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Vivo Nex S (Ultimate) im Test

vivo-nex Vivo Nex S / Ultimate

​Wer bei der Fußball Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer die Bandenwerbung beachtet hat, dem wird aufgefallen sein, dass der chinesische Smartphone Hersteller Vivo dort omnipräsent war. "Vivo Nex" - dieser Schriftzug hat damals sicherlich vielen, welche Vivo nicht gekannt haben, Rätsel aufgegeben. Das Vivo Nex ist - wie könnte es anders sein - ein Smartphone. Der Clou: Vivo zeigt, dass randlose Displays auch ohne Notch möglich sind. Für einige Zeit war das Vivo Nex sogar das Smartphone mit dem besten Verhältnis zwischen Gehäusefront und Display. Erhältlich ist das Vivo Nex in zwei Varianten: Eine normale Version mit Snapdragon 710 Prozessor und eine High-Ende Version, genannt Vivo Nex S oder Vivo Nex Ultimate, mit Snapdragon 845. Das Vivo Nex S ist das Gerät, welches wir in diesem Testbericht unter die Lupe nehmen. Das Gerät liegt uns in der internationalen Version mit 256GB Speicher, mehrsprachiger Firmware und Band 20 LTE vor.

Vivo Nex S (Ultimate)
Verpackung & Lieferumfang

Das Vivo Nex S kommt in einer flachen und schwarz gefärbten Box daher, welche einen guten Eindruck hinterlässt. Den Deckel ziert eine Einprägung der Umrisse des Smartphones, welche etwas schimmert. Darin befindet sich in goldenen Lettern ein „NEX" Aufdruck und das Herstellerlogo zusammen mit einem Hinweis auf das Sponsoring der Fußball WM. An der linken und rechten Seite findet man ebenfalls das goldene Vivo Logo und den Hinweis.

Um an das Smartphone zu gelangen, muss man zunächst den Deckel nach oben abziehen. Das Smartphone liegt dann in einer Vertiefung, gut geschützt von einer Kunststofffolie. Um an das Zubehör zu gelangen, muss man rechts eine Schublade herausziehen. In dieser befinden sich sämtliche „Beilagen" ansprechend präsentiert:

  • 1x Vivo In-Ear Kopfhörer (3,5mm) inkl. Aufsätze in verschiedenen Größen
  • 1x Kurzanleitung und Garantiekarte
  • 1x SIM Nadel
  • 1x Schutzhülle (nur Rückseite)
  • 1x Netzteil (China / US Stecker)
  • 1x USB Typ-C Kabel mit Vivo Branding (weiß)

Vivo Nex S (Ultimate)
Design & Verarbeitung

Lässt man das Display außen vor, sieht das Vivo Nex S im Grunde aus wie viele aktuelle High-End Boliden mit Doppelglas-Design. Man findet hier einige Parallelen zu Geräten wie zum Beispiel dem Xiaomi Mi 8. Auch das Vivo Nex S hat einen leicht geschwungenen und abgerundeten Metallrahmen, welcher zur linken und rechten Seite hin schmal zuläuft und oben sowie unten dicker wird. Zusammen mit dem zu den Rändern gebogenen Glas auf der Rückseite entsteht so ein sehr schlank wirkendes Smartphone, welches gut in der Hand liegt.

Das Finish des Metallrahmens ist in der Standard Version dunkelgrau und stark glänzend. Es gibt allerdings noch weitere Farben: Rot und die brandneue „Stellar" Option.
Vivo Nex Standard
Vivo Nex Red
Vivo Nex Stellar

​In der Standardversion wirkt das Glas auf der Rückseite zunächst schwarz. Bei genauerer Betrachtung erkennt man allerdings ein Muster. Dieses besteht aus vielen kleinen Dreiecken, welche je nach Lichteinfall diverse Farben ausspucken. In der Sonne schillert die Rückseite also bunt, was ganz nett aussieht und für einen völlig anderen Effekt sorgt, als man es von „Lumia Wave" und was es sonst noch so gibt kennt. Leider ist das rückseitige Glas sehr schmutzanfällig und zeigt Fingerabdrücke schnell.

Das rückseitige Kameramodul ist beim Vivo Nex hochkant und auf der linken Seite positioniert. Das Kameramodul ist jedoch recht kompakt und trägt nicht so dick auf wie z.B. bei den iPhones oder einigen aktuellen Xiaomi Modellen. Dazu zählt auch, dass das Modul nicht so weit aus der Rückseite heraussteht. Dadurch wackelt das Smartphone nicht, wenn es auf einem Tisch liegt. Der LED Blitz befindet sich unter dem Kameramodul. Etwas weiter unten befindet sich zentriert ein auffälliges „NEX" Logo. Ganz unten folgt dann ein silbernes Vivo Logo.

An den Seiten findet man rechts eine Lautstärke Wippe und den Taster zum Ein- und Ausschalten des Smartphones. Links befindet sich noch ein geriffelter „AI Button". Mit diesem kann man den digitalen Assistenten von Vivo aufrufen. Da dieser allerdings für China ausgelegt ist, bringt einem der Button nichts. Anders belegen kann man ihn leider nicht – zumindest ist uns keine Option dafür begegnet. Die untere Seite beherbergt den USB Typ-C (2.0) Anschluss, die SIM Schublade, das Sprachmikrofon und die Lautsprecheröffnung. Oben findet man den 3,5mm Anschluss, ein Noise Cancelling Mikrofon und das ausfahrbare Frontkamera-Modul.

Was die Größe und das Gewicht betrifft, kann auch das nahezu randlose Display nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim Vivo Nex S um ein Phablet handelt. Das Gerät ist deutlich größer als die gängigen 5,99 Zoll Geräte und auch schwerer. Trotzdem bleibt es natürlich deutlich kompakter als vergleichbare Phablets im ausgedienten 16:9 Format mit klassischen Displayrändern. Die exakten Abmaße betragen 162 x 77 x 8,3mm. Das Gewicht liegt bei 199g. In eine typische Hosentasche passt das Vivo Nex problemlos, man spürt aber, dass es da ist.

Vivo Nex S (Ultimate)
Display

​Größe: ​6,59"
Auflösung:​ ​2316 x 1080
Technologie​:​Super AMOLED
​Anzahl Berührungspunkte:​10
Gehärtetes Glas:​​Ja
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Ja

​Das Display im Vivo Nex ist ein echter Blickfang. Zwar haben fast alle High-End Smartphones mittlerweile fast randlose Displays, doch das Nex treibt das ganze auf die Spitze. Keine Notch, schlanke 1,6mm Bezels und nur ein minimaler Rand unter dem Display (5mm) hinterlassen einen tollen optischen Eindruck. Dennoch muss man für dieses Design Kompromisse eingehen: Es gibt keinen Telefonhörer und auch eine Status LED konnte Vivo nicht in das Design quetschen. Für uns stellt sich allerdings die Frage, warum das so ist. Eine LED braucht nicht viel Platz und spätestens seit dem Smartisan R1 wissen wir, dass ein ordentlicher Telefonhörer auch in einem minimalen Displayrand Platz findet. Warum der fehlende Telefonhörer ein Nachteil ist, sehen wir uns später beim Punkt Audio an.

Nun aber erstmal zurück zum Display. Vivo verbaut im Nex und auch dem Nex S bzw. Nex Ultimate ein 6,59 Zoll großes Super AMOLED Display. Das Display ist von guter Qualität und liefert eine knackig-scharfe Darstellung. Pixel erkennt man erst ab einem sehr geringem Betrachtungsabstand von ca. 13cm. Farblich überzeugt das Display für ein AMOLED Panel. Die Farben wirken durchaus lebendig aber die AMOLED "Bonbon Optik" bleibt aus. Die Farbtemperatur tendiert eher ins Kühle. Leichte Schwächen zeigen sich bei der Blickwinkelstabilität. Kippen sieht man sehr schnell das AMOLED-typische bunte Schillern auf weißen Flächen. Dieses Phänomen konnten die meisten Hersteller heutzutage im oberen Preissegment abstellen, weshalb wir uns etwas wundern, dass dies beim Vivo Nex derart intensiv auftritt. Die Helligkeit des Displays erreicht laut Hersteller 470 Nits. Kein Spitzenwert, jedoch ausreichend für die Nutzung im Freien. Etwas mehr Helligkeit hätte trotzdem nicht geschadet, denn bei direktem Sonnenlicht bleicht die Darstellung merklich aus. Gerade beim Fotografieren kann das störend sein, da man Kontraste und feine Details nicht mehr so gut erkennt.

Ein kleineres Manko das uns zudem aufgefallen ist, ist die fehlende Skalierungsoption für das Display. Inhalte werden standardmäßig relativ groß dargestellt und es gibt keine Option um das zu ändern. Das schöne große Display lässt sich so nicht optimal ausnutzen. Wer die Skalierung verändern will, muss den umständlichen Weg über ADB gehen.

Der Touch Screen im Vivo Nex S erkennt bis zu 10 Finger gleichzeitig und arbeitet zuverlässig und präzise. Langsames Scrollen führt nicht zum Stottern und auch Multitouch Eingaben werden zuverlässig erkannt. Eine spürbare Eingabeverzögerung gibt es nicht, was vor allem beim schnellen Tippen von Vorteil ist. Auf Spielereien wie Force Touch hat Vivo verzichtet. Die Oberfläche bietet gute Gleiteigenschaften, was die Nutzung sehr angenehm macht. Zudem ist das Glas fettabweisend, sodass es eine Weile dauert, bis man Fingerabdrücke sieht. Diese lassen sich auch einfach wieder abwischen. Meistens reicht einmaliges Abwischen mit dem Ärmel. Deutlich sichtbare Kratzer sind nach knapp zwei Wochen ungeschützter Nutzung nicht aufgetreten.

Vivo Nex S (Ultimate)
Hardware & Performance

​Prozessor: ​​Qualcomm Snapdragon 845 (10nm)
4x Kryo 385 Silver @1,766GHz
4x Kryo 385 Gold @2,803GHz
GPU:​ ​Adreno 630
RAM (Geschwindigkeit):​​8GB LPDDR4X (19,7GB/s)
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​​128GB / 256GB UFS 2.1 (770 / 249MB/s)
Micro SD (Geschwindigkeit R/W):Nein
Fingerabdruck Scanner:​​Ja (im Display)
​Sensoren:​Orientation, Pedometer, Rotation Vector, Raise-Up, Proximity, Put-Down, Motion Detector, Magnetometer, Gyroscope, Linear Acceleration, Gravity, Drop Detector, Angle Judge, Ambient Temperature, Ambient Light
Besonderheiten:​​3,5mm Anschluss, USB Typ-C Anschluss
Abmessungen / Gewicht:​​162 x 77 x 8,3mm
199g

​Smartphones mit Snapdragon 845 erreichen im Mittel rund 270.000 Punkte im Antutu Benchmark. Es geht aber deutlich besser, wenn die Kühlung stimmt. Das zeigen uns seit einer Weile diverse Gaming Smartphones, doch auch das Vivo Nex Ultimate gehört dazu. Satte 293.000 Punkte erreicht das Handset im Antutu Benchmark und zählt damit zu den leistungsstärksten Android Smartphones. Im Alltag macht sich das auch deutlich bemerkbar. Das Vivo Nex S stottert nie, reagiert umgehen auf Eingaben, sämtliche Animationen laufen superflüssig ab und auch beim Spielen gibt es bei keinem Titel Engpässe. Thermal Throttling tritt beim Vivo Nex S nur in sehr geringem und damit vernachlässigbarem Umfang auf. Unter Last macht sich die gute Ableitung der Wärme allerdings am Metallrahmen bemerkbar. Dieser wird im oberen Bereich sehr warm. Im GFXBench Test sogar so warm, dass es unangenehm wird. Für die Nutzung im Alltag ist das aber nicht relevant, da sich die Abwärme wirklich nur in Benchmarks derart stark bemerkbar macht.

Was ebenfalls zu den guten Benchmark Ergebnissen beiträgt, sind die sehr guten Werte vom Speicher. Die 8GB LPDDR4X Dual Channel RAM die Vivo im Nex S verbaut, sind pfeilschnell. Satte 19,76GB/s werden im Schnitt erreicht, was ein Wert ist, den man nicht sehr oft sieht. Zum Vergleich: Beim Mi 8 von Xiaomi erreicht der RAM einen Durchsatz von nur 13,11GB/s. Sehr schnell ist auch der Datenspeicher. Bei unserem Testgerät mit 256GB Speicher haben wir beim Lesen 770MB/s und beim Schreiben knapp 250MB/s gemessen. Auch das sind wieder sehr gute Werte, die definitiv keinen Flaschenhals darstellen. Auf eine Speichererweiterung muss man beim Vivo Nex S allerdings verzichten.

Eines der großen Highlights von allen Vivo Nex Modellen ist der in den Bildschirm integrierte Fingerabdruck Sensor. Die Position des Sensors wird von einem Fingerabdruck markiert, welcher immer dann eingeblendet wird, wenn die Möglichkeit zum Entsperren gegeben ist. Das gilt auch dann, wenn sich das Smartphone im Standby befindet. Sobald man das Gerät in die Hand nimmt, erscheint der Abdruck auf dem Display. Dann muss man nur noch den Finger auflegen und das Vivo Nex entsperrt sich. Zumindest theoretisch. In der Praxis schlägt das Entsperren leider öfters fehl als einem lieb ist und der Entsperrvorgang dauert oft mehr als eine Sekunde. Hier wird sehr schnell klar, weshalb sich die Fingerabdruck Sensoren im Display noch nicht durchgesetzt haben und auch Apple nach wie vor lieber auf Face Unlock setzt. In der Praxis ist die Lösung zu oft ein Klotz am Bein. Grob geschätzt dürfte die Erfolgsrate bei ca. 70% liegen. Face Unlock gibt es übrigens nicht, da das Kameramodul zu lange braucht um auszufahren.

Die internen Sensoren umfassen neben grundlegenden Dingen auch ein gut funktionierendes Gyroskop, einen Kompass ohne Fehler und einige Exoten wie z.B. einen Sensor für die Umgebungstemperatur sowie einen Sensor für den Haltungswinkel des Smartphones. Die Sensoren für Annäherung und Umgebungslicht sind auf den ersten Blick völlig unsichtbar. Man muss schon sehr gründlich suchen um sie zu finden. Tatsächlich befinden sie sich auf der Front über dem Display und zwar genau an der Stelle, an dem man den Telefonhörer erwarten würde. Bei (sehr hellem) einstrahlendem Licht ist hier ein schmales Band zu erkennen, in welchem sich die Sensoren verstecken.

Etwas eigenartig ist allerdings, dass keine Status LED verbaut wurde. Diese hätte man mühelos neben die Sensoren quetschen können - oder eben in den unteren Displayrand. An dieser Stelle hätte sogar eine LED mitsamt Eye-Candy Platz gehabt. Erinnern wir uns mal an das Skyline Notification Light von Oppo zurück. So etwas in der Art hätte dem Vivo Nex sehr gut gestanden. Genauso unverständlich ist auch, warum ein Smartphone, welches in der größten Konfiguration über 600€ kostet, mit einem USB Typ-C 2.0 Anschluss ausgestattet wird. USB 3 hätte nicht geschadet.

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Vivo Nex S (Ultimate)
Software

​Variante: ​Funtouch OS
​Android Version: ​Android 8.1
Sicherheitspatch im Test: August 2018
Google zertifiziert:​Nein
DRM Technologien:​ClearKey CDM, Widevine L3
Bloatware​:​Ja (vieles lässt sich deinstallieren)
Root Zugriff:​​Nein
OTA Updates:​​Ja
Schadsoftware:​​Nein

​Auf dem Vivo Nex S und allen anderen Varianten des Smartphones läuft die hauseigene Custom ROM Funtouch OS, welche man seit jeher von Vivo Smartphones kennt. In diesem Fall basiert das System auf Android 8.1 Oreo. Im Test kam der Sicherheitspatch vom August 2018 zum Einsatz. Direkt nach dem Auspacken kamen hintereinander drei OTA Updates an. Erfreulich ist, dass man beim Vivo Nex S nicht auf das Flashen einer anderen Firmware angewiesen ist um das Gerät auf Deutsch nutzen zu können. Mehrsprachen Unterstützung ist direkt ab Werk mit an Bord. Auch der Google Play Store lässt sich kinderleicht einrichten. In den Einstellungen befindet sich unter Accounts bereits der Eintrag "Google". Sobald man diesen berührt, installiert das System vollautomatisch die Google Dienste. Sollte es danach zu Problemen mit dem Download von größeren Apps kommen, reicht es in den App Einstellungen den Play Store und die Play Services zurückzusetzen. Danach funktionieren alle Downloads dauerhaft ohne Fehler. Ab Werk befindet sich auf dem Vivo Nex sehr viel chinesische Bloatware. Davon kann man allerdings den größten Teil einfach deinstallieren.

​Was die Optik betrifft hat Funtouch OS nichts mit klassischem Android gemein. Auch die Bedienung läuft stellenweise anders ab. So wurden zum Beispiel die Schnelleinstellungen aus dem Benachrichtigungs-Zentrum gelöst. Diese ruft man durch wischen vom linken unteren Bildschirmrand auf. In diesem Panel lässt sich auch die Lautstärke und die Displayhelligkeit regeln. Zudem findet man eine Reihe von App Icons, welche jene Apps repräsentieren, welche sich derzeit im Speicher befinden. Die Apps kann man durch Wischen nach oben schließen oder durch Ziehen nach unten im RAM sperren. Wer lieber die klassische Karten-Ansicht nutzt, der wischt mit dem Finger mittig vom unteren Bildschirmrand nach oben und hält den Finger kurz auf dem Display.

​Bei den besonderen Funktionen von Funtouch OS findet man einige nützliche Dinge wie zum Beispiel einen durch Gesten aktivierten Einhand-Modus, Tasten-Shortcuts und eine Bewegungssteuerung die "Smart Motion" genannt wird. Mit dabei ist aber auch viel Nerviges bzw. Unnützes. Den digitalen Assistanten namens "Jovi" kann man getrost ignorieren, da dieser nur Mandarin beherrscht und überhaupt nicht auf die westlichen Märkte ausgerichtet ist. Störend ist auch die so genannte "Wisdom Engine". Diese erkennt, wenn eine App Strom verbraucht, Zugriff auf irgendetwas nimmt oder irgendeine potentielle Gefahr droht. Klingt erstmal nützlich, nervt im Alltag allerdings eher, da man ständig mit irgendwelchen Warnungen und Info-Meldungen gestört wird, selbst wenn einem das, über das man da informiert wird, längst bewusst ist. Deaktivieren lässt sich das System wohl nicht. Zumindest haben wir keine entsprechende Option finden können. Und das bringt uns auch gleich zu einem weiteren nervigen Punkt: Die Einstellungen vom Vivo Nex sind umfangreich und sehr verschachtelt. Gerade am Anfang ist es echt schwer sich da zurecht zu finden. Trotzdem hält der Hersteller es nicht für nötig, die Einstellungen mit einer Suche auszustatten. Um eine Option zu finden, muss man also mühsam die Menüs durchforsten, anstatt schnell und einfach die Funktion suchen zu können.

Ein weiteres Manko ist, dass man die Funktionen App Clone und Split Screen nicht nutzen kann. Mit App Clone lassen sich Apps duplizieren um z.B. mehrere Accounts nutzen zu können. Was bei der Konkurrenz mit den meisten Apps funktioniert, beschränkt sich beim Vivo Nex auf einige ausgewählte chinesische Apps. Facebook oder WhatsApp lässt sich schlicht und einfach nicht duplizieren, womit die Funktion nutzlos ist. Das gleiche gilt für Split Screen. Auch hier wurde die Kompatibilität stark eingeschränkt. Unser Testgerät behauptet, dass keine Split Screen kompatible App installiert ist. Das ist enttäuschend, denn der große Bildschirm wäre für Split Screen ideal.

Und dann gibt es noch einen sehr spezifischen Kritikpunkt, welcher aber durchaus für manche relevant sein dürfte: Passwortmanager wie z.B. LastPass lassen sich aus einem dreisten Grund auf dem Gerät nicht mit Autofill nutzen. Um Autofill nutzen zu können, benötigt LastPass bekanntlich entsprechende Zugriffsrechte. Diese will das Vivo Nex allerdings erst dann rausrücken, wenn man sich einen Vivo Account erstellt. Als Grund werden "Sicherheitsbedenken" angegeben. Den Sinn dahinter mag verstehen wer will, wir tun es nicht. Dann lieber ohne Autofill. Und mal am Rande: Ganz so sicherheitsbewusst wie Vivo sich an dieser Stelle gibt, ist das Unternehmen wohl doch nicht. Sobald man auf dem Vivo Nex den Cursor in ein Passwort-Feld setzt, öffnet sich das Sogou Keyboard statt dem von uns als Standard festgelegten Gboard. Ein Schelm wer Böses dabei denkt!

Vivo Nex S (Ultimate)
Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: ​2G GSM: 850/900/1800/1900​MHz
2G CDMA: BC0/BC1/BC10
3G TD-SCDMA: B34/B39
3G WCDMA: B1/B2/B4/B5/B8
4G TDD-LTE: B34/B38/B39/B40/B41
4G FDD-LTE: B1/B2/B3/B4/B5/B7/B8/B12/B17/B18/B19/B20/B25/B26/B28A/B28B
WLAN:​ ​WLAN 802.11a/b/g/n/ac (2x2 MIMO)
Bluetooth:​​Bluetooth 5.0
NFC:​​Nein
HotKnot:​Nein​
Dual-SIM:​​Dual Nano SIM
Positionsbestimmung:​​GPS, A-GPS, GLONASS, BDS

​Das Vivo Nex gibt es ja in mehreren Varianten. Während die Basis Version mit dem Snapdragon 710 keine globale Frequenzunterstützung bietet, ist beim Vivo Nex S bzw. Vivo Nex Ultimate das Gegenteil der Fall. Das Gerät unterstützt somit auch Band 20 LTE. Ein dickes Lob gibt es für die Empfangsleistung, denn diese ist erstklassig. Selbst an vielen schlecht abgedeckten Stellen, wo die meisten Geräte massive Probleme mit der Datenübertragung haben, konnte das Vivo Nex S eine stabile Verbindung herstellen.

Die WLAN Verbindung wird im Optimalfall über den AC-Standard aufgebaut und erreicht dank 2x2 MIMO einen hohen Durchsatz. Im Test wurde neben dem Router eine 200Mbit Internetanbindung ausgelastet. Ein Stockwerk darunter kamen immer noch sehr gute 90Mbit/s durch. Bluetooth wird in Version 5.0 unterstützt und auch hier gab es im Test keine Auffälligkeiten. Die Verbindung zu einem Kopfhörer blieb auch über mehrere Räume hinweg stabil. Kritik gibt es für das Fehlen von NFC. In dieser Preisklasse sollte das mit an Bord sein.

Im GPS Test leistete sich das Vivo Nex S auch keine Aussetzer. Eine Wanderung mit dem Smartphone in der Hosentasche wurde bis auf gelegentliche kleinere Abweichungen punktgenau aufgezeichnet. Der GPS Fix kommt schnell zustande und sieht von der Signalstärke her nicht perfekt aber gut aus. Navigation mit Google Maps war auch stets ohne Probleme möglich.

Vivo Nex S (Ultimate)
Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono
Noise Cancelling Mikrofon:​ ​Ja
Dedizierter Audio DAC:​​Nein
Dedizierter Verstärker:​​Nein

​Das Vivo Nex S verzichtet auf Stereo Lautsprecher, liefert aber trotzdem einen richtig guten Klang. Die Lautstärke die das Smartphone erreicht, ohne dabei zu scheppern, ist beachtlich. Hinzu kommt eine gesunde Portion Bass. Bei hoher Lautstärke ist der Ton zwar nicht mehr differenziert genug, doch bei normaler Lautstärke bekommt man ein mehr als akzeptables Klangerlebnis.

Ebenfalls mit am Start ist ein 3,5mm Kopfhörer Anschluss. Dieser kommt allerdings in einfacher Ausführung daher und wird direkt vom SoC versorgt. Ein dedizierter HiFi Chip wird nicht verbaut. Die Lautstärke geht in Ordnung, bricht aber keine Rekorde. Die Klangqualität ist sehr gut und es gibt keine Störgeräusche. 3,5mm In-Ear Kopfhörer werden mitgeliefert. Diese sind von guter Qualität und liefern einen guten Klang mit intensiven Bässen. In manchen Genres fehlt es etwas an Dynamik, doch für mitgelieferte Kopfhörer ist die Qualität ordentlich. Bemerkenswert ist auch, dass von Außen her fast keine Geräusche durchdringen, da die Kopfhörer die gesamte Ohrmuschel verschließen.

Weniger überzeugend schneidet das Vivo Nex S allerdings beim Telefonieren ab. Man selbst wird zwar gut verstanden, doch der Gesprächspartner klingt nicht wirklich gut. Das liegt allerdings an der im Vivo Nex S verbauten Technik. Das Smartphone erzeugt den Ton nicht durch einen klassischen Lautsprecher, da kein Telefonhörer vorhanden ist. Stattdessen kommt Piezo-Technik zum Einsatz, welche das Gehäuse in Schwingung versetzt. Das führt leider zu einem recht unnatürlich klingenden Ton. Wesentlich nerviger ist aber, dass wirklich jeder beim Telefonieren zuhören kann. Der Gesprächspartner ist deutlich zu verstehen, ohne dass man das Telefon ans Ohr hält. Für vertrauliche Gespräche ist das Nex S also nicht geeignet.

Vivo Nex S (Ultimate)
Kamera

​Hauptkamera: ​Hauptsensor: 12MP Sony IMX363 f/1.8 (4-Achsen OIS)
Sekundärsensor: 5MP f/2.4
Video: 4k30, 1080p30, 720p30
​Frontkamera: ​8MP f/2.0
Video: 1080p30, 720p30, 480p30
​Blitz:​Dual LED (zweifarbig)
​Fokus:​Dual Pixel PDAF
​Slow Motion:​Ja (1080p / 720p @ 240fps)

​Im Vivo Nex S steckt eine rückseitige Dual Kamera mit einem 12MP Sony IMX363 Sensor mit f/1.8 Blende und einem 5MP Sekundärsensor mit f/2.4 Blende. Der Hauptsensor verfügt über einen optischen 4-Achsen Bildstabilisator, welcher nicht nur beim Filmen sondern auch beim Fotografieren aktiv ist.

Die Kamera erzeugt auf den ersten Blick schöne Fotos. Die Farben wirken recht intensiv, was zwar nicht unbedingt die Realität widerspiegelt, die Fotos aber lebendig und ansprechend wirken lässt. Doch spätestens wenn man die Bilder auf einem großen Bildschirm betrachtet, wird man enttäuscht. Makro- und Nahaufnahmen sehen zwar super aus, für Landschaftsaufnahmen gilt das jedoch nicht. Die Aufnahmen wirken ziemlich matschig. Das geht teilweise soweit, dass Details komplett verloren gehen und die Fotos aussehen, als hätte jemand einen leichten Ölgemälde-Effekt darüber gelegt. Dabei wird bei näherer Analyse schnell deutlich, dass es komplexe Strukturen sind, welche für Probleme sorgen. Einfache Strukturen mit klaren Linien wie Gebäude und einfache Landschaften wirken scharf. Fotos mit komplexen Strukturen wie Blätter, Äste, Blüten oder ein ganzer Wald führen dagegen zu dem genannten Ölgemälde-Effekt und damit zu einer deutlichen Unschärfe. Für ein Smartphone im Preisbereich von 500 bis 600 Euro ist die Kameraleistung damit unzureichend. Hier darf man durchaus scharfe und detailreiche Aufnahmen erwarten.

​Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich beim Bokeh bzw. Portrait Modus. Auf den ersten Blick sehen die Ergebnisse auch hier klasse aus. Bei tiefergehenden Experimenten zeigt sich aber ein deutliches Defizit bei komplexen Szenen. Portrait Aufnahmen von klar differenzierten Objekten ohne komplexe Konturen und auch von Personen gelingen fast immer sehr gut und können sich sehen lassen. Wenn es jedoch um komplexe Objekte wie Autos, diverse Pflanzen, Blüten oder Zäune geht, versagt der Bokeh Effekt regelmäßig und verwischt Teile, welche eigentlich scharf sein sollten. Grobe Details werden meist noch erkannt, doch feine Elemente werden übersehen und nicht freigestellt.

Überzeugen kann die Kamera bei Nacht. Sie fängt eine Menge Licht ein und erzeugt ohne Stativ scharfe, helle Fotos mit ausreichend Details. Die große Blende macht sich hier positiv bemerkbar. Ein gewisses Bildrauschen und sehr dunklen Bereichen ist zwar festzustellen, stört aber nicht wirklich. Ganz klar muss man aber eingestehen, dass das Xiaomi Mi 8 und Mi Mix 2S bessere Nachtaufnahmen liefern.

​Im manuellen Modus sind beeindruckende Aufnahmen mit Langzeitbelichtung möglich. Das Resultat sind helle, scharfe und stimmungsvolle Bilder mit sehr wenig Bildrauschen. Auf ein Stativ kann man dabei natürlich nicht verzichten. Die maximale Belichtungszeit liegt bei 32 Sekunden.

​Einen Totalausfall leistet sich das Vivo Nex S bei Aufnahmen mit Blitz. Diese sind fast immer komplett überbelichtet. Hier handelt es sich ganz klar um einen Software Fehler. Da das Vivo Nex S allerdings schon einige Zeit auf dem Markt ist, sollte so etwas nicht vorkommen.

​Die Frontkamera ist zunächst nicht sichtbar und fährt bei Bedarf oben aus dem Rahmen aus. Dabei wird ein Geräusch abgespielt, welches sich verändern oder ganz deaktivieren lässt. Der verbaute Sensor wird von Vivo nicht preisgegeben. Der Hersteller gibt lediglich 8MP und eine f/2.0 Blende an. Die Qualität der Frontkamera ist gut. Man muss aber auf den Lichteinfall achten. Mit Gegenlicht kommt die Kamera überhaupt nicht klar und erzeugt dann komplett milchige Bilder.

​Beim Aufnehmen von Videos liefert die Hauptkamera bis zu 4k Auflösung. Die maximale Framerate liegt bei 30fps. Warum bei 1080p Auflösung kein 60fps unterstützt wird, ist unverständlich. Die Qualität der 4k Aufnahmen kann sich sehen lassen. Es gibt keinen Farbstich und auch eine störende Artefaktbildung bleibt aus. Der optische Bildstabilisator arbeitet einwandfrei und der Autofokus arbeitet extrem schnell und genau. Der Ton überzeugt ebenfalls. Slow Motion Aufnahmen sind mit 240fps und bis zu Full HD Auflösung möglich. Die Frontkamera nimmt mit maximal Full HD Auflösung und ebenfalls bis zu 30fps auf. Die Qualität stimmt auch hier, doch es gibt keine Bildstabilisierung. Zudem muss man auch hier auf den Lichteinfall achten, da auch Videos bei Gegenlicht milchig erscheinen.

Vivo Nex S (Ultimate)
Akku

​Kapazität (Angabe): ​4.000mAh
​Kapazität (Gemessen): ​3.700mAh
​Wechselbar:​Nein
Fast Charging:​​VOOC
20% --> 70%: 27 Minuten
20% --> 100%: 1 Stunde 15 Minuten

​Der Snapdragon 845 hat sich in der Vergangenheit immer als sparsamer Chip bewiesen. Im Vivo Nex S wird er mit einem großen 4.000mAh Akku kombiniert, was eine sehr gute Akkulaufzeit verspricht, da die Laufzeit schon bei Geräten mit 3.000mAh Akku überzeugt. Diese Erwartung wird auch voll erfüllt. Bei normaler Nutzung hält das Vivo Nex S trotz seiner Leistung satte zwei Tage durch. Wer die Kamera und das GPS viel in Betrieb hat, reduziert die Laufzeit auf einen Tag. Auch dieser wird aber völlig Mühelos inklusive Reserve erreicht. Tatsächlich ist es echt schwer das Smartphone an einem Tag komplett zu entleeren.

Ebenso beeindruckend ist die kurze Ladezeit. Von 20 auf 70% lädt der Akku in nur 27 Minuten. Bei normaler Nutzung ist das bereits genug für mehr als einen Tag Laufzeit. Die komplette Ladung von 20 auf 100% dauert dann einer Stunde und 15 Minuten. Das Smartphone erwärmt sich dabei nur leicht. Verzichten müsst ihr beim Vivo Nex S allerdings auf Wireless Charging.

Vivo Nex S Ladezeit
Vivo Nex S Ladezeit
Vivo Nex S Akkulaufzeit
Ladekurve 0% --> 100%

Vivo Nex S (Ultimate)
Fazit

Das Vivo Nex S ist ein Smartphone für Leute, welche gerne mit neuer Technik experimentieren. Eine ausfahrbare Kamera sowie der Fingerabdruck Sensor unter dem Display, aber auch die tolle "Screen to Body Ratio" gehören da definitiv dazu. Wer jedoch auf der Suche nach perfekter Preis-Leistung ist, für den ist das Vivo Nex S nicht die richtige Wahl. Das Smartphone hat dafür zu viele Schwächen. Das beginnt bei fehlenden Merkmalen wie NFC, Telefonhörer sowie Stereo Lautsprechern und setzt sich stellenweise bei der Software und ganz klar der Kamera fort. Letztere ist keinesfalls schlecht, wird einem derart teuren Smartphone aber einfach nicht gerecht. Hinzu kommt, dass das vermeintliche Killer Feature (Fingerprint Scanner im Display) keines ist. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen und das merkt man.

Unterm Strich kann man also sagen, dass das Vivo Nex "perfekt unperfekt" ist, dabei aber trotzdem in einer gewissen Art und Weise begehrenswert bleibt. Für Geeks sicherlich interessant, als Daily Driver jedoch nicht für den Mainstream geeignet.

Pro Contra
​+ Bekanntes und noch außergewöhnliches Design ​- Unübersichtliches OS
+​​ Tolle, nahezu randlose Front-​​ Unzuverlässiger Fingerabdruck Sensor
+​​ Schönes Super AMOLED Display-​​ Mäßige Sprachqualität, jeder kann mithören
+​​ Äußerst gute Performance-​​ Kein LTE Empfang (?)
+​​ Reichlich schneller Speicher-​​ Insgesamt enttäuschende Kamera (Preis!)
+​​ Sehr gute Empfangsleistung in allen Kategorien-​​ Kein NFC / Wireless Charging (Preis!)
+​​ Regelmäßige Software Updates, Multi Language, Play Store- Split Screen und App Clone nicht nutzbar
​+ Ausfahrbare Frontkamera (interessante Technik, sehr gut und stabil umgesetzt, keine Sollbruchstelle)
​+ Ordentlicher Medienlautsprecher
​+ 3,5mm Anschluss
​+ Sehr gute Kopfhörer im Lieferumfang enthalten
​+ Sehr gute Akkulaufzeit
​+ Sehr kurze Ladezeit ohne große Erwärmung

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Donnerstag, 13. Dezember 2018

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