vorab einzelne Bausteine.
Erst kürzlich hatte der Hersteller in einem separaten Blogbeitrag den nach eigenen Angaben ersten mobilen Prozessorkern mit 5GHz Takt sowie die neue Oryon FlexCache Architektur für die CPU vorgestellt. Einen konkreten Produktnamen für den neuen Chip nennt Qualcomm auch im aktuellen Beitrag nicht, ebenso wenig Details zur NPU. Leaks gehen derzeit von Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 für den Spitzenausbau aus. Eine "abgespeckte" Variante soll als Snapdragon 8 Elite Gen 6 erscheinen.
Kern der Ankündigung ist Adreno Neural Fusion, eine laut Qualcomm neue Rendering Technologie, die neuronale Verarbeitung, KI gestützte Superauflösung und Frame Generation in einer gemeinsamen Grafikpipeline zusammenführt. Ziel ist laut Hersteller eine höhere Bildqualität bei gleichzeitig geringeren Rechenkosten und niedrigerem Stromverbrauch.
Qualcomm nennt dabei explizit die bekannten Schwächen bisheriger mobiler Upscaling Verfahren: flimmernde Details, Ghosting Artefakte bei schnellen Bewegungen sowie eine gegenüber nativer Auflösung oft weichere Bildwirkung. Adreno Neural Fusion soll diese Kompromisse laut Hersteller deutlich reduzieren und dabei sowohl Detailschärfe als auch Bewegungsklarheit erhalten.
Wer die Entwicklung im PC Bereich verfolgt hat, erkennt hier eine naheliegende Parallele zu Nvidia's DLSS Verfahren, das ebenfalls niedrig aufgelöste Bilder per KI hochrechnet, statt nativ in voller Auflösung zu rendern. Für Smartphones mit ihren engeren Leistungs- und Akkugrenzen ist der Ansatz allerdings deutlich anspruchsvoller umzusetzen als auf einer Grafikkarte mit eigenem Kühlkörper und Netzteil.
Technisch stützt sich Adreno Neural Fusion auf zwei neue Hardware Bausteine. Zum einen führt Qualcomm mit den Adreno Matrix Cores erstmals dedizierte KI Recheneinheiten direkt in der Grafikpipeline ein, die eigenständig KI Modelle ausführen können, statt Daten für die Berechnung an NPU oder CPU auszulagern. Laut Qualcomm ist das ein Novum für die Adreno GPU Reihe und zugleich ein weiterer Baustein der bestehenden KI Beschleunigung, die inzwischen NPU, CPU und GPU gleichermaßen umfasst. Die zuvor vorgestellte Oryon FlexCache Architektur für die CPU fügt sich damit in dasselbe größere Bild.
Zum anderen ergänzt Qualcomm die auf der bestehenden Adreno Architektur mit drei GPU Slices aufbauende neue Generation um einen 18MB großen, dedizierten Speicherblock namens Adreno High Performance Memory, kurz HPM. Dieser soll laut Hersteller Kacheln beim Tile basierten Rendering, Framebuffer sowie Compute Workloads direkt am Grafikchip vorhalten, statt sie wiederholt aus dem langsameren Systemspeicher (RAM) zu laden. Weniger Datenverkehr zwischen GPU und Hauptspeicher bedeutet laut Qualcomm niedrigere Latenz, höhere Effizienz und in der Praxis längere Spielsessions, bevor der Akku zur Neige geht.
Für Entwickler wichtig: Qualcomm positioniert Adreno Neural Fusion nach eigenen Angaben als die erste mobile KI Superauflösungstechnologie ihrer Art, die bereits kommerziell verfügbar ist und direkt in den beiden großen Spiele Engines Unity und Unreal Engine zur Verfügung steht. Studios sollen die Bild und Leistungsverbesserungen damit ohne eigene Implementierung nutzen können, statt auf künftige Engine Updates warten zu müssen. Wie schnell und in welchem Umfang Spielehersteller die Technologie tatsächlich einsetzen, bleibt trotz der Verfügbarkeit vorerst offen, das hängt am Ende von der Bereitschaft der Studios ab, ihre Titel entsprechend anzupassen.
Zu konkreten Taktraten der neuen GPU oder zu einer prozentualen Leistungs- oder Effizienzsteigerung äußert sich Qualcomm im aktuellen Blogbeitrag nicht. Im Umfeld der Ankündigung kursieren bereits Angaben zu einem GPU Takt von 1,45GHz gegenüber 1,2GHz beim Snapdragon 8 Elite Gen 5 sowie zu einer um 12 Prozent verbesserten Effizienz durch den HPM Speicher und einer insgesamt bis zu 40 Prozent höheren Leistung beziehungsweise einem entsprechend geringeren Stromverbrauch. Da diese Zahlen bislang nicht direkt von Qualcomm selbst bestätigt wurden, sollten sie vorerst mit Vorsicht behandelt werden. Unklar bleibt außerdem noch, wie sich die beiden geplanten Modelle der Elite Gen 6 Chips konkret unterscheiden werden.
Quelle(n): Qualcomm
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