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Oppo Watch Testbericht

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oppo-watch Die Oppo Watch mit Wear OS im Test

Einleitung

Mit der Oppo Watch hat die BBK Tochter vor einiger Zeit in China ihre erste Smartwatch vorgestellt. Mittlerweile wird die Oppo Watch auch in Europa inklusive Deutschland angeboten. Die Oppo Watch ist nicht nur ein einfacher Fitness Tracker, sondern eine vollwertige Smartwatch, wofür Oppo sogar auf Google's Wear OS setzt. Erhältlich ist sie in einer kompakten 41mm Version und einer etwas größeren 46mm Version. Letztere bietet als Zugabe ein größeres und gebogenes AMOLED Display und LTE Konnektivität. Aktuell ist in Europa jedoch nur die 41mm WLAN Variante erhältlich. Diese ist mit 230 bis 240€ für eine Wear OS Smartwatch relativ günstig. Wann genau die 46mm Version in Europa erscheint und was sie letztlich kosten soll, ist uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Oppo war so nett uns ein Exemplar der Oppo Watch mit 41mm zukommen zu lassen. Während der letzten Wochen haben wir die Oppo Watch ausführlich im Alltag getestet. Dabei hat sich jedoch schnell herausgestellt, dass der Preiskracher eigentlich gar keiner ist. Die Oppo Watch plagen diverse Probleme, welche in der alltäglichen Nutzung keinen Spaß aufkommen lassen wollten. All das behandeln wir nun in diesem Testbericht ausführlich und im Detail. Viel Spaß beim Lesen!

Verpackung & Lieferumfang

Oppo liebt langgezogene Verpackungen die deutlich mehr Platz einnehmen, als nötig wäre. Was man schon von den Smartphones des Herstellers kennt, trifft auch auf die Oppo Watch zu. Man könnte fast schon meinen eine Flöte gekauft zu haben. Aber nein, es handelt sich tatsächlich um eine Smartwatch. Im Grunde hat man das Verpackungsdesign von Apple geklaut. Auch bei der Apple Watch wird eine derart langgezogene Verpackung genutzt und auch bei der Gestaltung der Box gibt es gewisse Parallelen. Zum Lieferumfang gehört alles was man braucht: Die Oppo Watch mitsamt Armband und natürlich ein magnetisches Ladedock. Ein Netzteil liegt nicht bei, was aber auch richtig so ist. Immerhin hat quasi jeder ein USB Netzteil zu Hause.

Design & Verarbeitung

Materialien Rahmen: Aluminium
Rückseite: Kunststoff
Front: Glas
Gewicht53g
Abmessungen41,4 × 36,4 × 13mm

Die Oppo Watch ist entgegen dem Großteil der Wear OS Smartwatches nicht rund sondern rechteckig. Damit sieht sie unweigerlich auch einer Apple Watch ähnlich, wobei in diesem Fall die Krone fehlt. Die 41mm Version ist alles andere als groß und somit eher unscheinbar und sehr angenehm zu tragen. Auch wegen des geringen Gewichts merkt man sie nach einer gewissen Eingewöhnungs-Phase kaum noch am Handgelenk. Wem die Uhr mit ihren 13mm dick vorkommt, dem sei gesagt, dass davon nicht viel zu merken ist. Der "Sensor Puk" auf der Unterseite verschwindet im Arm. Somit steht nur das eigentliche Gehäuse der Uhr vom Arm ab, was dann je nach Arm ca. 8,5 bis 9mm entspricht.

Was die Verarbeitung angeht, gibt es an der Oppo Watch nichts auszusetzen. Sowohl Rahmen als auch Kunststoffrückseite zeigen ein glänzendes Finish, welches dennoch robust ist. Die einzelnen Gehäuseteile finden sauber zusammen. Die Glasfront hat eine abgerundete Kante und zeigt sich nicht nur kratzfest sondern auch fettabweisend. Erhältlich ist die Oppo Watch aktuell übrigens nur in Schwarz, wobei sich diese Farbe auf das gesamte Gehäuse und auch das Armband bezieht.

Links am Rahmen findet man eine kleine Kerbe mit zwei Öffnungen. Darunter versteckt sich der Lautsprecher der Oppo Watch. Die Öffnungen sind relativ groß, sodass es unwahrscheinlich ist, dass sich hier Schmutz verkeilt und nicht mehr entfernt werden kann. Rechts findet man zwei Tasten zum Ein- und Ausschalten der Oppo Watch sowie zur Navigation im Betriebssystem. Zwischen den Tasten befindet sich die Öffnung für das Mikrofon der Uhr.

Ab Werk bekommt ihr die Oppo Watch mit einem Armband aus Fluorkautschuk geliefert. Dieses trägt sich angenehm und ist recht rutschfest, selbst wenn man das Band nicht allzu fest anzieht. Verschlossen wird das Band leider mit einem einfachen Dorn, welcher durch die Löcher auf der Gegenseite gedrückt wird. Dieser Verschluss hält zwar bombenfest, macht es aber echt knifflig die Oppo Watch anzulegen. Gerade am Morgen nervt die Fummelei enorm.

Darüber hinaus setzt die Oppo Watch nicht auf Standard Armbänder, sondern auf einen speziellen Befestigungsmechanismus ähnlich der Apple Watch, wobei der Auswurf des Bandes bei der Oppo Watch durch Abziehen und nicht durch Herausschieben wie bei der Apple Watch erfolgt. Zwei Metallhaken verschwinden in Löchern an der Uhr und rasten dort ein. Entfernt wird das Band durch das Drücken eines Auswurfknopfes. Damit lassen sich mit der Oppo Watch nur Armbänder nutzen, welche für die Uhr angefertigt wurden. Bei einem derartigen Nischen Produkt ist das eher suboptimal.

Display

Größe 1,6"
Auflösung 320 x 360
TechnologieAMOLED
Gehärtetes GlasJa
Anti Fingerabdruck BeschichtungJa
Touch ScreenJa

Das AMOLED Display der Oppo Watch macht eine gute Figur. Die Darstellung wirkt ansprechend und Farben werden recht intensiv dargestellt. Die Displayränder sind angenehm schlank und durch die relativ kleine Diagonale erhält man mit der Auflösung von 320 x 360 Pixel eine hohe Pixeldichte. Einzelne Pixel sind somit bei normaler Nutzung nicht zu sehen, was in einer gestochen scharfen Darstellung resultiert. So kann man auch kleinen Text gut lesen.

Die Helligkeit des Displays kann in 5 Stufen geregelt werden. Alternativ steht auch eine automatische Regelung per Umgebungslichtsensor zur Verfügung. Diese Funktion haben wir im Alltag mit der Oppo Watch auch genutzt und dabei keine Probleme gehabt. Die Helligkeit wird zuverlässig und ohne Flackern angepasst. Für die Outdoor Nutzung ist das Display hell genug. Da die Benutzeroberfläche recht kontrastreich ist (schwarzer Hintergrund), lassen sich die Daten auch unter Sonnenlicht noch ausreichend gut erkennen.

Ein Manko der Oppo Watch ist das Fehlen einer Always On (AOD) Funktion. Um die Zeit zu sehen muss man die Uhr als aktivieren. Das geschieht entweder automatisch durch das Anheben des Arms, sofern die Funktion aktiviert wurde, oder durch drücken einer der Tasten oder das Berühren des Displays. Letzteres muss ebenfalls in den Einstellungen aktiviert werden. Auch ein Display Timeout lässt sich nicht einstellen. Die standardmäßigen 5 Sekunden sind zum Erfassen mancher Inhalte etwas wenig.

Der Touchscreen funktioniert perfekt. Die Navigation durch das System der Oppo Watch verläuft damit absolut flüssig und genau. Selbst auf der kleinen On-Screen Tastatur von Wear OS kann man erstaunlich gut tippen, was für die Genauigkeit des verbauten Touchscreens spricht. Mit Wassertropfen z.B. bei Regen kommt der Touchscreen ebenfalls klar und lässt sich dann weiterhin nutzen. Das Displayglas ist sehr robust. Ein Anecken mit der Uhr hat keine Beschädigungen hinterlassen und die Oberfläche ist völlig kratzfrei, obwohl unser Testgerät zuvor schon bei anderen Testern im Einsatz war.

Lobenswert ist auch, dass die Oppo Watch anscheinend über eine fettabweisende Beschichtung verfügt. Im Alltag mussten wir die Uhr nur sehr selten säubern. Abdrücke lassen sich kaum nieder und meistens reicht es schon, wenn der Ärmel bei Bewegung über die Uhr hängt, dass eventuell zurückgelassene Fettspuren von selbst wieder verschwinden.

Hardware, Performance & Wear OS

Prozessor Snapdragon Wear 3100 (28nm)
4x ARM Cortex A7 @1,2GHz (32-Bit)
Ambiq Micro Apollo3 Wireless SoC für Stromsparmodus
GPU Adreno 304
RAM1GB
Speicher8GB
Sensoren3-Achsen Beschleunigung, Gyroskop, Kompass, Barometer, Umgebungslicht
KonnektivitätWLAN 802.11n
Bluetooth 4.2
BetriebssystemWear OS 2.19
Color OS Watch

Bei der Oppo Watch handelt es sich um eine Smartwatch mit Dual SoC und Dual OS Lösung. Hauptakteur ist der Snapdragon Wear 3100. Dieses speziell auf Smartwatches mit Wear OS zugeschnittene Vorjahres SoC leistet auch heute noch gute Dienste und sorgt für eine sehr flüssige Nutzungserfahrung in Wear OS. Das ganze System inklusive Apps läuft weitestgehend genau so flüssig wie auf teureren Wear OS Uhren oder einer Apple Watch. Den vergleichsweise kleinen Preis der Oppo Watch merkt man an dieser Stelle also überhaupt nicht.

Das zweite SoC in der Uhr ist ein deutlich leistungsschwächerer Ambiq Micro Apollo3. Dieser wird mitsamt eigenem Betriebssystem aktiv, wenn man die Oppo Watch in den Stromsparmodus versetzt. Dies verlängert die Laufzeit der Smartwatch erheblich - laut Hersteller auf bis zu 14 Tage. Die Uhr ist dann allerdings deutlich weniger smart und bietet nur noch eine Zeitanzeige, sowie die Erfassung der Herzfrequenz und Schritte und die Anzeige von Benachrichtigungen.

Das ganze funktioniert dann auch ausschließlich mit der Oppo-eigenen HeyTap Health App und nicht mehr mit der Wear OS bzw. Google Fit App. Damit ist die Uhr dann in diesem Modus nur noch mit Android Geräten nutzbar, da die HeyTap Health App nicht für iOS zur Verfügung steht, ganz im Gegensatz zu den Google Wear OS und Fit Apps.

Wear OS lief auf der Oppo Watch im Testzeitraum in Version 2.19 mit Juni 2020 Sicherheitspatch. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich dabei um die aktuellste Version von Wear OS. Die Oberfläche entspricht quasi dem, was man auch von anderen Wear OS Uhren kennt. Wer das Betriebssystem schon genutzt hat, wird sich also gleich wohl fühlen. Doch auch frische Wear OS Nutzer werden mit dem System recht schnell zurechtkommen. Hier hilft beim ersten Start eine Einführung in die Gesten sowie die Funktionen der Hardware Tasten. Auch Parallelen zu Android (Einstellungen & Play Store) erleichtern das anfängliche Einrichten der Uhr.

Zwei dicke Mankos hat Wear OS allerdings. Zum einen merkt mann, dass die allermeisten Wear OS Uhren mit runden Displays ausgestattet sind. So gibt es fast keine Watchfaces, welche auf rechteckige Uhren ausgelegt sind. Die meisten Watchfaces sind rund und nutzen damit das Display der Oppo Watch nicht richtig aus bzw. werden recht klein dargestellt. Allgemein gibt es für Wear OS irgendwie deutlich weniger wirklich gute Watchfaces als wir das von z.B. Huami's Amazfit Uhren gewohnt sind.

Zum anderen ist Wear OS auch heute noch nichtmal ansatzweise so "smart" wie Google das wohl gerne hätte. Ein genauerer Blick auf den Play Store ist doch ziemlich ernüchternd. Zusätzliche Apps für Wear OS Uhren gibt es dort zwar viele zu finden, doch das Meiste davon empfinden wir als "sinnlose Grütze". Wirklich nützliche und gut umgesetzte Wear OS Apps gibt es nur wenige. Eine Apple Watch wird in dieser Hinsicht deutlich besser bedient. Nur lässt sich diese eben nicht mit einem Android Smartphone nutzen.

Zur Verbindung mit einem Smartphone nutzt die Oppo Watch Bluetooth 4.2. Der neuere Bluetooth 5.0 / 5.1 Standard wird nicht unterstützt und auch Bluetooth LE steht nicht zur Verfügung. Damit verbraucht die Bluetooth Verbindung vergleichsweise viel Strom. Zusätzlich kann sich die Oppo Watch per 802.11n WLAN zum heimischen WLAN Netz verbinden. Das ist auch zwingend erforderlich wenn man z.B. Wear OS aktualisieren oder Apps aus dem PlayStore installieren möchte. Über die Schnelleinstellungen gibt es leider keine Option zum Aktivieren und Deaktivieren von WLAN. Dies lässt sich nur über die Systemeinstellungen erledigen. In den Schnelleinstellungen, welche mit einem Wisch vom Watchface aus zugänglich sind, gibt es nur einen Button für den Flugmodus, welcher dann Bluetooth und WLAN deaktiviert.

Was die Verbindung mit dem Smartphone angeht, hatten wir im Alltag leider massive Probleme mit der Oppo Watch. Erstmals eingerichtet wurde die Uhr mangels eingerichtetem Android Testgerät mit einem iPhone. Gedauert hat das bereits eine halbe Ewigkeit. Die Wear OS App hat hierbei fast 10 Minuten einen Ladebalken angezeigt, ohne dass wir wussten, ob sich hier noch etwas tut oder die Uhr / die App hängt. Am Ende schloss sich das Fenster dann jedoch und die Uhr war betriebsbereit. Damit war das Drama jedoch nicht beendet. Im weiteren Testverlauf zeigten sich weitere Probleme. Benachrichtigungen kamen eher unzuverlässig auf der Uhr an, was letztendlich daran liegt, dass die Bluetooth Reichweite wohl nicht die Beste ist und die Verbindung auch bei aktivem WLAN an der Uhr gestört wird. Wurde die Verbindung verloren, baut sie sich auch nicht immer automatisch wieder auf.

Im späteren Testverlauf haben wir dann auch Tests mit Android Smartphones durchgeführt. Getestet haben wir die Oppo Watch mit einem Redmi K30 Ultra, einem Xiaomi Mi 9 Lite und einem Nubia RedMagic 5S. Mit allen dreien können wir Amazfit Uhren und Fitness Tracker ohne jegliche Schwierigkeiten verbinden. Das Pairing mit der Oppo Watch will jedoch nicht klappen. Die Wear OS App erkennt die Uhr, verbindet sich und will anschließend Informationen abrufen. Auf diesem Ladebildschirm verweilen alle drei Smartphones bis in alle Ewigkeit. Beendet man die Wear OS App, könnte man meinen, die Verbindung sei gelungen, weil die Einstellungen der Uhr angezeigt werden. Tatsächlich weist aber ein Schriftzug darauf hin, dass nach wie vor ein Verbindungsaufbau im Gange ist oder die Uhr nicht verbunden ist. Das eigentliche Bluetooth Pairing steht aber, denn in den System Einstellungen der Smartphones wird die Uhr unter Bluetooth als verbunden aufgelistet.

Bis heute haben wir es nicht geschafft die Oppo Watch unter Android mit der Wear OS App zu verbinden. Lediglich am iPhone funktioniert das ganze nach wie vor. Warum das so ist, können wir uns nicht erklären. Wir haben bereits die gesamte Uhr mehrfach auf Werkszustand zurückgesetzt, sie aus den Bluetooth Einstellungen der Android Smartphones gelöscht und die Apps der Uhr frisch installiert. Keine dieser Maßnahmen führte zum Erfolg. Besonders ärgerlich ist das auch deshalb, weil wir damit auch die HeyTap Health App von Oppo nicht testen können. Zur Funktion mit der Oppo Watch benötigt die App ein bestehendes Pairing mit der Wear OS App von Google.

Verbindungsversuche mit Android Smartphones bleiben ohne Erfolg

Funktionen

Die Oppo Watch bietet so ziemlich alle Fitness Tracking Funktionen, welche man von den meisten anderen Uhren kennt. Ohne euer Zutun erfasst die Oppo Watch eure getanen Schritte und eure Herzfrequenz sowie den Schlaf. Für die verbrannten Kalorien sowie die getanen Schritte kann man Ziele festlegen, welche man dann täglich erfüllen kann und dafür mit einer Benachrichtigung belohnt wird. Es gibt auch Watchfaces wo die Ziele dargestellt werden und man so den Fortschritt auf einen Blick erkennen kann. Direkt auf der Uhr erhält man durch Wischen nach Links einen Überblick über die wichtigsten Fitness Daten.

Die Oppo Watch erinnert euch auch daran regelmäßig aufzustehen. Wenn man eine Stunde lang gesessen hat, bekommt man eine entsprechende Meldung. Diese kann man dann entweder wegdrücken, erhält aber auch Zugriff auf praktische "5-Minuten Übungen". Für die Übungen erhält man die Anweisungen direkt auf der Uhr und kann sich so etwas bewegen und seine Aktivitätsziele auffüllen. Natürlich sind die 5 Minuten Übungen zu jeder Zeit auch über den App Drawer abrufbar. Hier gibt es auch eine App für Atemübungen zum Entspannen.

Wenn ihr die Oppo Watch über Nacht tragt, wird vollautomatisch auch der Schlaf aufgezeichnet. Die entsprechenden Daten kann man dann auch direkt auf der Uhr einsehen. Einen Blick in die Google Fit App könnt ihr euch diesbezüglich übrigens sparen. Hier werden - warum auch immer - weniger Details zu den Schlafphasen angezeigt als auf der Uhr direkt. Im Vergleich mit dem Schlaftracker der Amazfit Uhren ist jener der Oppo Watch leider deutlich weniger genau. Der Einschlafzeitpunkt wird häufig deutlich zu früh erfasst und der Aufwachzeitpunkt teils viel zu spät. Insgesamt haben die Daten somit kaum Aussagekraft.

Natürlich könnt ihr auch Training Sessions der verschiedensten Sportarten aufzeichnen. Wundert euch nicht: Die Funktionstaste der Uhr, welche standardmäßig zum Starten eines Trainings genutzt wird, bietet nur Zugriff auf ein Menü mit einer limitierten Auswahl. Weitere Sportarten findet man, indem man die Google Fit App über den App Drawer von Wear OS öffnet. Hier kann man zwischen knapp 100 Sportarten wählen. Erfasst werden bei einem Training nicht nur die Herzfrequenz und ggf. Schritte, sondern auch GPS Daten wie die zurückgelegte Strecke inkl. Einzeichnung auf einer Karte, die Geschwindigkeit, den Anstieg, etc. Nur ein Blutsauerstoff Sensor ist nicht am Start.

Ein großes Manko ist hierbei allerdings, dass das GPS nicht zuverlässig funktioniert. Bei bedecktem Himmel ist es regelrecht unbrauchbar. Es dauert teils mehr als eine Minute bis eine Positionierung zustande kommt und dann stimmen nach dem Training die Daten hinten und vorne nicht. Nach einer 12km Radtour hat uns die Uhr beispielsweise nur 6km angezeigt und auf der Karte war keine Strecke hinterlegt. Bei einem Spaziergang hat zwar die zurückgelegte Strecke halbwegs gestimmt, doch dafür wurde auf der Karte nur eine gerade Linie eingezeichnet, statt der zurückgelegte Weg. Das GPS stufen wir aus diesem Grund als unbrauchbar ein.

Und noch etwas: Kartenmaterial wird für aufgezeichnete Aktivitäten ausschließlich auf einem Android Smartphone dargestellt! Wer ein iPhone nutzt, muss auf diese Möglichkeit verzichten. Die Google Fit App für iOS ist nämlich im Gegensatz zur Android Version massiv kastriert worden. Auch eine Integration mit der Apple Health App ist nicht am Start. Anscheinend ist das die Rache dafür, dass Apple sich weigert, seine eigene Smartwatch mit Android kompatibel zu machen.

Abb. 1
Abb. 2

Ansonsten hat die Oppo Watch natürlich noch weitere typische Funktionen wie eine Stoppuhr, Erinnerungen und einen Kalender zu bieten. Benachrichtigungen vom Smartphone können ebenso angezeigt werden. Auch Telefonate können auf der Uhr angenommen werden und sogar das Wählen ist auf der Uhr möglich, ohne das Smartphone aus der Tasche zu nehmen. Auch das konnten wir aber wieder nicht in der Praxis testen, da es auf dem iPhone nicht funktioniert hat und wie schon erwähnt mit Android Smartphones keine Verbindung zustande kommen wollte. Spielt man auf dem Smartphone Musik oder YouTube Videos ab, erscheinen auf der Smartwatch automatisch Kontrollen zum Steuern der Wiedergabe.

Auch der Google Assistant ist in Wear OS integriert und kann per Sprachbefehl verschiedene Auskünfte geben, aber auch Timer starten oder Erinnerungen bzw. Kalender Einträge hinterlegen. Auch hier gibt es jedoch Probleme. Die Uhr sollte auf das Kommando "Hey Google" oder "OK Google" hören, was sie aber nicht tut. Wir können das Kommando endlos oft geben, die Oppo Watch reagiert einfach nicht darauf. Und ja, die Funktion ist in den Einstellungen aktiviert. Dabei ist es auch völlig egal, ob das Display der Uhr aktiv oder inaktiv ist. Natürlich kann man den Google Assistant auch manuell per Touchscreen zum Zuhören bringen, doch das ist wohl kaum Sinn der Sache.

Akkulaufzeit

Kapazität (Angabe) 300mAh
Kapazität (Gemessen) Keine Messung durchgeführt
WechselbarNein
Fast ChargingJa (VOOC Watch)

Die Akkulaufzeit der Oppo Watch ist leider extrem schlecht. Wie Oppo auf die eigenen Angaben kommt ist uns schleierhaft. Der Hersteller gibt für die 41mm Version der Oppo Watch eine Laufzeit von 24 Stunden im Smart Modus und 14 Tagen im Stromspar-Modus an. Letzteres könnte durchaus stimmen, erreichen doch die Amazfit Uhren eine ähnliche Laufzeit. Testen konnten wir das allerdings wie schon erwähnt nicht, da das Pairing mit der HeyTap Health App nicht möglich war.

Die 24 Stunden Angabe für den Smart Modus ist leider weit von der Realität entfernt. Diesen Wert erreichen wir entgegen den Angaben von Oppo nur dann, wenn wir die Nutzung der Uhr auf ein Minimum reduzieren, den Flugmodus aktiv haben und somit nichts weiter mit der Uhr machen als die Zeit anzuzeigen sowie Fitness Daten zu erfassen. Die reale Laufzeit im Alltag mit automatischer Displayhelligkeit sowie manueller Display Aktivierung, keiner GPS Nutzung, deaktiviertem WLAN und ca. 20 Benachrichtigungen liegt zwischen 8 und 12 Stunden. Durch den kompletten Tag kommt man also nicht zwingend und will man den Schlaftracker nutzen, so muss die Uhr am Abend definitiv ans Ladegerät.

So richtig böse sieht es mit der Akkulaufzeit aber dann aus, wenn man die Ihr etwas intensiver nutzt. Nutzt man das GPS der Uhr für 30 Minuten, hat WLAN aktiviert und nutzt Apps auf der Uhr, muss sie häufig schon am Mittag oder frühen Nachmittag wieder ans Netzteil. Man kann regelrecht dabei zusehen wie der Akkustand dahinschmilzt. Gleiches gilt übrigens auch fürs GPS Tracking. Wer denkt, eine lange Radtour oder Wanderung mit der Oppo Watch aufzeichnen zu können, der täuscht sich. Pro Stunde zieht das GPS ca. 30% Akku - ohne aktiviertes Display wohl bemerkt!

Der einzige Punkt bei dem die Oppo Watch in Sachen Akku überzeugen kann, ist die Ladezeit. Dank VOOC Watch lädt der Akku deutlich schneller als bei den meisten anderen Smartwatches. So kann man den Akku in nur 38 Minuten von 20% auf 100% laden. Wen es also nicht stört seine Smartwatch permanent zum Laden zu hängen, der bekommt hier wenigstens einen gewissen Ausgleich geboten. Andererseits dürfte das ganze für die Lebensdauer des Akkus nicht gerade förderlich sein. Man kumuliert hier einfach sehr schnell eine hohe Zyklenzahl und das ganze endet in einem Teufelskreis. Je mehr zyklen, desto kürzer die Akkulaufzeit, desto mehr Zyklen. Ob man das haben will, ist fraglich.

Oppo Watch Test - Fazit

Aus Sicht der Hardware und des Preises ist die Oppo Watch sicherlich eine attraktive Smartwatch. Hier reden wir jedoch über den "ersten Blick". Bei genauerer Betrachtung können wir die Oppo Watch definitiv nicht empfehlen. Und das liegt gar nicht mal an den unzähligen Software Problemen mit denen wir geplagt wurden - diese könnte der Hersteller sicherlich ausbügeln. Am Ende raten wir eher von der Oppo Watch ab, weil sie in Relation zum Aufpreis im Alltag keinen großen Mehrwert gegenüber z.B. einer Amazfit GTSAmazfit GTR oder Stratos 3 (90 bis 160€) bietet.

Man kann auf der Oppo Watch zwar Apps installieren (was am Ende leider kaum einen Mehrwert hat) und bekommt eine etwas bessere Integration in Android, doch das war es dann auch schon. Fitness Tracking machen die Amazfit Uhren nicht nur zuverlässiger, sondern auch mit umfangreicherer Datenerfassung und ansprechenderer Präsentation, ganz zu schweigen vom deutlich sparsameren GPS, welches man bei den Amazfit Uhren teils den ganzen Tag laufen lassen kann, ohne dass der Akku in die Knie geht. Und ein weiterer Pluspunkt: Im Gegensatz zu den Android Wear Geräten, funktionieren die Amazfit Uhren ganz hervorragend mit iOS und zwar ohne Einschränkungen.

Somit bleibt uns am Ende leider nichts anderes übrig als vom Kauf der Oppo Watch abzuraten. Und mit Blick auf andere Testberichte sind wir hier auch nicht die ersten. Wenn ihr nach guten und bezahlbaren Android Wear Uhren mit besserer Laufzeit sucht, schaut euch mal bei den Ticwatches um.

Pro

  • Sehr gute Verarbeitung
  • Unauffälliges aber durchaus hübsches Design
  • Bequemes Armband
  • Wasserdicht (wenngleich nur 3 ATM)
  • Gutes OLED Display mit Auto Helligkeit
  • Hervorragender Touch Screen
  • Potentiell großer Funktionsumfang mit Erweiterbarkeit durch Apps
  • Aktuelles Wear OS
  • Sehr gute Performance
  • Schnelles Fast-Charging
  • NFC mit Google Pay
  • Direkt in Deutschland verfügbar

Contra

  • Extrem schlechte Akkulaufzeit (Hersteller Angaben entsprechen nichtmal ansatzweise der Realität)
  • Massive Verbindungsprobleme
  • Bluetooth Reichweite und kein Bluetooth LE / Bluetooth 5.0 / 5.1
  • Aktives WLAN stört Bluetooth (2,4GHz lässt grüßen)
  • Verschluss des mitgelieferten Armbands
  • Proprietäres Armband (keine Standard Armbänder nutzbar)
  • Mit iOS (iPhone) trotz Kompatibilität kaum sinnvoll nutzbar
  • GPS funktioniert meistens nicht (Aussetzer, geringe Genauigkeit, lange Fix Zeiten)
  • Kaum Wear OS Watchfaces für rechteckige Displays
  • Wear OS bietet nach wie vor kaum sinnvolle Apps
  • Sinnloser Energiesparmodus mit kaum Funktionen
  • Nützliche Einstellungen fehlen (Zeitraum für Screen-On Gesten, Display Timeout, etc.)
  • Hey Google / OK Google zeigt keine Reaktion obwohl aktiv
  • Google Fit App zeigt teils weniger Daten an als die Uhr selbst (z.B. beim Schlaftracking)
  • Sehr ungenaues Schlaftracking
  • Workout Tracking teils sehr ungenau
  • Integrierter Lautsprecher klingt sehr schlecht (Nein, das liegt nicht daran, dass es eine Uhr ist. Es geht auch anders! Siehe Apple Watch...)

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Kommentare 3

Gäste - Ron am Mittwoch, 21. Oktober 2020 15:03
eine differenzierte Sicht nach ein paar Wochen

Vielen Dank für den ausführlichen Test und hätte ich ihn vor dem Kauf gelesen, hätte ich mir die Uhr wahrscheinlich nicht besorgt. Nun gut, sie war zum Telefon kostenlos dabei und was soll ich sagen. Sooooooo schlecht wie oben dargestellt, ist sie gar nicht.

- Das Verbinden hat bei mir spannenderweise mit dem Android sofort geklappt, das iPhone mochte sie testweise gar nicht verbinden
- Always on geht, einfach in der WearOS App auf dem Handy das "bei kippen an" deaktivieren und "always-on" aktivieren
- die akkulaufzeit hat sich von anfangs einem knappen tag ich nach einem systemupdate DEUTLICH verbessert, ich komme im Flugmodus mit "Always-on Screen" auf knapp 2 Tage, Workouts verkürzen das Ganze natürlich spürbar
- GPS hat bei mir bisher auch fehlerfrei funktioniert, auch bewölkt und im tiefen Wald mit dichten Blätterwerk

Das Schlaftracking könnte natürlich besser sein und auch bei den anderen Punkten gibt es Potential, Google hat Updates für Wear OS versprochen. Schaun wir mal.

Vielen Dank für den ausführlichen Test und hätte ich ihn vor dem Kauf gelesen, hätte ich mir die Uhr wahrscheinlich nicht besorgt. Nun gut, sie war zum Telefon kostenlos dabei und was soll ich sagen. Sooooooo schlecht wie oben dargestellt, ist sie gar nicht. - Das Verbinden hat bei mir spannenderweise mit dem Android sofort geklappt, das iPhone mochte sie testweise gar nicht verbinden - Always on geht, einfach in der WearOS App auf dem Handy das "bei kippen an" deaktivieren und "always-on" aktivieren - die akkulaufzeit hat sich von anfangs einem knappen tag ich nach einem systemupdate DEUTLICH verbessert, ich komme im Flugmodus mit "Always-on Screen" auf knapp 2 Tage, Workouts verkürzen das Ganze natürlich spürbar - GPS hat bei mir bisher auch fehlerfrei funktioniert, auch bewölkt und im tiefen Wald mit dichten Blätterwerk Das Schlaftracking könnte natürlich besser sein und auch bei den anderen Punkten gibt es Potential, Google hat Updates für Wear OS versprochen. Schaun wir mal.
Christopher am Mittwoch, 21. Oktober 2020 15:05

Danke für deine Erfahrungen. Lustig, dass es bei dir mit dem iPhone Probleme gibt.
Aber das zeigt dann ja auch schon wieder sehr schön, dass die Software einfach grundlegend nichts taugt.

Danke für deine Erfahrungen. Lustig, dass es bei dir mit dem iPhone Probleme gibt. :D Aber das zeigt dann ja auch schon wieder sehr schön, dass die Software einfach grundlegend nichts taugt.
Gäste - Antje am Dienstag, 20. Oktober 2020 14:01
Dankeschön!

Vielen Dank für den ausführlichen und ehrlichen Test, der einen objektives Überblick gibt.

Vielen Dank für den ausführlichen und ehrlichen Test, der einen objektives Überblick gibt.
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Donnerstag, 26. November 2020

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