OnePlus 5 Test

Vor einer Woche fand das Launch-Event vom OnePlus 5 statt und wir waren live dabei. Wie ihr bereits im Beitrag zu den ersten Eindrücken lesen konntet, wurden wir mit einem kompletten Reviewer´s Kit ausgestattet und dafür möchten wir uns herzlichst bei OnePlus und dem Veranstalter Onechocolate bedanken.

OnePlus hat es sich seit seiner Gründung im Jahr 2013 zur Aufgabe gemacht Jahr für Jahr einen Flaggschiffkiller auf den Markt zu bringen, die ganz Großen damit anzugreifen und noch dazu eine halsbrecherische Preispolitik an den Tag zu legen. Das OnePlus 3 kostete seinerzeit nur 399€ und konnte dem Samsung Galaxy S7 in bestimmten Punkten nicht nur das Wasser reichen, sondern die Spezifikationen toppen.

In diesem Jahr musste sich OnePlus mit dem OnePlus 5 besonders viel Mühe geben, da schon in den Leaks zu lesen war, dass die aggressive Preisgestaltung wohl nicht mehr eingehalten werden konnte. Und richtig. Das OnePlus 5 wird zum Verkaufsstart für 499€ in der kleinen Ausstattungsvariante (6/64GB) und 559€ in der Killervariante (8/128GB) angeboten. Diesem massiven Preisanstieg geschuldet musste OnePlus beim Launch Event richtig auf die Werbetrommel dreschen und hat immer wieder die angeblich herausragende Kameraqualität hervorgehoben.

Doch hält OnePlus die selbst heraufbeschworenen Geister mit dem OnePlus 5 in Schach oder werden diese möglicherweise zu einem Horrortrip für das junge Unternehmen? Ihr erfahrt es genau hier!

OnePlus 5 - Verpackung & Lieferumfang

Das Reviewer´s Kit bestand aus einem Reiserucksack, einem Sportbeutel, allen 4 verfügbaren Cases, dem OnePlus 5 inklusive Dash Charger und USB Typ-C Kabel, sowie einem Reviewer´s Guide. Der normale Käufer erhält ein OnePlus 5 mit Dash Charger und USB Typ-C Kabel. Eine Folie ist von vornherein auf dem Display aufgebracht. Die Verpackung ist so ziemlich die Gleiche wie schon beim OnePlus 3(T).

Design & Verarbeitung

In Sachen Design haben schon im Vorfeld viele Leser aufgeschrien und OnePlus vorgeworfen, einen Klon vom iPhone 7 Plus hergestellt zu haben. Um ehrlich zu sein haben auch wir uns dem angeschlossen. Doch hat man das OnePlus 5 dann einmal vor sich und vergleicht es direkt mit dem iPhone 7 Plus, wird schnell klar, dass von einem Klon hier kaum die Rede sein kann. Das Kameramodul und die Position des LED Blitzes sind quasi die einzigen Elemente, welche sich hier ähneln.

Das OnePlus 5 ist mit seinem 7,25mm dünnen Unibody Gehäuse aus Metall sehr dünn geworden und beherbergt auf der Rückseite eine Dual Kamera. Dieses Ensemble benötigt Platz. Und da es auch vom Aufbau (Mainboard/CPU/RAM/Kameras) nun mal kaum anders möglich war, hat sich OnePlus für das bekannte Design entschieden. Und vergessen wir nicht, dass schon dem OnePlus One eine Ähnlichkeit zum iPhone-Vorgänger vorgeworfen wurde. Dem Hype um das OnePlus One hat es keinen Abbruch getan. Hätte man die Kameras beispielsweise mittig angelegt, so wäre das Smartphone deutlich dicker ausgefallen.

Die Rückseite ist gegenüber dem Vorgänger OnePlus 3(T) nochmals etwas abgerundeter und unsere Testgeräte in Midnight Black sehen einfach nur toll aus. Trotz der geringen Dicke und dem abgerundeten Design liegt das OnePlus 5 sehr gut in der Hand. Das OnePlus 5 hat auf der Unterseite einen USB-Typ C Port, einen Kopfhörerausgang und einen Monolautsprecher. Auf der Vorderseite befindet sich die Kamera links oben und auch der physische Homebutton samt Fingerabdrucksensor hat seinen Platz beibehalten. An der rechten Seite befindet sich der Powerbutton, sowie der Dual-Nano-SIM Slot und auf der linken Seite wie gewohnt der Volumenrocker und der „Do not disturb"-Slider.

Die Verarbeitung vom OnePlus 5 ist tadellos und dennoch möchten wir OnePlus an dieser Stelle rügen. War es beim OnePlus 3(T) noch verschmerzbar keine IP65/IP68 Zertifizierung zu bekommen, da der Gesamtpreis stimmte, so wäre es in Anbetracht des 25%-igen Preisanstieges gegenüber dem Vorgänger beim OnePlus 5 wünschenswert gewesen. Pete Lau gab zu verstehen, dass das Smartphone mit zertifizierter Wasserresistenz dicker ausgefallen wäre und wir fragen uns nun, wo so dann das Problem gelegen hätte. Im gleichen Zug hätte man nämlich auch die Akkukapazität weiter erhöhen können. Wir gehen soweit zu behaupten, das 0.75 bis 1.25mm dem Design keinen Abbruch getan hätten, sofern der Akku größer ausgefallen wäre und eine Wasserresistenz vorgelegen hätte. Auf die Aussage von Pete Lau, dass das OP5 dennoch bis zu einem gewissen Grad wasserdicht sei, geben wir nichts. Auch wenn der CEO Geld sparen wollte, so sollte man nicht den potentiellen Kunden verunsichern. Geht bitte davon aus, dass das OnePlus 5 kein Wasserbad überleben wird oder zumindest an den Schwachstellen (Mikro, Lautsprecher) schaden nehmen könnte.

Display

​Größe: ​​5,5" Full HD
Auflösung:​ ​1920 x 1080p
Technologie​:​"Optic" AMOLED / 2.5D / sRGB, DCI-P3
​Anzahl Berührungspunkte:​10
Gehärtetes Glas:​​Ja, Corning Gorilla Glass 5
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Ja

Auch in diesem Jahr setzt OnePlus auf ein 5.5 Zoll FullHD „Optic AMOLED" Display mit 10-Punkt Touch Unterstützung und setzt sich gegen den Trend und das Geschrei nach mehr und mehr Pixel durch. Und mal Hand auf´s Herz. Ob nun Full HD oder Ultra HD macht bei einem >5.7" keinen sichtbaren Unterschied aus. Wobei der Akkuverbrauch bei einem 4K Display ungleich höher wäre - das gilt vor allem bei AMOLED Displays, da hier jedes Pixel aktiv leuchtet. Allerdings gibt es wie bei jeder Medaille auch hier zwei Seiten. So sehen wir das OnePlus 5 hinsichtlich der geringeren Auflösung leider nicht zukunftssicher in Hinblick auf VR-Technologie. Wobei dies auch nur einen kleinen Teil der Nutzer betreffen dürfte. 

Die Farbsättigung, Schärfe und Leuchtstärke sind auf einem sehr hohem Niveau und lassen aus unserer Sicht keinen Platz für Kritik. Selbiges gilt für die Blickwinkelstabilität. Der Digitizer ist sehr genau und leistete sich während unserer Testzeit keine Fehler. OnePlus hat auch diesmal einige Features implementiert, so dass zum Beispiel Vielleser in den Genuss des „Lesemodus" kommen, welcher Blautöne herausfiltert und Graustufen-Mapping betreibt. Der Modus kann wahlweise manuell an- und ausgeschaltet werden. Ein RGB-Umgebungslichtsensor soll dabei für optimale Leseverhältnisse sorgen. Leider ist davon wenig zu spüren. Ja, das Display wird sofort in einer Grauabstufung angezeigt, aber von der automatischen Umgebungsanpassung ist leider nichts zu sehen. Es war in unserem Test unerheblich, ob wir warme LED Beleuchtung, Glühlampenlicht, Tageslicht, Dunkelheit oder helles Leuchtstoffröhrenlicht auf das Smartphone strahlen ließen. Grau blieb grau. Also eher ein potentiell nettes Gimmick, als ein echtes Feature. Der etablierte „Nachtmodus" ist dann das Selbe in grün. Oder sollten wir sagen gelb?! 😁 Bei starker Nachtmodus-Anpassung wird das Display sehr gelbstichig und abgedunkelt. Auch hier wieder ein nettes Gimmick, aber von einem echten Feature weit entfernt.

Das oleophobische Display wird durch Corning Gorilla Glas 5 geschützt. Während der einwöchigen Testzeit hatten wir keine Kratzer auf der Displayoberfläche. Dies dürfte wohl auch lange Zeit so bleiben, denn schon das ältere Gorilla Glass beim OnePlus 3 hat den Alltag lange Zeit unbeschadet überstanden.

Hardware & Performance

​Prozessor: Qualcomm® Snapdragon™ 835 (10nm Design) / Kryo 280 Octacore (4x 1,9GHz & 4x 2,4GHz)
GPU:​ ​Adreno 540
RAM (Geschwindigkeit):​​​6GB/8GB LPDDR4X (7020,96MB/s)
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​64GB/128GB UFS 2.1 / 2-LANE (Lesen: 394,74MB/s & Schreiben: 236,20MB/s)
Fingerabdruck Scanner:​​Ja (im Homebutton)
​Sensoren:​Fingerabdrucksensor, Hallsensor, Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Näherungssensor, RGB-Umgebungslichtsensor, elektronischer Kompass, Sensor-Hub
Besonderheiten:​​Dash Charge, Lesemodus, Nachtmodus, Dual Kameras, Corning Gorilla Glass 5
Abmessungen / Gewicht:​​154.2 x 74.1 x 7,25 mm / 153g

Ein schon vorab gesichertes Detail bezüglich der Hardware im OnePlus 5 war der verbaute Qualcomm Snapdragon 835 SoC mit seiner Qualcomm Kryo 280 CPU. Ebenso mit an Bord ist die leistungsstarke Qualcomm Adreno 540 GPU. Unterstützt werden SoC, CPU und GPU von ausreichend schnellen 6GB bzw. 8GB LPDDR4X RAM und 64GB bzw. 128GB UFS 2.1 (2-LANE) internem Speicher.

Die reinen Benchmarkwerte, sowie das Datenblatt sprechen für sich. Aber heutzutage bringen 8GB RAM keinen Mehrwert gegenüber 6GB RAM und OnePlus, allen voran Pete Lau, müssen sich fragen lassen, warum man so eine technische Spielerei verbaut und folglich den Preis künstlich in die Höhe treibt. Glücklicherweise ist man nicht gezwungen zum 8GB RAM Modell zu greifen, da es ja auch ein günstigeres Modell mit 6GB RAM gibt.

Abgesehen davon darf man beim OnePlus 5 leider auch wenig auf die einschlägigen Benchmarkergebnisse geben. Diese sind dank eines in die Software implementierten Erkennungscodes manipuliert, ähnlich der KFZ-Abgasaffäre. Diese Manipulation führt dazu, dass die CPU während des Tests kein Throttling betreibt. Im Alltag ist dies aber zwingend notwendig, um die Temperaturen niedrig zu halten und den Akku zu schonen. OnePlus erreicht folglich einen um ca. 3-5% nach oben hin verbesserten Benchmarkwert und katapultiert das OnePlus 5 damit an die Chartspitzen. Ein unschöner Schachzug!

Im Alltag ist die Performance natürlich überragend. Zwar haben wir vereinzelt mit Optimierungsfehlern zu kämpfen, aber diese werden hoffentlich seitens OnePlus in den kommenden Wochen beseitigt. Diese äußern sich in einem hier und da auftauchenden Stottern, welches man eigentlich vom Snapdragon 835 nicht gewohnt ist.

Parallel zu unserem eigentlichen Testgerät aus dem Reviewer´s Kit haben wir uns ein zweites Gerät bestellt, welches auch umgehend geliefert wurde. Das zweite Gerät hat jedoch beim Spielen z.B. mit Asphalt Xtreme so seine Problemchen. Es ruckelt heftig sobald mehrere gegnerische Fahrzeuge auf der Bildfläche erscheinen. Das kostenlos zur Verfügung gestellte OnePlus 5 hat dieses Problem seltsamerweise nicht.

Weitere Defizite sind uns bei der Verwendung von Youtube aufgefallen. Wenn man ein Video abspielt und so dann in den Kommentaren scrollt, ist die Scrollbewegung alles andere als flüssig. Ein leichtes Stottern wirkt unangenehm und sollte bei dieser Ausstattung schlichtweg nicht auftreten. Laut OnePlus arbeite man daran, diesen und andere Scrollbugs zu beheben. Ein weiterer Bug bezüglich des Scrollens ist der so genannte „Jelly Effect". Wenn man beispielsweise ganz langsam durch Kommentare oder Geschriebenes scrollt, federt der Text minimal und vereinzelt zurück. Ähnlich einem missglücktem Zeilensprung auf PC, wenn man das Mausrad unsauber bedient.

Doch kommen wir zu weiteren Hardwarespezifikationen. Als da wären der Fingerabdrucksensor, der schon wie beim OnePlus 3 im Homebutton seinen Platz gefunden hat. Dieser arbeitet absolut zuverlässig und bereitete uns während der Testphase keine Probleme. Auch die weitere Sensor Ausstattung kann sich beim OnePlus 5 sehen lassen. Neben den zuvor erwähnten RGB-Umgebungslichtsensor und dem Fingerabdrucksensor gesellen sich ein Kompass, Gyroskop, Annäherungssensor, Beschleunigungssensor und Magnetometer. Der Kompass musste zu Beginn über Google Maps kalibriert werden, hat dann aber problemlos seine Arbeit verrichtet.

Das OnePlus 5 beherbergt einen Dual NanoSIM Slot, aber leider wieder keine Speichererweiterung via MicroSD Karte. Während dies für die eine Nutzergruppe unerheblich ist, mag dies für andere Nutzer eine unverzichtbare Eigenschaft darstellen. Gerade eben jene Nutzergruppe die gerne viele Daten mal schnell zwischen Notebooks hin und her schieben möchte und dabei auf das Smartphone zurückgreifen will oder generell das Smartphone als Speicher für alles nutzt. Gerade auch die 64GB Speicherversion dürfte durch den fehlenden Micro SD Slot viele potentielle Kunden vom Kauf abschrecken.

Als letzten Punkt in Sachen Hardware möchten wir den USB Typ-C Port ansprechen. Zwar ist der USB Typ-C Standard noch relativ jung und selbst bei namenhaften Konkurrenzprodukten nicht immer vertreten, doch wenn eine Firma schon USB Typ-C in der 2. Generation seiner Smartphones verbaut, warum basiert dieser Standard dann nicht auf USB 3.0 bzw. 3.1? Pete Lau hatte sich bisher dazu nicht geäußert. Aber die Antwort können wir schon erahnen. Es sei möglicherweise noch eine „Spielerei". Zugegeben, wir haben ihm das jetzt in den Mund gelegt, aber einen USB 2.0 Standard zu verbauen ist wahrlich keine Glanzleistung. Ja, fehlt auch bei vielen anderen Flaggschiffen, doch man bedenke auch hier wieder den Preis, der an vielen Stellen einfach nicht gerechtfertigt ist.

Software

​Variante: ​Android 7.1.1
​Android Version: OxygenOS
Bloatware​:​Nein
Root Zugriff:​​Nein (aber leicht einrichtbar)
OTA Updates:​​Ja
Schadsoftware:​​Nein

Die Software im OnePlus 5 basiert auf Android 7.1.1 und nennt sich OxygenOS. Wie gewohnt handelt es sich um ein sehr aufgeräumtes Betriebssystem. OnePlus hat hier ein gutes Händchen bewiesen, den Look und die Aufgeräumtheit von Stock Android beizubehalten, aber dennoch hier und da sinnvolle Verbesserungen und Erweiterungen einzubringen.

OnePlus hat binnen einer Woche drei Updates auf den Weg gebracht, die via OTA installiert werden konnten. Diese Updates verbesserten die Kamera und beseitigten einige kleine Fehler. Der aktuelle Sicherheitspatch ist vom 1. Mai 2017 (Stand 27.07.2017) und damit nicht ganz aktuell.

Diverse Einstellungsmöglichkeiten lassen dem Nutzer viel Spielraum bei der Einrichtung seines Smartphones. So kann man den Alarmschieberegler konfigurieren, die Tasten vertauschen, Gestensteuerung aktivieren, die Statusleiste anpassen, Benachrichtigungszeitpunkte festlegen und beispielsweise wie beim Display erwähnt den Nachtmodus oder den Lesemodus zuschalten. Wem der Standard-Launcher nicht gefällt, kann auf diverse Apps im Playstore zurückgreifen. Wir selbst verwenden gerne den Apex oder Arrow Launcher.

Aktuell hat das OnePlus 5 jedoch noch mit diversen kleineren Optimierungsdefiziten zu kämpfen, die wir bereits beim Punkt Hardware erläutert hatten. Bisher hat OnePlus in der Vergangenheit aber jene Schwächen bestmöglich beseitigt und so hoffen wir auch diesmal auf den aktiven Support. Eine eigene Community unterrichtet OnePlus regelmäßig über Fehler und das Unternehmen ist bemüht auf die Anfragen einzugehen.

Wir werden das OnePlus 5 für ca. ein Jahr im Auge behalten und bei gravierenden Änderungen hier einen Nachtrag hinterlassen.

Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: ​​FDD LTE: Band 1/2/3/4/5/7/8/12/17/18/19/20/25/26/28/29/30/66
TDD LTE: Band 38/39/40/41
TD-SCDMA: Band 34/39
UMTS(WCDMA): Band 1/2/4/5/8
CDMA EVDO: BC0GSM: 850/900/1800/1900 MHz
WLAN:​ ​2x2 MIMO, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, 2.4GHz/5GHz
Bluetooth:​​5.0
NFC:​​Ja
HotKnot:​​Nein
Dual-SIM:​​Ja (2x NanoSIM)
Positionsbestimmung:​​GPS, AGPS, GLONASS, Galileo, BeiDou

Angefangen beim Mobilfunk konnten wir keine Schwächen beim OnePlus 5 feststellen. Alle weltweit gängigen Frequenzen werden abgedeckt und auch die Empfangsqualität ist super. Auf Überlandfahrten hatten wir entgegen anderer Testgeräte (z.B. Xiaomi Redmi 4 Prime) nahezu immer mobilen Datenempfang.

Auch beim GPS sehen wir keine Probleme. Mitunter werden 28 Satelliten eingebunden und eine Abbruch des Signals hatten wir zu keiner Zeit. Das GPS wurde mehrere hundert Kilometer am Stück getestet und wir wurden immer akkurat zum jeweiligen Ziel navigiert. Auch schnelle Sprünge nach Routenänderung sind kein Problem. Die Satellitenunterstützung erstreckt sich dabei von GPS über Galileo, Glonass und BeiDou.

Beim Wifi sehen wir jedoch erhebliche Schwächen. Das OnePlus 5 hat von Anfang an Probleme mit der Stabilität der Verbindung gehabt. Immer wieder kommt es vor, dass plötzlich keine Daten mehr fließen. Vor allem dann, wenn man vom 5GHz Netz in ein 2GHz Netz (wegen Router Abstand) wechselt. Ein kürzlich veröffentlichtes Update sollte dieses Problem eigentlich beheben - hat es aber nicht. Wir haben weiterhin mit teils massiven WLAN Problemen zu kämpfen. Besonders bemerkbar macht sich das beim Streamen mit Netflix. Diese App reagiert äußerst sensibel auf Netzwerkprobleme. Ein Ununterbrochenes Streaming war bisher zu keinem Zeitpunkt möglich.

Das verbaute Bluetooth-Modul (5.0) verrichtet seine Arbeit hervorragend. Wir haben ohne Fehler 300 Musiktitel am Stück auf ein anderes Smartphone kopieren können. Und auch die Kopplungen mit Ausgabegeräten wie Bluetooth-Lautsprecher verliefen problemlos.

Vom integrierten NFC-Modul können wir das leider aktuell nicht behaupten. Während die Ersteinrichtung und Kopplung an ein OnePlus 3 problemlos klappte, war es uns im Anschluss leider nicht möglich besagte Musiktitel über NFC (Android Beam) zu transferieren. Man kommt bis zum Kopplungshinweis und landet im Anschluss auf der Startseite. Mehrere Versuche scheiterten.

Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono
Noise Cancelling Mikrofon:​ ​Ja
Dedizierter Audio DAC:​​Ja
Dedizierter Verstärker:​​Ja

Der Medienlautsprecher im OnePlus 5 klingt recht ordentlich. Wobei wir uns natürlich diesmal einen Stereolautsprecher gewünscht hätten. Dieses Feature bietet einen echten Mehrwert und wird immer mehr zum Standard in der gehobenen Preisklasse. Wie schon beim Vorgänger OnePlus 3 befindet sich der Monolautsprecher links unten, während sich der Klinkenport rechts befindet. Dem Nutzer steht es frei seine Kopfhörer via Klinke oder USB Typ-C zu betreiben.

Dank AACN Technologie (Adaptive Active Noise Control) werden unangenehme Störgeräusche bzw. Rauschen beim Telefonieren herausgefiltert. Dies sorgt für einen sauberen Klang und die Umsetzung scheint OnePlus auch tatsächlich gut gelungen zu sein. Der Gesprächspartner versteht den Sprechenden klar und auch bei Videoaufnahmen wird das Gesprochene zufriedenstellend aufgenommen.

Per Kopfhörer liefert das OnePlus 5 einen satten Sound, der wirklich jeden zufriedenstellen dürfte. Die Ausgabe ist sehr kräftig, sodass man mit high-end Kopfhörern sehr viel Spaß haben kann. Es gibt auch die Möglichkeit die Ausgabe nach den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Kamera

​Hauptkamera: ​​​16MP Sony IMX 398, f/1.7, EIS + 20MP Sony IMX 350, f/2.6 (Video 4K, 1080p @60fps, 1080p, 720p)
​Frontkamera: ​​​16MP Sony IMX 371, f/2.0, EIS (Video 1080p, 720p)
​Blitz:Hauptkamera: ​Dual LED Blitz / Frontkamera: Displaylichtunterstützung
​Fokus:​PDAF
​Slow Motion:​Ja (720p @120fps)
​Stabilisatoren:​EIS (OIS fehlt)
​Besonderheiten:​1.6-fach optischer Zoom, Portraitmodus (Bokeeh), manueller Modus

In OnePlus selbsternannter Hauptdisziplin (man wollte mit die besten Kameras auf dem Markt anbieten) schneidet das OnePlus 5 aktuell leider nicht gut ab. Vorweg, die Kameras sind gut. Aber bei einem Preis von mindestens 499€ darf der Nutzer mehr erwarten!

Im OnePlus 5 kommen als Hauptkameras eine 16MP Weitwinkelkamera mit Sony´s IMX 398 Sensor, sowie eine 20MP Telekamera mit Sony´s IMX350 Sensor zum Einsatz. Beide Kameras versprechen auf dem Papier exzellente Bilder und Videos abzuliefern. Doch leider klappt dies in der Praxis nur allzu schlecht. Angefangen beim fehlenden OIS und mäßig optimierten EIS schaffen es die Kameras nicht, ein scharfes bzw. detailreiches Bild abzuliefern. Während Makroaufnahmen noch sehr gut aussehen, können sich Landschaftsaufnahmen kaum sehen lassen. Sobald man die Bilder an einem UHD TV betrachtet werden eben jene Schwächen sichtbar. Zum aktuellen Zeitpunkt gehen wir sogar so weit zu behaupten, dass das OnePlus 3 mitunter bessere Bilder abliefert.

Im Vorfeld ließ OnePlus verkünden, dass man mit dem renommierten Unternehmen DXO zusammenarbeite und an der Bildqualität arbeiten würde. Allerdings hatten wir dies beim Launch-Event direkt angesprochen und explizit nach einer weitergehenden Zusammenarbeit gefragt. Diese Frage wurde durch die anwesende Pressesprecherin nur unzureichend beantwortet. Auf die direkte Frage, ob man auch in Zukunft mit DXO zusammen arbeiten werde, gab es folgende Antwort: „OnePlus wird auch in Zukunft in die Optimierung der Kameras investieren und dem Nutzer das bestmögliche Fotoerlebnis ermöglichen." Ihr seht also: Keine direkte Antwort auf eine direkte Frage. Das OnePlus um stete Verbesserung bemüht war, konnten wir auch bei den Vorgängermodellen sehen. Auch die Kameras vom OnePlus 3 waren anfangs nicht so optimiert wie es nach einem Jahr der Fall ist.

Doch abgesehen von der (noch) fehlenden Schärfe bei Landschaftsaufnahmen hat unser zweites Testgerät erhebliche Probleme mit der Optik. Fotos werden zum Teil konkav abgebildet (siehe unten das Bild vom MacBook). Und auch Bilder mit Tiefeneffekt (Bokeh-Modus / Portrait Modus) werden zum Teil rechtsbündig versetzt dargestellt. (Update: Der Fehler wurde mit einem OTA Update behoben.)

Und weil wir schon mal beim Bokeh/Portrait-Modus sind: An sich ein tolles Feature, welches bisher bei keiner Handymarke so richtig funktionieren will. OnePlus hat es immerhin geschafft, dass man mit viel Fingerspitzengefühl und ruhiger Hand ein annähernd realistisches Bild mit Tiefeneffekt hervorzaubern kann. In einigen Fällen schaffen es aber auch diese Sensoren nicht den Hintergrund vom Vordergrund deutlich abzugrenzen, so dass an den Übergängen unnatürliche Verwaschungseffekte auftreten können. Nichts desto trotz schon wesentlich besser umgesetzt als bei der Konkurrenz, aber eben wie bei allen anderen Smartphone auch noch lange nicht auf SLR-Niveau, wie es OnePlus im Werbevideo angibt.

Ein weiteres Feature ist der „optische Zoom" bzw. Telemodus, der es dem Nutzer erlaubt entfernte Objekte mit einem zweifach Zoom abzulichten. Selbstverständlich ohne Verlust an Details und ohne unnatürliche Artefakte und Rauschen. Angeblich! Doch leider hat OnePlus auch an dieser Funktion etwas verschwiegen. Der Telemodus zoomt nicht 2-fach, sondern nur 1.6-fach. Und das widerum macht sich dann doch in der Bildqualität bemerkbar. Die restlichen 0.4 bzw. 25% der Vergrößerung werden digital errechnet und lassen nun ihrerseits wieder kleine Artefakte und minimales Bildrauschen sowie Unschärfe entstehen. Besonders signifikant sind die Auswirkungen beim Aufzeichnen von Videos. Warum das Unternehmen hier nicht von Anfang an mit offenen Karten spielt und einen 1.6-fach Zoom bewirbt, bleibt unbeantwortet. 2-fach klingt wohl besser als 1.6-fach. Schade!

Der manuelle Bildmodus ist nur etwas für Fortgeschrittene und macht aus unserer Sicht im Alltag kaum Sinn (was natürlich nicht bedeutet, dass es ihn nicht geben sollte). Zu lange dauern die Einstellungen an die Umgebung und das abzubildende Objekt. Als Smartphone-Hobby-Fotograf erwartet man Fotos aus der Hüfte schießen zu können - und das fällt dem OnePlus 5 eben aktuell noch schwer. Deutlich loben möchten wir OnePlus jedoch für die Ausnutzung von Restlicht (low-light Aufnahmen), denn selbst bei nahezu nächtlich geschossenen Fotos werden diese den Umständen entsprechend hell und deutlich dargestellt. Auch in absoluter Dunkelheit weiß die 16MP Hauptkamera zu überzeugen. Hier macht sich also die große f/1.7 Blende bemerkbar.

In Sachen Videoaufnahme hat OnePlus noch einiges aufzuholen. Bisher war es nicht möglich EIS auch bei 4K Aufnahmen zu verwenden. Irgendwann soll diese Funktion zwar noch nachgeliefert werden, doch einen genauen Zeitpunkt gibt es nicht. Folglich sehen 4k Videos aktuell sehr wackelig aus. Nur im Full HD Modus gibt es EIS. Für ein high-end Flaggschiff eigentlich undenkbar. Noch dazu schielend auf den hohen Preis. Ja, OnePlus muss sich hier Kritik gefallen lassen und hoffentlich zu Herzen nehmen. Man kann nicht den Verkaufspreis um 25% zum Vorgängermodell erhöhen und erwarten, dass die „Fanboys" alles hoch in den Himmel loben. Im Interesse des Unternehmens, wenn schon der Preis so angezogen wird, sollte man echte Qualität und möglichst auch innovative Technik verbauen. Nur zu behaupten die Technik sei innovativ kann einen Boomerangeffekt auslösen. Wir haben viel von den Kameras erwartet und sehen hier massivsten Nachholbedarf beim OnePlus 5.

Die 16MP Frontkamera mit Sony IMX 371 Sensor erledigt ihre Aufgaben hingegen sehr gut. Für eine Frontkamera bekommen wir sehr scharfe Bilder und gute Videoaufnahmen. Die Frontkamera ermöglicht dabei auch Aufnahmen im 16:9 Format und 1080p @30fps.

Akku

​Kapazität (Angabe): ​3.300mAh
​Kapazität (Gemessen): ​3.100mAh
​Wechselbar:​Nein (inoffiziell ja, mit etwas Know-How)
Fast Charging:​​Ja (Dash Charge) 4A / 5V

Der Akku im OnePlus 5 wird mit 3300mAh angegeben und im Gegensatz zum OnePlus 3, bei dem wir einige Zeit nach dem Launch nur noch 2.500mAh statt 3.000mAh gemessen haben, konnten wir diese Kapazität beim OnePlus 5 verifizieren. Das Messergebnis lag hier bei 3.100mAh. Unter Berücksichtigung der Toleranz stimmt die Kapazitäts-Angabe seitens OnePlus also.

Wie schon beim Vorgänger liegt die reine Screen-On Zeit zwischen 7-8 Stunden bei 50-60%-iger Helligkeit. Im Alltag kommt man damit meistens über den Tag. Ein Vorteil ist dabei natürlich die Dash Charge Technologie, die ein rasantes Aufladen (bis 4A) ermöglicht und den Akku binnen von 84 Minuten von 0 auf 100% lädt. Und ja, ihr habt richtig gesehen. Die effektive Ladezeit hat sich gegenüber dem Vorgängermodell erhöht. Sicherlich auch wegen den +300mAh, aber insbesondere die letzten 3% Ladung brauchen satte 12 Minuten.

Hier mal eine kleine Auflistung mit Ausgangspunkt 0%: 

  • 58% in 30 Minuten
  • 70% in 36 Minuten
  • 81% in 45 Minuten
  • 90% in 55 Minuten
  • 97% in 72 Minuten
  • 100% in 84 Minuten

Kritik gibt es dafür von uns keine, denn die optimale Ladung eines Akkumulators liegt bei 20-80%. Und folglich sind die ersten 80% in 45 Minuten ein ordentlicher Wert, der die Konkurrenz ins Schwitzen bringt. Und da das OnePlus 5 beim Laden nicht erhitzt, ist ein separates Verwenden während der Ladung auch ohne potentielle Schädigung des Akkus möglich.

OnePlus 5 - Fazit

Was geben wir dem OnePlus 5 nun für ein Fazit? Ein Gemischtes! Angefangen beim Offensichtlichen - dem Preis - hat sich OnePlus keinen Gefallen getan. Zu behaupten, die Rohstoff- und Verpackungspreise seien gestiegen, ist nur ein fades Herausreden in Hinblick auf die Preisgestaltung. 499€ für die kleine Version und 559€ für die 8GB/128GB Version sind aus unserer Sicht zu viel verlangt. Einerseits behauptet der Pete Lau auch, man habe auf „unnötigen" Schnickschnack verzichtet (Wasserresistenz, größerer Akku, Stereolautsprecher, OIS, 4K Display, MicroSD Kartenslot, Wireless Charging) und andererseits werden bis zu 8GB RAM verbaut. Letztere werden auch in entfernter Zukunft nicht benötigt. Ein Alleinstellungsmerkmal welches letztlich unerheblich ist und den Preis nun wirklich unsinnig nach oben getrieben hat.

Die Erwartungen an das OnePlus 5 waren extrem hoch angesetzt, aber OnePlus hat auch mächtig selbst dazu beigetragen. Allem voran die versprochene Foto- und Videoqualität. Und selbst hier kann OnePlus wenn überhaupt nur teilweise mit den Großen á la iPhone 7 Plus, Galaxy S8, Sony Xperia XZ Premium, LG G6 und HTC u11 mithalten. Sogar ein günstigeres Xiaomi Mi 6 schneidet teils besser ab. Wir fällen dieses Urteil sicherlich nicht leichtfertig und wünschen uns, dass OnePlus hier nachbessert, um sich vielleicht doch noch abheben zu können. Aber so geht es nicht.

Die Hardwareleistung an sich ist natürlich spitzenmäßig und auch wenn die gängigen Benchmarks minimal ausgetrickst werden, rangiert das OnePlus 5 unter den besten Smartphones der Welt. Gleiches gilt für die Displayqualität, den Klang, die Konnektivität (bis auf USB 2.0 Standard) und die einzigartige Schnellladetechnologie. Die Verarbeitung des OnePlus 5 ist auf höchstem Niveau und auch wenn das Design entfernt an das iPhone 7 Plus erinnert, so sehen wir hier keinen Grund für Kritik. Aber wo ist nun der wesentliche Vorteil gegenüber dem Vorgänger? Richtig. Es gibt keinen. Leider. Weder beim Preis, noch bei den Kameras, geschweige denn anderen „nützlichen" Eigenschaften. Allen voran die Wasserresistenz oder lange Nutzungsdauer.

Kleinere Fehler beim WiFi und bei der Software (flüssiges Scrollen) mögen noch behoben werden können, dennoch sehen wir aktuell keinen Grund sich das OnePlus 5 zu kaufen. Und das schmerzt. Ich oute mich hier mal als OnePlus-Fan, aber wenn ich das OnePlus 5 regulär gekauft hätte, hätte ich es zurückgeschickt. Das offensichtlich größte Konkurrenzprodukt Galaxy S8 ist mitunter für 619€ zu haben und dürfte nun für viele OnePlus-Nutzer aus Deutschland eher das Ausweichgerät der ersten Wahl werden. Alle diejenigen die ein OnePlus 3(T) besitzen, können noch etwas mit dem Kauf des OnePlus 5 warten.

Nochmals: Das OnePlus 5 ist ein tolles Gerät. Aber mit offensichtlichen Schwächen, fehlenden Features und vor allem aktuell zu hohen Preisen (499€/559€).
Pro Contra
​+ Design / Verarbeitung ​- Hauptkameras (teilweise fehlende Schärfe / fehlender Detailreichtum / kein OIS und kein 4k EIS)
+​​ Display-​​ USB 2.0 Standard beim USB Typ-C Port
+​​ Hardware (außer USB 2.0 Standard) / Leistung-​​ keine Wasserresistenz (zumindest nicht offiziell mit Garantie)
+​​ Software / Updatepolitik-​​ teilweise kleine Softwarebugs ("Jelly Effect" beim Scrollen / Scrollen ruckelt oft)
+​​ Audio-​​ gängige Benchmarks werden minimal ausgetrickst (Betrugsversuch)
+​​ Mobilfunk, GPS, Bluetooth-​ beworben wurde 2-fach optischer Zoom, geliefert wird 1.6-facher optischer Zoom (Betrugsversuch)
+​​ Frontkamera​- Akkulaufzeit könnte deutlich besser sein (Vgl. Xiaomi Mi 6)
​+ Dash Charge​- Preis zu hoch (25%-iger Preisanstieg zum Vorgänger / Etablierte Konkurrenzprodukte ähnlich teuer)
​- kein MicroSD Kartenslot
​- Keine Stereo Lautsprecher
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