Vernee Thor Test

Vernee, ein Newcomer auf dem chinesischen Smartphonemarkt hatte im Mai mit dem Vernee Thor seinen ersten low-budget 5 Zoller in den Verkauf gebracht. Auch hierzulande kann das Vernee Thor mit voller Netzunterstützung genutzt werden, da unter anderem das Band 20 (800MHz LTE) zur Verfügung steht. Doch ob das Vernee Thor auch alle weiteren Kriterien erfüllt, könnt ihr nun hier nachlesen. Das erste Testgerät hatte leider einen Defekt, so dass unser Review nun etwas verspätet erscheint.

Verpackung & Lieferumfang

Das Vernee Thor kommt in einer schwarzen und leicht geriffelten Verpackung daher. Auf dieser befindet sich ein silberfarbenes „Vernee Thor" Logo. Die Rückseite gibt geringfügig Aufschluss über das Smartphone, denn dort wurde ein Sticker mit einigen Specs aufgeklebt.

Der Lieferumfang ist alles andere als üppig. Da haben wir das Vernee Thor, den 2A Schnelladeadapter in weiß und ein weißes USB Kabel. Das war´s.

Auf dem Thor selbst befand sich zwar eine Folie, aber beim Abziehen des Schutzes der Folie hat sich diese gleich mal mit abgelöst. Irgendwie kein guter zweiter Start. Naja, eine Schnellstartanleitung gab es dann doch noch dazu.

Design & Verarbeitung

Das Vernee Thor macht einen sehr hübschen und irgendwie niedlichen Eindruck. Es besteht fast ausschließlich aus Kunststoff. Jedoch nicht so ordinär wie beispielsweise das Backcover vom Elephone P6000 Pro.

Das Smartphone liegt außerordentlich gut und rutschfest in der Hand. Man fühlt eine leichte Gummierung der Oberflächenstruktur, sowohl beim Backcover, als auch beim Rahmen.

Letzterer ist absolut bündig abschließend. Keine Spalten, Ecken oder Kanten. Die rechts befindlichen Buttons (Volume Rocker & Power) sind relativ fest, haben einen sehr angenehmen Druckpunkt und klappern nicht.

Der USB Port befindet sich auf der Unterseite, wohingegen der Phonoausgang oben/rechts ist.

Die Front bietet links/oben eine sichtbare Frontkamera, nicht sichtbar die Sensoren und mittig wie gewohnt den Ohrhöhrerschlitz. Die Softtouchbuttons sind sehr hell bzw. weiß gehalten, aber nicht beleuchtet.

Die schwarze Rückseite wirkt sehr edel, obwohl es sich um Kunststoff handelt. Das eher matte und leicht angeraute Backcover verleiht ein griffiges Gefühl. Ein fast unsichtbares „Vernee" Logo ist abgebildet.

Ganz oben und mittig befindet sich die kleine Rückkamera, die kaum aus der Rückseite herausragt. Darunter der kleine Single LED Blitz.

Und letztlich bietet uns Vernee beim Thor auch noch einen Fingerprintscanner an, der seinerseits mittig unter der Kamera bzw. dem LED Blitz liegt.

Display

​Größe: ​5 Zoll
Auflösung:​ ​HD (1280x720p)
Technologie​:​LPTS LCD
​Anzahl Berührungspunkte:​5
Gehärtetes Glas:​​Ja, Corning Gorilla Glas 3
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Ja - Leicht oleophobisch (Olivenöl perlte ab)

Im Vernee Thor wurde ein 5" LPTS HD Display (1280x720p) verbaut, welches von Gorilla Glas 3 geschützt wird. Die Oberfläche fühlt sich extrem glatt und gleitfähig an. Fingerabdrücke sieht man zwar, aber diese verschwinden relativ schnell, sobald man leicht darüber wischt oder eben weiter tippt. Das von uns mit einem Tropfen Olivenöl getestete Display zeigt eine leicht oleophobische Oberfläche, denn der Tropfen lief ohne große Rückstände nach unten. Mit einem normalen Taschentuch konnte dieser ohne Rückstand vom Display gewischt werden. Gleicher Test beim Oukitel K6000 Pro ergab eine riesen Schweinerei, die sich nur mit einem Alkoholputztuch entfernen ließ.

Die Bezels sind mit 3mm bzw. sogar 4mm wenn man den Rahmen mit einbezieht nicht wirklich gering. Vernee hatte seinerzeit ja mit nur „2mm" Rändern geworben und kann diesem nicht gerecht werden. Da das Thor jedoch selbst in schwarz gehalten wurde und das Display im leicht geschwungenem 2.5D Arc Design daher kommt, fallen die Rändern nicht sehr stark auf.

Der Digitizer leistet sich bisher keine Schwächen.

Leider ist die Helligkeit vom Vernee Thor eher in die Kategorie „Ausreichend" zu stecken. Farben, Kontrast und Schärfe sind jedoch gut. Einzelne Bildpunkte konnten wir nicht erkennen, jedoch im ausgeschalteten Zustand die Rasterung vom Display. Trotz Miravision gelang es uns nicht die Helligkeit auf ein gutes Niveau anzuheben. Das Display bleibt vergleichsweise dunkel. Die Ablesbarkeit im Freien wird zwar noch gewährleistet, aber sobald die Sonne scheint wird es eng.

Entsprechend ausreichend fällt dann auch die Blickwinkelstabilität aus.

Hardware & Performance

​Prozessor: Mediatek ​​MT6753, 64Bit, 8x 1.3GHz
GPU:​ ​Mali-T720
RAM (Geschwindigkeit):​​3GB LPDDR3 (800MHz) (3952,20MB/s)
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​​16GB (Lesen: 161,93MB/s & Schreiben: 48,11MB/s)
Fingerabdruck Scanner:​​Ja
​Sensoren:​Licht, Annäherung, Beschleunigung
Besonderheiten:​​Keine
Abmessungen / Gewicht (gemessen):​​14.20x7.03x0.79cm / 139g

Im Vernee Thor arbeitet ein Mediatek MT6753 SoC mit acht CPU-Kernen die jeweils auf 1.3GHz getaktet sind. Damit steht dem Smartphone ausreichend Leistung für leichte Anwendungen (Messenger, Office, Video) zur Verfügung. Auch Spiele können dank der integrierten ARM Mali-T720 GPU Einheit in leicht verringerten Detailstufen ruckelfrei gespielt werden.

Mit 3GB LPDDR3 RAM (800MHz) steht dem Nutzer ausreichend Arbeitsspeicher zur Verfügung. Die Geschwindigkeit ordnet sich mit 3952MB/s genau in die Mittelklasseleistung ein.

Der interne Flashspeicher (fälschlicherweise von den Chinesen auch heute noch als ROM bezeichnet) ist mit 16GB auch eher der unteren Mittelklasse zuzuordnen, was sich dann seinerseits bei den Schreib- und Lesegeschwindigkeiten wiederspiegelt. Die Leserate lag bei guten 161MB/s, wohingegen die Schreibrate mit 48MB/s minimal zurückfällt.

Wenn man das Backcover entfernt, schon etwas „Oldschool", dann findet man sowohl den Akku, als auch die beiden MicroSim- und den MicroSD Kartenslot. Also kein Kombo-Wischi-Waschi, sondern tatsächliche DualSim Fähigkeit bei gleichzeitiger externer Speichererweiterung. Der interne Speicher kann somit um 128GB erweitert werden.

Die drei verbauten Sensoren sind Beschleunigung, Licht und Annäherung. Kein Kompass und kein Gyroskop. Der Annäherungssensor hat während der Testphase häufig Probleme bereitet. Er dient dazu, dass das Display beim Telefonieren ausgeschaltet wird, sobald sich das Smartphone dem Ohr des Nutzers nähert. Leider mussten wir allzu oft manuell die Hand vor die obere Displayhälfte halten, bis der Sensor reagierte. Ging das Display dann aus, so blieb das auch während des Telefonats so. Ab und zu klappte es natürlich auch so. Aber jedes Mal kontrollieren zu müssen ist auch umständlich. Spätestens wenn das Ohr anfängt zu glühen, weil das Display während des Telefonierens aktiv war oder aber der Anruf versehentlich aufgelegt wird, weiß man Bescheid. Letzteres ist uns zwar nicht passiert, kann aber bei aktiviertem Display schon mal passieren.

Der Fingerabdruckscanner hat ebenfalls so seine schwachen Momente. Mal funktioniert er ohne Erkennungsprobleme und mal will er gar nicht. Aufgefallen ist es uns erst vor 1-2 Tagen. Wir wurden vor 5 Tagen von einem Nutzer angeschrieben, wir sollen den Scanner mal genauer unter die Lupe nehmen. Bis dato fiel uns eine Schwäche nicht auf. Sobald der Finger aber nicht wirklich mittig aufliegt, so sinkt die Erkennung in den 0% Bereich. Ist der Finger relativ gerade und mittig, so klappte eine Erkennung auf Anhieb. Selbst mit frisch desinfizierten Fingern war eine Erkennung durchaus möglich. Aber auch hier kam es auf die Fingerstellung an. Die Erkennungsrate kann erhöht werden, sobald der gleiche Finger mehrmals eingelesen wurde.

Software

​Variante: ​Android
​Android Version: ​6.0
Bloatware​:​Ja (Uber, Talkback, Youtube App, Hangouts)
Root Zugriff:​​Nein
OTA Updates:​​Ja (bisher monatlich - Stand: 02.07.2016)
Schadsoftware:​​Nein

Das Vernee Thor kommt mit dem "neuen" Android 6.0 daher und Vernee verfolgt aktuell noch eine sehr löbliche Updatepolitik. Es gab in den zwei Monaten bereits zwei Updates und ein drittes OTA Update wurde für Juli geplant.

Das System läuft stabil und ruckelfrei. Jedoch kommt die Software mit etwas Bloatware daher. Bei weitem nicht so belastet wie ein Samsung-Smartphone, aber der Nutzer bekommt gleich mal den Fahrdienst UBER übergebügelt, sowie Hangouts, Youtube und TalkBack. Schadsoftware gibt es laut ESET aber keine.

Bis auf die OTA Updatefunktion, die Einstellungen für den Fingerabdruckscanner und Miravision kommt das Vernee Thor ohne weitere Softwarefeatures aus.

Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: 2G: GSM 900/1900/2100MHz
3G: WCDMA 900/2100MHz
4G: FDD-LTE 800/1800/2100/2600MHz
WLAN:​ 802.11b/g/n
Bluetooth:​​4.0
NFC:​​Nein
HotKnot:​​Nein
Dual-SIM:​​Ja - 2x MicroSim + 1x MicroSD 
Positionsbestimmung:​​GPS, A-GPS, GLONASS, BDS

Beim Empfang sind wir wieder etwas zwiegespalten. In der Hauptdisziplin, also der generellen Empfangsleistung enttäuscht das Vernee Thor ein wenig. Zumindest in etwas ländlichen Gegenden oder in Gebäuden. Oftmals sinkt der Empfang ab und in Bereichen wo andere Smartphones gerade noch so Erreichbarkeit zeigen, geht der Anzeiger vom Thor auf „kein Netz". Dies gilt dann gleichermaßen für Mobilfunk wie für den Datenempfang.

Beim GPS hingegen gab es dann aber absolut keine Probleme. Der erste Fix war nach 00:00 Sekunden da und das Thor kam auf 11-14 genutzte Satelliten. Bei der Navigation gab es keine Abbrüche oder Fehlleitungen.

Der WLAN Empfang ist ebenfalls recht ordentlich und äußerst stabil. Mit maximal 45,81Mbps im Download und stabilen 12,41Mbps im Upload gibt es nichts auszusetzen. Abbrüche gab es keine.

Mit dem neuen OTA Update im Juli sollen aber einige WLAN-/GPS-/3G/4G-Bugs behoben werden. Beim WLAN oder GPS konnten wir jedoch keine feststellen.

Der Gesprächspartner wird jedoch auch bei geringerem Mobilfunkempfang deutlich verstanden und man selbst kommt ebenfalls deutlich beim Gegenüber an.

Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono
Noise Cancelling Mikrofon:​ ​Nein
Dedizierter Audio DAC:​​Nein
Dedizierter Verstärker:​​Nein

Mit der Audioleistung sind wir recht zufrieden. Sowohl was den Sound via Speaker angeht, als auch über Kopfhörer.

Der Speaker übersteuert nicht und ist ordentlich laut. Klar, lediglich die Bässe fehlen mal wieder. Da sich der Lautsprecher auf der Rückseite befindet, wird der Klang sehr dumpf, sobald das Vernee Thor abgelegt wird.

Wirklich gut hat uns die Wiedergabequalität via In-Ear-Kopfhörer bei Vocaltrance/Techno/Elektro gefallen. Die Stimmen klingen tadellos, die Tiefen und Bässe donnern ordentlich und auch die Höhen übersteuern nicht.

Kamera

​Hauptkamera: ​13,2MP
​Frontkamera: ​5MP
​Blitz:​Single LED Blitz
​Fokus:​Autofocus
​Slow Motion:​Nein

Die Rückkamera vom Vernee Thor macht mit ihren 13MP recht anständige Bildaufnahmen. Insbesondere in Hinblick auf den Preis ein gutes Ergebnis. Nah abgebildete Objekte werden scharf dargestellt und auch bei Fernaufnahmen stellt sich zumeist ein befriedigendes Bild ein. Der HDR-Modus überbelichtet leider zum Teil etwas.

Bei absoluter Dunkelheit schafft es der Single LED Blitz eine ausreichende Ausleuchtung hinzubekommen. Nahe Objekte (Gesicht) werden wirklich gut dargestellt.

Videos sind ebenfalls auf normalem Mittelklasseniveau. Der Stabilisator, sowie der Autofokus funktionieren und reagieren recht schnell. Selbiges gilt für die Auto-ISO Anpassung.

Die 5MP Frontkamera schießt durchaus brauchbare Selfies und eignet sich daher auch gut für Videotelefonie. Man darf hier sicherlich keine Wunder erwarten, aber schlechter als die vielen interpolierten 8MP Frontknipsen der Konkurrenz ist diese nicht. 

Akku

​Kapazität (Angabe): ​2700 - 2800mAh
​Kapazität (Gemessen): ​2.644mAh (+-5%)
​Wechselbar:​Jaein. Verklebt, aber leichter Zugang unter Backcover
Fast Charging:​​Ja

​Das Vernee Thor verfügt über einen 2800mAh, wobei Vernee selbst ein Minimum von 2700mAh einräumt. In unserem Test konnte der Akku voll überzeugen. Die tatsächlich gemessene Kapazität lag bei 2644mAh (Ungenauigkeit +/- 5%). Natürlich sagt die reine Kapazität nie etwas aus. Das haben wir spätestens beim Elephone m3 gesehen. Dieses hat einen 3000mAh Akku verbaut und macht nach wenigen Stunden schlapp. Das Vernee Thor hingegen kann mit einer ca. 9 stündigen Screen-On Zeit glänzen und schafft es bei moderater Nutzung 1-1.5 Tage durchzuhalten. Das Geekbench Testergebnis folgt noch, da uns der Test abgeschmiert ist.

Fazit

Das Vernee Thor ist durch und durch ein Mittelklasse-Smartphone. Keine Eigenschaften sind besonders gut oder besonders schlecht. Beim Mobilfunkempfang schwächelte es in unserem Test, konnte aber dafür beim WLAN und GPS überzeugen. Das Display ist etwas zu dunkel, der Fingerprintreader leistet sich ab und an mal eine kleine Auszeit und der Annäherungssensor tut es ihm manchmal gleich.

Dennoch ist der Preis gering und die Fehler bewegen sich im Rahmen des Erträglichen.

Positiv hingegen kann man die Verarbeitung bewerten, den Akku und die Audioqualität. Auch die Software rennt stabil und die Hardware befindet sich auf gutem Mittelklasseniveau.

Schaut man sich nun das Gesamtpaket an, bleibt dennoch eine Empfehlung zum Kauf, denn 5 Zoller sind rar gesät und der Preis ist mit ca. 100€ durchaus angemessen. Eventuell kommt da auch demnächst mal ein Deal. Die Leistung stimmt und einige Fehler könnten sogar noch via Updates beseitigt werden. Eine Alternative wäre das ältere Elephone P6000 Pro.

Pro Contra
​+ Preis-/Leistung ​- Display (eher neutral, aber Helligkeit zu gering)
- PER UPDATE BEHOBEN
+​​ GPS / WLAN-​​ Bloatware
+​​ Audio-​Mobilfunkempfang - PER UPDATE VERBESSERT
+​​ Verarbeitung / Design- Kompass und Gyroskop fehlen
+​​ Akkuleistung / Ausdauer- Annäherungssensor teilweise mangelhaft - PER UPDATE BEHOBEN
+​​ Fotoaufnahmen- Fingerprintreader manchmal ungenau
+ Flüssig laufendes Android 6.0- kein Fast Charge (keine Schnellladung)
​+ 5 Zoll (leicht oleophobisch)