Review der Minix Neo Z64 Android TV-Box

Review der Minix Neo Z64 Android TV-Box

Manche sagen: Was will ich mit einer TV-Box, mein Fernseher hat doch auch eine Smart TV Funktion? Warum es sich dennoch lohnt eine extra Box neben den Fernseher zu stellen, und ob die Minix Neo Z64 die richtige Wahl ist, erfahrt ihr in diesem Testbericht. 

Mein Fernseher ist schon einige Jahre alt. Dennoch hat er einen Ethernet-Anschluss und man kann - theoretisch - verschiedene Smart TV-Funktionen nutzen. Ich sage theoretisch, da das mit dem Teil wirklich keinen Spaß macht. Alles dauert eine gefühlte Ewigkeit und wenn es dann endlich das geöffnet hat was man will, stürzt es ab. Natürlich sind moderne Fernseher besser ausgestattet und haben auch eine leistungsfähigere Hardware an Bord, aber es wird immer so sein, dass die technische Entwicklung schneller voran schreitet als es einem vielleicht lieb ist. Ich bin auch noch völlig zufrieden mit meinem TV - das Bild ist gut und es gibt keinen Grund, das Gerät gegen ein Neues zu tauschen. Dennoch hat mich der immer weiter fortschreitende Trend hin zu Streaming und Video on Demand dazu veranlasst, für eine Verbesserung zu sorgen. Diese kommt in Form einer Android TV-Box von Minix, die mir freundlicherweise von Geekbuying zur Verfügung gestellt wurde. Die Minix Neo Z64 ist die erste TV-Box des Herstellers, die mit einem Intel Chipsatz ausgestattet ist. Sie kommt mit einem Intel Z3735F SoC daher, den man bereits aus diversen Tablets und Mini-PCs kennt und erwartungsgemäß für ordentlich Power sorgt.

Lieferumfang

Die Verpackung sieht sehr hochwertig aus und fühlt sich auch so an. Die dicke Karton-Box ist bunt bedruckt und besitzt neben dem Minix-Logo ein auffälliges Muster. Auf den Seiten der Schachtel sind einige Kern-Features der TV-Box als Symbole aufgedruckt und auf der Rückseite findet sich auch eine detaillierte Liste aller Spezifikationen. Hebt man den Deckel der Schachtel ab, liegt direkt die Box oben auf. Die Neo Z64 liegt in einem herausnehmbaren Inlay, das nochmals das Betriebssystem, also in meinem Fall Android 4.4.4, und einige weitere Kernfunktionen beschreibt. Unter dem Inlay finden sich dann noch das Netzteil, das sogar einen Minix-Schriftzug trägt, ein HDMI-Kabel, ein USB-Verbindungskabel und die Infrarot Fernbedienung. Damit bekommt man alles, was man für den Betrieb der Box benötigt geliefert und kann diese direkt installieren.

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Freundlicherweise lagen meiner Bestellung von Geekbuying noch mehrere Geschenke bei. Zum einen wurde eine Funkmaus mitgeliefert, die zwar wirklich billig verarbeitet ist, aber dennoch ihren Zweck erfüllt. Zum anderen lag auch noch eine MicroSD-Karte mit 8GB Speicher bei, die man auch mit der Neo Z64 nutzen kann. Insgesamt bekommt man also alles was man benötigt - und von Geekbuying sogar noch mehr. Man merkt der Verpackung schon an, dass Minix ein alter Hase auf dem Gebiet der TV-Boxen ist und die Qualität lässt keine Wünsche offen.

 

Design / Verarbeitung

Das Design der Minix Neo Z64 ist sehr schlicht. Die Grundfläche der Box ist ein Quadrat mit abgerundeten Ecken. Sie hat eine Kantenlänge von rund 11,5 Zentimetern und ist circa 2 Zentimeter dick. Das Metallgehäuse hat ein matt schwarzes Finish, was sehr hochwertig wirkt und gut mit ähnlich farbigen Receivern oder BluRay-Playern harmoniert. Auf der Oberseite ist das Minix-Logo eingefräst. An der linken Seite befindet sich eine WLAN-Antenne, deren Anstellwinkel eingestellt werden kann und die frei drehbar ist. An der Rückseite befinden sich der HDMI-Port, eine RJ45-Buchse für ein Netzwerkkabel, ein 3,5mm Klinkenausgang und natürlich der Anschluss für das Netzteil. An der rechten Seite sind noch zwei USB 2.0-Ports, ein Steckplatz für MicroSD-Karten und der Power-Knopf angebracht. Die Front ist bis auf den Receiver für die Infrarotfernbedienung komplett einheitlich schwarz, im Betrieb leuchtet jedoch eine Zustands-LED, die im ausgeschalteten Zustand nicht sichtbar ist. 

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Die mitgelieferte Fernbedienung hat eine handliche Form und besitzt ein Navigations-Kreuz für vier Richtungen mit einer mittigen Bestätigungs-Taste, zwei Knöpfe zur Einstellung der Laustärke, einen Zurück-Knopf und einen Home-Button. Außerdem befindet sich am oberen Rand noch ein Power-Button, mit dem man die Box in den Ruhezustand schicken oder sie aus diesem aufwecken kann. 

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Die Verarbeitung sowohl der Box als auch der Fernbedienung ist wirklich spitze. Es knarzt nichts, es bewegt sich nichts, Knöpfe besitzen einen klaren, angenehmen Druckpunkt und die Oberfläche der Box ist entgegen erster Befürchtungen auch kein schlimmer Schmutz- und Fettmagnet. Man merkt hier ganz deutlich, dass die Neo Z64 zu den hochwertigeren TV-Boxen gehört und damit ist auch der relativ hohe Preis gerechtfertigt. 

Performance

Minix verpasst der Neo Z64 ja einen Intel SoC, den man schon aus vielen anderen Geräten kennt. Der Z3735F besitzt vier Rechenkerne, die mit maximal 1,8GHz takten. Der Chip ist eigentlich für Tablets entwickelt worden, verrichtet aber auch in der TV-Box hervorragende Dienste. Die 2GB RAM führen außerdem dazu, dass man auch beim Abspielen von Videos Multitasking nutzen kann und das System allgemein sehr flüssig läuft. Die spezielle Oberfläche von Minix besteht eigentlich nur aus einem angepassten Launcher, während Einstellungen und so weiter genau wie jedes andere Stock-Android aussehen. Insgesamt ist das System sehr performant und bei normalen Videos bemerkt man keinerlei Einschränkungen. Lediglich beim Abspielen von HD-Videos muss man auf den richtigen Player achten. Der MX-Player schafft es nicht, Full HD Material ohne Ruckler abzuspielen, während die XBMC-App keine Probleme damit hat. Beim Streaming hat man ebenfalls keine Probleme. 

Die Box unterstützt die meisten gängigen Formate. Zumindest über XBMC macht es keinen Unterschied, ob das Video nun in MP4, MPEG4, MPEG2, WMV, MOV, MKV, FLV oder Real Media vorliegt. H.264 Formate bereiten auch keine Probleme, bei H.265 streikt das System aber. Die Videos werden zwar dargestellt, aber in einer nicht vertretbaren Geschwindigkeit. Dasselbe gilt für 4k-Material: H.264 funktioniert erstaunlicherweise, während H.265 entweder gar nicht startet oder unterirdische Frame-Raten produziert. Außerdem muss gesagt werden, dass die Box zwar 4k-Videos ausgeben kann, diese aber nur codiert und auf 1920x1080 Pixel skaliert. Die Ausgabe über den HDMI-Port unterstützt nämlich nur diese maximale Auflösung. Doch selbst wenn man längere Zeit ein 4k-Video abspielt, wird die Box nicht warm oder nur handwarm. Das ist doch erstaunlich, liegt aber vermutlich an dem großen Gehäuse, das gut zur Kühlung beiträgt.

Die Audio-Ausgabe über HDMI erfolgt ohne Probleme und in hoher Qualität. Die Ausgabe über die 3,5mm Klinke ist auch sehr gut. Es sind keine Störgeräusche zu hören und die Wiedergabe ist satt und klar. Das kennt man ja auch schon von anderen Intel-Chips und ist wirklich gut. Das System unterstützt neben Dolby Digital auch DTS, was für ungetrübtes Kinovergnügen sorgen dürfte - die passende Ausstattung vorausgesetzt.

Spiele konnte ich leider mangels eines kompatiblen Game-Controllers nicht testen. Aufgrund der Erfahrungen, die ich mit dem System gemacht habe und was man von anderen Geräten mit dieser Hardware gehört hat, gibt es dabei aber nichts zu befürchten. Für die Benchmark-Fetischisten unter euch gibt es hier noch einige schlagkräftige Zahlen:

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System

Minix hat auf allen seinen TV-Boxen eine speziell angepasste Version von Android laufen, die extra für die Anzeige auf Fernsehgeräten und die Bedienung mit einer Fernbedienung optimiert ist. Diese basiert auf Android 4.4.4 und kommt auch beim Neo Z64 zum Einsatz. Da die Hardwarebasis mit Intel leider noch recht jung für Minix ist, ist auch die Anpassung der Software noch nicht ganz so weit fortgeschritten. Während man von anderen Boxen neben einem eigenen Launcher auch eine angepasste Einstellungs-App kennt, sind bei der Neo Z64 nur der eigene Launcher und einige spezielle Apps zu finden. Der App-Drawer und die Settings-App sind jedoch nicht angepasst und sehen aus wie bei jedem Android-Gerät. Dadurch ist die Bedienung nicht ganz so komfortabel wie bei einem angepassten System. Außerdem fehlen manche Funktionen, wie zum Beispiel die Unterstützung der App Android TV Remote von Google, mit der das Smartphone zur Fernbedienung werden kann. Ich hoffe, dass solche Funktionen noch per Update nachgeliefert werden.

Der Launcher besteht aus verschiedenen Icons, die jeweils die Funktion eines Ordners besitzen. So gibt es zum Beispiel ein Symbol, das einer Note gleicht und das als Shortcut für verschiedene, selbst definierte Musik Apps dient. Dabei gibt es neben den vorkonfigurierten Kategorien auch die Möglichkeit selbst welche zu erstellen. Außerdem sind einige Apps vorinstalliert, die ebenfalls für die TV-Bedienung optimiert sind. So kommt eine spezielle Version des ES Filemanagers zum Einsatz, die große Schaltflächen und ein übersichtliches Interface bietet. Minix installiert auch eine App namens AirPin, die als AirPlay- und DLNA-Receiver dient. Damit lassen sich Inhalte sehr einfach vom Smartphone oder Notebook aus auf den Fernseher streamen.

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Eine weitere Besonderheit ist die Softkey-Leiste. Neben den gängigen Befehlen wie Zurück, Home und zuletzt genutzte Programme, ist diese um einen Button zum Erstellen eines Screenshots, einem Power-Menü und einer Funktion zum Ausblenden der Leiste erweitert worden. Damit hat man alle wichtigen Funktionen immer in Reichweite. Auf dem Gerät ist zudem XBMC vorinstalliert, das zwar im Startup-Screen als Minix-Edition beworben wird, Unterschiede zur normalen Android-Version konnte ich aber nicht ausmachen. Das Mediencenter läuft sehr flüssig, hat eine bequeme Bedienung und erkennt alle Peripherie-Geräte flüssig. Die Bedienung funktioniert jedoch nur per Achsenkreuz, da die App den Maus-Linksklick nicht erkennt.

Ein Problem an dem System ist aber dennoch die Bedienung. Zwar liefert Minix eine Fernbedienung mit, diese ist aber nicht wirklich gut zu gebrauchen. Zwar kann das grundlegende System mit den Funktionen Links, Rechts, Oben, Unten und Zurück benutzt werden, die meisten Android-Apps sind aber nicht für diese Bedienung optimiert. Zum Beispiel Spotify kann damit überhaupt nicht benutzt werden, da die wichtigen Menüpunkte einfach nicht erreicht werden können. Außerdem kann jeder, der schon einmal ein Smart TV benutzt hat, bestätigen, dass das Eingeben von Titeln oder Suchbegriffen ohne Tastatur mehr als mühsam, zeit- und nerven aufreibend ist.

Aus diesen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, mir eine Air Mouse mit Tastatur von Tronsmart zu kaufen. Dabei handelt es sich um die Tronsmart TSM01, die es für rund 20 Euro zu kaufen gibt. Diese Investition lohnt sich jedoch wirklich, da die Bedienung damit um ein vielfaches leichter ist. Beziehungsweise ist damit erst die vollständige Bedienung möglich - wenn man nicht die mitgelieferte Funkmaus nutzen möchte, die immer eine feste Unterlage benötigt. Die Air Mouse funktioniert sehr zuverlässig, verbindet sich per USB-Dongle mit Funk mit der Box und funktioniert perfekt mit Plug & Play. Der Akku der Fernbedienung hält überraschend lange und die Bedienung läuft sehr intuitiv. Mithilfe des eingebauten Gyroskop-Sensors erkennt die Fernbedienung, in welche Richtung man sie bewegt und damit kann man einen Zeiger auf dem Display bewegen. Auf der Oberseite der TSM01 befinden sich dann eine Taste für den Links- und eine für einen Rechtsklick, wodurch man dann quasi eine vollwertige Maus bekommt. Zwischen diesen Tasten liegt noch ein Homebutton und darüber ist ein Achsenkreuz zum Navigieren angebracht, das man schon von der Minix-Fernbedienung kennt. Am linken Rand findet sich eine Lautstärkewippe, mit der man diese systemweit regeln kann. Ein Power-Knopf ist an der oberen Seite des Randes zu finden. Die Rückseite ist komplett von einer Tastatur eingenommen. Sobald man die Fernbedienung herumdreht, ist die "Maus-Funktion" deaktiviert und man kann bequem sogar längere Texte tippen. Das ist wirklich effektiv und schnell und macht so viel Spaß. Zwar ist das Layout der Tastatur QWERTY, das ist aber nicht schlimm, da man sich daran schnell gewöhnt und man ja keine Romane mit dieser Tastatur verfasst.

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Fazit

Smart TV as it was meant to be. Genau so muss diese Funktion aussehen. Snappy, flüssig, mit bequemer Bedienung. Letzteres lässt sich zwar nur mit einer extra Fernbedienung bewerkstelligen, was dann nochmals Kosten verursacht, aber diese lohnen sich wirklich. Dafür ist die Hardware-Basis der Minix Neo Z64 wirklich toll und es gibt sogar erste "Proof of Concept"-Videos, die ein Dualboot mit Ubuntu, Windows 10 und SteamOS zeigen. Hier könnte sich also in der Zukunft noch einiges tun und die x86-Architektur könnte sich so als echter Vorteil erweisen. Die kompakte, hübsche Box macht sich zudem gut neben dem Fernseher und fällt nicht unangenehm auf und muss sich auch nicht verstecken. Wenn Minix bald noch ein paar fehlende Funktionen nachliefert, wird die Neo Z64 wirklich zur Alternative zu den altbekannten TV-Boxen. Für mich ist sie auf jeden Fall klar die bessere Alternative zu allen integrierten Smart TV-Lösungen. Der Preis erscheint mit rund 125 Euro zwar relativ hoch - vor allem wenn man noch 20 Euro für die Fernbedienung addiert. Dafür bekommt man aber eine zukunftssichere Hardware, die mit etwas Entwickler-Arbeit zum echten Multitalent werden könnte.

Nochmals vielen Dank an Geekbuying für die Bereitstellung des Testgeräts.

 

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