Vernee Mix 2 Test

​Die Chinesen kommen schon auf lustige Ideen. Da bringt man doch tatsächlich ein Vernee Mix 2 auf den Markt, obwohl es nie ein Mix 1 gab. Nichts desto trotz macht das Vernee Mix 2 auf dem Papier einen äußerst vielversprechenden Eindruck. Ob der vielversprechende Eindruck gehalten werden kann, prüfen wir für euch in einem ausführlichen Alltagstest. Bevor der komplette Testbericht erscheint, gibt es nun an dieser Stelle unsere ersten Eindrücke nach den ersten Tagen der Nutzung.

Das Vernee Mix 2 wurde uns von Gearbest zur Verfügung gestellt. Zum Shop gelangt ihr mit dem grünen Button.

Vernee Mix 2 Spezifikationen

​Display: ​6" 18:9 IPS LCD (2160 x 1080)
5-Punkt Touch
Gehärtetes Glas unbekannt, Front leicht oleophobisch
​Prozessor: ​Mediatek Helio P25 (MT6757CD)
- 4x Cortex A53 @1,664GHz
- 4x Cortex A53 @2,392GHz
- Mali T880 MP2 GPU​ @1GHz
​RAM:​4GB LPDDR3 oder 6GB LPDDR4X
​Speicher:​64GB
​Frontkamera:​8MP f/2.8 (Tatsächlich: 5MP GC5025​)
​Hauptkamera:​Dual Kamera
- 13MP f/2.0 OIS Hauptsensor (Sensor unbekannt)
- 5MP Sekundärsensor (Falschangabe, GC0310 VGA Sensor)
​Micro SD:​Ja (Hybrid Slot)
​SIM Slot:​Dual Nano SIM
​Frequenzen:​2G: GSM 850/900/1800/1900MHz
3G: WCDMA 900/2100MHz
4G: FDD-LTE 800/900/1800/2100/2600MHz
WLAN 802.11a/b/g/n
Bluetooth 4.0
GPS, A-GPS, GLONASS, BDS
​Akku:​4.200mAh (PE+ Fast-Charging)
Gemessen: ~3.900mAh
​Betriebssystem:​Android 7.0 Nougat
Vernee OS (erweitertes Stock Android)
​Abmessungen / Gewicht (Herstellerangaben):157,5 x 75,4 x 8,4mm / 208g

Vernee Mix 2 Unboxing

​Da sich das Vernee Mix 2 in die Mars-Serie einordnet, kommt es in einer ähnlich gestalteten aber diesmal weißen Verpackung daher. Der Lieferumfang fällt recht schmal aus. Zum Smartphone und der darauf befindlichen Schutzfolie bekommt ihr ein Schnellladegerät mit deutschem Stecker, ein Micro USB Kabel und eine mehrsprachige Kurzanleitung.

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Erster Eindruck vom Vernee Mix 2

​Erster Eindruck: Was ein Prügel! Und das bezieht sich nicht auf die Größe, sondern auf das Gewicht. Das Vernee Mix 2 ist in etwa so groß wie ein größeres 5,5" Smartphone - beispielsweise das iPhone 7 Plus. Dennoch bringt es über 200g auf die Wage. Daran muss man sich erstmal gewöhnen - was uns jedoch nicht sonderlich schwer viel. Lobenswert ist, dass das Gewicht wohl von einem sehr stabilen inneren Aufbau kommt. Das Vernee Mix 2 ist nämlich wirklich stabil, was sehr schnell deutlich wird, wenn man versucht das Smartphone zu biegen. Das Display sieht klasse aus und überzeugt ohne weitere Einstellungen. Im Freien kann man das Panel recht gut ablesen. Besonders erfreut hat uns der Touchscreen im Vernee Mix 2, welcher nicht nur sehr präzise arbeitet, sondern auch nahezu keine Eingabeverzögerung aufweist. Die Performance überzeugt, jedoch darf man nicht zu viel erwarten. Bei grafikintensiven Anwendungen kann es schon mal zu kleinen Stotterern oder einem Ruckeln kommen. Erklärt werden kann das mit der hohen Auflösung. Mit Full HD fühlt sich der Helio P25 wohl, das Vernee Mix 2 setzt jedoch auf Full HD+ (2160 x 1080), was nochmal eine ordentliche Portion Pixel mehr ist.

Eine erste Lüge des Herstellers lässt sich beim Arbeitsspeicher entdecken. Das Vernee Mix 2 könnt ihr in zwei Varianten kaufen: Einmal mit 4GB und einmal mit 6GB. Angeblich soll in beiden Varianten LPDDR4X RAM verbaut sein. Das ist jedoch nicht wahr, wie Geschwindigkeitstests ziemlich schnell aufdecken. Mit einem Durchsatz zwischen 3 und 5GB/s liegt der RAM der 4GB Variante deutlich unter dem Niveau von LPDDR4X RAM. Somit darf der LPDDR4X RAM angezweifelt werden. Vermutlich kommt hier nur LPDDR3 RAM zum Einsatz. Aber keine Sorge: In der 6GB Version wird garantiert LPDDR4X RAM stecken, da der Helio P25 nur mit dieser Technik 6GB RAM unterstützt.

Was die Empfangsleistung betrifft zeigt das Vernee Mix 2 auch ein paar Schwächen, welche je nach den persönlichen Ansprüchen mehr oder weniger Signifikant sind. Der Mobilfunkempfang ist sehr gut und reicht auch im Gebäude in vielen Räumen aus um eine 3G Datenverbindung herzustellen, was am Standort nicht allen Geräten gelingt. Die Leistung im WLAN bewegt sich im Mittelfeld. Es gibt hier keine akuten Empfangsprobleme, jedoch ist ein Stockwerk unter dem Router stellenweise eine deutlich eingeschränkte Bandbreite wahrzunehmen. Katastrophal sieht es beim GPS aus, sofern man dieses für Tracking Zwecke nutzen möchte. Von wirren Schnörkeln im aufgezeichneten Weg bis hin zu angeblich durchlaufenen Gebäuden ist da alles dabei. Seltsamerweise ist beim Navigieren von diesen Aussetzern bisher nichts zu spüren gewesen. In zwei Tests hat uns das Vernee Mix 2 problemlos von A nach B navigiert. Dies lässt eher ein Soft- als ein Hardware Problem vermuten.

Den Kopf schütteln müssen wir bei der Kamera. Vernee hat sich sehr lange Zeit dem Dual Kamera Trend verweigert. Nach schier endloser Zeit ist es nun jedoch soweit und mit dem Vernee Mix 2 gibt es auch von Vernee ein Dual Kamera Smartphone. Damit bestand die Hoffnung, dass hier endlich mal ein kleiner Hersteller ein günstiges und vor allem brauchbares Dual Kamera Smartphone aus dem Hut gezaubert hat. Immerhin versprechen das auch die Werbegrafiken, in denen mit optischem Zoom, zwei 13MP Sensoren (IMX258) und OIS geworben wird.

​Doch eventuelle Euphorie ist unangebracht. Kaum etwas von dem, das in der Werbegrafik angegeben wird, ist vorhanden. Lustigerweise scheint Vernee selbst sich nicht sicher zu sein, was denn nun verbaut wurde. Auf einer Unterseite der offiziellen Webseite ist nämlich eine Tabelle mit Specs zu finden, in welcher plötzlich doch nur von einem 13MP Sony IMX258 und einem 5MP Sekundärsensor die Rede ist.

Das Traurige: Nicht einmal das stimmt! In den Tiefen des Android Systems gibt es einige Dateien, in denen man wertvolle Infos zu den Kameras und den verwendeten Sensoren findet. Und hier findet sich nirgends der Sony IMX258. Stattdessen finden wir zwei andere 13MP Sensoren, wobei wir aber nicht ganz zuordnen können, welcher denn nun tatsächlich zum Einsatz kommt. Fest steht aber, dass es nicht Beide sind. Ein Blick auf die Mini-Linse des Sekundärsensors schreit nach VGA. Und Bingo! In der "Treiberdatei" werden wir fündig. Mit dem GalaxyCore GC0310 steckt hier ein alter bekannter im Vernee Mix 2, den wir in so ziemlich allen Fake-Dual-Kamera Smartphones finden. Und dieser arbeitet eben nicht mit 5MP, sondern nur mit VGA Auflösung. Der einzige 5MP Sensor der im Vernee Mix 2 steckt, befindet sich in der Frontkamera und hört auf den Namen GalaxyCore GC5025. Die beworbene 8MP Frontkamera ist also nur eine von 5MP auf 8MP interpolierte Kamera.

Und an dieser Stelle muss sich Vernee die Frage gefallen lassen, was das eigentlich alles soll. Wozu die ganzen Falschangaben? Aufgedeckt werden diese sowieso. Was soll dieser Kindergarten? Hat man es wirklich nötig sich mit Falschangaben vor der Konkurrenz zu verstecken? Dieses Erschleichen eines Vorteils mit Falschangaben ist einfach nur widerlich. Warum kann man nicht einfach durch Taten einen Vorsprung erarbeiten? Wer sich das Vertrauen seiner Kunden erarbeitet, hat auf lange Sicht mehr davon. Und nein, Vernee muss sich vor der Kamera im Vernee Mix 2 definitiv nicht schämen. Im Einzelkameramodus macht das Smartphone bei Tageslicht ziemlich gute Bilder, und sogar OIS ist vorhanden - wenngleich der Stabilisator nicht so gut funktioniert wie in High-End Smartphones. Es ist nur dieser unnötige Dual Kamera Modus der nichts taugt. Hätte man die Träumerei und Lügerei gelassen, sich die Fake Kamera gespart, hätte man das gesparte Geld in die weitere Verbesserung der durchaus soliden, restlichen Basis stecken können.

​Ansonsten gibt es dann jedoch keine großen Kritikpunkte mehr. Erfreut hat uns, dass das Vernee Mix 2 über eine RGB Status LED Verfügt. Diese ist zwar etwas arg hell, aber besser zu hell als zu dunkel. Kompass und Gyroskop sind vorhanden und funktionieren. Der Fingerabdruck Sensor entsperrt das Vernee Mix 2 nicht so schnell wie beworben, aber immerhin zuverlässig. Ein Kopfhörer Anschluss ist im Gegensatz zu vielen Konkurrenten noch vorhanden und klingt gut. Und auch die Akkulaufzeit kann bisher überzeugen. Anderthalb bis zwei Tage sollten die meisten damit auskommen. Das Aufladen mit dem originalen Ladegerät dauert nur anderthalb Stunden.

Damit kann man also abschließend sagen, dass das Vernee Mix 2 bisher wie ein relativ solides Smartphone erscheint, sofern man sich mit den Schwächen arangieren kann. Den größten faden Beigeschmack hinterlässt die Kamera Lüge. Unterm Strich liefert die Kamera aber dennoch bei Tageslicht sehr brauchbare Fotos - wenn nicht sogar die Besten von allen bisherigen Tri-Bezel-Less und Full View Smartphones unter 200€. Die Verarbeitung, das Display und die Akkulaufzeit sprechen für sich. Bedenkt man, dass man das Vernee Mix 2 teils in Flash Sales für nur 130€ abstauben kann, erscheint das Gesamtpaket dann trotz der angesprochenen Kritikpunkte als gar kein so schlechter Deal - sofern man weiß auf was man sich einlässt.

Und damit beenden wir nun unsere ersten Eindrücke. Den kompletten Vernee Mix 2 Testbericht findet ihr in ca. einer Woche an dieser Stelle.