No.1 D6 Test

No.1 D6 Test

Mit der No.1 D6 haben wir innerhalb kurzer Zeit die zweite Android Smartwatch für euch unter die Lupe genommen. Das Wearable unterscheidet sich nicht nur in seiner Form von der zuvor getesteten Finow X5, sondern auch in der Ausstattung. Die No.1 D6 verfügt nämlich über deutlich potentere Hardware. Ob das jedoch ausreicht um die Smartwatch alltagstauglich zu machen, erfahrt ihr jetzt.

Verpackung & Lieferumfang

Das Auspacken der No.1 D6 verläuft völlig unspektakulär. Die Watch kommt in der typischen Verpackung in der aktuelle alle No.1 Smartwatches geliefert werden. Im Inneren befindet sich die Smartwatch, eine Schnellstartanleitung und ein Ladekabel.

Design & Verarbeitung

Design ist ja bekanntlich Geschmackssache, aber ganz ehrlich, die No.1 D6 gefällt uns irgendwie nicht. Das liegt gar nicht mal an ihrer Form, sondern schlicht am plumpen Design. No.1 hat sich hier nichts, aber auch schon gar nichts einfallen lassen. Das Design ist schnell erklärt: Ein verchromter Kupferrahmen (kein Stahl wie angegeben) der sich ebenso billig anfühlt wie er aussieht, ein Plastikdeckel auf der Unterseite und ein Glas Panel auf der Front. Der einzige physische Button der Smartwatch befindet sich auf der rechten Seite. Die restliche Bedienung erfolgt mit Android typischen On-Screen Buttons unter dem Display und natürlich dem Touch Screen.

Die Verarbeitung der No.1 D6 lässt leider teils stark zu Wünschen übrig. Da wäre zum Beispiel die Front zu nennen. Das Glas schließt nicht bündig mit dem Metallrahmen ab. Stattdessen findet man hier einen dünnen Spalt, durch welchen man auf das Chassis blicken dann. Dies beinhaltet auch ein paar Spalten, welche direkt ins Innere führen. Damit ist die Uhr nicht einmal spritzwassergeschützt und kann im schlimmsten Fall schon bei leichtem Regen beschädigt werden.

Auch der Akku, welcher bei der No.1 D6 übrigens ganz einfach getauscht werden kann, ist nicht gut verarbeitet. Statt auf normale Kontakte zu setzen, ist der Akku mit drei Kabeln und einem Stecker verbunden. Beim Wechseln der SIM Karte muss man den Akku herausnehmen, und belastet so jedesmal die dünnen Kabel. So ist es bei unseren Smartwatches (wir haben aktuell zwei No.1 D6 hier) bei beiden Uhren dazu gekommen, dass plötzlich ein Kabel aus dem Akku gerissen war. Die Lötstellen scheinen hier ziemlich schlecht zu sein. Wer Übung im Löten von kleinen Kontakten hat, der hat den Akku in wenigen Minuten repariert. Alle anderen werden hier aber vor einer unlösbaren Aufgabe stehen. Hier muss No.1 ganz dringend etwas ändern.

Wie von China Smartwatches gewohnt ist dafür die Qualität des Armbands recht gut. Angeblich soll das Band aus Kalbsleder gefertigt sein. Ob das nun stimmt können wir nicht beurteilen, da wir für Leder keine Experten sind. Es sieht auf jeden Fall authentisch aus, hat keine starke Strukturierung und fühlt sich angenehm weich an. Im Gegensatz zum Armband der Finow X5 ist es auch deutlich flexibler. Wechseln kann man das Armband wie üblich nicht, da sich die Antennen darin befinden.

Display

​Größe: ​1,63"
Auflösung:​ ​320 x 320
Technologie​:​LCD
​Anzahl Berührungspunkte:​2
Gehärtetes Glas:​​Ja (angeblich Saphirglas)
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Nein

Die No.1 D6 setzt leider auf ein LCD Display statt ein AMOLED Panel. Das bedeutet, dass das Display grundsätzlich mehr Strom verbraucht. Außerdem ist das Display nicht rund sondern rechteckig. Dies kommt wiederum der Bedienung von Android zu gute.

Das Display ist 1,63" groß und arbeitet mit einer Auflösung von 320 x 320 Pixel. Die beste Qualität hat das Display aber nicht. Die Darstellung wirkt recht blass, die Schwarzwerte sind schlecht. Die Blickwinkelstabilität geht gerade noch so in Ordnung. Im Freien ist das Panel deutlich schlechter ablesbar als bei der Finow X5.

Das Touch Panel ist ebenfalls nicht der Knaller. Für die grundlegende Bedienung der Uhr reicht es und es wird sogar Multitouch unterstützt, allerdings gibt es beim Tippen enorme Schwierigkeiten. Das Panel reagiert auf der rechten Seite irgendwie leicht versetzt auf Eingaben, sodass man auf der ohnehin schon fummeligen Tastatur auch noch ganz genau aufpassen muss, wo man drückt um auch den korrekten Buchstaben zu erwischen.

Beim Glas soll es sich übrigens laut der No.1 Seite um Saphirglas handeln. Ob das nun stimmt? Wir bezweifeln es in Anbetracht des niedrigen Preises. Gehärtet scheint das Glas aber zu sein, denn Kratzer haben wir bisher nicht entdecken können.

Hardware & Performance

​Prozessor: ​MT6580 (4x ARM Cortex A7 @1,3GHz)
GPU:​ ​Mali 400MP
RAM (Geschwindigkeit):​​1GB (3,2GB/s)
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​​8GB (81,45MB/s / 32,19MB/s)
Fingerabdruck Scanner:​​Nein
​Sensoren:Step Counter, Accelerometer
Besonderheiten:​​-
Abmessungen / Gewicht:​​53 x 37 x 11,3mm / 53g

Die Hardware die in der No.1 D6 steckt, ist für eine Smartwatch außerordentlich gut. Wir finden hier einen MT6580 Quad Core Prozessor mit 1,3GHz nebst 1GB RAM und 8GB Speicher. Gefühlt ist das in etwa so, als würde man in einen Trabant den Motor eines Lamborghini einbauen. Der SoC sorgt auf der Watch für ein schier unglaubliche Smoothness und lässt das kleine Wearable sogar Spiele wie Dead Trigger 2, GT Racing 2 oder Beach Buggy Racing bewältigen. Natürlich ist das Spielen auf der Watch nicht wirklich praxistauglich, zeigt aber, wie viel Leistung in dem kleinen Kästchen steckt.

Das alles hat aber auch Schattenseiten. Zum einen wäre da ein extrem hoher Energieverbrauch, auf welchen wir später noch eingehen werden. Zum anderen entwickelt so ein Chip aber auch ordentlich Hitze. In einem Smartphone mit MT6580 Prozessor merkt man davon freilich nicht viel, denn hier ist genügend freier Platz, um die Abwärme vom Chip abzuleiten. Im kleinen Smartwatch Gehäuse der No.1 D6 entsteht allerdings ein Hitzestau. Resultat: Die Smartwatch wird extrem heiß. Unter Last geht das so weit, dass man den Metallrahmen nicht mehr anfassen kann. Und das ist dann ganz klar der Punkt an dem man sich fragt: Warum?

Letztlich sind wir im Alltag dann dazu übergegangen, die Smartwatch zu rooten und den Prozessor auf maximal 600MHz Takt zu limitieren. Somit bleibt sie angenehm kühl und büßt – der geringen Auflösung sei dank – dennoch kaum etwas von der Smoothness ein, die sie zuvor an den Tag legte. Sogar 3D Spiele sind bei 600MHz weiter spielbar. Als netter Nebeneffekt verlängert sich die Akkulaufzeit dadurch ebenfalls. Da fragt man sich doch glatt, warum No.1 den Takt nicht ab Werk limitiert. Achso, fast vergessen. Die Leute wollen ja hohe Antutu Scores sehen. In diesem Sinne: Kopf --> Tisch!

Abschließend gibt es dann noch einen weiteren, ganz dicken Kritikpunkt an der No.1 D6. Die Smartwatch verfügt nicht über einen Vibrationsmotor. Das hat wiederum zur Folge, dass man nichts mehr mitbekommt, wenn man die Uhr auf lautlos setzt. Was man sich dabei gedacht hat, solch ein grundlegendes Feature nicht umzusetzen, erschließt sich uns nicht.

Software

​Variante: ​Angepasst
​Android Version: ​Android 5.1
Bloatware​:​Ja (Facebook, WhatsApp, Twitter)
Root Zugriff:​​Nein (mit Kingroot realisierbar)
OTA Updates:​​Ja
Schadsoftware:​​Nein

Auf der No.1 D6 läuft ein Android 5.1 mit einigen Anpassungen. Auf die nativen Android Einstellungen hat man wie schon bei der Finow X5 ohne Drittanbieter-Apps keinen Zugriff. Die Software sieht optisch leider deutlich weniger Ansprechend aus als auf der Finow X5. Im Alltag hat sie sich auch als weniger ausgereift erwiesen. Es kommt häufig zu abstürzen und auch Netzwerkabbrüche im WLAN kommen häufig vor.

No.1 kümmert sich allerdings recht gut um die Uhr und liefert regelmäßig OTA Updates. 3 Updates kamen während der Testperiode bei uns an und haben auch zahlreiche Fehler behoben. Trotzdem ist die Software noch lange nicht perfekt, die Grundfunktionen sind aber allesamt nutzbar.

Lobenswert ist, dass das Energiemanagement der No.1 D6 besser ist als bei der Finow X5. Auch hier hat man die Möglichkeit, bei abgeschaltetem Display die Netzwerkverbindungen zu trennen. Hier wird aber automatisch – sofern man die Uhr trägt – ab und an die Netzwerkverbindung wieder aktiviert um nach Benachrichtigungen zu sehen. Bei der Finow X5 war hierzu noch ein manueller Workaround mittels Tasker nötig.

Gut gelöst wurde auch der App Drawer. Bei der No.1 D6 kann man Apps nämlich nach belieben anordnen und hat so schneller Zugriff auf seine Favoriten. Was nun noch fehlt, ist die Möglichkeit eigene Home Screens zu erstellen, und dort Apps zu platzieren. Hoffen wir mal, das No.1 diese Funktion noch mit einem Update nachrüstet.

Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: ​2G: 900/1800/1900/850
3G: 2000/1900/850/900
WLAN:​ ​802.11b/g/n
Bluetooth:​​Bluetooth 4.1
NFC:​​Nein
HotKnot:​Nein​
Dual-SIM:​Nein​
Positionsbestimmung:​GPS, A-GPS​

Wir waren ja bei der Finow X5 vom Empfang recht angetan und auch bei der No.1 D6 ist das wieder der Fall. Mobilfunk und WLAN funktioniert für so ein kleines Wearable wirklich gut und ohne Probleme. Das WLAN ist im Gegensatz zur Finow X5 sogar richtig schnell. Im Downstream wurden hier problemlos 56Mbit/s erreicht.

Bei der No.1 D6 funktioniert sogar das GPS wenn man die Uhr am Handgelenk trägt, was bei der Finow nicht der Fall war. Wirklich gut ist der Empfang zwar auch hier nicht, allerdings reicht es aus um eine grobe Positionierung zu erreichen. Die Genauigkeit schwankt zwischen 5 und 20m. Bei sehr gutem Wetter ist es möglich zu navigieren. Google Maps und Here Maps laufen auf der Uhr Problemlos. Google Fit ist eingeschränkt funktionsfähig, da die App nicht ganz mit der geringen Auflösung klarkommt.

Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono
Noise Cancelling Mikrofon:​ Nein​
Dedizierter Audio DAC:​Nein​
Dedizierter Verstärker:​Nein​

Der Lautsprecher der No.1 D6 klingt absolut schlecht. Würde man die Goldmedaille für den schlechtesten Lautsprecher vergeben wollen, wäre die No.1 D6 mit Sicherheit ein ganz heißer Kandidat. Das, was da aus der Smartwatch tönt, tut einfach nur in den Ohren weh. Ans Musik hören ist damit nicht zu denken.

Das Mikrofon ist ebenfalls nicht sonderlich gut und klingt ziemlich dumpf. Sobald man sich etwas weiter vom Mikrofon entfernt, ist man nur noch schlecht zu hören. Beim Telefonieren gibt es zudem das Problem, dass der Gesprächspartner sich selbst hört, was tierisch nervt. Zum Telefonieren ist die No.1 D6 ohne ein Bluetooth Headset unterm Strich schlicht nicht zu gebrauchen.

Akku

​Kapazität (Angabe): ​450mAh
​Kapazität (Gemessen): ​430mAh
​Wechselbar:Ja​
Fast Charging:​​Nein (1 - 1,5 Stunden)

Der 450mAh Akku in der No.1 D6 ist absolut unzureichend für die in der Smartwatch verbaute Hardware. Der SoC zieht einfach zu viel Strom. Zwar werden im Geekbench 3 Akku Test auf niedrigster Helligkeitsstufe mehr als 3 Stunden Screen-On Zeit erreicht, doch das entspricht keineswegs der Realität.

Nutzt man die Watch aktiv im Alltag, kann man mit einem Verbrauch von etwa 2% pro Minute bei aktivem Display und 5% pro Stunde im Standby Betrieb rechnen. Das reicht hinten und vorne nicht aus um über den Tag zu kommen. Meistens mussten wir beim Start in den Tag um 7 Uhr bereits um 14 Uhr wieder an die Steckdose.

Taktet man den Prozessor per Root Zugriff auf 600MHz herunter, kann man die Laufzeit um 10 – 20% verbessern. Das reicht aber immer noch nicht für einen kompletten Tag aus. Wer also regelmäßig längere Zeit ohne Steckdose auskommen muss, für den ist die No.1 D6 definitiv nichts.

Fazit

Die No.1 D6 hat ein paar interessante Ansätze, ist aber im Endeffekt wieder nur eine Spielerei bzw. eine Art Tech-Demo. Es ist ganz interessant zu sehen, was technisch möglich ist. Alltagstauglich ist die Smartwatch aber nicht wirklich, hauptsächlich aufgrund der miserablen Akkulaufzeit, aber auch aufgrund der Mängel an der Verarbeitung. Unterm Strich können wir also keine Kaufempfehlung abgeben.

Pro Contra
​+ Armband fühlt sich gut an ​- Wärmeentwicklung
+​​ Sehr gute Performance-​​ Akkulaufzeit
+​ Guter Empfang, GPS funktioniert am Handgelenk-​​ Mäßiges Display
+​​ Kratzfestes Display-​​ Ungenauer Touch Screen

-​​ Schlechter Lautsprecher

-​​ Schlechtes Mikrofon

-​ Schlechte Verarbeitung
​- Instabiles System

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