Was sich seit Monaten in Gerüchten, Personalabbau und strukturellen Signalen wie dem Einzug von Oppo Produkten in den eigenen Webstore abgezeichnet hat, ist nun offiziell. OnePlus hat gegenüber den Redaktionen von The Verge und Android Authority bestätigt, dass die Marke in Europa und Nordamerika keine neuen Produkte mehr einführen wird. Eine direkte öffentliche Ankündigung über die eigenen Kanäle blieb dabei bezeichnenderweise noch aus, das Unternehmen kommunizierte die Entscheidung bisher nur auf Anfrage einzelner Redaktionen. Als Begründung nennt OnePlus eine proaktive Anpassung der globalen Produktstrategie sowie die Notwendigkeit, Ressourcen auf die Märkte zu konzentrieren, in denen man Nutzern am besten dienen könne. Konkretere Erklärungen blieb das Unternehmen schuldig.
Wer bereits ein OnePlus Smartphone besitzt, soll nach den vorliegenden Angaben keine unmittelbaren Einschränkungen beim Support befürchten müssen. Garantieleistungen, Kundendienst und zugesagte Sicherheitspatches bleiben dem Unternehmen zufolge erhalten. Dabei gibt es allerdings eine wichtige Änderung auf Softwareseite: OxygenOS wird als eigenständige Plattform nicht weitergeführt. Geräte, die noch für mindestens ein größeres Android Update vorgesehen sind, sollen in den kommenden Monaten die Option erhalten, auf Oppo's ColorOS zu wechseln. Laut Oppo Europa Chef Elvis Zhou soll dabei auch eine Rückkehr zu OxygenOS möglich bleiben, was in der Praxis jedoch bedeuten dürfte, auf künftige Updates zu verzichten.
Technisch ist der Schritt weniger gravierend als er klingt: OxygenOS und ColorOS teilen seit Jahren dieselbe Codebasis, die sichtbaren Unterschiede beschränken sich im Wesentlichen auf Design und einzelne Funktionen. In Europa kann Oppo Garantiefälle über die eigene Infrastruktur abwickeln. In den USA, wo Oppo selbst nicht vertreten ist und künftig auch keine Präsenz aufbauen will, bleibt offen, wie die Abwicklung von Garantiefällen konkret aussehen soll.
Parallel zur Marktaufgabe von OnePlus kündigt Oppo an, seine eigene Präsenz in Europa auszubauen und verstärkt auf Flaggschiff Smartphones, breitere Handelspartnerschaften und eine größere Produktverfügbarkeit zu setzen. Für den Übergang sollen in ausgewählten europäischen Märkten Wechselangebote für bisherige OnePlus Kunden bereitgestellt werden. Details dazu nannte das Unternehmen bislang nicht. Für nordamerikanische Nutzer sieht die Lage anders aus: Eine Nachfolgestrategie für den US Markt existiert nicht, da Oppo dort nicht offiziell tätig ist und nach aktuellem Stand auch keine Pläne hat, das zu ändern. Auf die Frage, wohin bestehende Kunden in den USA ausweichen sollen, gab es von OnePlus und Oppo keine Antwort.
Parallel zur Neuausrichtung von OnePlus hat Oppo auch Änderungen bei der Schwestermarke Realme bekanntgegeben: Realme wird in China keine neuen Produkte mehr einführen und sich künftig auf Auslandsmärkte konzentrieren, darunter auch Europa. Damit kehrt sich das Muster um: Während OnePlus im Westen verschwindet, zieht sich Realme aus dem Heimatmarkt zurück. Beide Marken sollen laut Oppo weiterhin auf Gaming und Performance ausgerichtete Geräte anbieten, über die konkrete Produktstrategie jenseits dieser Aussage ist wenig bekannt. Die OnePlus Roadmap für China bleibe laut Unternehmen unverändert, was das genau bedeutet, ließ Oppo aber offen. Ein Bloomberg Bericht vom 15. Juli deutet darüber hinaus darauf hin, dass OnePlus bis zum nächsten Jahr auch alle übrigen Märkte außer China verlassen könnte. Oppo wollte das weder bestätigen noch dementieren, und verwies lediglich auf die unveränderte China Roadmap.
Für Fans der Marke, die auch künftig OnePlus Geräte nutzen wollen, rückt der graue Import chinesischer Modelle in den Vordergrund. In der Vergangenheit haben viele für China bestimmte OnePlus Geräte die in Europa relevanten Mobilfunkfrequenzen unterstützt, was den Import über Händler wie TradingShenzhen grundsätzlich praktikabel gemacht hat. Ob das so bleibt, ist offen: Sollte OnePlus seine Produktentwicklung künftig ausschließlich auf den chinesischen Markt ausrichten, könnte die Frequenzunterstützung für europäische Netze perspektivisch wegfallen. Das wäre das Ende auch dieser Option. Bis konkrete Specs künftiger Geräte bekannt sind, lässt sich das nicht abschließend beurteilen. Wer ein OnePlus 16 im Blick hat, sollte diesen Punkt genau verfolgen.
Quelle(n): The Verge | Android Authority
Kommentare