Vernee X Test

Vernee X

​6GB RAM und 128GB Speicher für rund 210€? Genau das bietet das Vernee X. Und dazu gesellen sich auch noch ein großer 6.200mAh Akku und der brandneue Helio P23 Prozessor (16nm). Auf dem Papier liest sich das wie so oft sehr gut. Doch was taugt das Gesamtpaket im Alltag? Genau das haben wir in einem einwöchigen Test versucht für euch herauszufinden.

Vernee X
Verpackung & Lieferumfang

​Auch das Vernee X kommt in der rechteckigen und flachen Vernee Standard Verpackung daher. Auf dem Smartphone befindet sich ab Werk eine Schutzfolie, welche wir für den Test entfernt haben. Dem Vernee X liegt zudem noch reichlich Zubehör bei:

  • ​1x Pump Express Plus Netzteil (DE Stecker)
  • 1x USB Typ-C Kabel
  • 1x USB Typ-C auf 3,5mm Adapter
  • 1x Ersatz-Schutzfolie
  • 1x transparentes TPU Case
  • 1x SIM-Nadel
  • 1x Schnellstartanleitung (inkl. Deutsch)
  • 1x OTA Info-Karte

Vernee X
Design & Verarbeitung

Das Vernee X liegt uns in der schwarzen Variante vor. Das Smartphone ist auch in blau verfügbar. Auf den Produktbildern sieht es so aus, als würde das Vernee X aus Metall bestehen. Doch tatsächlich sind die Antennenlinien nur ein Designelement. Das Smartphone besteht aus Kunststoff, setzt allerdings auf ein Unibody Design. So entsteht trotzdem ein hochwertiger Eindruck. Die Verarbeitung ist an allen Stellen gut gelungen. Die Stabilität leidet unter dem Kunststoff Gehäuse nicht. Das Gewicht profitiert von der Materialwahl, denn trotz des 6.200mAh Akkus kommt das Vernee X auf nur 202g.

Positiv zu erwähnen ist, dass das Kameramodul auf der Rückseite nicht weit aus dem Gehäuse hinausragt. Somit liegt das Vernee X recht stabil auf einem Tisch und lässt sich ohne Wackeln bedienen. Der Fingerabdrucksensor ist recht tief in der Rückseite versenkt, was dazu führt, dass man ihn deutlich spürt und nicht versehentlich die Kamera berührt. Apropos Kamera: Die Glasabdeckung des Moduls ist eine Schwäche des Vernee X. Diese ist sehr empfindlich gegenüber Kratzer. Schon ab Werk war hier ein feiner Kratzer vorhanden und mittlerweile sind es schon drei geworden. Das Kunststoffgehäuse sollte man übrigens schützen. Eckt man einmal wo an, entstehen schnell Kerben im Finish und das darunter liegende weiße Plastik schimmert durch. Durch die schwarze Färbung fällt das natürlich extrem auf.

Die Hardware Tasten auf der rechten Seite sitzen fest im Gehäuse. Die Lautstärkewippe hat ein ordentliches haptisches Feedback und lässt sich nicht zu leicht drücken. Der Power Button fühlt sich bei unserem Vernee X jedoch recht schwammig an und reagiert nur wiederwillig. Man muss schon sehr fest drücken, damit er zuverlässig reagiert. Ob dies ein Fertigungsfehler oder ein Serienfehler ist, können wir nicht beurteilen.

Die Front ist beim Vernee X mit 2,5D Glas bedeckt, wobei die Wölbung kaum auffällt, da sie von einem Kunststoffrahmen geschluckt wird, der sich um das Glas zieht. Die Front wird zu einem großen Teil vom Display bedeckt. Besonders der Kinn- und Stirnbereich fällt wie von Full View Smartphones gewohnt vergleichsweise schlank aus. Damit ist das Vernee X für ein 5,99" Smartphone recht kompakt. Touch Buttons sind leider nicht vorhanden. Die Steuerung erfolgt per On-Screen Tasten.

Vernee X
Display

​Größe: ​5,99 Zoll
Auflösung:​ ​2160 x 1080
Technologie​:IPS OGS LCD​, 18:9 Full View, abgerundete Ecken
​Anzahl Berührungspunkte:​10
Gehärtetes Glas:​​Ja
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Ja

​Bis auf die Diagonale von 5,99 Zoll und die Auflösung von 2160 x 1080 Pixel, macht der Hersteller beim Vernee X keine genaueren Angaben. Der Hersteller und die genaue Technologie ist damit nicht bekannt. Es handelt sich aber definitiv um ein volllaminiertes LCD Display. Wie die meisten 18:9 Full View Smartphones kommt auch das Display im Vernee X mit abgerundeten Ecken daher. Der Kinnbereich des Displays ist 9,5mm breit, der Stirnbereich kommt ebenfalls auf 9,5mm. Die Bezels links und rechts des Displays sind gemäßigte 2,1mm breit.

Die Schärfe des Displays ist sehr gut und auch wenn man sich das Vernee X mit geringerem Betrachtungsabstand ansieht, sind einzelne Pixel kaum zu erkennen. Farblich ist das Display ab Werk etwas zurückhaltend. Die Darstellung ist realistisch, wirkt aber nicht sehr intensiv oder lebendig. Hier kann man jedoch dank Mediatek Miravision nachbessern. Wer intensivere Farben bevorzugt, kann hier die Sättigung erhöhen. Der Kontrast des Panels geht in Ordnung, kann aber ebenfalls mit Miravision durch die dynamische Kontrastoptimierung verbessert werden.

Betrachtet man das Vernee X aus einem seitlichen Winkel, fällt ein leichter Rotstich des Panels auf. Ansonsten sind die Blickwinkel aber gut. Das Display kann sehr hell werden und kommt im Alltag problemlos gegen Sonnenlicht an. Die automatische Regelung der Helligkeit fällt jedoch etwas zu aggressiv aus. Selbst wenn man die Empfindlichkeit aufs Maximum stellt, regelt das Display bei Tag selbst in Gebäuden schon fast auf das Maximum hoch. Das ist dann zu hell als nötig wäre und verschwendet Energie.

Lob gibt es für den Touchscreen. Im Vernee X kommt ein 10-Punkt Digitizer zum Einsatz, welcher auch recht gut funktioniert. Die Touch Auflösung ist hoch, sodass es beim Scrollen kein Ruckeln gibt. Zudem ist die Präzision dadurch recht gut. Die Reaktionszeit geht auch in Ordnung. Eine minimale Verzögerung ist zwar spürbar, bewegt sich aber noch in einem nicht störenden Bereich. Auch beim schnellen Tippen auf der On-Screen Tastatur, gab es beim Vernee X keine negativen Auffälligkeiten.

Das Displayglas bietet fettabweisende Eigenschaften. Abdrücke setzen sich so nur langsam und mit geringer Sichtbarkeit ab. Vorhandene Abdrücke lassen sich durch kurzes Wischen über die Hose oder den Ärmel entfernen. Durch die Beschichtung wird auch die Gleitfähigkeit auf ein angenehmes Niveau gehoben. Zudem blieb das Vernee X im Testzeitraum frei von Kratzern. Wer etwas auf sein Smartphone acht gibt, kann das Handset also auch ohne Schutzfolie nutzen.

Vernee X
Hardware & Performance

​Prozessor: ​Mediatek Helio P23 (MT6763) 16nm
4x ARM Cortex A53 @2GHz
4x ARM Cortex A53 @1,5GHz
GPU:​ ​Mali G71 MP2
RAM (Geschwindigkeit):​​4GB / 6GB LPDDR4X (5,83GB/s)
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​​64GB / 128GB (291 / 188MB/s)
Micro SD (Geschwindigkeit R/W):​Ja, Hybrid Slot (74 / 21MB/s)
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Fingerabdruck Scanner:​​Ja (Rückseite)
​Sensoren:​Accelerometer, Magnetometer, Gyroscope, Light, Proximity, Rotation Vector, Gravity, Linear Acceleration, Orientation
Besonderheiten:​​Status LED, USB Typ-C 2.0 Anschluss
Abmessungen / Gewicht:​159 x 76,1 x 10mm​
202g

​Was die Performance betrifft, zeigt das Vernee X Schwächen. Mit dem Ulefone Power 3 haben wir bereits ein Smartphone mit dem neuen Helio P23 Prozessor getestet. Im Antutu Benchmark wurden hier mehr als 62.000 Punkte erreicht. Beim Vernee X sieht das anders aus. Mit 53.724 Punkten, wird hier ein deutlich schlechteres Ergebnis erziehlt. Beide Benchmark Ergebnisse stammen übrigens aus dem Performance Modus. Sieht man sich die einzelnen Benchmark Ergebnisse von Antutu an, stellt man fest, dass es in allen Kategorien einen negativen Unterschied beim Vernee X gibt. Doch besonders krass ist der Unterschied der gemessenen CPU Leistung. Hier erreicht das Vernee X nur 13.184 Punkte, während das Power 3 18.760 Punkte erreicht. Das Vernee X ist wohl deutlich schlechter optimiert und das niedrigere Ergebnis im Antutu Benchmark lässt sich auch in der Alltagsnutzung verifizieren. Der Unterschied ist zwar nicht gravierend, doch im direkten Vergleich fühlt sich das Vernee X einfach unrunder an, kommt manchmal ins Stottern. Hier sollte Vernee definitiv noch per Update nachbessern, damit das volle Potential des Chips genutzt wird.

Interessant ist übrigens, dass sich das leichte Performance Defizit vom Vernee X hauptsächlich in der Alltagsnutzung bemerkbar macht. Bei Spielen merkt man davon gar nichts. Tatsächlich meistert das Vernee X auch anspruchsvolle Titel recht gut. Getestet haben wir Oz: Broken Kingdom, Asphalt Xtreme und Unkilled. Alle Games waren auf den jeweils höchsten Grafikeinstellungen weitestgehend flüssig spielbar. Der durchschnittliche Spieler dürfte hier zufrieden sein. Der Helio P23 zeigt sich dabei auch im Vernee X gewohnt effizient. Der Energieverbrauch scheint auch beim Spielen gemäßigt und das Smartphone entwickelt nur wenig Abwärme. Zu signifikantem Thermal Throttling kommt es auch bei längeren Spiele-Sessions nicht.

Das Vernee X könnt ihr mit 4GB RAM und 6GB RAM kaufen. Im 4GB Modell stehen 64GB Speicher zur Verfügung, im 6GB Modell sind es 128GB. An dieser Stelle empfehlen wir jedem, der ordentlich Geld sparen will und keine 128GB Datenspeicher braucht, zum 4GB RAM Modell zu wechseln. Dieses ist mit 140 bis 150€ um die 50€ günstiger, bietet dabei aber bis auf den kleineren Speicher keine Nachteile. Der Grund warum wir dazu raten ist, dass ihr die 6GB RAM schlicht und einfach nicht merken werdet. Der RAM ist weder besonders schnell (5,83GB/s), noch wird er voll ausgenutzt. Ab 15 Apps beginnt das RAM Management die ältesten Hintergrundprozesse wieder zu beenden. Und 15 Apps könnt ihr auch mit 4GB RAM problemlos im Hintergrund laufen lassen. Solange das RAM Management restriktiv ist, lohnt sich also der Aufpreis nur wegen des RAMs nicht. Der einzige Grund zum 6GB Modell zu greifen ist eben der 128GB Speicher. Wer so viel benötigt, für den macht der Aufpreis dann natürlich Sinn. Das gilt aber auch nur dann, wenn man auf Geschwindigkeit und Dual SIM Wert legt. Denn man kann den Speicher ja (bei Verzicht auf Dual SIM) auch per Micro SD Karte erweitern - das ist dann langsamer, aber auch günstiger, wenn man bereits eine 64GB oder gar 128GB Karte sein Eigen nennt.

Bei den Sensoren enttäuscht das Vernee X nicht und bietet alles Wichtige. Das Gyroskop funktioniert perfekt und erlaubt so das Nutzen vom VR Apps oder das Ansehen von 360° Videos. Der Kompass war ab Werk falsch kalibriert, was sich jedoch in Google Maps einfach hat lösen lassen. Seitdem gab es auch hier keine Aussetzer. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite entsperrt das Smartphone in ca. 0,6 Sekunden und arbeitet größtenteils ohne Aussetzer. Als Alternative gibt es noch Face Unlock, doch dieses ist genauso schlecht umgesetzt wie bei den zuvor getesteten "Billigheimern" mit dem Feature. Die Funktion ist sehr unzuverlässig und erlaubt keine Nutzung des Fingerabdruck Sensors als Fallback. Außerdem lässt sich Face Unlock mit Fotos (egal ob Ausgedruckt oder auf einem Bildschirm) überlisten.

Über dem Display bietet das Vernee X eine Benachrichtigungs LED. Diese leuchtet in blau, rot und grün auf. Leider kann man nicht festlegen, wann welche Farbe genutzt wird. Bei Benachrichtigungen pulsiert die LED stur in blau. Zur Datenübertragung mit dem PC und zum Aufladen wird ein USB Typ-C 2.0 Anschluss genutzt. Dieser unterstützt auch USB OTG.

Vernee X
Software

​Variante: Vernee OS (Fast Stock Android)
​Android Version: ​Android 7.1.1
Sicherheitspatch beim Test: 5. November 2017
Bloatware​:​Jein (Drittanbieter Tastatur, Google Apps)
Root Zugriff:​​Nein
OTA Updates:​Ja​​ (bisher 2 Updates)
Schadsoftware:​​Nein

​Wie alle aktuellen Vernee Smartphones, kommt auch das Vernee X mit dem hauseigenen Vernee OS (kurz VOS) daher. Hierbei handelt es sich um ein Stock Android, welches hier und da etwas angepasst wurde. Leider kamen auch mit dem Vernee X keine Neuerungen / Weiterentwicklungen dazu, sodass Vernee OS den eigenen Namen weiterhin kaum verdient hat. Die Hauptänderungen von denen man als Nutzer sofort etwas merkt sind einige Einstellmöglichkeiten bzgl. den Schnelleinstellungen und dem Aussehen des Akkuindikators, ein optisch verändertes Power Menü, sowie eine angepasste Auswahl für die Hintergrundbilder im Launcher und Lockscreen. Abseits davon sieht alles aus wie normales Stock Android. Wer das bevorzugt, wird sich hier wohl fühlen.

Auf dem Vernee X basiert Vernee OS auf Android 7.1.1, ist damit also relativ aktuell. Ein Upgrade auf Android 8.1 Oreo wurde bereits angekündigt. Ob es tatsächlich kommen wird, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit wurden von Vernee angekündigte Android Versionswechsel nicht immer geliefert. Prominente Beispiele dafür sind das Vernee Apollo und das Vernee Apollo X. Etwas enttäuschend ist, dass das Vernee X immer noch mit einem Sicherheitspatch vom 5. November 2017 ausgeliefert wird, obwohl man bereits drei OTA Updates für das Vernee X veröffentlicht hat.

Lobenswert ist, dass das Vernee X ohne nennenswerte Bloatware daher kommt. Lediglich einige Google Apps werden vorinstalliert und Vernee setzt als System Tastatur auf Touchpal statt dem AOSP Keyboard, welches man jedoch weiterhin in den Einstellungen auswählen kann. Der Google Play Store ist auf dem Vernee X ab Werk installiert und funktioniert ohne Probleme. Auch Multi Language ist vorhanden. Man kann also auch Deutsch als Systemsprache festlegen. Die Übersetzung ist nahezu vollständig.

Ein Problem dass uns beim Vernee X aufgefallen ist, bezieht sich auf die Zuverlässigkeit von Benachrichtigungen. Diese kommen nicht zuverlässig an, selbst wenn man das Smartphone aus dem Standby aufweckt. Erst wenn man die entsprechenden Apps öffnet (z.B. WhatsApp oder Facebook Messenger), kommen die Benachrichtigungen an. Auch E-Mails kommen immer erst dann an, wenn man die App manuell öffnet - selbst wenn sich vor dem Standby schon im Hintergrund lief. Woran genau das liegt, konnten wir bisher nicht nachvollziehen. Entsprechende Energiespar-Einstellungen, wie man sie von Xiaomi Geräten kennt, konnten wir keine finden. Vermutlich liegt das Problem hier an dem im Hardware Abschnitt bereits kritisierten RAM Management, welches sehr restriktiv konfiguriert ist.

Vernee X
Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: ​2G: B2/B3/B5/B8
3G: B1/B8
4G: B1/B3/B7/B8/B20
WLAN:​ ​WLAN 802.11a/b/g/n Dual Band
Bluetooth:​​Bluetooth 4.0
NFC:​​Nein
HotKnot:​​Nein
Dual-SIM:​Ja (Dual Nano SIM)​
Positionsbestimmung:​​GPS, A-GPS, GLONASS, BDS

​Im Mobilfunk bietet das Vernee X keinen Raum für Kritik. Die Empfangsleistung könnte besser nicht sein. In Signalschwachen Gegenden schlägt sich das Vernee X sehr gut und liegt gleichauf mit teureren Geräten wie z.B. einem OnePlus 5T. Hinzu kommt Unterstützung für Band 20 LTE.

Anders sieht es leider beim WLAN aus. Hier gibt es einen ziemlich nervigen Bug. Der automatische Wechsel zwischen einem 2,4 und 5GHz Netz funktioniert nicht. 5GHz Netze haben eine geringere Reichweite. Deshalb sollte automatisch ein Fallback auf das 2,4GHz Netz des Routers erfolgen, wenn man z.B. ins untere Stockwerk wechselt. Und genau das funktioniert beim Vernee X nicht. Wir mussten im Test immer das WLAN deaktivieren und anschließend neu aktivieren, um im richtigen Netz zu landen. Sprich: Beim Wechsel vom Stockwerk wo der Router steht ins Stockwerk darunter, mussten wir WLAN neu starten um im 2,4GHz Netz zu landen und beim Wechsel vom unteren Stockwerk zurück ins Stockwerk vom Router, mussten wir WLAN dann erneut neu starten, um wieder ins schnellere 5GHz Netz zu kommen. Startet man das WLAN nicht neu, dann muss man oft mit einer extrem schlechten Bandbreite leben. Einbrüche auf 10Mbit oder noch weniger sind hier an der Tagesordnung. Warum Vernee den Fehler bis heute nicht behoben hat, ist uns ein Rätsel.

Bluetooth hat dagegen im Test einwandfrei funktioniert und auch beim GPS gab es keine Probleme. Das Vernee X liefert hier eine anständige Signalstärke und gute Fix Zeiten. Beim GPS Tracking in der Hosentasche gab es gelegentlich kleinere Abweichungen in der Nähe von Gebäuden, doch diese bewegen sich noch in einem nicht störenden Rahmen. Beim Navigieren gab es bis auf ein gelegentliches, minimales Abweichen von der Strecke auch keine Aussetzer. Fehlleitungen sind uns beim Vernee X nicht aufgefallen.

Vernee X
Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono
Noise Cancelling Mikrofon:​ ​Nein
Dedizierter Audio DAC:​Typ-C auf 3,5mm Adapter
Dedizierter Verstärker:​Typ-C auf 3,5mm Adapter

​Der Medienlautsprecher im Vernee X enttäuscht. Ab ca. 70% seiner maximalen Lautstärke zeigt er ein deutliches Kratzen. Musikhören macht so keinen Spaß und auch zum Ansehen von Videos ist er nur bei geringer Lautstärke geeignet. Wer Kopfhörer nutzen will, wird gezwungen einen Typ-C auf 3,5mm Adapter (im Lieferumfang enthalten) zu nutzen. Warum man den 3,5mm Anschluss beim Vernee X gestrichen hat, verstehen wir nicht. Platz hätte er problemlos gehabt. Klangtechnisch geht der Adapter in Ordnung, wir haben aber schon bessere getestet. Die maximale Lautstärke ist ausreichend aber nicht übermäßig hoch. Bässe wirken manchmal (nicht immer!) etwas schwachbrüstig und kommen nicht gegen die Mitten und Höhen an. Bei leisen Passagen ist hin und wieder ein leichtes Knistern zu vernehmen. Die Sprachqualität vom Vernee X ist auf der Gegenseite bei aktiver HD Telefonie oder VoLTE sehr gut und klar. In der Ohrmuschel vom Vernee X klingt das Gesprochene von der Gegenseite jedoch relativ dumpf und typisch nach Telefon. Verständlich ist das Gesprochene zu jeder Zeit, aber eben qualitativ enttäuschend.

Vernee X
Kamera

​Hauptkamera: Beworben: 16 + 5MP
Tatsächlich: 13MP Sony IMX258 (f/2.0) + VGA GC0310
Video: 1080p
​Frontkamera: Beworben: 13 + 5MP
Tatsächlich: 8MP OmniVision OV8856 (f/2.8) + VGA GC0310
Video: 480p
​Blitz:​Dual LED (einfarbig)
​Fokus:​CDAF
​Slow Motion:​Nein

Bei der Kamera erzählt Vernee wie so oft nicht die ganze Wahrheit bzw. mogelt sogar. Die Hauptkamera wird mit 16MP beworben, was sich jedoch auf die interpolierte Auflösung bezieht. Tatsächlich steckt im Vernee X eine Hauptkamera auf Basis des Sony IMX258 mit f/2.0 Blende. Hierbei handelt es sich um einen 13MP Sensor. Da es sich um eine Dual Kamera handelt, soll ein Sekundärsensor mit 5MP vorhanden sein. Und das ist eine glatte Lüge. Tatsächlich kommt hier der altbekannte GalaxyCore GC0310 VGA Sensor zum Einsatz. Bei der Frontkamera sieht es nicht anders aus. Auch hier wird mit einem interpolierten Wert von 13MP beworben. In Wahrheit werkelt hier ein OmniVision OV8856 Sensor mit 8MP und f/2.8 Blende. Auch die Frontkamera soll eine Dual Kamera mit 5MP sein. Doch auch hier steckt wieder nur ein GC0310 VGA Sensor im Sekundärmodul.

Doch wie sieht es mit der Bildqualität aus? Glücklicherweise gar nicht so schlecht. Bei Tag schlägt sich das Vernee X größtenteils ganz gut. Vor allem Aufnahmen mit kürzerer Distanz sehen von den Farben und Details her ziemlich gut aus. Makro- und Nahaufnahmen gelingen ebenfalls gut. Leichte Schwächen zeigen sich bei Landschaftsaufnahmen, wo Schärfe und Details auf die Distanz nicht ganz optimal sind. Brauchbar sind aber auch solche Fotos noch.

Größere Schwächen zeigt die Kamera erst, wenn es dunkel wird. Dann sind die Bilder nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Die Schärfe nimmt ab, ein starkes Bildrauschen zeigt sich. Hier schneidet das Vernee X also genauso ab wie die meisten anderen Chinahandys auch. Was den Blitz betrifft, hilft dieser nur bei Nahaufnahmen. Größere Räume bekommt er nicht hell genug um das Bildrauschen abzustellen.

​Die Dual Kameras sind beide nicht zu gebrauchen. Der Bokeh Modus ist sowohl auf der Front- als auch der Hauptkamera ein Fake und damit nicht zu gebrauchen. Die Sekundärsensoren werden schlicht und einfach nicht genutzt. Es gibt keinerlei Tiefen- oder Kantenerkennung, mit welcher ein halbwegs glaubwürdiger Bokeh Effekt zustande kommen würde.

Die Frontkamera erzeugt bei Tageslicht relativ brauchbare Aufnahmen. Wunder darf man hier keine erwarten, aber wir haben schon deutlich schlechtere Front Kameras gesehen. Bei Nacht oder Dämmerlicht versagt sie dann jedoch. Da hilft auch der Front LED Blitz im Vernee X nichts.

Videos nimmt die Hauptkamera mit Full HD auf. Die Qualität geht in Ordnung, wenngleich auch bei weitem nicht perfekt. EIS wird leider nicht unterstützt, dafür gibt es aber kontinuierlichen Autofokus. Die Frontkamera nimmt Videos nur mit 480p auf und bewegt sich damit nicht mehr auf Höhe der Zeit. Leider macht der Ton die Aufnahmen nur eingeschränkt brauchbar. Die Qualität ist zwar in Ordnung, doch der Ton ist nicht synchron, wird also versetzt aufgezeichnet bzw. abgespielt.

Vernee X
Akku

​Kapazität (Angabe): ​6.200mAh
​Kapazität (Gemessen): ​ca. 5.900mAh
​Wechselbar:​Nein
Fast Charging:​​Ja

​Mit seinem großen Akku erreicht das Vernee X eine recht gute Akkulaufzeit. Perfekt ist sie jedoch - vermutlich wegen der schlechten Optimierung - nicht. Im Vergleich mit dem Ulefone Power 3, schneidet das Vernee X trotz nahezu identischen Akkus und Prozessors schlechter ab. Dennoch ist eine Screen-On Zeit von bis zu 11:40 Stunden kein schlechtes Ergebnis. Im Alltag hat uns eine Ladung im Schnitt zwei Tage gereicht. Enttäuschend ist jedoch, dass das Fast-Charging nicht korrekt arbeitet. Es dauert vier Stunden, bis der Akku von 20% auf 100% geladen wurde. Das Vernee X lädt von 20% auf 30% sehr langsam, nimmt dann bis 80% deutlich an Fahrt auf, verlangsamt sich dann jedoch wieder extrem und benötigt satte zwei Stunden um die letzten 15% voll zu bekommen. Hier muss definitiv noch nachgebessert werden, denn so hätte mann sich Pump Express Plus sparen können.

Vernee X
Fazit

​Das Vernee X ist wieder ein ganz schwieriger Kandidat. Grundsätzlich ist das Smartphone ja sehr interessant. Das liegt vor allem an der Kombination aus großem Speicher (128GB), großem Akku (6.200mAh) und relativ geringem Preis (rund 200€). Das Vernee X leistet sich aber auch enorm viele Patzer. Vermeidbar gewesen wären die schlechte Optimierung, die Fake Dual Kamera und die zahlreichen Software Bugs. Besonders enttäuschend ist auch, dass man die 6GB RAM nicht ausnutzen kann, da die Apps wieder geschlossen werden, noch bevor man den RAM ansatzweise voll bekommt. Unterm Strich wirkt das Vernee X nicht wie ein ausgereiftes Produkt und es scheint, als hätte sich der Hersteller mehr auf ein beeindruckendes Datenblatt, als auf ein nutzbares Produkt konzentriert. Der Großteil der Fehler stammt von der Software und könnte behoben werden. Doch ob dies jemals geschehen wird ist fraglich. Immerhin gab es bereits 3 OTA Updates und es hat sich nichts gebessert. Insofern können wir für das Vernee X keine oder nur eine äußerst eingeschränkte Kaufempfehlung geben.

Pro Contra
​+ Einfaches aber solides Design, stabiles Kunststoffgehäuse ohne Macken ​- Schlechte Optimierung (Prozessor kann sein Potential nicht entfalten)
+​​ Ordentliches Display-​​ Langsamer RAM
+​​ Guter 10-Punkt Touch Screen, kratzfestes Glas-​​ Aggressives RAM Management (großer RAM kann nicht genutzt werden)
+​​ Viel RAM und Speicher-​​ Probleme mit Benachrichtigungen, eingehenden Nachrichten, E-Mails
+​​ Sensorausstattung (Kompass + Gyroskop)-​​ Face ID lässt sich mit Fotos überlisten
+​​ Benachrichtigungs LED-​​ Veralteter Sicherheitspatch
+​​ Sehr guter Mobilfunkempfang mit B20 LTE-​ Schlechter Medienlautsprecher
​+ Brauchbares GPS​- Fake Dual Kameras (vorne und hinten), Audio Bug bei Videos
​+ Kamera bei Tageslicht brauchbar (Einzelkamera Modus)​- Fast-Charging funktioniert nicht korrekt
​+ Ordentliche Akkulaufzeit​- WLAN Bug (kein automatischer Wechsel zwischen 2,4GHz und 5GHz)
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Kommentare 1

Gäste - Marko am Mittwoch, 02. Mai 2018 11:05



Hallo,
kann ich so nicht unterschreiben.
Habe meines (die 6GB Variante damals für 164€) Mitte Februar bekommen und da dauerte die Ladung vom 20 auf 100% ca. 2h.
Die kleineren Bugs wurden durch das über die Vernee-Webside zur Verfügung gestellte Update korrigiert. Mir scheint, dass auch die Aufladung jetzt noch schneller geht.
Auch das Problem der Umschaltung zwischen5 und 2,5 Hz des W-Lan hatte ich von Anfang an nicht.
Gesichtserkennung ist uninteressant für mich, daher erlaube ich mir kein Urteil.
Das „Kammeraverarsche“ ist man auch von den anderen Anbietern gewohnt, dafür gibt es von mir nur ein kaltes Lächeln.
Alles andere für mich vollkommen ok und wer öffnet schon 12 Apps gleichzeitig (als Normalbürger).
Wer beim Kauf eines Chinahandys alles glaubt, ist ja selber Schuld. Gesunder Menschenverstand und gewisse Risikobereitschaft gehört dort immer dazu.

Für mich ist das Vernee X ein sehr gelungenes Handy für einen ansprechenden Preis und jetzt eine klare Kaufempfehlung wert.

Gruß Marko

Hallo, kann ich so nicht unterschreiben. Habe meines (die 6GB Variante damals für 164€) Mitte Februar bekommen und da dauerte die Ladung vom 20 auf 100% ca. 2h. Die kleineren Bugs wurden durch das über die Vernee-Webside zur Verfügung gestellte Update korrigiert. Mir scheint, dass auch die Aufladung jetzt noch schneller geht. Auch das Problem der Umschaltung zwischen5 und 2,5 Hz des W-Lan hatte ich von Anfang an nicht. Gesichtserkennung ist uninteressant für mich, daher erlaube ich mir kein Urteil. Das „Kammeraverarsche“ ist man auch von den anderen Anbietern gewohnt, dafür gibt es von mir nur ein kaltes Lächeln. Alles andere für mich vollkommen ok und wer öffnet schon 12 Apps gleichzeitig (als Normalbürger). Wer beim Kauf eines Chinahandys alles glaubt, ist ja selber Schuld. Gesunder Menschenverstand und gewisse Risikobereitschaft gehört dort immer dazu. Für mich ist das Vernee X ein sehr gelungenes Handy für einen ansprechenden Preis und jetzt eine klare Kaufempfehlung wert. Gruß Marko
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