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BBK vs. Nokia: Oppo & OnePlus ziehen sich aus Deutschland zurück

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Der chinesische Technik-Konzern BBK, zu welchem bekannte Smartphone Marken wie OnePlus, Oppo, Realme und Vivo gehören, liefert sich seit längerer Zeit einen Rechtsstreit mit Nokia. Dabei geht es um die Nutzung von 5G Technologien ohne Lizenz. Konkret verlangt Nokia Lizenzgebühren in Höhe von bis zu 2,50€ pro verkauftem Smartphone. BBK sieht das allerdings nicht ein und hat sich bisher geweigert, einen entsprechenden Deal einzugehen.

Derlei Patentstreitigkeiten von Technik-Herstellern sind nun nichts Neues und vor allem in Deutschland gängige Praxis, da wir hierzulande ein extrem strenges Patentrecht haben. Häufig beschränken sich die Streitereien dann aber im Endeffekt auf "Säbelrasseln" und zu einem tatsächlichen Verkaufsverbot der Produkte kommt es eher selten. Im Falle von BBK gab es nun jedoch eine Wende, die zumindest für Fans der BBK Marken schockierend ist.

Verkaufsverbot für Oppo & OnePlus

Nachdem es im Fall Nokia ./. BBK nun eine Weile still war, wurde am gestrigen Sonntag durch einen Bericht der WirtschaftsWoche bekannt, dass nach einem Urteil des Münchner Landgerichts 1 ein Verkaufsverbot für Smartphones von Oppo und OnePlus erwirkt wurde. Dieses wurde auch umgesetzt, denn wer die deutsche Webseite von Oppo besucht, findet dort keine Smartphones mehr.

Gleiches gilt auch für OnePlus. Der Hersteller hat erst kürzlich das OnePlus 10T vorgestellt, welches auch in Deutschland erscheinen sollte. Daraus wird nun allerdings nichts, denn OnePlus hat seinen Shop geschlossen. Die Smartphones werden zwar noch gelistet, doch es gibt keine Möglichkeit mehr, diese in den Warenkorb zu legen. Wer sich also ein Smartphone dieser Marken kaufen wollte, muss vorerst importieren oder (falls verfügbar) bei einem lokalen Reseller kaufen. Letztere dürfen Restbestände weiterhin vertreiben oder sich ggf. auch aus dem Ausland mit Nachschub eindecken, denn ein Importverbot gibt es nicht.

Realme und Vivo folgen?

Wie die Auswirkungen des Urteils auf die restlichen Marken von BBK sind, ist aktuell noch unklar. Eine offizielle Stellungnahme von Realme und Vivo haben wir bereits angefragt, jedoch noch keine Antwort erhalten. Sobald es hier ein Statement gibt, reichen wir dieses nach. Fakt ist allerdings, dass auch diese Marken von den Patentstreitigkeiten betroffen sind, denn die Geräte nutzen allesamt dieselbe Software-Basis und häufig sogar dieselbe Hardware-Plattform.

Tatsächlich sieht es heute so aus, als hätte Realme den Verkauf seiner Smartphones in Deutschland ebenfalls eingestellt. Klickt man sich durch das Sortiment im EU-Shop von Realme, so wird man schnell bemerken, dass hier kein einziges Smartphone mehr auf Lager ist und bestellt werden kann. Stattdessen wird der "Notify me"-Button angezeigt, mit dem man sich benachrichtigen lassen kann, wenn das gewünschte Smartphone wieder erhältlich ist.

Comeback nicht sicher

Auch wenn ein offizielles Statement der BBK Marken noch aussteht, ist es aktuell eher unwahrscheinlich, dass BBK nach dem Verkaufsverbot klein beigeben wird und doch noch einen Deal mit Nokia eingeht. Sollte diese Intention vorhanden sein, hätte man es sicherlich nicht so weit kommen lassen, dass tatsächlich ein Verkaufsverbot verhängt wird. Das liegt auch daran, dass BBK verpflichtet wäre, einen weltweiten Deal mit Nokia einzugehen. Die Lizenzgebühren wären also nicht nur für in Deutschland oder Europa verkaufte Smartphones zu entrichten, sondern auch in den restlichen Teilen der Welt. Dies hätte vor allem in Ländern mit niedrigen Einkommen eine massive Auswirkung auf das Geschäft von BBK, denn dort verkauft man eher günstige Geräte. Insofern ist es wahrscheinlich, dass die betroffenen BBK Marken den deutschen Markt und eventuell auch weitere Länder dauerhaft verlassen, es sei denn Nokia selbst geht auf den BBK Konzern zu.

Solange nicht auch ein Importverbot ausgesprochen wird, können die Smartphones immerhin noch von Resellern verkauft werden oder von den Endkunden direkt importiert werden. Sollte allerdings im Nachgang noch ein Importverbot ausgesprochen werden, dürfte es eng werden. Alle BBK Marken zusammen haben in Deutschland einen Marktanteil von etwa 20%.

In den deutschen Smartphone Markt würde das also eine große Lücke reißen, die nicht nur BBK selbst zu spüren bekommen würde, sondern auch der Endkunde. Hier könnte es durchaus zu Engpässen kommen, welche andere Marken durch generelle Produktionsengpässe nicht vollumfänglich ausgleichen können. Das hätte dann auch einen Anstieg der Preise zur Folge, was sich vor allem bei Xiaomi deutlicher bemerkbar machen könnte. Es bleibt also zu hoffen, dass es nicht noch zu einem Importverbot kommt.

BBK drohen weitere Probleme in Europa

Spannend ist übrigens auch ein Blick in andere Länder Europas. Gegen den BBK Konzern liegen nämlich auch Nokia-Klagen in Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Finnland und Schweden vor. Sollten sich die Gerichte dort ein Beispiel an Deutschland nehmen und ebenfalls ein Verkaufsverbot verhängen, wäre das für die BBK Marken ein heftiger Rückschlag.

Eine gesamteuropäische Engpass-Problematik dürfte sich bei einem kompletten Importverbot in den genannten Ländern allerdings nicht ergeben, da der Gesamtmarktanteil von BBK auf europäischer Ebene nicht ganz so hoch ist wie in Deutschland alleine. Hier dominieren vor allem Samsung, Apple und Xiaomi, während sich nur eine BBK-Marke (Oppo) mit etwas mehr als 2% Marktanteil auf dem 5. Platz findet.

Wir halten euch natürlich zu dem ganzen Thema auf dem Laufenden und werden wie gesagt Statements der BBK Marken nachreichen, sobald diese vorliegen.

Updates

Update vom 8. August um 12:00 Uhr: OnePlus hat uns nun ein offizielles Statement des Unternehmens zukommen lassen. Laut OnePlus arbeitet man aktiv an einer Lösung, um den direkten Verkauf in Deutschland wieder aufnehmen zu können.

OnePlus diligently complies with the laws and regulations in all markets where we operate. As a leading technology brand, we recognize the importance of intellectual property in driving innovation and highly value fair access to essential patents. Nokia's demand for an unreasonably high fee is detrimental to this effect.

We are actively working with the relevant parties to resolve the ongoing legal matter. While sales and marketing of the relevant products are on hold, OnePlus remains committed to the German market and will continue our operations. Meanwhile, OnePlus users in Germany can continue to enjoy our products and related services such as regular software updates and our after-sales service as before.

Offizielles OnePlus Statement

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Kommentare 2

Gäste - MIke am Mittwoch, 17. August 2022 14:51
Niedergang, nächster Akt: Realme schließt EU-Community

@CMM:

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat, Realme fährt sein EU-Engagement, nach dem faktischen "Ausschließen" von EU-Kunden aus dem eigenen Onlineshop, nun weiter runter und schließt seine stiefmütterlich-behandelte EU-Community.

Quelle:
Realme Community
https://c.realme.com/eu/post-details/1559430941460938752

@CMM: Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat, Realme fährt sein EU-Engagement, nach dem faktischen "Ausschließen" von EU-Kunden aus dem eigenen Onlineshop, nun weiter runter und schließt seine stiefmütterlich-behandelte EU-Community. Quelle: Realme Community https://c.realme.com/eu/post-details/1559430941460938752
Christopher am Mittwoch, 17. August 2022 15:09

Danke für den Hinweis. Hier geht es aber erstmal nur um die Community. Zur weiteren Strategie für Europa gibt es noch keine Auskunft. Auch Anfragen an die Realme Presse-Stelle blieben bisher unbeantwortet.

Danke für den Hinweis. Hier geht es aber erstmal nur um die Community. Zur weiteren Strategie für Europa gibt es noch keine Auskunft. Auch Anfragen an die Realme Presse-Stelle blieben bisher unbeantwortet.
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