Motorola One Vision

motorola-one-vision Motorola One Vision im Test

​Durch den Druck von Xiaomi und anderen chinesischen Smartphone Herstellern versuchen auch die hierzulande etablierten Marken immer öfter relativ günstige aber gut ausgestattete Smartphones auf den Markt zu werfen. Das neue Motorola One Vision ist ein Beispiel dafür und konkurriert mit Smartphones wie dem Xiaomi Mi 9 SE. Neben einem schicken Design will das One Vision mit einer 48MP Kamera inklusive OIS und NFC Unterstützung punkten. In Deutschland wird das Smartphone zu einem Preis von 299€ verkauft. Wir haben zum Launch ein Gerät bestellt und es eine Woche lang ausführlich für euch im Alltag getestet.

Motorola One Vision
Verpackung & Lieferumfang

​Das Motorola One Vision wird in einer lilafarbenen Box geliefert. Der Lieferumfang umfasst alles was man für den Start braucht. Neben einem Netzteil und einem USB Typ-C Kabel gehören dazu eine SIM Nadel und sogar ein transparenter Schutz für die Rückseite des Smartphones. Dazu gibt es noch eine Kurzanleitung, Sicherheitshinweise und sogar In-Ear Kopfhörer. Das Unboxing Video könnt ihr euch auf unserem YouTube Kanal ansehen.

Motorola One Vision
Design & Verarbeitung

​Sofort nach dem Auspacken sticht das auffällig langgestreckte Design ins Auge. Verursacht wird dies durch das ungewöhnliche Displayformat von 21:9, was von Motorola als "Cinema Vision" bezeichnet wird. Darüber, inwiefern das Format Sinn macht, lässt sich allerdings streiten. Ohne Zweifel kommt das Format gut, wenn man Videos mit diesem Seitenverhältnis ansieht. Da entsprechender Content aber relativ rar ist, kommt das Format nur selten zur Geltung. Dem Gegenüber steht dann der Fakt, dass man den oberen Bildschirmbereich einhändig selbst mit großen Händen kaum erreichen kann. Daran ändern auch die recht schlanken Displayränder nichts, auch wenn Motorola auf der Produktseite genau das behauptet.

Was die Verarbeitung betrifft, gibt es am Motorola One Vision absolut nichts auszusetzen. Man bewegt sich hier auf einem sehr hohen Niveau und nein, das Smartphone besteht nicht komplett aus Kunststoff, wie das in den Testberichten auf diversen großen Seiten immer wieder behauptet wird. Nur der Rahmen besteht aus Kunststoff, die Rückseite ist aus Gorilla Glass gefertigt und tatsächlich auch sehr kratzresistent. Der Kunststoffrahmen ist aber auch kein Grund für Kritik. Das Material fühlt sich dick und damit stabil und wertig an. Dass es sich um Kunststoff handelt, merkt man erst, wenn man den Rahmen genau inspiziert und auf Temperatur sowie Klang beim Dagegenklopfen achtet.

Etwas störend ist nur das übertrieben weit aus dem Gehäuse stehende Kameramodul. Knappe 1,2mm ragt dieses aus der Rückseite hinaus, was angesichts der Dicke von 8,7mm verwundert. Bedient man das Smartphone auf einem Tisch, wackelt es entsprechend. Ebenfalls auffällig ist die Anfälligkeit für Fingerabdrücke. Die Rückseite sieht schnell verschmiert aus und man muss gründlich polieren um die Abdrücke wieder los zu werden. Hier haben wir es aber mit einem generellen Problem dieser "Hochglanz-Smartphones" zu tun.

Optisch sieht das Motorola One Vision nichts desto trotz sehr ansprechend aus. Wir haben uns die blaue Variante zugelegt, welche über einen horizontalen Farbverlauf verfügt. In der Mitte ist die Rückseite sehr dunkel und wird zum Rand hin beidseitig heller. Rahmen und Glas sind farblich aufeinander abgestimmt. Je nach Lichteinfall verändert sich der Farbton ein wenig und beginnt bei starker Sonneneinstrahlung regelrecht zu leuchten. Neben blau ist das One Vision auch in einem Braunton erhältlich. Eine schlichte schwarze oder weiße Variante gibt es leider nicht.

Das Motorola One Vision ist nach IP52 gegen das Eindringen von Spritzwasser geschützt. Ein Untertauchen ist also nicht möglich, die temporäre Nutzung unter der Einwirkung von Regen sollte dagegen keine Schäden verursachen. Wir haben den Schutz unfreiwillig bei Regen während einer Radtour getestet. Das Smartphone zeigte sich davon völlig unbeeindruckt. Nur der Touchscreen hat sich nicht mehr einwandfrei bedienen lassen, wenn zu viele Wassertropfen darauf waren.

Motorola One Vision
Display

​Größe: ​6,3"
Auflösung:​ ​2520 x 1080 (21:9)
Technologie​:​LTPS IPS LCD mit "Punch Hole"
​Anzahl Berührungspunkte:​10
Gehärtetes Glas:​​Ja
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Nein

​Beim Display hat sich Motorola für eine Lösung ohne klassische Notch entschieden. Stattdessen setzt man auf die "Punch Hole" Technik. Im oberen Bereich des Displays befindet sich ein Guckloch für die Frontkamera. Dieses fällt allerdings recht groß aus (Durchmesser 6,6mm). Untergebracht wird das Guckloch in der oberen Infoleiste, was diese entsprechend breit macht. Damit geht wieder einiges an Platz verloren, was wahrscheinlich der Hauptgrund für das langgestreckte 21:9 Format ist. Immerhin wurde das Guckloch wunderbar ins System integriert und stört abseits von Videos im Ultra-Wide Format nie. Auch die Statusleiste selbst wird nicht beeinträchtigt. Sowohl Benachrichtigungs-Icons als auch Uhrzeit und Status-Symbole werden permanent angezeigt.

Das Display selbst setzt beim Motorola One Vision auf LTPS IPS LCD Technik und liefert eine sehr gute Darstellung. Ab Werk werden Farben allerdings viel zu intensiv dargestellt, da in den Einstellungen die Option "Gesättigt" aktiv ist. Hier empfiehlt es sich für eine realistische Darstellung auf "Natural" zu wechseln oder eben "Boosted" für eine Balance aus natürlicher Darstellung und intensivierten Farben. Insgesamt ist das Display von guter Qualität und auch im Freien weitestgehend problemlos abzulesen. Leicht störend ist allerdings eine deutliche Schattenbildung sowohl am unteren Displayrand als auch dem "Punch Hole". Bei gleichfarbigen Flächen fällt der Effekt sofort auf und ist deutlicher zu sehen als beim Redmi Note 7, welches ebenfalls unter dieser Problematik leidet.

Der 10 Punkt Touchscreen funktioniert im Alltag gut und reagiert insbesondere beim schnellen Schreiben genau und präzise. Was die Reaktionszeit bei Wischgesten angeht, liegt das Motorola One Vision allerdings deutlich hinter der chinesischen Konkurrenz. Hier ist eine sehr deutliche Verzögerung festzustellen, was sich natürlich auch beim Spielen von Shooter Games bemerkbar macht. Entgegen der Rückseite macht Motorola keine Angaben zum Frontglas beim One Vision. Vermutlich handelt es sich aber auch hier um Gorilla Glass, denn Kratzer sind bisher keine aufgetaucht. Was allerdings fehlt ist eine fettabweisende Beschichtung. Abdrücke lassen sich recht schnell nieder und man muss schon etwas gründlicher polieren um diese wieder komplett los zu werden. Die Gleiteigenschaften der Oberfläche zeigen sich davon allerdings nahezu unbeeindruckt.

Motorola One Vision
Hardware & Performance

​Prozessor: ​Samsung Exynos 9609 (10nm)
4x ARM Cortex A73 @2,2GHz
4x ARM Cortex A53 @1,6GHz
GPU:​ ​Mali G72 MP3
RAM:​​4GB LPDDR4X
Durchsatz: 10,65GB/s
Speicher:​​128GB UFS 2.1
Lesen: 494MB/s | Schreiben: 189MB/s
Micro SD:​Ja (Hybrid Slot)
Lesen: 77MB/s | Schreiben: 44MB/s
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Fingerabdruck Scanner:​​Ja (Rückseite)
​Sensoren:​Kapazitiver Sensor, Abstand, Umgebungslicht, Beschleunigung, lineare Beschleunigung, Gyroskop, Magnetometer, Schrittzähler, Rotationsvektor, Gravitation, Ausrichtung
Besonderheiten:​​3,5mm Anschluss, Punch Hole Display, USB Typ-C 2.0, keine Status LED
Abmessungen / Gewicht:​​160,1 x 71,2 x 8,7mm
181g

​Bei der Hardware Ausstattung entpuppt sich das Motorola One Vision als ein Exot, denn hier kommt weder ein Mediatek noch ein Qualcomm Prozessor zum Einsatz. Motorola verbaut einen Prozessor von Samsung, den Exynos 9609. Dieser kam soweit wir informiert sind bisher in keinem Samsung Smartphone zum Einsatz und feiert im Motorola One Vision seine Premiere. Der Exynos 6909 bietet in etwas so viel Leistung wie ein Snapdragon 660 und kommt mit vier Cortex A73 (2,2GHz) und vier Cortex A53 (1,6GHz) Kernen daher. Um die Grafik kümmert sich eine Mali G72 MP3 mit nicht näher spezifiziertem Takt. Was der Exynos 9609 dem Snapdragon 660 voraus hat, ist die Fertigung in 10nm, was den Chip äußerst effizient macht. Darüber hinaus unterstützt der Chip auch UFS 2.1 Speicher, wovon das Motorola One Vision gebrauch macht. 128GB davon werden hier verbaut und erreichen solide Werte. Beim Arbeitsspeicher hat man sich für "nur" 4GB LPDDR4X RAM entschieden, welcher aber dank solider Optimierung nie zum Flaschenhals wird. Anspruchsvolleres Multitasking macht das One Vision ohne Probleme mit.

Generell kann man die Performance des Smartphones als sehr gut bezeichnen. Gefühlt ist die Leistung besser als bei einigen Snapdragon 660 Geräten die wir in der Vergangenheit in der Hand hatten. Das Smartphone lässt sich überaus flüssig bedienen und man hat nie das Gefühl, dass es irgendwo Leistungsengpässe gibt. Das wechseln zwischen einigen geöffneten Apps, diversen Google Chrome Tabs oder Scrollen durch große Google Photos Galerien verläuft absolut flüssig. Hänger oder auffälliges Stottern ist uns kein einziges Mal aufgefallen. Beim Spielen muss man ein paar Abstriche bei den anspruchsvollsten Titeln hinnehmen, was bei einer Mittelklasse GPU jedoch keinen verwundern sollte. Ältere Titel wie Unkilled lassen sich nichts desto trotz auf voller Detailstufe flüssig spielen. Das Smartphone erwärmt sich dabei nur minimal und auch im synthetischen Drosseltest ist keine massive Taktreduzierung festzustellen.

Wer den Speicher erweitern will, der kann eine Micro SD Karte im Tausch gegen Dual SIM Unterstützung einlegen. Der Slot erreicht vernünftige Datenraten und kann mit dem internen Speicher verschmolzen und so für die Installation von Apps genutzt werden. Bei den Sensoren hat auch das One Vision die heutzutage übliche Vollausstattung mit Schrittzähler, Gyroskop und Kompass zu bieten. Im Test haben alle Sensoren einwandfrei funktioniert. Rückseitig gibt es einen Fingerabdruck Sensor der das Smartphone zuverlässig binnen ca. 0,5 Sekunden entsperrt und im Test keine größeren Aussetzer hatte. Auch Face Unlock via Frontkamera wird unterstützt und funktioniert ebenso zuverlässig, selbst bei schlechten Lichtverhältnissen. Ein Überlisten mit Fotos war uns nicht möglich.

Motorola One Vision
Software

​Variante: ​Android One
​Android Version: ​Android 9 Pie
Sicherheitspatch im Test: Mai 2019
Google zertifiziert:​Ja
DRM Technologien:​Widevine Level 1, ClearKey CDM
Bloatware​:​Google Apps, Motorola App
Root Zugriff:​​Nein
OTA Updates:​​Ja
Schadsoftware:​​Nein

​Das Motorola One Vision kommt mit einem "naturbelassenen" Android 9 Pie daher. Genauer gesagt handelt es sich hierbei sogar um Android One, was bedeutet, dass die Updates direkt von Google verteilt werden. Für die Endnutzer bedeutet das, dass neue Sicherheitspatches sehr schnell auf dem Smartphone landen und auch neue Android Versionen vergleichsweise schnell als Update angeboten werden. In der Regel werden Android One Geräte zwei Jahre lang mit den aktuellsten Android Versionen versorgt, teils auch länger. Das System ist sehr sauber, flott und stabil. Die minimale Bloatware kann man vernachlässigen. Dank Google Zertifizierung und NFC lässt sich Google Pay ohne Einschränkungen nutzen. Für Streaming Fans ist die Unterstützung von Widevine Level 1 relevant.

Motorola One Vision
Empfang & Konnektivität

​Mobilfunk: ​2G: B2/3/5/8
3G: B1/2/5/8
4G: B1/3/5/7/20/38/40/41
WLAN:​ ​WLAN 802.11a/b/g/n/ac
Bluetooth:​​Bluetooth 5.0
NFC:​​Ja
HotKnot:​​Nein
Dual-SIM:​​Dual Nano SIM
Positionsbestimmung:​​GPS, A-GPS, GLONASS, BDS, Galileo

​Im Mobilfunk hat das One Vision leider eine massive Schwäche. International kann die Nutzung des Smartphones zum Problem werden. Die Frequenzunterstützung deckt hauptsächlich Europa ab, wobei selbst hier noch ein paar Frequenzen fehlen, welche in Deutschland zunehmend für LTE genutzt werden. Beispiele dafür sind das Band 8 (900MHz) und Band 28 (700MHz) für FDD-LTE. Lokal wird das zwar noch nicht zu einem Problem, doch wer häufiger in den USA oder einigen asiatischen Ländern unterwegs ist, sollte hier vorher checken ob mit diesen Frequenzen und dem genutzten Anbieter ein Internetzugang gewährleistet ist.

Abseits davon gibt es aber keine Schwächen. Der Mobilfunkempfang an sich ist ordentlich und auch im WLAN enttäuscht das Smartphone mit AC-Unterstützung nicht. Hinzu kommen NFC und Bluetooth 5.0 sowie ein astreiner GPS Empfang, welcher weder beim Navigieren noch beim Tracking schwächelt, auch wenn deutlich weniger Satelliten eingebunden werden als bei der Konkurrenz.

Motorola One Vision
Sprachqualität & Audio

​Lautsprecher: ​Mono (unten im Rahmen)
Noise Cancelling Mikrofon:​ ​Ja (oben im Rahmen)
Dedizierter Audio DAC:​​Nein
Dedizierter Verstärker:​​Nein

​Beim Musik hören schlägt sich das Motorola One Vision auch ohne Kopfhörer ganz gut. Der Mono Lautsprecher schafft eine hohe Lautstärke ohne zu verzerren und liefert dabei auch deutliche Bässe. Dolby Atmos kümmert sich um eine dynamische Optimierung des Klangbildes, je nachdem ob gerade Musik oder ein Film abgespielt wird. Für Kopfhörer steht ein klassischer 3,5mm Anschluss zur Verfügung der eine klare und kraftvolle Ausgabe zu bieten hat. Beim Telefonieren überzeugt die Sprachqualität beidseitig und auch VoWiFi wird unterstützt. In lauter Umgebung sorgt ein zweites Mikrofon für die weitestgehende Unterdrückung der Umgebungsgeräusche.

Motorola One Vision
Kamera

​Hauptkamera: ​Hauptsensor: 48MP f/1.7 (OIS)
Sekundärsensor: 5MP
Video: UHD 30fps, FHD 60fps
​Frontkamera: ​25MP f/2.0
Video: FHD 30fps
​Blitz:​Dual LED
​Fokus:​PDAF
​Slow Motion:​Ja (720p@240fps)

Das Motorola One Vision verzichtet anders als so manche Mitbewerber auf eine Triple-Kamera und setzt stattdessen auf eine Dual Kamera. Diese beschränkt sich auf das Wesentliche und bietet weder optischen Zoom noch eine Weitwinkel-Linse. Immerhin kommt hier aber ein 48MP Hauptsensor zum Einsatz, welcher sogar über optische Bildstabilisierung verfügt. Konkret setzt Motorola auf den Samsung GM1 mit einer f/1.7 Blende.

Was die Optimierung der Kamera betrifft kann man leider nicht ganz oben mitspielen. Das ist tatsächlich überraschend, denn im Lenovo Z6 Pro wurde der Samsung Sensor extrem gut optimiert und schlägt in einigen Situationen sogar den Sony IMX586. Da Motorola zu Lenovo gehört, hätten wir erwartet, dass hier dasselbe Niveau erreicht wird, was allerdings nicht der Fall ist. Keine Frage, gute Fotos macht auch das Motorola One Vision, doch es zeigen sich in bestimmten Bereichen deutliche Defizite. Der wichtigste Punkt ist wohl ein genereller Detailmangel bei Landschaftsaufnahmen. Zoomt man etwas ein oder betrachtet die Bilder auf einem großen und hochauflösenden Monitor, so wird bei größerer Distanz eine gewisse Matschigkeit sichtbar. Die Aufnahme von Fotos mit 48MP ist übrigens nicht möglich. Ein weiterer Schwachpunkt ist zumindest mit den Werkseinstellungen die Farbabstimmung. Regelmäßig kam es hier zu massiven Farbstichen in den Bildern. Farben wirken zudem oft stark überzeichnet. Die Ursache dafür ist allerdings zu beheben indem man die KI deaktiviert, welche bei diesem Smartphone mehr schlecht als recht funktioniert.

Bilder mit KI

Bilder ohne KI

​Der Bokeh / Portrait Modus arbeitet überraschend genau und versemmelt auch komplexe Motive höchst selten. Leichtes Verbesserungspotential gibt es nur bei den Kanten von Objekten im Vordergrund, welcher immer ein Stück weit mit weichgezeichnet wirken. Dies lässt den Effekt etwas unnatürlich wirken.

Bei Nacht überrascht der LED Blitz mit einer guten Helligkeit und recht hohen Reichweite. Probleme mit Überbelichtung oder dem Fokus gibt es nicht. Die Auslösezeit ist sehr kurz, was Wackler zuverlässig verhindert. Farben werden allerdings teilweise ein wenig ausgewaschen dargestellt.

​Bei Nachtaufnahmen verstärkt sich die Problematik der Landschaftsaufnahmen bei Tag. Entsprechend sind die Bilder zwar brauchbar, feine Details gehen aber fast gänzlich verloren. So gehen beispielsweise bei Fassaden mit feinen Strukturen diese fast gänzlich verloren. Langzeitbelichtung wird unterstützt, ändert aber an der Sachlage nichts. Aus irgendeinem Grund wirken solche Fotos auch noch verwackelt, auch wenn das Smartphone fest auf einem Stativ steht. In Anbetracht dieser Schwächen ist der so genannte "Night Vision" Modus umso beeindruckender. Hier gelingen tatsächlich anständige Nachtfotos und das sogar freihändig. Zwar gibt es auch hier ein paar qualitative Defizite und Kanten können etwas überzeichnet werden, doch unterm Strich sehen diese Nachtaufnahmen von allen Modi am besten aus.

Nacht Standard

Langzeitbelichtung

Night Vision

Die 25MP Frontkamera macht anständige Selfies, kann aber nicht mit der Frontkamera vom Mi 9 SE mithalten. Die Fotos wirken etwas weichgezeichnet und so mangelt es auch hier an Details. Haare wirken etwas verwaschen und feine Hautstrukturen gehen verloren - letzteres dürfte manchen allerdings gefallen. Ein Bokeh Modus steht auch hier zur Verfügung und dieser arbeitet genauso zuverlässig wie der der Hauptkamera. Bei Nacht erzeugt die Kamera selbst bei wenig Licht noch brauchbare Fotos, wobei allerdings die Schärfe deutlich nachlässt.

Punkten kann die Hauptkamera beim Aufzeichnen von Videos. Zwar ist keine Aufzeichnung in 4k mit 60fps möglich (in Full HD schon), doch die Bildqualität ist sehr gut. Der Detailmangel der sich teils in Fotos breitmacht tritt hier überhaupt nicht auf und man erhält ein gestochen scharfes Bild mit nahezu perfekter Farbwiedergabe. Lediglich die Belichtung geht teilweise etwas daneben, doch damit kann man leben. Der Autofokus ist nicht der schnellste, sitzt aber in den allermeisten Fällen ohne manuelles Nachjustieren. Abgerundet wird das ganze noch durch die optische Bildstabilisierung, welche ein sehr ruhiges Bild liefert. Und auch die Frontkamera liefert anständige Videos, wenngleich man hier auf Full HD limitiert ist. Abzug gibt es letztlich nur für die Audioqualität. Naturgeräusche werden leider fast vollständig ausgefiltert und auch die Bitrate lässt zu wünschen übrig. Wer auf den Ton Wert legt, wird hier definitiv nicht glücklich werden.

Motorola One Vision
Akku

​Kapazität (Angabe): ​3.500mAh
​Kapazität (Gemessen): ​3.492mAh
​Wechselbar:​Nein
Fast Charging:​​18W Turbo Power

​Durch den sparsamen Prozessor und relativ goßen Akku hat sich das Motorola One Vision als ein ausdauerndes Smartphone entpuppt. Selbst bei anspruchsvoller Nutzung mit viel GPS, mobilen Daten und Kameranutzung kommt man immer problemlos durch den Tag, meistens sogar darüber hinaus. Bei weniger intensiver Nutzung werden die meisten Nutzer volle zwei Tage inklusive Nutzung bis spät Abends mit einer Ladung auskommen. Optimierungsbedarf besteht lediglich beim Standby Verbrauch, welcher mit rund 1,6% pro Stunde ziemlich hoch ist. Normal wäre ein Wert von um die 0,8% pro Stunde.

Zudem wäre es wünschenswert wenn Lenovo die Ladekurve optimieren würde. Die "Turbo Power" genannte Quick Charge Funktion ist mit USB Power Delivery kompatibel. Doch egal ob wir nun Power Delivery oder das originale Netzteil zum Aufladen nutzen, die volle Ladung von 20% auf 100% dauert immer knapp zwei Stunden. Grund dafür ist, dass der Abschnitt von 90% auf 100% knapp 40 Minuten benötigt. Auf 75% lädt das Smartphone in deutlich unter einer Stunde. Schnelles Nachladen ist also kein Problem, doch für die volle Ladung braucht man ordentlich Geduld.

Akkulaufzeit
Ladezeit

Motorola One Vision Test
Fazit

​Die westlich etablierten Marken wachen so langsam auf und reagieren auf den Druck der aus China einstürmenden Marken wie Xiaomi. Das Motorola One Vision ist unterm Strich eine gelungene Antwort auf Smartphones wie das Mi 9 SE oder Redmi Note 7. Am Ende kann es zwar an ein paar Stellen nicht ganz mithalten und ist auch mit Blick auf die Preis-Leistung etwas teurer, dafür ist es allerdings auch ganz offiziell hier in Deutschland zu erwerben und es gibt eine direkte lokale Vertretung vom Hersteller. Und genau das ist es, was immer noch vielen Kunden wichtig ist und bei den klassischen China Marken abschreckend wirkt, auch wenn diese mittlerweile auch von lokalen Händlern immer öfter angeboten werden. Bleibt zu hoffen, dass man das Motorola One Vision nun nicht stiefmütterlich behandelt, sondern neben Android Aktualisierungen auch Verbesserungen für die Kamera liefert, denn hier hakt es an ein paar Stellen noch gewaltig. Die Kamera hat viel Potential und ist sicherlich mit das wichtigste Element und Verkaufsargument für das Motorola One Vision. Ausgenutzt wird das Potential derzeit allenfalls zur Hälfte und genau hier muss Motorola ansetzen um das Smartphone final für die breite Masse interessant zu machen.

Pro Contra
​+ Schönes Design mit Rückseite aus echtem Glas (recht kratzfest) ​- Kameraschwächen (Tonspur von Videos, Detailmangel bei Landschaftsaufnahmen, Nachtaufnahmen ohne Night Vision, Langzeitbelichtung)
+​​ Interessantes Front Design mit "Punch Hole"-​​ Touchscreen Defizit bei Wischgesten (deutliches Nachziehen)
+​​ Schönes Display (bis auf Schattenbildung)-​​ Lange Ladezeit ab 90 bis 100%
+​​ Solide Performance-​​ Schmale Frequenzunterstützung im Mobilfunk
+​​ Ordentliche Speicherausstattung mit Erweiterungsmöglichkeit-​​ Schattenbildung im Display (Kameraloch und unterer Rand)
+​​ Durchweg ordentlicher Empfang- Keine Benachrichtigungs-LED
+​​ NFC und Bluetooth 5.0- Schwer bis kaum mit einer Hand zu bedienen
​+ Solide Audioqualität inkl. 3,5mm Anschluss und Dolby Atmos
​+ Saubere Software (Android One)
​+ Google Zertifizierung und Widevine L1
​+ Kamera mit Potential
​+ Videoaufnahmen mit OIS
​+ Sehr gute Akkulaufzeit
​+ Fast-Charging USB-PD kompatibel
​+ Spritzwasser Schutz (IP52)

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❤️ Vielen Dank ❤️


 

Kommentare 1

Gäste - Ralf Schulze (website) am Dienstag, 18. Juni 2019 11:59

Hi Christopher,
vielen Dank für den tollen Test, ich brauche einen Ersatz für mein G4.

Hi Christopher, vielen Dank für den tollen Test, ich brauche einen Ersatz für mein G4.
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Mittwoch, 24. Juli 2019

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