Wer im Bereich der chinesischen Budget-Laptops einkauft, weiß in der Regel, worauf er sich einlässt: Das Gehäuse ist vielleicht aus Kunststoff statt Aluminium, die Lautsprecher klingen blechern oder das Display ist etwas dunkler als bei der teureren Konkurrenz. Doch man verlässt sich zumindest darauf, dass das drinsteckt, was auf der Packung steht. Beim Chuwi CoreBook X 7430U scheint genau dieses Vertrauensverhältnis derzeit massiv erschüttert zu werden.
Seit dem Jahreswechsel häufen sich im Netz Berichte von Käufern, die auf eine Unstimmigkeit gestoßen sind, die weit über einen Tippfehler im Datenblatt hinausgeht. Konkret geht es um den verbauten Prozessor. Während Chuwi das Gerät offensiv mit einem AMD Ryzen 5 7430U bewirbt, einer relativ modernen Zen 3 CPU aus dem Jahr 2023, ergibt die Hardware-Analyse vieler Nutzer ein ganz anderes Bild. Und mittlerweile zeichnet sich auch ab, dass alle Geräte betroffen sind und nicht nur vereinzelte.
Das Kuriose an dem Fall ist, wie tief die Diskrepanz reicht. Schaut man in die Windows-Systemsteuerung, scheint alles korrekt zu sein: Dort steht schwarz auf weiß "AMD Ryzen 5 7430U". Doch wer genauer hinsieht und auch Tools wie CPU-Z oder HWInfo bemüht, stößt schnell auf technische Merkmale, die schlicht nicht zu dieser CPU passen können.
Ein echter Ryzen 5 7430U basiert auf der „Barcelo Refresh"-Architektur (Zen 3) und verfügt über stolze 16MB L3-Cache. Die Geräte, die derzeit bei Kunden ankommen, melden jedoch nur 8MB L3-Cache. Zudem verweisen die ausgelesene CPUID (860F81) und der Codename „Lucienne" eindeutig auf eine ältere Generation, den Ryzen 5 5500U.
Dieser Chip nutzt noch die Zen 2 Architektur und kam bereits Anfang 2021 auf den Markt. In der Praxis bedeutet das ein Leistungsminus von etwa 20 Prozent in Single-Core-Benchmarks und eine deutlich geringere Effizienz gegenüber dem beworbenen Ryzen 5 7430U .
Dass es sich hierbei nicht um einen bloßen Auslesefehler der Software handelt, beweisen mittlerweile physische Inspektionen. Einige Nutzer und Hardware-Tester haben die Wärmeleitpaste entfernt und direkt auf den CPU-Die geschaut. Dort prangen OPN-Nummern wie 100-000000375 oder 100-000000958. Ein kurzer Abgleich mit der AMD-Datenbank bestätigt den Verdacht: Diese Nummern gehören zum Ryzen 5 5500U.
Noch deutlicher wird es durch die eingravierten Datumsstempel. Auf den Chips findet sich die Markierung "© 2020 AMD". Ein Prozessor, der erst Ende 2023 offiziell vorgestellt wurde, kann physisch nicht drei Jahre vor seiner Geburt produziert worden sein. Es scheint, als wurde hier mindestens auf Firmware-Ebene (BIOS / UEFI) manipuliert, um dem Betriebssystem eine Identität vorzugaukeln, die die Hardware gar nicht besitzt.
Da auch wir das Chuwi CoreBook X 7430U im Test hatten, fragt ihr euch nun sicherlich, warum das nicht schon im Test aufgefallen ist. Tatsächlich lag uns bei ChinaMobileMag ebenfalls ein Testgerät vor, das von der Problematik betroffen war, wie sich bei einer nachträglichen Analyse der im Testzeitraum gesammelten Daten anhand des kleineren ausgewiesenen CPU Caches gezeigt hat.
Und hier taucht auch schon das erste Problem auf. Wenn man nicht explizit davon ausgeht, dass einem ein anderer Chip untergejubelt wird, dürften die Wenigsten auf die Idee kommen, sich die angezeigten Daten genauer anzusehen. Und so lief es auch bei uns ab. Der Fokus lag auf einem Alltagstest, wie sich das Laptop dort schlägt und ob Display, SSD, Anschlüsse und Akku das liefern, was versprochen wird bzw. wie die Qualität und Leistung der Komponenten ausfällt. Die Diskrepanz beim L3-Cache wurde schlicht übersehen, da man bei einem fabrikneuen Gerät von der Korrektheit der CPU-Identifikation ausgeht und diesen Daten entsprechend wenig Beachtung schenkt.
Dass die Performance hinter den Erwartungen eines Zen 3 Chips zurückblieb, wurde zwar erkannt, allerdings anderen Faktoren zugeschrieben. Zum einen einer vermeintlichen Taktreduktion durch Chuwi (die sich jetzt eben als Diskrepanz aufgrund eines falschen Prozessors entpuppt hat), zum anderen auch dem Umstand, dass Chuwi nur Single Channel RAM und keinen Dual Channel RAM verbaut hat, was bekanntlich ebenfalls starken Einfluss auf die Leistungswerte hat.
Immerhin kann man als Reviewer aus diesem Fehler auch lernen. So werden wir künftig bei den CPUs in China Laptops, Tablets und Mini PCs genauer hinschauen und einen genauen Abgleich der angezeigten Daten mit dem Soll vom Chip-Hersteller vornehmen. So können künftig derlei Betrügereien nicht mehr durchrutschen.
Unklar ist derzeit noch, ob hier nur die Kunden das Opfer sind oder auch Chuwi selbst. Es ist zwar zunächst leicht, die Schuld ausschließlich auf Chuwi zu schieben, allerdings sollte man berücksichtigen, dass Chuwi in der Vergangenheit nicht mit Tricksereien bei den verbauten Prozessoren in seinen Geräten aufgefallen ist. Das einzige, was Chuwi in die Richtung auf dem Kerbholz hat, ist das nachträgliche Verändern von Komponenten wie der SSD. Es gab schon vereinzelte Fälle, wo Chuwi zunächst verbaute NVMe SSDs im späteren Verlauf durch langsamere SATA SSDs ersetzt hat und dies nicht klar kommuniziert hat.
Das Fälschen der CPU Bezeichnung ist aber definitiv nochmal ein anderes Kaliber und kam soweit uns bekannt ist noch nicht vor. Das Chuwi CoreBook X 7430U scheint der erste Fall dieser Art zu sein und es erscheint wenig plausibel, dass Chuwi hier seinen Ruf absichtlich aufs Spiel setzen würde. Immerhin zählt die Marke unter den kleineren China Marken noch zu einem der besseren Hersteller. Hinzu kommt, dass wenn Chuwi hier aktiv betrügen würde, man mutmaßlich auch keine Geräte mit gefälschter Prozessor-Bezeichnung als Testgeräte verteilt, sondern diese dann mit dem beworbenen Chip ausgestattet hätte. Das Risiko einer Aufdeckung des Betrugs steigt dadurch ja an.
Die Sache stinkt also in gewisser Weise und es ist theoretisch denkbar, dass Chuwi hier selbst Opfer eines Betrugs wurde. Der OEM Hersteller des Chuwi CoreBook X 7430U (Chuwi baut seine Geräte nicht selbst sondern nutzt Auftragsfertiger) könnte beispielsweise günstigere Altbestände des 5500U genutzt, die Firmware manipuliert und diese Geräte Chuwi dann untergejubelt haben. In dem Fall könnte man Chuwi lediglich vorwerfen, dass die Qualitätskontrolle in deren Hause offensichtlich unzureichend ist.
Doch selbst wenn man Chuwi keine direkte Absicht unterstellt: Die Verantwortung bleibt am Ende trotzdem beim Markeninhaber. Wer ein Produkt unter seinem Namen weltweit vertreibt, muss durch eine funktionierende Qualitätssicherung sicherstellen, dass solche gravierenden Hardware-Abweichungen auffallen, bevor die Ware den Kunden erreicht. Zudem sollte auch eine klare Kommunikation stattfinden sowie auf Reklamationen ausreichend eingegangen werden - und auch das ist nicht gegeben.
Besonders enttäuschend ist der Umgang seitens Chuwi mit der Situation. Der Hersteller wurde von uns vor einem Monat mit der Sache konfrontiert. Man versprach, der Sache nach zu gehen. Ergebnisse gab es bis dato allerdings nicht und auf weitere Rückfragen erfolgte lediglich die Aussage, dass man die Sachlage weiterhin prüfe. Sollte sich nach dem chinesischen Neujahr noch ein Statement seitens Chuwi ergeben, wird dieses selbstverständlich nachgereicht.
Bitter ist allerdings auch, dass man die Kunden im Regen stehen lässt. Während in Foren berichtet wird, dass Kunden lediglich geringfügige Preisnachlässe von etwa 30 Dollar angeboten werden oder sie auf eigene Kosten für eine Rücksendung nach China aufkommen sollen, herrscht auf den offiziellen Kanälen Funkstille. Auf der Produktseite von Chuwi zum CoreBook X 7430U wurde die Prozessorbezeichnung mittlerweile gestrichen. Stattdessen ist dort nur noch von einem "AMD Ryzen 5 Chip" die Rede. Klickt man allerdings auf die Shop Seite, wird Stand 22. Februar 2026 nach wie vor mit dem AMD Ryzen 5 7430U geworben. Einen Hinweis auf die Problematik findet man dort nirgendwo.
Dieses Verhalten seitens Chuwi ist natürlich völlig inakzeptabel und lässt Zweifel aufkommen, ob die Problematik dort überhaupt ernst genommen wird. Einen Gefallen tut man sich damit sicherlich nicht. Mi großzügigen Erstattungen oder einer unkomplizierten, kostenfreien Rücknahme hätte man die meisten Kunden sicherlich zufriedenstellen können. Doch so, wie man aktuell mit der Situation umgeht, macht man die Sache nur noch schlimmer.
Wie sieht es denn bei euch aus? Seid auch ihr von dem Chip Betrug beim Chuwi CoreBook X 7430U betroffen und wenn ja, habt ihr es selbst bemerkt? Solltet ihr bereits darauf aufmerksam geworden sein, was habt ihr getan und wie reagiert Chuwi auf die eventuelle Kontaktaufnahme? Die Kommentarspalte steht euch zum Austausch offen und solltet ihr Material für redaktionelle Zwecke bereitstellen wollen, könnt ihr uns auch gerne per E-Mail (siehe Impressum) anschreiben.
Quelle(n): Reddit | Reddit | Reddit | Reddit | Linus Tech Tips
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