Von ChinaMobileMag auf Dienstag, 17. März 2026
Kategorie: News

Blackview beim Betrug erwischt: Tabwee T50 hat weniger RAM und Speicher als beworben

Der chinesische Hersteller Blackview steht aktuell im Mittelpunkt eines neuen Betrugsskandals, der in mehrfacher Hinsicht über das hinausgeht, was zuletzt bei Chuwi und möglicherweise auch bei Ninkear bekannt geworden ist (siehe hier und hier). Während bei den Laptops jener Hersteller ein per Software Tricks als AMD Ryzen 5 7430U getarnter Ryzen 5 5500U verbaut wurde und die Indizienlage bislang mutmaßlich eher in Richtung des jeweiligen Auftragsfertigers zeigt, hat Blackview beim Tabwee T50 nachweislich und wissentlich falsche Speicherangaben gemacht, und das gleich sowohl beim RAM als auch dem Festspeicher.

Was beworben wird und was drin steckt

Das Blackview Tabwee T50 ist ein Budget Tablet aus dem Hause Blackview und wird in Deutschland für rund 90 Euro auch bei verschiedenen namhaften Plattformen wie etwa Amazon und MediaMarkt online angeboten. Blackview bewirbt das Gerät mit 6GB RAM, wobei der Hersteller zusätzlich mit insgesamt 24GB "virtuellem" RAM wirbt, also einem Speicher-Swap auf dem NAND Flash. Dazu kommen angebliche 128GB interner Speicher. Beides trifft allerdings nicht zu. Aufgedeckt hat den Betrug das japanische Techblog Garumax, das das Tablet zunächst als Testmuster erhalten und anschließend noch einmal auf eigene Kosten im Einzelhandel gekauft hatte.

Misstrauisch wurde man, weil das System zwar 6GB RAM anzeigte, Drittanbieter-Apps zum Auslesen von Hardware Informationen wie HWInfo aber nur 4GB auswiesen. Beim Festspeicher fiel auf, dass nur 64GB nutzbarer Speicher angezeigt wurden und sich ab 64GB keine weiteren Daten ablegen ließen, obwohl das System 128GB Gesamtspeicher anzeigte. Garumax wandte sich an den Hersteller, der ein Software Update in Aussicht stellte. Nach dessen Einspielung zeigte das System zwar 128GB nutzbaren Speicher an, schreiben ließ sich darauf jedoch nach wie vor nichts über 64GB hinaus.

Das war für Garumax Anlass genug, das Blackview Tabwee T50 zu zerlegen. Zum Vorschein kam ein einzelnes eMCP Modul von SK Hynix mit der Bezeichnung H9HP52ACPMAD. Dieses Bauteil kombiniert RAM und NAND Flash in einem Chip, bietet aber lediglich 4GB RAM und 64GB Speicher. Von 6GB RAM und 128GB Festspeicher findet sich in dem Tablet also keine Spur.

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Kein Versehen, sondern Absicht

Besonders schwer wiegt der Umstand, dass Blackview den Betrug offenbar bewusst durchzieht. Für den japanischen Markt musste das Blackview Tabwee T50 eine behördliche Zertifizierung durchlaufen, für die der Hersteller selbst technische Unterlagen einreichte. In diesen offiziellen Dokumenten ist ein Foto des H9HP52ACPMAD Chips zu sehen, was belegt, dass Blackview die tatsächliche Hardware kannte und das Gerät trotzdem mit falschen Angaben vermarktete.

Das nachgeschobene Software Update, das die Speicheranzeige manipulierte ohne den tatsächlichen Speicher zugänglich zu machen, rundet das Bild ab: Es handelte sich nicht um einen Fehler in der Lieferkette, sondern um einen gezielten Täuschungsversuch, der nach Auffliegen noch weiter verschleiert werden sollte. Gegenüber Garumax hat Blackview bislang keine Fehler eingeräumt. Das Tablet wird auf Plattformen wie Amazon weiterhin mit den falschen Spezifikationen angeboten.

Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist Blackview kein völlig unbekannter Name, sondern ein China-Hersteller mit vergleichsweise breiter Vertriebspräsenz und Bekanntheit auch in Deutschland. Zum anderen geht die Täuschung tiefer als bei vergleichbaren Vorfällen, weil beide zentralen Speicherwerte falsch sind und ein Update aktiv zur Verschleierung eingesetzt wurde, hier also ganz eindeutig Vorsatz vorliegt. Wer sein Tablet nicht bis auf den letzten Gigabyte nutzt und keine Diagnosesoftware installiert, dürfte den Betrug schlicht nie bemerken.

Blackview hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorwurf geäußert.

Quelle(n): Garumax via Notebookcheck

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