No.1 G4 Test

No.1 G4 Test

No.1 war einst einer der bekanntesten Hersteller von China Klonen, wobei man sich hier vor allem auf die Gerätschaften on Samsung konzentriert hat. Da China Klone mittlerweile aber kaum noch eine Bedeutung am Markt haben und sich damit kein Geld mehr verdienen lässt, musste No.1 umsatteln. So konzentriert man sich heute auf Rugged Phones und Smartwatches. Aus letzterer Produktkategorie hatten wir nun wieder ein Gerät im Test, und zwar die No.1 G4. Hierbei handelt es sich um eine 40€ Budget Smartwatch die auch ohne Smartphone betrieben werden kann.

Verpackung

Die No.1 G4 kommt wie alle anderen No.1 Smartwatches auch in einem würfelförmigen Karton daher. Im Inneren befindet sich neben der Smartwatch eine Kurzanleitung und ein Ladeadapter der per Magnet an der unteren Seite der Smartwatch andockt.

Design & Verarbeitung

Die No.1 G4 erinnert vom Design her etwas an die No.1 Sun S2 die wir einst getestet haben, es gibt aber doch deutliche Unterschiede. Die stilisierte Sonne die sich um das Display zieht ist weiterhin vorhanden, tritt allerdings weniger dominant in Erscheinung. An der Seite befindet sich keine Kamera und Fake Krone mehr. Stattdessen finden wir dort zwei Tasten. Die Obere dient als zurück Button, die Untere als home Button.

Der untere Teil der Smartwatch besteht wie gehabt aus Kunststoff. Hier finden wir die Ladekontakte und den Puls-Sensor, welcher hier deutlich kleiner ausfällt als bei zuvor getesteten China Smartwatches. Neu ist hier eine Klappe mit der man ins Innere der Smartwatch kommt. Öffnet man sie, so blickt man zunächst auf den Akku. Diesen kann man herausziehen um dann an die darunter liegenden Slots für eine Micro SIM und eine Micro SD Karte zu kommen.

Der Akku ist leider mit zwei sehr dünnen Kabeln festgelötet. Das ist keine gute Entscheidung, denn passt man nicht auf, reißt man die Kabel ab. Im schlimmsten Fall würde das zu einem Kurzschluss führen, was je nachdem ob No.1 dem Akku eine Schutzschaltung verpasst hat oder nicht, auch zu einem Brand führen kann. Hier hätte No.1 gut daran getan, dem Akku normale Kontakte zu verpassen und ihn so zudem einfach wechselbar zu machen.

Das Armband der No.1 G4 ist mit normalen Federbolzen befestigt und kann mit etwas Geschick einfach selbst gewechselt werden. No.1 bietet die G4 entweder mit einem Metallarmband oder einem Lederarmband an. Und wurden beide Bänder beigelegt. Wir haben uns letztlich aber wie üblich für das Leder Band entschieden, denn das Metallband ist mal wieder viel zu groß und müsste erst gekürzt werden, was ohne entsprechendes Werkzeug leider nicht machbar ist.

Die Verarbeitung der Smartwatch ist abseits der dämlichen Akku Befestigung gut gelungen und dem Preis von ca. 40€ mehr als angemessen. Die Uhr wirkt rein äußerlich wirklich hochwertig und fühlt sich nicht an als würde sie gleich auseinanderfallen. Das Lederarmband ist wie üblich von sehr guter Qualität, aber mittlerweile dürfte ja einschlägig bekannt sein, dass die Chinesen Armbänder gut können.

Display

Das Display der No.1 G4 ist 1,2" groß und löst mit 240 x 240 Pixel auf. Im Gegensatz zu früheren Budget-Smartwatches aus Fernost ist das Display hier auch wirklich rund und verfügt nicht über den seltsamen Abschnitt an der unteren Seite, wie das beispielsweise bei der No.1 Sun S2 oder der Zeaplus DM360 noch der Fall war. Dafür fällt der Bildschirm aber etwas kleiner aus und verfügt über einen relativ dicken schwarzen Rand, der sich rund um das Panel zieht.

Bei unserer No.1 G4 ist das Panel übrigens etwas nach unten verschoben. Ein paar Pixel-Reihen verschwinden also unter dem schwarzen Rand. Glücklicherweise fällt das nur bei ganz genauem Hinsehen auf und ist somit nur ein kleiner Schönheitsfehler. Dennoch zeigt dieses Problem, dass man bei No.1 offenbar nicht ganz genau arbeitet. Bei dem geringen Preis ist das aber kaum verwunderlich.

Das Display basiert übrigens auf LCD Technologie, wer also auf ein AMOLED Panel gehofft hat, der wird enttäuscht. Da das Display aber extrem hell ist und auch gute Blickwinkel bietet, fällt das in der Praxis nicht weiter ins Gewicht. Das Display ist stets gut ablesbar, auch wenn die Sonne mal direkt darauf scheint.

An die Bildqualität sollte man jedoch nicht zu hohe Erwartungen stellen. Die Farbwiedergabe kann man wohl eher als „langweilig" beschreiben. Zudem sind einzelne Pixel recht deutlich zu erkennen, was natürlich an der niedrigen Auflösung liegt. Andererseits wird wohl kaum jemand bei einer Budget-Smartwatch Wert auf perfekte Farben legen, womit auch dieses Defizit verschmerzbar ist.

Im Werbematerial der No.1 G4 wird mit „3D Touch" Unterstützung geworben. Der Touchscreen soll also unterschiedliche Druckstufen erkennen können, um so verschiedene Aktionen auszuführen. Wer sich schon gewundert hat, wie das für 35€ möglich sein soll: ist es nicht! Von 3D Touch ist keine Spur zu entdecken. Auch sonst ist der Touchscreen nicht der Beste. Das macht sich zwar im Alltag nicht wirklich bemerkbar, doch wenn man auf der Uhr mal etwas tippen möchte (On-Screen Tastatur ist vorhanden), merkt man das schlechte Touch Panel deutlich. Die Eingabe grenzt hier an ein Geduldsspiel, denn man vertippt sich wirklich bei jedem zweiten Buchstaben.

Hardware

Vorhin hatten wir ja schon kurz angesprochen, dass die No.1 G4 eine SIM Karte schluckt. In der Smartwatch steckt also ein komplettes Handy, was aufgrund der geringen Abmessungen schon beeindruckend ist. Die Antennen befinden sich diesmal übrigens im Inneren der Uhr, womit das Wechseln des Armbandes ermöglicht wird. Bei früheren Smartwatches mit GSM Unterstützung war die Antenne oft im Band verlegt, was das Wechseln unmöglich macht.

Angetrieben wird die Smartwatch von einem Mediatek MT6261, wobei es sich um einen SoC handelt, welcher speziell für günstige Wearables mit GSM / WCDMA Unterstützung entwickelt wurde. Der Prozessor kann in der No.1 G4 auf 32MB RAM und 128MB Speicher zugreifen. Der Speicher kann per Micro SD Karte erweitert werden, wobei laut Datenblatt maximal 16GB unterstützt werden. Wir konnten um Test allerdings auch eine 32GB Karte problemlos verwenden.

Zur weiteren Ausstattung der No.1 G4 gehören dann noch ein Bewegungssensor, Schrittzähler und Herzfrequenz Sensor. Ein Mikrofon und ein Lautsprecher sind ebenfalls mit an Bord.

Software

Das Betriebssystem auf der No.1 G4 ist wie schon bei allen zuvor getesteten China Smartwatches das von Mediatek entwickelte Nucleus OS. Der Funktionsumfang und auch die Oberfläche sind dabei nahezu identisch mit dem, was wir schon von der No.1 Sun kennen. Neu ist lediglich, dass man zwischen zwei Arten des Hauptmenüs wechseln kann. Neben der klassischen Ansicht mit vier Icons pro Seite gibt es nun auch ein Menü das man bei Samsung abgeschaut hat, bei dem eine große Anzahl Icons kreisförmig angeordnet ist. Wirklich zu gebrauchen ist diese Menüansicht aber nicht, und bedienbar dank des ungenauen Touchscreens ebenfalls nicht.

Ebenfalls neu ist, dass man bei bestimmten Anwendungen gefragt wird, ob man nun auf lokale Daten oder auf Bluetooth Daten zugreifen will – zum Beispiel in der SMS App. So kann man sowohl auf Nachrichten zugreifen die auf dem per Bluetooth verbunden Smartphone gespeichert sind, als auch auf Nachrichten welche auf der in der Uhr befindlichen SIM Karte gespeichert sind. Selbstverständlich kann man die Uhr aber auch ohne SIM Karte verwenden, was dazu führt, dass diese „Doppelansicht" verschwindet.

Wenn wir schon über die SMS App reden, hier gibt es auch gleich etwas das wir nicht so ganz verstehen. Man kann aus der SMS App heraus nämlich keine neue Nachricht schreiben und dann manuell eine Telefonnumer angeben. Stattdessen muss man zuvor einen Kontakt mit der gewünschten Nummer anlegen. Erst über diesen hat man dann die Möglichkeit zu wählen ob man ihn anrufen möchte oder eine SMS schreiben will. Aber gut, es wird sich wohl kaum jemand antun wollen, auf der Uhr eine Nachricht zu schreiben. Man werfe nur mal einen Blick auf die Fummel-Tastatur.

Die Watchfaces der No.1 G4 sind fest einprogrammiert und können zum jetzigen Zeitpunkt nicht erweitert werden. Die bestehenden Watchfaces sind nicht unbedingt hässlich aber unspektakulär. Zwischen 4 verschiedenen Designs könnt ihr hier wählen.

Was übrigens besser gelöst wurde als bei früheren Smartwatches ist, dass die Gestenaktivierung besser funktioniert. Bei früheren Watches passierte es oft, dass man die Smartwatch durch eine ungeschickte Bewegung aufgeweckt hat, was über den Tag dann zu einem übermäßig hohen Akkuverbrauch führt. Das versehentliche Aufwecken geschieht zwar immer noch, jedoch registriert die Uhr den Fehler nun. Hält man nämlich nicht still, wie man es tun würde, wenn man auf die Uhr sehen will, dann deaktiviert sich die Uhr sofort wieder. Hier wurde endlich mal mitgedacht, was in der Praxis zu einer deutlich verlängerten Akkulaufzeit führt.

Es gibt aber noch genügend Punkte über die man sich stundenlang aufregen könnte. Da wären zum Beispiel der UV Sensor und das Thermometer. Alles Fake! Das Thermometer zeigt an was es will, aber garantiert nicht die aktuelle Körpertemperatur. Die Anzeige des UV-Messers ist abhängig von der auf der Uhr eingestellten Uhrzeit. Das war schon bei der No.1 Sun S2 so und fällt für uns ganz klar unter die Kategorie Betrug. Aber auch Funktionen wie der Herzfrequenzmesser – das einzige Sensor-Feature das echt ist – sind schlecht umgesetzt worden. Hier muss man nun zur Messung konstant auf den Bildschirm drücken. Warum? Man weiß es nicht. Nervt auf jeden Fall tierisch. Aber auch das Pedometer ist nicht wirklich zu gebrauchen. Die Körpergröße und das Gewicht kann man hier nicht einstellen, so wie das z.B. bei manchen Smartwatches von Doogee und Zeblaze der Fall ist. Zudem wird die zurückgelegte Entfernung nur in Meilen angezeigt.

Weitere Funktionen die unter die Kategorie „ganz nett" fallen, sind der MP3 Player und der Foto-Viewer. Wer sich die Mühe macht und seine SD Karte mit entsprechenden Dateien füllt, kann diese tatsächlich auf der Uhr abspielen bzw. betrachten. Hier stellt sich aber auch wieder die Frage nach dem Nutzen. Für echten Fotogenuss am Handgelenk ist das Display zu schlecht. Als Notfall MP3 Player taugt die Uhr durchaus, jedoch kommt auch hier kein echter Musikgenuss zustande. Dafür ist der Lautsprecher nicht gut genug und Kopfhörer kann man natürlich auch nicht anschließen.

Abschließend kann man hier nur zu einem Fazit kommen: Das Einzige was die No.1 G4 gut kann ist Telefonieren, die Uhrzeit anzeigen und Benachrichtigungen vom Smartphone entgegennehmen. Alle anderen Features sind mehr oder weniger für die Tonne.

Empfang & Sprachqualität

Die GSM Empfangsleistung der No.1 G4 ist überraschend gut. Überraschend deshalb, weil in der kleinen Uhr ja keine große Antenne Platz hat. Trotzdem hat man im Freien aber fast durchgehend volle Signalstärke. In Gebäuden liegt die Signalstärke meist bei 50 – 70%. Dementsprechend ist es überall problemlos möglich mit der Uhr Anrufe abzusetzen und zu empfangen, genau wie mit einem Smartphone.

Beim Bluetooth gab es ebenfalls keine Einschränkungen zu beobachten. Die Verbindung zum Smartphone bricht erst ab wenn zwischen den Geräten zwei Ziegelwände liegen. Man kann sich also problemlos zwischen zwei Räumen bewegen, wenn man das Smartphone nicht bei sich hat, ohne die Verbindung zu verlieren. Auch die Verbindung der Uhr zu Bluetooth Headsets ist möglich, funktioniert aber mit einer geringeren Reichweite von ca. 8m bis 10m ohne eine Wand dazwischen. Wer hofft, von der Uhr Musik an einen Lautsprecher schicken zu können, den müssen wir aber enttäuschen. Die Qualität des Tons ist extrem schlecht, da kein A2DP unterstützt wird. Somit ist man hier aufs Telefonieren beschränkt.

Beim Telefonieren über die Uhr waren wir überrascht, dass die Sprachqualität doch recht gut ist. Der Gesprächspartner ist relativ klar verständlich und man selbst kommt ebenfalls in akzeptabler Qualität am anderen Ende an. Die Sache hat aber einen Haken: Im Freien ist die Telefonfunktion kaum zu gebrauchen. Dazu ist der Lautsprecher der Uhr nicht stark genug. Außerdem ist kein Noise Cancelling vorhanden. Laute Umgebungsgeräusche führen also dazu, dass ihr nicht mehr verstanden werdet. Hier wäre also die Nutzung eines Headsets angebracht, sofern ihr die Watch als Standalone Lösung verwendet. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass die Watch ihren Zweck als Freisprecheinrichtung für ein verbundenes Smartphone ebenfalls verfehlt. Schade!

Akkulaufzeit

An dieser Stelle darf man No.1 auch einmal loben, denn die No.1 G4 kann mit einer überraschend guten Akkulaufzeit punkten. Wenn wir uns da mal an die No.1 Sun S2 zurückerinnern, bei welcher der Akku oft schon nach einem halben Tag leer war, liegen hier Welten zwischen den beiden Smartwatches.

Die No.1 G4 hält im Standalone Betrieb – also mit SIM Karte und ohne verbundenes Smartphone – im Alltag locker 2 Tage durch. Kommt die Bluetooth Verbindung für ein Headset oder ein Smartphone hinzu, reduziert sich die Laufzeit auf 1,5 Tage. Im reinen Smartwatch Betrieb - also ohne eingelegte SIM Karte – konnten wir 3 Tage Laufzeit erreichen.

Ist der Akku dann mal leer, geht das Aufladen auch sehr schnell von statten. Es dauert nur rund 1 Stunde und der Akku ist wieder voll. Ein absoluter Griff ins Klo ist aber das Ladekabel. Dieses besteht aus einem mini Dock mit 4 Kontakten, welcher per Magneten an der Smartwatch gehalten wird. Leider sind diese Magnete so schwach, dass sich der „Stecker" schon oft durch das Eigengewicht wieder löst. Bis man hier eine Position gefunden hat, in welcher der Stecker zuverlässig auf der Smartwatch bleibt, muss man ordentlich fummeln. Ein Aufladen unterwegs z.B. im Rucksack, ist damit ebenfalls undenkbar. Hier hätte man sich nochmal deutlich mehr Mühe geben können.

Synchronisierung

Zur Synchronisierung der Smartwatch mit dem Smartphone kommt wie so oft die Fundo Companion App zum Einsatz. Leider funktioniert der Mist (sorry, aber anders kann man das nicht nennen) noch immer nicht. Erste Kontakte mit der Fundo App hatten wir vor zwei Jahren, und schon damals haben wir es nie geschafft die erfassten Daten des Schrittzählers mit der App zu synchronisieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Somit ist die App lediglich dazu nützlich, Benachrichtigung vom Smartphone auf die Watch zu pushen.

Fazit

Die No.1 G4 könnte eigentlich eine ziemlich gute Smartwatch sein, zumindest zum Preis von 35€. Die für die billigen China Smartwatches typischen Software Krankheiten machen das aber zunichte. Die No.1 G4 ist wie fast alle Budget Smartwatches aus China nichts weiter als ein lustiges Spielzeug, aber keine ernsthafte Alternative zu deutlich teureren Smartwatches der Big Player. Wer solch eine Spielerei haben möchte und damit angeben will, mit seiner Uhr telefonieren zu können, bitte, der soll zugreifen und wird wohl seinen Spaß damit haben. Eine ernsthafte Investition in ein sinnvoll einsetzbares Wearable sind diese 35€ aber mit Sicherheit nicht.

Wer sich nach einer vermutlich besseren Lösung umsieht die immer noch günstiger ist als die einschlägigen Android Wear Watches, der sollte sich einmal China Smartwatches mit echtem Android als Betriebssystem ansehen. Auch No.1 hat mit der D5 solch ein Gerät im Angebot. Es gibt aber auch noch einige andere Marken die solche Wearables anbieten. Auch wir werden demnächst aus dieser Kategorie eines testen. Bleibt gespannt!


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