ELE Explorer Pro im Test

ELE Explorer Pro im Test

Viele Smartphone-Hersteller aus China sind dazu übergegangen, sich auch abseits der Kernkompetenz ein Standbein aufzubauen. Elephone bietet beispielsweise auch noch eine Smartwatch oder Action Kameras an. Bei letzteren wurde vor einiger Zeit die zweite Gerätegeneration angekündigt, deren Verkauf nun langsam Schwung aufnimmt. Das besondere an der Kamera ist, dass die maximale Auflösung für Videos bei 4k liegt und man einen Sensor verbaut, der nativ mit 12 Megapixeln auflöst. Bedenkt man, dass eine GoPro Hero 4 Black mit – zumindest auf dem Papier – derselben Ausstattung 430 Euro kostet, ist die Elephone ELE Explorer Pro eine richtig attraktive Alternative. Hier muss man nur etwas mehr als 100 Euro auf den Tisch legen und bekommt dazu noch ein ziemliches großes Display auf der Rückseite der Kamera.

Ob die Kamera aber auch in der Realität überzeugen kann, erfahrt ihr im folgenden Review.

Verpackung & Lieferumfang

Elephone setzt bei der Verpackung auf eine länglich rechteckige Box, auf der in modernem Stil einige Bilder der Kamera und von Action Szenen abgebildet sind. Auf der rechten Seite der Box befindet sich eine Lasche an der man das Innere wie eine Schublade herausziehen kann. Darin liegen zwei unscheinbare, weiße Schachteln. In der einen befindet sich die Kamera selbst im wasserdichten Case und in der anderen, etwas Größeren befindet sich das umfangreiche Zubehör.

Dabei handelt es sich um das Standard Action-Kamera-Zubehör Repertoire. Von einigen klebbaren Mounts für Helme oder Skier über Winkel, Zurrbänder und einem Micro USB-Kabel bis zum Mikrofasertuch für die Reinigung hat man an alles Gedacht. Hier unterscheiden sich die unterschiedlichen Hersteller aber kaum und der gebotene Lieferumfang ist quasi ein Must-Have.

Dennoch ist es auch hier so, dass man das gesamte Zubehör später nicht mehr in derselben kompakten Form in die kleine Box hineinbekommt. Das ist etwas schade, da man sich so immer nach einer extra Aufbewahrungsmethode umsehen muss.

Design & Verarbeitung

Elephone setzt sich bei der Ele Explorer Pro etwas vom Mainstream der Action Kameras ab. Orientieren sich die meisten beim Design am Vorbild GoPro, geht Elephone einen eigenen Weg. Zwar ist die Grundform ebenfalls rechteckig und der Formfaktor weitestgehend ähnlich, doch sieht die Kamera deutlich edler aus. Auf der Front sticht der rote Power-Button ins Auge, der eine längliche Form besitzt. Auch die Struktur der Front kann überzeugen und fühlt sich wertig an. Insgesamt ist die Verarbeitung der Kamera erstklassig und es bewegt sich nichts.

Die Bedienung erfolgt wie gewohnt mittels den auf der rechten Seite angebrachten Richtungstasten, dem Auslöser auf der Oberseite und dem Power/Menü-Button auf der Front. Auf der linken Seite finden sich noch ein MicroUSB, ein MicroHDMI und ein MicroSD-Anschluss. Leider werden auch bei dieser Kamera nur Speicherkarten mit maximal 32GB unterstützt, was wohl am verbauten Novatek-Chipsatz liegt. Mit einem Gewicht von 64 Gramm ist die Kamera auch angenehm leicht und eignet sich bestens zur Nutzung an einem Quadcopter.

Display

​Größe: ​2 Zoll (~5 Zentimeter) Durchmesser
Auflösung:​ ​320x240 Pixel
Technologie​:​LCD TFT
​Anzahl Berührungspunkte:​-
Gehärtetes Glas:​Nein​
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​Ja​

Das dominierende Element auf der Rückseite ist das Display, das mit einer Displaydiagonalen von etwas mehr als 5 Zentimetern wirklich groß ist. Zum Vergleich: das gesamte Gehäuse misst in der Diagonalen 7 Zentimeter. Die Auflösung beträgt 320x240 Pixel. Es besitzt zwar eine spiegelnde Oberfläche, aber aufgrund der guten Helligkeit ist es auch im Freien gut ablesbar. Man darf natürlich nicht dieselbe Qualität wie bei einem hochwertigen PC-Monitor erwarten, aber zur Einschätzung der momentanen Aufnahme ist das Display aufgrund seiner Größe wirklich gut geeignet.

Immerhin besitzt es eine leichte Beschichtung, die Fingerabdrücke und Schmutz nicht zu sehr haften lässt und es lässt sich damit leicht reinigen. Die Blickwinkelstabilität ist allgemein ebenfalls ziemlich gut, nur bei spitzen Winkeln von der linken Seite verändert sich die Farbwiedergabe stark. Leider ist das Glas, welches das Display bedeckt nicht ganz so stabil und so kommt es bei einer einhändigen Bedienung der Kamera oft zu Druckstellen auf dem Display. Es bleibt zu hoffen, dass sich das auf Dauer nicht in Clouding-Flecken auswirkt.

Hardware & Performance

​Prozessor: ​Novatk NT96660
Kamera-Sensor (native Auflösung): ​Sony IMX117 (12 Megapixel)
​Aufnahme-Modi:​4k(3840x2160) @24fps, 2k(2688x1520) @30fps, FHD @60fps, FHD @30fps, HD @120fps, HD @60fps, HD @30fps, WVGA @30fps, VGA @240fps, VGA @30fps, QVGA @30fps 
​Besonderheiten:
​​​Sprachausgabe, WiFi, Gyroskop
​Abmessungen / Gewicht:
​59x41x24 Millimeter / 64 Gramm

Für das Rechnen ist in der Elephone Ele Explorer Pro ein Novatek Chipsatz zuständig. Konkret handelt es sich hier um den NT96660, den man auch schon aus diversen SJCAM-Modellen kennt. Dieser arbeitet hier gefühlt aber deutlich schneller als in der SJCAM SJ4000+. Vor allem das Booten beziehungsweise Starten der Kamera geht deutlich schneller von Statten. Die Oberfläche ist hingegen fast identisch. Es gibt insgesamt vier Modi: Videoaufnahme, Fotoaufnahme, Galerie und Einstellungen. Bei den Einstellungen kann man wirklich viele Anpassungen vornehmen und die Kamera stark den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Neben der Konfiguration der Auflösung für Video- und Foto-Aufnahmen können auch Bildparameter wie der Weißabgleich oder die Blende geändert werden. Zudem können Modi wie Bewegungsmelder oder Fahrzeug-Überwachung aktiviert werden. Eine Besonderheit der Software auf der Kamera ist auch die Sprachausgabe. Beim Starten und Stoppen von Aufnahmen gibt die Kamera nicht nur ein akustisches Signal ab, sondern setzt einen Sprachbefehl ab, der die aktuelle Aktion beschreibt. Das funktioniert auf verschiedenen Sprachen und ist sehr gut verständlich. Vor allem bei Action Aufnahmen ist das hilfreich, wenn man gerade nicht auf das Display schauen kann und sich nicht sicher ist, ob man die Aufnahme gerade startet oder stoppt.

Der verbaute Kamerasensor in der Explorer Pro stammt von Sony. Dieser löst nativ mit 12 Megapixeln auf und die einzelnen Pixel haben eine Größe von 1,55 Mikrometern. Die maximale Video-Auflösung von 4096x2160 Pixel wird somit auch ohne Interpolation erreicht, was eine hohe Qualität bedeutet. Spannend ist zudem die optische Stabilisierung des Sensors mittels eines Gyroskops, das ähnlich wie ein Gimbal arbeitet und ein ruhigeres Bild bewirkt.

Empfang & Konnektivität

​WLAN: ​Ja
Video-Ausgang:​ ​Micro HDMI
Speicherkarten-Slot:​​MicroSD bis zu 64GB

Eines der Kern-Features der Elephone ELE Explorer Pro ist die Smartphone-App, über die man die Kamera per WiFi fernsteuern kann. Das wäre beispielsweise für die Nutzung von FPV an einem Quadcopter interessant. Aber auch das Überprüfen des eben gedrehten Videos an einem Tablet wäre damit bequem möglich. Die Fomulierung ist hier bewusst gewählt, denn leider funktioniert die App in der Praxis nicht. Man kann an der Kamera zwar das WLAN aktivieren und sich mit dem angegeben Acess Point verbinden, aber die spezielle App ist leider nicht lauffähig. Im Google Play Store gibt es zwei ELE Explorer Apps. Die eine ist dem Namen nach sogar speziell für die ELE Explorer Pro-Kamera, doch mit beiden ist kein Zugriff auf die Kamera möglich. Nach dem Pairing stützen die Apps ab. Das ist sehr schade und auch die zahlreichen negativen Bewertungen im Play Store bestätigen unsere Erfahrung. Auch andere Apps aus dem Play Store für ähnliche Kameras mit demselben Chipsatz verweigern ihren Dienst. Entweder es stimmt also etwas mit der Hardware beziehungsweise Software in der Kamera nicht, oder die Systeme sind tatsächlich verschlüsselt und Elephone bekommt es einfach nicht auf die Reihe, eine vernünftige App für die Explorer Pro zu veröffentlichen. In jedem Fall ist dieses Feature nicht nutzbar.

Ein weiterer Aufreger ist die nicht vorhandene Unterstützung von 64GB MicroSD-Karten. Es wurden zwei solcher Karten getestet, die in anderen Geräten ohne Probleme funktionieren, in der ELE Explorer Pro aber nicht erkannt werden. Legt man eine Speicherkarte ein, die eine größere Kapazität wie 32GB besitzt, wird man beim Boot mit der Nachricht "Setzen Sie bitte SD-Karte ein" begrüßt. Leider wird bei diversen Shops aber damit geworben, dass 64GB-Karten unterstützt werden und in Anbetracht der hohen Auflösung wäre das auch ein wirklich sinnvolles Feature. Für längere Aufnahme-Sessions sollte man also besser mehrere Speicherkarten dabei haben.

Die mangelnde Unterstützung der beiden MicroSD-Karten mit 64GB Speicher war auf die Art der Formatierung zurück zu führen. Die Karten waren mit exFAT formatiert, was bei Windows ab 64GB das Standard-Format ist. Der Novatek Chipsatz in der Ele Explorer Pro kann jedoch nur mit FAT32 umgehen. Nachdem die Karten umformatiert wurde, hat die Kamera diese auch erkannt. Mann muss hier also sehr darauf achten, dass alle Speicherkarten FAT32 formatiert werden.

Kameraqualität

Generell kann man sagen, dass die Aufnahmen der Elephone ELE Explorer Pro schon sehr gut aussehen. Selbst in 4k-Auflösung ist die Qualität ordentlich. Das Problem, das die Kamera hat ist aber auch offensichtlich: Aufnahmen besitzen einen starken Rot-Stich und alles sieht sehr warm aus. Man hat immer das gefühl, dass hinter einem gerade der krasseste Sonnenuntergang des Jahrhunderts ist, was nicht immer gut aussieht. Vor allem im Vergleich mit einer anderen Kamera - beispielsweise der SJCAM SJ4000+ - fällt diese übertriebene Wärme auf. Diese zieht sich durch alle Aufnahme-Modi. Das ganze ist aber nur bei sonnigem Wetter auffällig. Wenn die Umgebung eher grau und regnerisch ist, tritt dieser Effekt nicht so stark auf. Die Stabilisierung durch das Gyroskop kann zwar keine Wunder vollbringen, hilft aber vor allem bei geringen Vibrationen effektiv gegen Rolling Shutter und ähnliches. Mit dem optischen Bildstabilisator beispielsweise im Xiaomi Mi5 kann die Funktion aber bei weitem nicht mithalten. 

Fotos besitzen ebenfalls sehr warme Farben, hier ist das ganze aber weniger störend. Die Schärfe ist aber nicht ganz überzeugend und der Fokus-Punkt scheint fest in recht kurzer Entfernung vor der Linse zu sitzen. Leider jedoch nicht nah genug, dass Makro-Aufnahmen ohne Blick auf das Display gelingen. Irgendwie ist Elephone hier einen merkwürdigen Kompromiss eingegangen. Zu Lens-Flares kommt es recht schnell, sobald die Sonne in einem flachen Winkel zur Linse liegt, was teilweise etwas lästig sein kann.

Die Audio-Qualität des verbauten Mikrophons geht ebenfalls in Ordnung, ohne wirklich begeistern zu können. Es klirrt zwar nicht, dafür ist es etwas dumpf und gibt alles etwas verwaschen dar. Zudem ist die Empfindlichkeit etwas niedrig.

Akku

​Kapazität (Angabe): ​1050mAh
​Kapazität (Gemessen): ​678mAh
​Wechselbar:​Ja
Fast Charging:​​Nein (max. 0,78A)

Bei der Akkukapazität scheint Elephone leider ebenfalls ein Patzer unterlaufen zu sein. Angegeben ist die Kapazität des Energiespeichers mit 1.050mAh. Das ist schon eine Ansage für eine Action-Kamera und verspricht eine überragende Laufzeit. Mit 16 Gramm Gewicht würde dies aber einer Energiedichte von 242Wh/kg entsprechen, was für Lithium-Ionen-Akkus leider noch nicht der Realität entspricht. Die gemessene Kapazität von rund 680mAh scheint hier eher realistisch zu sein, wobei die Wahrheit sicherlich irgendwo dazwischen liegt. Eine Kapazität von 750mAh halten wir für realistisch. Das reicht aber auch noch gut und für einige Stunden Aufnahme. Man bemerkt aber, dass die Aufnahme in 4k stärker am Akku zieht wie ein FullHD-Video. Wem die Kapazität nicht reicht, kann aber recht günstig Ersatzakkus erwerben. Der Akku unserer SJCAM SJ4000+ passt beispielsweise ohne Probleme und auf Amazon bekommt man diese für kleines Geld.

Fazit

Die Elephone ELE Explorer Pro ist eine Action Kamera mit viel Ausstattung für kleines Geld. Für um die 100 Euro bekommt man eine Kamera mit 4k-Auflösung, WiFi und Bildstabilisierung. Leider sieht die Umsetzung dieser Features nicht ganz so gut aus wie erhofft. Das Kamera-Bild an sich haut uns nicht vom Hocker, ist aber annehmbar. Dafür ist die Verarbeitung und das Design der ELE Explorer Pro wirklich gut gelungen und hier gibt es nichts zu beanstanden. Negativ fällt jedoch auf, dass das WiFi-Feature nicht nutzbar ist, da die Smartphone App alles andere als Stabil läuft und die Kapazität des Akkus deutlich geringer ist als angegeben.

Nun muss man sich entscheiden, wo man hier die Prioritäten legt. Die ELE Explorer Pro ist nicht die einzige Action Kamera aus China, die 4k-Auflösung bietet. Dafür gehört sie zu den günstigsten Exemplaren mit diesem Feature und sowohl der Lieferumfang als auch die Verarbeitung können überzeugen. Wenn man jedoch Wert auf eine erstklassige Bildqualität legt und ein natürliches Bild sucht, sollte man wohl noch etwas weiter suchen. Außerdem sollte man in zusätzliche Akkus investieren, wenn man lange Aufnahme-Sessions plant.

Pro Contra
​+ Außergewöhnliches Design ​-​ WiFi-Funktion nicht nutzbar
+ Erstklassige Verarbeitung​- Akku-Kapazität geringer als angegeben​
+ Umfangreiches Zubehör​- Dünnes Displayglas, Gefahr von Clouding​
+ Sprachausgabe des aktuellen Modus​- Nur Speicherkarten mit maximal 32GB unterstützt​ Nur Speicherkarten mit FAT32-Formatierung unterstützt
+ Schnelles Interface​- Farben in Videos zu warm​
+ Großes Display​- Audioaufnahmen sehr dumpf​
+ 4k-Auflösung​- Kein Auto-Fokus​

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