Haftbefehl gegen OnePlus-Gründer in Taiwan wegen illegaler Beschäftigung von Ingenieuren

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Die taiwanischen Behörden haben einen Haftbefehl gegen Pete Lau, Mitgründer und CEO des chinesischen Smartphone-Herstellers OnePlus, ausgestellt. Die Staatsanwaltschaft des Shilin-Bezirks in Taipei wirft ihm vor, über mehrere Jahre hinweg systematisch gegen taiwanisches Recht verstoßen zu haben, indem er mehr als 70 Ingenieure ohne behördliche Genehmigung beschäftigte.

Verstöße gegen den Cross-Strait Act

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gründete Lau im März 2014 gemeinsam mit zwei taiwanischen Staatsbürgern eine Firma in Hongkong und registrierte ein Jahr später eine Niederlassung in Taiwan. Die beiden taiwanischen Mitarbeiter, die als leitende Angestellte für die lokale Tochterfirma tätig waren, wurden ebenfalls angeklagt. Im Mai 2019 soll der Firmenname von OnePlus in "Sonar" geändert worden sein, vermutlich um die tatsächliche Verbindung zum chinesischen Mutterkonzern zu verschleiern.

Zwischen August 2015 und Januar 2021 flossen laut Staatsanwaltschaft über 72 Millionen US-Dollar durch ein Handelsunternehmen in Hongkong an die taiwanische Niederlassung. Die Gelder wurden als Einnahmen aus Forschungs- und Entwicklungsaufträgen deklariert und für die Rekrutierung von Mitarbeitern, Gehaltszahlungen und den Kauf von Ausrüstung verwendet.

Das Problem dabei: Der Cross-Strait Act verbietet chinesischen Unternehmen grundsätzlich, ohne ausdrückliche behördliche Genehmigung in Taiwan Geschäfte zu betreiben oder Personal einzustellen. Dieses Gesetz soll die nationale Sicherheit schützen und verhindern, dass technologisches Know-how unkontrolliert nach China abfließt.

Software-Entwicklung für OnePlus und Oppo

Die in Taiwan beschäftigten Ingenieure arbeiteten nach Erkenntnissen der Ermittler ausschließlich an der Entwicklung, Verifizierung und dem Testen von Software für OnePlus- und Oppo-Smartphones. Zeugen bestätigten laut den Angaben, dass alle operativen Entscheidungen von Pete Lau getroffen wurden und die Führungskräfte regelmäßig über Anwesenheit und Finanzen an die Zentrale in Shenzhen berichteten.

Einer der angeklagten taiwanischen Mitarbeiter gab bei seiner Befragung an, von Lau als Forschungs- und Entwicklungsleiter eingesetzt worden zu sein. Die Taiwan-Niederlassung habe keine eigenen Kunden gehabt und ausschließlich für OnePlus gearbeitet. Die zweite Angeklagte sagte aus, sie sei lediglich als nominelle Geschäftsführerin eingesetzt gewesen, hauptsächlich für die Steuerplanung, und habe kein Gehalt bezogen.

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Teil einer größeren Strategie

Taiwan hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bevorzugten Ziel für chinesische Technologieunternehmen entwickelt, die nach qualifizierten Fachkräften suchen. Die gemeinsame Sprache und das hohe Ausbildungsniveau machen die Insel attraktiv für Rekrutierungsversuche. Die taiwanischen Behörden sehen darin jedoch eine Bedrohung für die nationale Sicherheit und haben ihre Maßnahmen gegen solche Praktiken verstärkt.

Im August 2025 teilten die Behörden mit, gegen 16 chinesische Unternehmen zu ermitteln, denen vorgeworfen wird, Halbleiter- und andere Hightech-Fachkräfte abzuwerben. Bereits Anfang 2025 wurden 34 Standorte von 11 Unternehmen in sechs Städten durchsucht. Das Investigation Bureau gab bekannt, seit der Einrichtung einer Sondereinheit im Jahr 2020 über 100 Untersuchungen gegen chinesische Firmen wegen illegaler Anstellung taiwanischer Ingenieure eingeleitet zu haben.

Auch andere prominente Fälle zeigen das Muster: Im September wurde bereits ein Haftbefehl gegen Grace Wang, Vorstandsvorsitzende des iPhone-Zulieferers Luxshare Precision Industry, aus ähnlichen Gründen ausgestellt. Der Halbleiterhersteller SMIC soll eine als samoanische Firma getarnte Niederlassung in Taiwan betrieben haben.

OnePlus weist Beeinträchtigungen zurück

Pete Lau, der als einer der bekannteren Gründer der chinesischen Technologiebranche gilt, äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. OnePlus teilte auf Anfrage mit, dass der Geschäftsbetrieb normal weiterlaufe und nicht beeinträchtigt sei. Lau fungiert auch als Chief Product Officer bei Oppo und tritt regelmäßig bei Produktvorstellungen des Mutterkonzerns auf.

OnePlus, das ursprünglich als unabhängige Marke startete, fusionierte Mitte 2021 mit Oppo, blieb aber als eigenständige Submarke bestehen. Beide gehörten mit Realme und Vivo zum chinesischen Konzern BBK Electronics. OnePlus ist bekannt für seine Smartphones mit dem OxygenOS-Betriebssystem, das auf Android basiert und sich durch Anpassungen vom Stock Android unterscheidet.

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Mittwoch, 14. Januar 2026

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