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Bluboo Xtouch Review / Test: Eine Enttäuschung

Bluboo Xtouch Review / Test: Eine Enttäuschung

5" Smartphones - zumindest jene mit guter Ausstattung - schienen für eine Weile wie ausgestorben. Fast jeder Hersteller setzte auf Displays die jenseits der 5" lagen. Diese Trend ging absolut zum Nachteil jener, welche es gerne handlich haben und eventuell zu kleine Hände haben um ein Gerät mit mehr als 5" bequem bedienen zu können. Doch da die Rufe nach gut ausgestatteten 5-Zöllern immer lauter werden und ein paar Hersteller wieder begonnen haben mit gutem Beispiel voran zu gehen, entwickelt sich langsam wieder ein Trend in diese Richtung und wir sehen wieder mehr gut ausgestattete Geräte dieser Kategorie.

Eines dieser Smartphones und gleichzeitig auch eines der am meisten gehypten und erwarteten Chinaphones ist das Bluboo Xtouch. Mit diesem Smartphone will Bluboo zeigen was sie können, zumindest in Sachen Verarbeitung und Design, denn die Ausstattung des Smartphones ist ja bekanntlich nicht ganz das geworden, was ursprünglich angekündigt wurde. Auch eine Pro Version mit Helio X10 wird es wohl nicht geben. Nichts desto trotz ist das Bluboo Xtouch gut ausgestattet und dabei noch recht erschwinglich. Doch die wichtigste Frage lautet wie immer: Taugt das Teil auch was? Finden wir es heraus!

Lieferumfang

Das Bluboo Xtouch wird euch in einer ziemlich schlichten Verpackung geliefert die quasi den quaderförmigen Standard Smartphone Karton darstellt den man nach oben hin öffnen kann. In meinem Fall befand sich in der Verpackung leider neben dem Smartphone nicht viel. Ein Netzteil und ein USB Kabel waren noch dabei. Ich muss aber ganz klar sagen, dass es sich bei meinem Gerät um ein Engineering Sample handelt und nicht um das fertige Produkt. Somit dürfte der Lieferumfang beim Endkunden dann doch noch etwas üppiger ausfallen.

Design & Verarbeitung

Das Design des Bluboo Xtouch ist eines der wichtigsten Merkmale des Geräts. Bluboo hat sich hier wirklich Mühe gegeben zu zeigen was man kann und hat da eine interessante Mischung aus zahlreichen Smartphones zusammengebastelt. Im Bluboo Xtouch finden wir also einen Hauch Oppo (Musterung der Rückseite), etwas Xiaomi (der Metallrahmen) und auch eine Prise Samsung (Front). Und ja, auch wenn das eine wirklich bunte Mischung ist, so sieht das Smartphone wirklich schön aus. Ich gehe sogar soweit und sage, dass es eines der schönsten Geräte ist, die der ferne Osten bis dato hervorgebracht hat.

Wie sieht es also mit der Verarbeitung aus? Nun, für die Preisklasse bin ich hier sehr angenehm überrascht. Ich möchte einmal daran erinnern, dass das Xtouch lediglich 160€ im Einkauf kostet. Hierfür bekommt man dann ein Gerät das von der Stabilität des Aufbaus her mit dem Xiaomi Mi Note identisch ist. Ich vergleiche die beiden Geräte übrigens absichtlich, denn der Aufbau von Rahmen und Chassis ist ja nahezu identisch. Durchbiegen kann man das Gerät nicht und lockere Teile sucht man ebenso vergebens - obwohl es sich bei den Hardwaretasten auf der rechten Seite um Buttons aus Metall handelt. Auch die SIM Schublade, ebenfalls aus Metall gefertigt, sitzt fest an ihrem Platz und schließt bündig mit dem Rahmen ab, steht damit also nicht heraus. Netter Bonus: Man benötigt kein Werkzeug um den Schacht zu öffnen. Man kann die Schublade einfach mit dem Fingernagel packen und herausziehen. Wer sich über die Breite der Schublade wundert, dem sei gesagt, dass man sich hier nicht zwischen Dual SIM und Micro SD entscheiden muss. Man kann hier zwei Micro SIM Karten und eine Micro SD Karte gleichzeitig einlegen. Warum man das nicht immer so macht? Fragt mich nicht!

Wirft man dann einen genaueren Blick auf das Gerät, so merkt man dann doch, dass das Gerät günstiger sein muss als es vorgibt zu sein. Zum einen wäre da die Rückseite zu erwähnen. Diese besteht nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff. Dementsprechend schnell verkratzt diese auch. Ich hatte schon am ersten Tag zahlreiche kleine Micro Kratzer auf der Rückseite und mittlerweile haben sich auch ein paar dickere Kratzer dazugesellt. Ich rate dringend hier auf eine Schutzhülle zu setzen, denn sonst wird man an der genialen Optik der Rückseite nicht lange seine Freude haben. Ein weiterer Kritikpunk betrifft ebenfalls die Rückseite. Diese schließt nicht überall bündig mit dem Metallrahmen ab. So steht dieser auf der Rückseite an manchen Stellen leicht über. Man sieht das nicht, aber man spürt es. Beim Home Button sieht man ebenfalls eine leichte Ungenauigkeit - wobei das u.U. auch nur bei mir der Fall sein kann. Bei mir ist der Button nämlich leicht schief. Auch das fällt nur bei genauerem Hinsehen auf, aber wenn man es dann mal entdeckt hat, so stört es halt doch ein bisschen. Wie immer muss ich natürlich an dieser Stelle klarstellen, dass es sich hier um Meckern auf ganz hohem Niveau handelt. Die Verarbeitung und Optik die man hier für das Geld erhält ist mehr als angebracht, nichts desto trotz wollen derlei Schwächen aber erwähnt werden.

Etwas das Bluboo besser hätte machen können sind die Abmessungen des Smartphones. Wer sich ein 5" Gerät kauft, der möchte ganz klar ein handliches Smartphone haben. Das Bluboo Xtouch erfüllt diesen Anspruch aber trotz des 5" Displays nur bedingt. Das Gerät ist von den Abmessungen her nur geringfügig kleiner als zum Beispiel ein Meizu MX5 mit 5,5" Display. Der Grund dafür ist, dass die Ränder um das Display herum relativ dick sind. Dies dürfte wiederum den Grund haben, dass der große 3.000mAh Akku nicht in ein kleineres Gehäuse gepasst hätte. Bluboo hätte hier natürlich die Dicke des Smartphones erhöhen können, doch hat sich offensichtlich dagegen entschieden. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum man dann trotzdem ein 5" Display verbaut. Bluboo hätte stattdessen auf ein 5,3" Panel setzen sollen. So hätte man die Größe des Geräts nicht verändern müssen, jedoch könnte der freie Platz auf der Front deutlich besser genutzt werden und die schwarzen Ränder würden so wegfallen. Die genauen Abmessungen liegen bei 146 x 72,5 x 7,5mm (die beworbenen 5,5mm gibt es nur an der dünnsten Stelle) und einem Gewicht von 157g.

Display

Das 5" Display im Bluboo Xtouch löst mit Full HD auf, also 1920 x 1080 Pixel, was in einer sehr hohen Pixeldichte resultiert und eine gute Qualität verspricht. Leider muss ich aber sagen, dass ich mit dem Display nicht ganz zufrieden bin. Klar, es ist dank der hohen Pixeldichte schön scharf, aber das war es dann auch schon. Beginnend mit der Beleuchtung des Bildschirms ist diese etwas schwächer als zahlreiche Konkurrenzprodukte. Dieses Defizit fällt zwar nicht so extrem aus wie das manche Reviewer darstellen, ist aber dennoch eine Erwähnung wert. Was mir außerdem auffällt ist ein milchig-silberner Schimmer bei dunklen Bildern. Die Hintergrundbeleuchtung scheint also auch bei Schwarz relativ stark durch, was für ein JDI Display ungewöhnlich ist. Irgendwie bezweifle ich deshalb, dass hier ein JDI Panel verbaut wird, muss aber auch ganz klar sagen, dass ich das Gegenteil ebensowenig beweisen kann. Farblich sieht das Display übrigens recht blass aus, was aber an den Standardeinstellungen liegt. Nach ein wenig Fummelei in Miravision sieht das Ergebnis dann doch annehmbar aus. Immerhin ist das Display recht blickwinkelstabil.

Das alles sind ja nun nur kleine Schwächen und werten das Display nur etwas ab, machen es aber nicht zu einem schlechten Panel oder gar unbrauchbar. Was ich persönlich allerdings gar nicht ab kann sind Pixelfehler. Für mich ist das der Beweis für eine schlechte Qualitätskontrolle und minderwertige Panels, denn heutzutage sind Pixelfehler ja etwas sehr Seltenes geworden. Nichts desto trotz hat mein Xtouch gleich drei davon, und zwar jeweils volle tote Pixel und keine Sub-Pixel. Dies äußert sich in kleinen, hellen, weißen Punkten welche über das Display verteilt sind. Im Regelfall bemerkt man das zwar nicht, bei dunklen Bildern fällt es zumindest mir aber sofort auf. Schon beim ersten Boot hatte ich die Fehler entdeckt.

Es geht dann aber noch weiter, denn auch der Digitizer ist kein besonders hochwertiger. Grundsätzlich würde er wichtige Kriterien wie Gleitfähigkeit und Kratzfestigkeit erfüllen, jedoch mangelt es ihm an Auflösung. Zieht man ein Menü langsam über den Bildschirm, so bemerkt man ein deutliches Ruckeln bedingt durch ein grobes Raster des Touchscreens. Auch wenn man Icons diagonal über den Bildschirm zieht, bemerkt man das. Hier ist dann ein deutlicher "Treppen-Effekt" zu erkennen. Dadurch wird im Alltag ein "ruckeliger" Eindruck erzeugt, was das Smartphone langsamer wirken lässt als es tatsächlich ist. Außerdem ist es schwer Ego-Shooter auf dem Gerät zu spielen, da es an Präzision mangelt.

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Hardware & Performance

Modell: ​Bluboo Xtouch
Prozessor: ​Mediatek MT6753 8-Kern 1,3GHz
​Arbeitsspeicher:​3GB
​Speicher:​32GB
​Display:​5" 1920 x 1080 IPS OGS
​Frequenzen:​GSM:850/900/1800/1900
WCDMA:850/900/2100
FDD-LTE:800/1800/2100/2600
​Dual-SIM:​Ja (2x Micro)
​Micro SD:​Ja
​Abmessungen / Gewicht:​146 x 72,5 x 7,5mm / 157g
​Besonderheiten:Gewölbte "3D" Rückseite, SIM Slot mit Unterstützung für simultane Verwendung von zwei SIM Karten und einer Micro SD Karte

Das Bluboo Xtouch wurde einst mit Top-Hardware angekündigt, doch am Ende kam dabei dann doch nur ein Gerät heraus das auf halbwegs aktuelle Mittelklasse Ausstattung setzt. Wir haben es hier mit einem Mediatek MT6753 8-Kern Prozessor mit 1,3GHz zu tun, welcher grafiktechnisch von einer Mali T720 GPU unterstützt wird. Ungewöhnlich sind die 32GB interner Speicher, denn für gewöhnlich ist auch heute noch 16GB der Standard. Hier kommt sogar eMMC 4.5 Speicher zum Einsatz, welcher deutlich schneller ist als der Speicher in den meisten anderen Chinaphones. Im Benchmark hat das Bluboo Xtouch hier mit 199MB/s beim Lesen und 131MB/s beim Schreiben sehr gute Werte erreicht. Auch der 3GB große Arbeitsspeicher ist mit 3,7GB/s ziemlich flott unterwegs. Auch in den anderen Benchmarks merkt man den schnellen Speicher teils recht deutlich. So erreicht der Antutu Benchmark zum Beispiel satte 42.000 Punkte. Normal liegen Geräte mit demselben Prozessor im Bereich von 34.000 Punkten.

Doch trotz der recht guten Ausstattung kommt das Bluboo Xtouch auch hier nicht ohne blaue Flecken davon. Die Performance im Alltag ist nämlich nicht so wie man es nach den Benchmarks erwarten würde. Das Smartphone läuft einfach nicht so rund wie ich das von vielen anderen MT6753-basierten Geräten gewohnt bin, z.B. dem Meizu M2 Note oder dem Oukitel U10. Irgendwie fühlt sich alles ziemlich zähflüssig an und auch Spiele die auf der Plattform normal flüssig laufen, tendieren zu Rucklern (GT Racing 2 auf mittleren Einstellungen z.B.). Klar, das liegt mit ziemlicher Sicherheit an der Software und nicht an der Hardware, wohl aber hinterlässt es einen faden Beigeschmack, bedenkt man, wie lange Bluboo doch am Xtouch gebastelt hat bis es dann endlich auch auf den Markt kam.

Leider ist die mäßige Performance aber nicht der einzige saure Drops den man hier zu lutschen hat. Wer in einem Smartphone unbedingt einen funktionierenden Kompass benötigt, der sollte vom Xtouch unbedingt die Finger lassen. Zwar wird hier ein Magnetsensor beworben und er scheint auch vorhanden zu sein, jedoch funktioniert er schlicht nicht. Kompass Apps oder der Pfeil in Google Maps zucken nur wild umher anstatt die Richtung anzuzeigen. Daran ändert auch eine Kalibrierung nichts. Hier kann ich im Übrigen einen Einzelfall wieder ausschließen, da sich beide von mir getesteten Geräte gleich verhalten.

Gutes kann ich dafür über den Fingerprint Scanner berichten. Dieser funktioniert wunderbar, schnell und zuverlässig. Besonders gut gefällt mir, dass man keinen Knopf drücken muss um das Smartphone zu entsperren. Das Auflegen des Fingers auf den Sensor genügt. Bis zu 5 Fingerabdrücke kann man hier einspeichern. Das Entsperren geht dann auch sehr schnell. Vom Auflegen auf den Sensor bis zur Sichtung des Homescreens vergeht nicht einmal eine Sekunde. Ca. 2 von 10 Entsperr-Versuchen schlugen bei mir fehl.

Software

Als Betriebssystem kommt auf dem Blueboo Xtouch Android 5.1 zum Einsatz. Das System wurde minimal angepasst und so hat der Launcher ein leicht verändertes Design bekommen. Die Icons werden hier rund dargestellt und ein App Drawer ist vorhanden. In den Einstellungen findet man neben Unterstützung für HotKnot die Kontrolle für den Fingerprint Scanner, eine Steuerung für die Benachrichtigungsleuchte in der man die Farben festlegen kann, Einstellungen für Off Screen Gesten und Einstellungen für Wischgesten. Für letztere funktioniert der Sensor aber wie so oft mehr schlecht als recht, was das ganze Feature ziemlich sinnlos macht. Wie so oft erkennt der Sensor nicht in welche Richtung man wischt und der maximale Abstand der Hand zum Sensor ist viel zu gering.

Neben der verbesserungswürdigen Performance habe ich an der Firmware sonst nicht viel auszusetzen. Ein weiterer Fehler der noch existiert bezieht sich auf die WLAN Verbindung, doch dazu später noch mehr. Ansonsten läuft das System ohne Abstürze oder Kompatibilitätsprobleme. Sogar OTA Updates gibt es regelmäßig. Bloatware findet man im System keine. Lediglich eine App ist vorinstalliert: Xender. Mit diesem Tool kann man Dateien verwalten und zwischen Geräten hin und her kopieren. Bezüglich Sicherheit gab es im Test keine Auffälligkeiten. Das System ist bei meinen Geräten frei von Viren und auch nicht anfällig für die Stagefright Lücke.

Konnektivität & Empfang

Beim Empfang ist die Leistung des Bluboo Xtouch leider abermals stark verbesserungswürdig. Das geht schon beim Mobilfunkempfang los, denn abseits von GSM tut sich das Gerät sichtlich schwer. Hier am Standort habe ich Probleme mit dem Gerät eine 3G Verbindung zustande zu bringen. Meistens hängt das Xtouch hier im Edge Modus fest, selbst wenn ein anderes Gerät direkt daneben problemlos eine HSPA Verbindung aufbaut. Und wenn man dann am Xtouch mal eine 3G Verbindung hat, ist die Signalstärke merklich geringer als bei anderen Geräten. Bei LTE sieht das leider nicht anders aus, und so hat man es doch vergleichsweise schwer unterwegs Zugriff auf schnelles mobiles Internet zu bekommen.

Auch beim WLAN Empfang hatte ich so meine Probleme. Zum einen finde ich es ein starkes Stück von Bluboo zu behaupten, dass das Xtouch 5GHz WLAN unterstützen würde, dies dann aber gar nicht der Fall ist. Schalte ich meine FritzBox in den "5GHz Only"-Modus, so findet das Xtouch den Router schlichtweg nicht. Hier wird also kein 5GHz unterstützt und Bluboo sollte diese Angabe dringend mal von der Webseite streichen. Doch damit nicht genug, ich habe - ebenfalls bei beiden meiner Xtouches - immer wieder einen Bandbreitenverlust. Soll heißen, es funktioniert alles wunderbar, und dann von einer Sekunde auf die andere fließen keine Daten mehr obwohl die Verbindung noch besteht. Das Deaktivieren und Reaktivieren von WLAN behebt das Problem dann, dennoch nervt das tierisch. Ein Problem mit dem Router kann ich insofern ausschließen, als dass ich das Problem mit zwei verschiedenen Routern habe. Auch hier muss also noch dringend ein Bug behoben werden.

Letzte Hoffnung GPS? Bluboo bewirbt ja einen dedizierten GPS Chipsatz, welcher deutlich besser sein soll als die interne Lösung vom Mediatek SoC. Das Gerät soll somit eine Positionierung binnen 5 Sekunden schaffen und einem iPhone in nichts nachstehen - so die Worte des Herstellers. Doch stimmt das? Auf den ersten Blick ja. Binnen weniger Sekunden ist der Fix da und das mit einer Genauigkeit von 1 Meter und einem Fix für 20 Satelliten laut GPS Toolbox. Doch im Praxistest dann die Enttäuschung: Beim Tracking einer gelaufenen Wegstrecke versagt das Bluboo Xtouch stellenweise. Hier wich die aufgezeichnete Strecke teils erheblich vom tatsächlichen Weg ab. Natürlich macht sich das auch immer wieder bei der Navigation bemerkbar, wenn sich der Pfeil plötzlich von der Straße entfernt auf der man sich befindet. Auch hier muss Bluboo also dringend noch nachbessern.

In Sachen Empfang ist damit das Einzige was derzeit reibungslos funktioniert das Bluetooth. Peinlich ist das...

Sprachqualität & Klang

Beim Telefonieren liefert das Bluboo Xtouch eine akzeptable Performance ab. Viel mehr habe ich aber auch nicht erwartet denn das Gerät verzichtet auf ein dediziertes Noise Cancelling Mikrofon. Man muss hier also mit einem Mikro leben und das merkt man eben dadurch, dass die Sprachqualität nicht ganz so klar ist - keinesfalls aber unverständlich oder schlecht. Problematisch kann es zuweilen in sehr lauten Umgebungen werden, denn da hat das Gerät hin und wieder Probleme die Störgeräusche ordentlich auszufiltern.

Nicht zu viel versprochen hat Bluboo was die Audioqualität beim Musikhören angeht, zumindest über Kopfhörer. Hier verspricht man ja einen speziellen Audio Chip der die Qualität optimieren soll. Was genau da verbaut wird hat man zwar nicht verraten, aber das ist ja im Grund auch egal. Fakt ist: Das Bluboo Xtouch ist ein Genuss in Verbindung mit guten Kopfhörern. Man kann hier wirklich mächtig laut aufdrehen und bekommt dann einen klaren, kraftvollen und gut abgemischten Klang präsentiert. An dieser Stelle muss ich Bluboo wirklich einmal loben.

Der interne Lautsprecher dagegen ist eher in die Kategorie "Mist" einzuordnen. Auf den letzten drei Lautstärkestufen übersteuert das Ding hoffnungslos und klingt dann einfach nur noch kratzig. Allgemein ist das "Klangerlebnis" als recht blechern zu bezeichnen. Höhen werden zu krass ausgegeben und erzeugen ein unangenehmes Klirren in den Ohren. Musikgenuss geht definitiv anders. Achja, es handelt sich übrigens nur um einen Mono Lautsprecher. Die zwei Öffnungen sind Zierelemente.

Kamera

Abermals enttäuscht war ich von der Kamera. Bluboo hat die Herzen höher schlagen lassen als man mit einem Sony IMX214 Sensor warb. Der 13 Megapixel Sensor ist ja bekannt dafür sehr gute Bilder erzeugen zu können. Doch jeder der sich mit der Materie auskennt, der weiß auch wie wichtig die Optik und die Software ist. Hier liegt nämlich das Geheimnis einer guten Smartphone Kamera. Der Sensor selbst spielt zwar auch eine wichtige Rolle, aber eben keine so große. Der beste Sensor schneidet nicht gut ab, wenn bei der Optik und Software gespart wird. Genau das hat Buboo aber leider getan.

Die hier zum Einsatz kommenden Kameramodule scheinen die billigsten zu sein die man finden konnte. Im ersten Xtouch das ich hatte war das Kameramodul komplett defekt und konnte nicht fokussieren. So konnte man nur Nahaufnahmen anfertigen. Diese hatten links und rechts mit verschwommenen Rändern zu kämpfen, was ein ganz klares Anzeichen für billige Linsen ist. Auch andere Tester hatten das bemängelt. Beim zweiten Gerät das ich nun habe sind die Kanten der Bilder auch wieder verwaschen. Dieses Problem zieht sich also durch die gesamte Produktion und tritt nicht nur bei einzelnen Geräten auf.

Doch auch sonst kann mich die Kamera in Anbetracht dessen was in dieser Preisklasse mittlerweile von vielen anderen Herstellern abgeliefert wird nicht überzeugen. Bei Tageslicht geschossene Bilder kann man sich zwar ansehen, ein Genuss ist es aber nicht. Es mangelt der Kamera deutlich an Details. Zoomt man in die Bilder etwas hinein, erkennt man sofort, dass feine Details stark verwaschen sind. Außerdem ist die Ausfallrate der Kamera recht hoch. In etwa jedes dritte Bild kann man aussortieren. Weiterhin ist mir aufgefallen, dass die Kamera Kanten gerne überzeichnet. Nimmt man ein Bild auf in dem viele Linien mit starken Kontrasten zu sehen sind, so werden diese stark überzeichnet und sehen weißlich aus. Das ist für das Auge recht unangenehm.

Im Dunkeln erwies sich dir Kamera als relativ Lichtstark, hat aber auch hier damit zu kämpfen scharfe Bilder zu erzeugen. Die Belichtungszeit die für einigermaßen helle Aufnahmen benötigt wird ist zudem recht hoch, sodass es ohne Stativ oder Unterlage fast unmöglich ist ein nicht verwackeltes Bild hinzubekommen. Der Doppel-LED-Blitz schafft hier glücklicherweise oft Abhilfe, denn er ist ziemlich hell und schafft es mühelos mittelgroße Räumlichkeiten auszuleuchten.

Videoaufnahmen gelingen der Kamera in durchschnittlicher Qualität, wobei mir persönlich die Audioqualität nicht so ganz zusagt. Feine Details gehen hier gerne verloren und allgemein ist die Tonspur zu leise, wobei man letzteres Problem durch Nachbearbeitung beheben kann.

Die Frontkamera erzeugt Bilder mit 8 Megapixeln und hat mich ziemlich überrascht. Der Sensor ist sehr lichtstark und erzeugt selbst bei schlechtem Licht überraschend rauscharme Aufnahmen. Sogar ein Autofokus ist hier vorhanden. Hier wurde definitiv auf einen der besseren Sensoren zurückgegriffen.

Akkulaufzeit

​Im Bluboo Xtouch kommt ein 3.000mAh Akku zum Einsatz den man nicht tauschen kann. Die Kapazitätsangabe stimmt wohl auch, zumindest wenn man dem Ergebnis meines Messgerätes Glauben schenken möchte. Im Geekbench 3 Akkutest kommt man hier auf ein Ergebnis von ca. 7 Stunden mit Screen-Dim und knappen 5 Stunden ohne Screen-Dim bei 40% Displayhelligkeit. Das sind zugegeben keine Traumwerte, aber dennoch ausreichend. Über den Tag kommt man mit dem Xtouch Problemlos, auch wenn man die Kamera viel verwendet oder auf GPS zurückgreift. Mehr als ein Tag ist aber nicht drin, zumindest bei mir als Power User nicht.

Leider muss ich auch hier noch einen dicken Batzen Kritik los werden. Zum einen funktioniert die Ladestandsanzeige nicht. Sowohl im Notification Center als auch in den Einstellungen wird der Akkuladestand nicht angezeigt. Die dafür vorgesehenen Plätze sind einfach leer. Hierbei dürfte es sich um einen weiteren Firmware Bug handeln. Abhilfe schaffen hier beliebige Akku Widgets für den Home Screen oder dedizierte Akku Apps. Nervig ist das problem trotzdem, denn ich habe wirklich keine Lust für etwas ein Tool einzusetzen, für das es eigentlich eine Lösung im System gibt oder geben sollte.

Das war aber noch nicht alles. Es gib da nämlich ein beworbenes Feature das schlichtweg nicht vorhanden ist. Bluboo wirbt mit "Smart Fast Charging". Nur ist von Fast Charging leider weit und breit keine Spur zu entdecken. Das Aufladen des Akkus dauert 4 bis 5 Stunden, was bei aller Liebe deutlich zu viel ist. Mit dem Messgerät dazwischen sieht man dann, dass sich das Bluboo Xtouch maximal 0,75A zieht, selbst wenn man ein 2A Netzteil verwendet. Das originale Netzteil liefert übrigens auch nur 1A. Bluboo lügt hier also dreist, und das geht mal gar nicht.

Fazit

Außen hui, Innen pfui? Diesen Spruch habe ich einst gerne bei Elephone Geräten von mir gegeben, doch auf das Bluboo Xtouch trifft er definitiv auch zu. Das Gerät sieht ja wirklich hübsch aus, enttäuscht dann aber auf ganzer Linie. Da fragt man sich dann schon, was Bluboo während all den Monaten getan hat, welche das Xtouch auf sich hat warten lassen. Irgendwie hat man das Xtouch jedenfalls mächtig vergeigt, und so kann ich zu diesem Zeitpunkt in Anbetracht all der Mängel definitiv keine Kaufempfehlung aussprechen. 160 Taler sind für das was hier abgeliefert wird im Moment einfach deutlich zu viel und wären besser in einem Gerät von Cubot (X16 / X17), Meizu (M2 / M2 Note), Xiaomi (Redmi / Redmi Note 2/3) oder Oukitel (U10) investiert.

Trotzdem muss ich noch einmal betonen, dass auch viele der Fehler schlicht noch von einer unausgereiften Software rühren. Das bedeutet also, dass sich das Gerät wohl (oder hoffentlich) im Laufe der Zeit noch verbessern wird. Genau das werde ich auch für euch im Auge behalten und dann Bericht erstatten. Wer das Xtouch also noch nicht völlig abgeschrieben hat, der sollte da mal die Augen offen halten.


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