Xiaomi hat mit HyperOS4 die nächste große Version seiner Android Oberfläche vorgestellt und parallel dazu die öffentliche Betaphase in China gestartet. Das Licht der Welt wird die Software voraussichtlich im September erblicken, wenn die Xiaomi 18 Serie in China vorgestellt wird. Lu Weibing, Präsident von Xiaomi, kündigte den Rollout der Public Beta am 13. August auf Weibo an, seit dem 14. August erhalten die ersten Geräte die neue Software. Die offizielle HyperOS Produktseite des Herstellers zeigt bereits jetzt, welche Änderungen bei Design, Systemleistung und KI Funktionen anstehen.
Im Zentrum der optischen Überarbeitung steht ein neues Materialkonzept, das Xiaomi als "Soft Light Glass" bezeichnet. Menüs, Benachrichtigungskarten und Icons erhalten eine transluzente Glasoptik, die auf Umgebungslicht reagiert und bei Berührungen sowie Wischgesten dynamische Lichteffekte erzeugt. Die Transparenz der Oberflächen passt sich dabei automatisch an den dargestellten Inhalt an. Optisch reiht sich Xiaomi damit in einen Trend ein, den zuletzt auch andere Hersteller und Betriebssysteme mit ähnlichen Glaseffekten aufgegriffen haben, nachdem Apple seine Designsprache auf Liquid Glass umgestellt hat.
Der Sperrbildschirm lässt sich künftig flexibler gestalten, die Position der Uhr ist frei wählbar und Benachrichtigungen lassen sich kompakter stapeln und durchblättern. Ordner passen ihre Größe dynamisch an die Anzahl der enthaltenen Apps an, Widgets lassen sich zu Gruppen stapeln und per Wischgeste durchschalten. Bei Telefonen mit kleinem Bildschirm sollen Apps künftig mehr Inhalt kompakt darstellen, während Tablet Anwendungen zwischen einer immersiven und einer effizienten Navigationsansicht wechseln können. Auch Systemapps wie die Wetteranwendung wurden neu gestaltet und zeigen nun animierte Echtzeitdarstellungen. Einiges davon erinnert an Ansätze, welche es in den ColorOS und OriginOS Systemen von Oppo und Vivo schon seit längerem gibt.
Wichtig für technisch interessierte Leser: Laut Xiaomi's eigenen Angaben laufen die interaktiven Lichteffekte des Soft Light Glass Materials aus Performancegründen nur auf Geräten mit Snapdragon 8 Elite Gen 5 oder neuer, Dimensity 9500 oder neuer, beziehungsweise Xiaomi's eigenem Xring O1 in 3nm Fertigung oder neueren Chips. Auf älterer oder Mittelklasse Hardware dürfte die Darstellung entsprechend reduziert ausfallen. Auch die Widget Gruppierung ist laut Hersteller zunächst nur auf dem chinesischen Festland und nur auf ausgewählten Telefon und Tablet Modellen verfügbar.
Neben der Optik hat Xiaomi an der internen Systemleistung gearbeitet. Eine überarbeitete HyperCore Engine soll die Systemlast durchgängig überwachen und unnötige Prozessorbefehle reduzieren, eine KI gestützte Speichervorladung prognostiziert den App Bedarf und hält passende Daten vorab im Arbeitsspeicher bereit.
In Labortests, die Xiaomi auf einem Xiaomi 17 Ultra durchgeführt und im Vergleich zwischen HyperOS 3 und HyperOS 4 veröffentlicht hat, sinkt die Gesamtdauer für den Start von 30 Apps nach 9 Stunden Nutzung von 169,4 auf 139,7 Sekunden, ein Rückgang um 17,5 Prozent. Der Kaltstart der Kamera App verkürzt sich laut diesen Angaben von 1.043,6ms auf 808,8ms, die HDR Verarbeitung der Rückkamera von 313,38ms auf 240,16ms. Auch bei der Videowiedergabe verspricht der Hersteller weniger Bildverluste, die durchschnittliche Rate soll im Test von 1,27% auf 0,11% sinken, nach 9 Stunden Nutzung von 1,61% auf 0,22%. In einem separaten technischen Bericht auf Weibo gibt es zudem Angaben zu rund 14,4 Prozent weniger Prozessorbefehlen sowie rund 27,2 Prozent mehr freiem Arbeitsspeicher nach acht Stunden Nutzung.
Der Sprachassistent in der chinesischen Version von HyperOS (Super XiaoAI) wird in Version 2.0 auf Basis von Xiaomis eigenem Sprachmodell MiMo überarbeitet. Länger laufende Aufgaben lassen sich künftig an das Xiaomi Super Island im Hintergrund abgeben, während der Nutzer das Gerät weiter bedient. Das Ergebnis öffnet sich nach Abschluss automatisch. Über einen langen Druck auf die Leiste am unteren Bildschirmrand lässt sich der Assistent zudem freihändig ansprechen, ohne die aktuelle Ansicht zu unterbrechen.
Neu ist darüber hinaus der sogenannte Inspiration Ball, ein herausziehbares Werkzeug, das Bildschirminhalte kontextbezogen auswertet. Zieht man ihn etwa über eine Adresse, lässt sich direkt die Navigation starten, über ein Produktbild kann er passende Kauflinks suchen, aus Terminen in Postern oder Chatnachrichten lassen sich Kalendereinträge anlegen und über Fotos lässt sich eine automatische Bildbearbeitung anstoßen. Laut Xiaomi's eigenen Angaben ist der Inspiration Ball zum Marktstart allerdings noch nicht aktiv, er soll erst mit einem Update im September nachgereicht werden und muss dann manuell in den Einstellungen aktiviert werden.
Für tiefergehende Aufgaben führt Xiaomi zudem einen sogenannten Expertenmodus ein. Darüber lassen sich unter anderem komplexere Aufgaben wie Reiseplanung unter Einbeziehung von Kalender und gespeicherten Orten, Smart Home Szenen ohne manuelle Regeln oder das Vorbereiten des vernetzten Autos vor der Abfahrt umsetzen. Auch die Erstellung von Recherchen, Präsentationen und Webseiten aus einer kurzen Beschreibung heraus ist im Expertenmodus möglich.
Beim Datenschutz verweist Xiaomi auf eine eigene Cloud Verarbeitung, bei gesperrtem Gerät sollen sensible Anfragen nicht beantwortet werden, größere Änderungen wie das Löschen oder Exportieren von Daten erfordern eine Bestätigung und gespeicherte Assistenz Erinnerungen lassen sich jederzeit einsehen und löschen. Ergänzt wird das System durch eine engere Anbindung an Windows und macOS Rechner, darunter eine Dateisuche vom Smartphone aus sowie eine Gesprächsübergabe zwischen PC und Telefon mit erhaltenem Kontext.
Der Rollout der Public Beta von HyperOS 4 erfolgt in China in drei Etappen. Ab dem 14. August erhalten zunächst folgende Geräte HyperOS4:
Ab dem 27. August folgt die zweite Welle:
Ab dem 17. September schließt die dritte Welle den aktuellen Plan ab:
Xiaomi weist darauf hin, dass sich unterstützte Modelle und Zeitpunkte je nach tatsächlichem Rollout noch verschieben können. Die Beta ist derzeit ausschließlich auf dem chinesischen Festland verfügbar, einen Termin für eine globale Beta oder finale Version hat der Hersteller bislang nicht genannt. Angesichts der für September erwarteten Xiaomi 18 Serie dürfte ein finaler Rollout mindestens auf diesen Modellen kurz bevor stehen. In den folgenden Monaten sollten dann die finalen Updates für andere Geräte folgen, wie üblich voraussichtlich zunächst für die teureren Oberklasse Geräte. Als primäre Basis für HyperOS 4 dürfte Android 17 dienen. Wann mit der Global Version von HyperOS 4 zu rechnen ist, ist derzeit noch offen.
Quelle(n): Xiaomi
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