GPD Pocket Test

GPD (Gamepad Digital) ist eigentlich bekannt für seine tragbaren Spiele Handhelds. Umso überraschender war die Nachricht, dass man mit dem GPD Pocket den kleinsten Laptop der Welt bauen möchte. Finanziert wurde die Entwicklung des GPD Pocket per Crowdfunding. Satte dreieinhalb Millionen US Dollar konnte das Projekt einsacken, womit die Erwartungen um einiges übertroffen wurden. Mittlerweile ist der GPD Pocket seit einigen Monaten erhältlich. GPD hatte also genug Zeit Kinderkrankheiten zu beseitigen. Zeit also, dass auch wir den GPD Pocket mal unter die Lupe nehmen und prüfen, ob das zugegebenermassen nicht gerade günstige Gadget etwas taugt.

Der GPD Pocket Mini Laptop wurde uns für diesen Test von Gearbest zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

GPD Pocket - Verpackung & Lieferumfang

​Der GPD Pocket wird in einer flachen, quadratischen Box in schwarzer Farbe geliefert. Die Box wird von oben her aufgeklappt. Der Deckel wird mit einem Magneten an seinem Platz gehalten. Der GPD Pocket liegt direkt oben auf und befindet sich zum Schutz in einer Plastiktüte. Zwischen Display und Tastatur befindet sich ein Kratzschutz. Unter dem GPD Pocket liegt in der Verpackung eine Schutzfolie fuer das Display und eine Kurzanleitung. Diese ist - was für uns unverständlich ist - in chinesischer Sprache gehalten, obwohl sich der GPD Pocket eher an ein internationales Publikum richtet. Das restliche Zubehör umfasst ein USB Typ-C auf Typ-C Kabel und ein Power Delivery Netzteil, ebenfalls mit USB Typ-C Anschluss.

Design & Verarbeitung

​Der GPD Pocket wird nicht umsonst trotz seiner geringen Größe als Laptop beworben. Es handelt sich hier in der Tat um ein geschrumpftes Notebook. Das Design erinnert leicht an ein MacBook Pro. Und wie beim offensichtlichen Vorbild besteht auch das Gehäuse des GPD Pocket aus einem Stück Aluminium. Hier wurde auch nicht gespart, denn die Materialstärke ist teils enorm und sorgt für eine sehr hohe Stabilität. Übt man Druck auf das Gehäuse aus oder versucht es zu verbiegen, wird man schnell aufgeben müssen. Das Gehäuse bewegt sich dabei keinen Millimeter.

Passt der GPD Pocket in eine Hosentasche? Jein. Die Abmessungen betragen im zugeklappten Zustand 18,2 x 10,9 x 1,8cm. In große Taschen passt der GPD Pocket damit relativ problemlos. Enge Taschen, vor allem bei Jeans, werden aber ein Hindernis darstellen. Der GPD Pocket steht hier oft aus der Tasche hinaus und sorgt in jedem Fall für ein deutliches Enge-Gefühl. Was man ebenfalls deutlich bemerkt ist das Gewicht von 515g.

Trotz der verglichen mit einem normalen Laptop geringen Größe des GPD Pocket, hat der Hersteller es geschafft einiges in das kleine Gehäuse zu quetschen. Sämtliche Anschlüsse des GPD Pocket befinden sich an der rechten Seite. Hier findet man einen USB 3.0 Typ-A Anschluss, einen Micro HDMI Ausgang, einem 3,5mm Kopfhörer Anschluss und einen USB Typ-C Anschluss. Letzterer ist ein vollwertiger Port an dem man auch Typ-C Hubs nutzen kann. Somit besteht die Möglichkeit zahlreiche Anschlüsse nachzurüsten. Ebenfalls auf der rechten Seite befindet sich der Auslass des Lüfters. Dieser saugt die Luft durch eine Öffnung auf der Unterseite ein. Gummifüße sorgen hier nicht nur für einen sicheren Stand, sondern auch für den nötigen Abstand. Die Unterseite des GPD Pocket lässt sich problemlos durch das Entfernen von 6 Kreuzschlitz Schrauben öffnen. Möglichkeiten zum Aufrüsten gibt es nicht, doch man kann so potentiell den Akku Tauschen und natürlich auch das Kühlsystem von Schmutz und eventuellen Fremdkörpern befreien.

Aufgeklappt wird der GPD Pocket wie ein normales Laptop. Erleichtert wird dies durch eine Aussparung am unteren Rahmen des Mini Laptops. Der Deckel wird sicher mit einem Magneten verschlossen. Das Scharnier des Displays macht einen guten Eindruck. Der Widerstand ist weder zu gering noch zu hoch. Hebt man den GPD Pocket am Display an, verstellt sich der Winkel nicht sofort. Das Scharnier ist auch nicht locker und gibt keine Knarz-Geräusche von sich. Der GPD Pocket kann bis auf ca. 165° aufgeklappt werden. Auch nach dem Aufklappen setzt sich der hochwertige Eindruck fort. Das Display ist komplett mit Glas bedeckt, welches direkt am Aluminium des Deckels endet. Es gibt also keinen zusätzlichen Kunststoffrahmen oder ähnliches. Der Übergang ist dennoch gut gelungen. Metall und Glas treffen sich auf Augenhöhe und es gibt keinen größeren Spalt am Übergang.

Tastatur & Trackpoint

​Im GPD Pocket steckt eine vollwertige QWERTY Tastatur. Dass GPD es geschafft hat dies umzusetzen und dabei auch noch auf relativ große Tasten und eine hochwertige Mechanik setzen zu können, ist schon beeindruckend. Selbstverständlich ist dabei ein verändertes Layout unumgänglich. Die Tasten für Buchstaben sollten eine ordentliche Größe haben, da man diese öfter nutzt. Die restlichen Tasten müssen dafür etwas schrumpfen und ggf. von der gewohnten Form und Position abweichen. Und genau das ist es, was die Tastatur zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig macht. Am Anfang passiert es oft, dass man die falschen Tasten erwischt. Doch hat man sich einmal an das Layout gewöhnt, schreibt es sich überraschend gut. Man wird zwar nie ganz die Geschwindigkeit einer normalen Tastatur erreichen können, aber dennoch lassen sich auch längere Texte recht komfortabel schreiben. Man muss sich allerdings mit dem Zweifinger-System anfreunden können. Zehnfinger Schreiben ist - außer man hat wirklich sehr kleine Hände - nicht möglich. Für uns Deutsche hat das geänderte Tastatur Layout übrigens einen Nachteil: Das Umstellen auf das QWERTZ Layout kann man vergessen. Funktionieren tut das ganze zwar wie auf jeder anderen QWERTY Tastatur, macht allerdings durch das veränderte Layout in der Praxis nicht wirklich Sinn, da die Umlaute sich dann an irrsinnigen Positionen befinden. Wer sich also mit dem QWERTY Layout nicht arrangieren kann: Finger weg!

Äußerst positiv überrascht hat die Qualität der Tastatur. Aufgrund der kompakten Abmessungen des GPD Pocket würde man davon ausgehen, dass die Tasten keinen großen Hub haben und sich eher so anfühlen wie z.B. die Tastatur eines Bankautomaten. Doch das ist überhaupt nicht der Fall. Der Hub der Tasten ist nur minimal kleiner als der einer normalen Tastatur. Auch die Mechanik unterscheidet sich nicht. Die Tasten haben einen angenehmen Widerstand und man spürt deutlich, dass man sie gedrückt hat. Beim Tippen entsteht auch kein nerviges Klappern und es kam kein einziges Mal vor, dass eine Taste hängen blieb. Auch ein Federn ist nicht festzustellen. Man könnte die Tastatur fast schon als Mini High-End Tastatur bezeichnet.

Zur Steuerung der Maus kommen in heutigen Laptops fast ausschließlich Touchpads zum Einsatz. Natürlich ist das beim GPD Pocket nicht möglich, da hierfür kein Platz zur Verfügung steht. Deshalb hat sich GPD einer netten Erfindung mit dem Namen "Trackpoint" bedient. Diese Art der Maussteuerung wurde früher in den IBM ThinkPad Notebooks genutzt und kommt immer noch teilweise in der jetzt zu Lenovo gehörenden ThinkPad Reihe zum Einsatz. Den Trackpoint kann man sich als eine Art nicht beweglichen Joystick vorstellen, mit dem die Maus bewegt wird. Drückt man den "Knubbel" nach Oben, bewegt sich der Cursor nach Oben. Je fester man drückt, desto schneller wird auch die Bewegung des Mauszeigers. Wer das System noch nicht kennt, der wird auch hier eine Phase der Eingewöhnung benötigen, dann aber schnell feststellen, dass diese Art der Bedienung sehr präzise und alltagstauglich ist. Die beiden Maustasten zum Klicken sind in die Tastatur integriert. Den Aufsatz des Trackpoints kann man übrigens wechseln. Der genutzte Trackpoint ist voll IBM / Lenovo kompatibel. Ihr könnt also alle Aufsätze für die ThinkPad Trackpoints nutzen, welche in vielen Farben und Formen erhältlich sind.

Display

​Größe: ​7"
Auflösung:​ ​1920 x 1200
Technologie​:​IPS OGS LCD
​Anzahl Berührungspunkte:​5
Gehärtetes Glas:​​Gorilla Glass 3
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​​Nein

​Für ein Gerät mit Windows ist das Display im GPD Pocket sehr klein. Mit einer Diagonale von 7" steht hier deutlich weniger Platz zur Verfügung als bei einem regulären Laptop. Dementsprechend klein muss auch die Darstellung der Inhalte sein, um einen gesunden Mix aus Platz zum Arbeiten und Lesbarkeit zu erreichen. Dies wiederum erfordert eine scharfe Darstellung, was hier auch gegeben ist. Der GPD Pocket arbeitet mit einer Auflösung von 1920 x 1200 Pixel. Daraus resultiert eine ausreichende Pixeldichte um einzelne Pixel erst bei sehr geringem Abstand zum Display sichtbar zu machen. Die Qualität des voll laminierten LCD Panels ist gut. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig, die Blickwinkel stabil, Schwarz wird intensiv dargestellt. Farben wirken sehr natürlich, also weder zu intensiv noch zu blass. Eine Schwäche ist jedoch die Helligkeit. Diese ist nur für den Indoor Betrieb ausreichend. Im Freien erkennt man kaum noch etwas. Bedenkt man, dass der GPD Pocket eigentlich für unterwegs gedacht ist, ist das schon sehr enttäuschend. Der Touch Screen wird von Windows 10 als 10-Punkt Touch Panel erkannt, kann aber tatsächlich nur maximal 5 Berührungspunkte erkennen. Die Qualität des Touch Panels ist jedoch sehr gut. Die Auflösung ist hoch, was eine hohe Genauigkeit ermöglicht. Und genau darauf kommt es bei der relativ kleinen Darstellung auch an. Zudem ist auch die Reaktionszeit sehr kurz. Es gibt nahezu keine Verzögerung. Lobenswert ist zudem, dass man auf stabiles Gorilla Glass 3 setzt. Was leider fehlt ist eine Beschichtung gegen Fingerabdrücke.

GPD Pocket: Hardware & Performance

​Prozessor: ​Intel Atom X7 Z8750 (Cherry Trail, 4x 1,6 - 2,5GHz)
GPU:​ ​Intel HD Graphics 405
RAM (Geschwindigkeit):​​8GB LPDDR3 Dual Channel RAM
Speicher (Geschwindigkeit R/W):​​128GB Samsung eMMC (141 / 89MB/s)
Micro SD (Geschwindigkeit R/W):​Nein
Fingerabdruck Scanner:​​Nein
​Sensoren:Nein​
Besonderheiten:​-​
Abmessungen / Gewicht:​​18,2 x 10,9 x 1,8cm​ / 515g

​Mit einem Z8750 steckt im GPD Pocket der leistungsfähigste Prozessor der Atom X7 Serie. Dieser verfügt über vier CPU Kerne mit einem Turbo Boost Takt von bis zu 2,56GHz, welche natürlich 64-Bit fähig sind. Die Intel HD Graphics 405 GPU verfügt über 16 Ausführungseinheiten. Im Antutu Benchmark erreicht das System damit rund 110.000 Punkte. Damit ist die Leistung in etwa mit dem Intel Celeron N3450 zu vergleichen, den man in vielen China Laptops findet. Die GPU ist jedoch spürbar schwächer als die in den Celeron Chips genutzte Grafikeinheit. Windows 10 und weniger anspruchsvolle Software wie Microsoft Office aber auch Photoshop mit weniger anspruchsvollen Projekten sind auf dem GPD Pocket gut nutzbar. Engpässe werden beim Spielen bemerkbar. Aktuellere PC Spiele sind auf dem GPD Pocket überhaupt nicht spielbar. Selbst Windows Store Games ruckeln oftmals - z.B. Asphalt Xtreme. Auf mittleren Grafikeinstellungen ist das Spiel zwar spielbar, aber bei weitem nicht flüssig. Doch zum Spielen ist der GPD Pocket wohl ohnehin nicht gedacht. Problematisch ist übrigens auch die Nutzung von Google Chrome in Verbindung mit YouTube. Hochauflösende Videos (mehr als 1080p) spielt der Browser selbst bei deaktivierter VP9 Wiedergabe nicht flüssig ab. Dieses Problem kennt man auch von anderen Geräten mit Chips der Cherry Trail Reihe. In Microsoft Edge ist die Wiedergabe dagegen flüssig.

Ziemlich überrascht hat uns, wie gut das Kühlsystem des GPD Pocket funktioniert. Auf solch kleinem Raum muss natürlich die Hitze nach Außen abgeführt werden. Im GPD Pocket geschieht das mit einer Kupfer Heatpipe und einem kleinen Lüfter. Dieses System verhindert - sofern die Ansaug-Öffnung auf der Unterseite frei ist - zuverlässig Thermal Throttling. Wir haben den GPD Pocket eine Stunde lang voll ausgelastet und nebenbei den Akku aufgeladen. Dennoch wurde zu keinem Zeitpunkt Thermal Throttling aktiv. Die maximal am Prozessor gemessene Temperatur lag dabei bei 80°C. Das Gehäuse des GPD Pocket wird nie unangenehm warm. Die Lüftersteuerung ist für unseren Geschmack aber etwas zu aggressiv. Der Lüfter im GPD Pocket springt schon ab 50°C an, was übertrieben ist. Es würde reichen, wenn er erst ab 70°C anspringt und ab 80°C voll aufdreht. Die aggressive Steuerung führt dazu, dass der Lüfter nahezu permanent im Betrieb ist, auch beim Ansehen von Videos. Zwar ist das Lüftergeräusch nicht unangenehm (leichtes Fauchen statt hochfrequentes Pfeifen), doch ein zum Großteil völlig geräuschlos nutzbares Gerät wäre ohne Frage angenehmer.

Bei der Speicherausstattung gibt es Stärken und Schwächen. Beginnen wir einmal mit der größten Schwäche: Es gibt keine Möglichkeit zur Erweiterung. Ja, man kann ein USB 3.0 Thumb Drive nutzen, doch dabei geht eben jener Anschluss verloren. Ein Micro SD Kartenleser wäre ohne Frage die elegantere Lösung gewesen und hätte auch problemlos im Gehäuse Platz gefunden. Eine weitere Schwäche ist, dass der interne eMMC Speicher nicht der Schnellste ist. 141MB/s Lese- und 89MB/s Schreibgeschwindigkeit sind zwar keine schlechten Werte, aber wir haben da schon Besseres gesehen. Für den angefragten Preis wäre da sicherlich mehr drin gewesen. Immerhin ist der Speicher aber groß. Ganze 128GB werden hier verbaut und das reicht für einiges an Daten aus. Zudem wird Markenspeicher von Samsung genutzt. Auch der Arbeitsspeicher ist mit 8GB sehr üppig bemessen, was in einer sehr guten Multitasking Performance resultiert. Dies ist in der obigen Performance Demo sehr schön zu erkennen. Schade ist jedoch, dass man den RAM nur mit 1066 statt 1600MHz taktet. Das Umstellen im UEFI ist ab Werk nicht möglich, da die erweiterten Einstellungen gesperrt sind. Erst nach dem Flashen der für Ubuntu gedachten UEFI Firmware, kann man auf die erweiterten Einstellungen zugreifen. Die Flash Dateien findet ihr auf der offiziellen GPD Webseite.

Auch die USB Anschlüsse des GPD Pocket haben wir ausführlich getestet. Lobenswert ist, dass der USB 3.0 Anschluss nicht nur die zu erwartenden Geschwindigkeiten liefert, sondern darüber hinaus auch genügend Strom auf Lager hat um externe 2,5" Festplatten und SSDs ohne Netzteil nutzen zu können. Auch das Aufladen von anderen Geräten ist damit prinzipiell möglich. Auch am USB Typ-C Port werden USB 3 Geschwindigkeiten erreicht, was wir mit einem entsprechenden Hub getestet haben. Hier gibt es jedoch nicht genügend Strom für Festplatten. Um diese am Typ-C Port zu nutzen, muss noch ein Netzteil zugeschaltet werden. Im Hub Betrieb solltet ihr also einen Hub mit Power Delivery Unterstützung nutzen. Darüber wird der GPD Pocket dann auch aufgeladen. Darüber hinaus kann der USB Typ-C Anschluss auch zur Ausgabe eines Video Signals genutzt werden. Hier waren im Test jedoch maximal Full HD möglich. Für die 4k Ausgabe müsst ihr den dedizierten Micro HDMI Anschluss nutzen. Ob die Nutzung von 4k Auflösung Sinn macht, sei aber mal dahingestellt. Die GPU ist damit nämlich sichtlich überfordert. Eine Problemzone der Anschlüsse ist der zu geringe Abstand zueinander. Steckt z.B. ein Micro HDMI Kabel im GPD Pocket, kann man den Typ-C Anschluss nicht mehr nutzen.

Einen ziemlich groben Fehler im Hardware Design müssen wir leider auch noch erwähnen. Beim Aufladen des GPD Pocket im abgeschalteten Zustand aktiviert sich anscheinend der Prozessor, was GPD bisher trotz mehrere UEFI Updates nicht abstellen konnte. Das Resultat davon ist eine recht starke Hitzeentwicklung beim Aufladen. Aus diesem Grund hat man die UEFI Firmware so konfiguriert, dass der Lüfter beim Laden anspringt und die Hardware kühlt. Leider läuft der Lüfter mit voller Drehzahl, was vor allem dann stört, wenn der GPD Pocket im selben Raum lädt in dem man schläft. Solch ein grober Designfehler hätte eigentlich früher auffallen sollen und ist bei einem Gerät das rund 400€ kostet ein schlechter Scherz.

Software

​Variante: ​Windows 10
Version: ​Home 64-Bit
Bloatware​:​Nein
Root Zugriff:​​-
Updates:​​Ja
Schadsoftware:​​Nein

​Auf dem GPD Pocket läuft Windows 10 Home 64-Bit. Ab Werk war bei unserem Testgerät die englische Sprache aktiv. Deutsch kann manuell über die Einstellungen nachinstalliert werden. Wer Linux bevorzugt, kann sich bei GPD die offiziellen Ubuntu Images herunterladen. Diese basieren auf Ubuntu 16.04 LTS. Wer danach wieder auf Windows zurückkehren will, kann dies mit der bei Microsoft zum Download verfügbaren ISO Datei tun. Der Lizenzkey zur Installation befindet sich in der Verpackung auf einem Sticker. So besteht nicht die Gefahr, dass er durch das Flashen der UEFI Firmware verloren geht. Die ab Werk vorhandene Windows Installation ist sauber. Es gibt also keine Schadsoftware oder Bloatware - mit Ausnahme von dem, was Microsoft mit Windows 10 mitliefert.

Out of the Box hat der GPD Pocket leider mit einem kleinen Problem zu kämpfen. Schickt man das Mini Laptop für längere Zeit in den Standby, kann es passieren, dass es nicht mehr aufwacht. Erst nach Drücken der Power Taste und einiger Wartezeit erscheint dann wieder ein Bild. Leider funktioniert danach das WLAN Modul nicht mehr, bis man das System neu gestartet hat. Dafür gibt es allerdings einen Fix: Man muss in den Energieeinstellungen den "IO Coalescing Timeout" auf 0 setzen. Der Haken an der Sache ist, dass man diese Option erst einmal freischalten muss. Dies geschieht durch das Öffnen des Registry Editors ("regedit" in das Suchfeld in der Taskleiste eingeben). Hier navigiert ihr zum Pfad "HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Power\PowerSettings\2E601130-5351-4d9d-8E04-252966BAD054\C36F0EB4-2988-4a70-8EEE-0884FC2C2433". Hier findet ihr den Eintrag "Attributes". Setzt hier den Wert auf 2. Anschließend  öffnet ihr die erweiterten Energieeinstellungen (Advanced Power Settings) und ändert dann im Energieprofil den eingangs erwähnten IO Coalescing Timeout auf 0. Ab dann wird der GPD Pocket nach dem Aufklappen sofort aufwachen und auch das Problem mit dem WLAN Modul ist verschwunden.

Empfang & Konnektivität

​Bluetooth: ​Bluetooth 4.1
WLAN:​ ​WLAN 802.11a/b/g/n/ac Dual Band

​Im GPD Pocket steckt ein Intel Dual Band AC-WLAN Chip, welcher einen hohen Durchsatz verspricht. Die Empfangsleistung des GPD Pocket bewegt sich im Mittelfeld, ist also nicht schlecht aber auch nicht perfekt. In den äußersten Räumen des Gebäudes (der Router steht in der Mitte) haben wir teils Abbrüche oder einen massiven Bandbreiten-Einbruch festgestellt. In den meisten Räumen war aber eine problemlose Internetnutzung möglich. Enttäuscht hat uns aber die maximal erreichte Datenrate. Durch ein Update der Treibersoftware über den Gerätemanager hat sich diese zwar etwas verbessert, bewegt sich aber trotzdem nicht auf dem zu erwartenden Niveau. In den Netzwerkeinstellungen wird die Verbindung zum WLAN mit einer Geschwindigkeit von über 800Mbit/s ausgewiesen. Bei einem tatsächlichen Test werden jedoch nur maximal 55Mbit/s erreicht (unsere Internetanbindung liefert 200Mbit/s). Um sicher zu gehen, dass die Ergebnisse nicht verfälscht werden, haben wir die Tests an mehreren Tagen durchgeführt und parallel auch andere Geräte getestet, welche mit AC-WLAN deutlich höhere Datenraten erreicht haben. Der Fehler liegt hier also ganz klar am GPD Pocket. Keine Einschränkungen gibt es beim Bluetooth.  Im Test mit einem Headset gab es keine Unterbrechungen und wir konnten und störungsfrei zwei Räume weiter bewegen.

Sprachqualität & Audio

​Der Lautsprecher im GPD Pocket ist gut versteckt, denn er befindet sich direkt unter der Tastatur. Hier kommt also auch der Ton heraus. Das hat den Vorteil, dass der Ton damit schön auf den Nutzer ausgerichtet ist. Der Klang des GPD Pocket hat uns sogar überzeugt. Der Lautsprecher wird ziemlich laut, zeigt aber ab 80% Anzeichen von Verzerrung. Bleibt man jedoch darunter ist der Klang wirklich gut und auch noch ausreichend laut. Sogar eine leichte Basswiedergabe ist wahrzunehmen. Die Qualität reicht völlig aus um mal Abends bequem im Bett einen Film auf Netflix zu streamen. Auch am Kopfhörer Anschluss ist der Klang sehr gut. Der GPD Pocket liefert hier ein kristallklares und sehr lautes Signal an dem wir nichts zu bemängeln haben. Was jedoch enttäuscht ist das interne Mikrofon. Damit angefertigte Aufnahmen klingen sehr dumpf und rauschig. Selbst Cortana, welche mit schlechten Mikrofonen eigentlich recht gut klarkommt, hat hier oftmals Probleme einen zu verstehen.

GPD Pocket Akkulaufzeit

​Kapazität (Angabe): ​7.000mAh
​Kapazität (Gemessen): ​7.081mAh
​Wechselbar:​Potentiell ja, Ersatz jedoch nicht offiziell verfügbar
Fast Charging:​​Ja (Power Delivery)

​Der Akku im GPD Pocket ist laut externer Messung sogar etwas größer als angegeben. Nun klingen 7.000mAh nach viel, sind es aber nicht wirklich. Zumindest im Falle des GPD Pocket. Und ja, das war eine Überraschung, denn man würde durch das kleine Display einen gemäßigten Stromverbrauch erwarten. Tatsächlich sind im Schnitt aber nur 5 Stunden Dauerbetrieb möglich, wobei es ganz darauf ankommt was man macht. Beim Netflix Streamen hält das Gerät auch mal 7 Stunden durch, doch bei regulärer Arbeit mit Office und dem Surfen im Netz sind es dann eher 4 bis maximal 6 Stunden - je nach Displayhelligkeit. So richtig in die Knie geht der Akku beim Spielen oder anderen rechenintensiven Aufgaben. Hier ist nach 1,5 bis 2 Stunden Schluss. Das Aufladen geht leider trotz Power Delivery über USB Typ-C relativ langsam von statten. Rund 4 Stunden benötigt das Laden von 0 auf 100%. Von 20 auf 100% kommt ihr in 3,5 Stunden. Ja, das sind keine schlechten Werte, aber etwas schneller wäre schon praktisch gewesen.

GPD Pocket - Fazit

​Der GPD Pocket kam zu einem Preis von rund 500 US Dollar auf den Markt. Mittlerweile ist der Preis gesunken und man bekommt den GPD Pocket ab umgerechnet 405€. Doch auch das ist noch ein stolzes Sümmchen für ein Gerät, das man in größerer Form (Tablet mit Type Cover) auch im Bereich von 250€ erhält. Ja, der GPD Pocket hat einiges an Entwicklungszeit und Geldern verschlungen. Ja, der GPD Pocket ist ein einzigartiges Gerät. Und nochmal ja, der GPD Pocket kann durchaus nützlich sein, wenn man einen Use Case dafür hat. Aber: Wäre denn wirklich kein leistungsfähigerer Prozessor drin gewesen? Ein Celeron N3450 oder gar ein Core M Chip? Muss es wirklich sein, dass selbst ein solch teures Gerät noch mit den für China Geräte typischen Fehlerteufeln ausgeliefert wird?

Unser Fazit: Der GPD Pocket ist ein sehr teures Vergnügen. Das ist grundsätzlich mal berechtigt, doch die Fehler - wenngleich diese das Gerät nicht unbrauchbar machen - schmälern das Verständnis dafür. Insofern muss man sagen, dass man sich den GPD Pocket keinesfalls als "Nice-To-Have-Gadget" zulegen sollte, sondern wirklich nur, wenn man auch tatsächlich eine Verwendung dafür hat, welche sich mit den Schwachstellen nicht beißt. Alles andere wäre zum Fenster rausgeworfenes Geld. Nichts desto trotz verdient GPD als Unternehmen unsere Anerkennung. Es gibt nicht viele kleine chinesische Unternehmen, welche so etwas auf die Beine stellen können, etwas selbst von Grund auf entwickeln können. Die Meisten greifen heutzutage zu OEM Lösungen. Insofern: Chapeau GPD, aber gebt euch doch bitte nächstes Mal noch etwas mehr Mühe. Dann wären nicht nur Eure Kunden noch glücklicher, ihr hättet es auch einfach derlei Geräte an den Mann und die Frau zu bringen.

Pro Contra
​+ Tolle Verarbeitung (Gehäuse besteht aus sehr dickem Aluminium) ​- Nervige Bugs (Standby Fehler und Lüfter beim Laden)
+​​ Hochwertiges LCD Display mit toller Pixeldichte, voll laminiert mit dem Frontglas-​​ Keine Kamera
+​​ 5-Punkt Touch Screen mit hoher Genauigkeit und kaum Eingabeverzögerung-​​ Kein Micro SD Slot
+​​ Präziser Trackpoint mit wechselbarem Aufsatz (IBM / Lenovo kompatibel)-​​ USB Typ-C Anschluss liefert zu wenig Strom
+​​ Überraschend gute Tastatur mit perfekter Verarbeitung und Mechanik-​​ RAM nur mit 1066MHz getaktet
+​​ Tolle Performance für so ein kleines Laptop-​​ UEFI nicht entsperrt (nur Basis Einstellungen)
+​​ Lüftergeräusch hörbar aber nicht störend (kein Pfeifen), Kühlung funktioniert, kein Thermal Throttling-​ Lüfter Steuerung etwas zu aggressiv
​+ Unterstützung für Ubuntu Linux​- Display zu dunkel für Nutzung im Freien
​+ Überraschend guter Lautsprecher​- Abstand der Anschlüsse zu gering
​+ USB Typ-C Anschluss zum Laden mit Unterstützung für Hubs (HDMI, VGA, Ethernet, USB 3.0, etc.)​- Deutsches Tastaturlayout nicht sinnvoll nutzbar
​+ Sehr kompakte Bauweise, passt tatsächlich in größere Hosentaschen​- WLAN langsamer als es sein sollte