Das Xiaomi MiPad mit 16GB im Test

Das Xiaomi MiPad mit 16GB im Test

Mit dem MiPad hat Xiaomi dieses Jahr das erste Tablet auf Basis des MIUI Custom ROMs auf den Markt gebracht. Das Tablet versucht vor allem durch viel Leistung zu kleinem Preis zu überzeugen.

Beim Xiaomi MiPad handelt es sich um ein recht handliches Tablet. Nur 7,9" misst das Display hier, was vermutlich vor allem den Business Anwendern zu wenig sein dürfte. Platz für Inhalte gibt es aber dennoch ausreichend, denn das Tablet arbeitet mit einer sehr hohen Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln. Für ordentlich Leistung sorgt der Nvidia Tegra K1 Quad Core Prozessor mit 2,2GHz, 4 Rechenkernen und satten 192 GPU Kernen auf Basis der Kepler Architektur. Schon bei der Vorstellung des Chipsatzes in diesem Jahr zeigten sich viele von Nvidia's Grafikdemo beeindruckt, welche demonstrierte was mit dem neuen Chipsatz möglich ist.

Doch wie sieht es letztlich beim MiPad aus? Hält das Tablet was es auf den ersten Blick verspricht, und das vor allem beim niedrigen Preis von nur 255€ inkl. Versand aus China? Diese Frage versuche ich in diesem Review zu beantworten.

Unboxing

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Xiaomi, fehlt es dir langsam an Kreativität? Dieser Gedanke kam mir als erstes als ich den Karton in der Hand hielt. Irgendwie sehen alle Xiaomi Verpackungen gleich aus: Braune Recycling-Pappe, ein Mi Logo und ein Aufkleber mit dürftigen Informationen auf der Rückseite. Nur die Abmessungen variieren zwischen den Unterschiedlichen Geräten. Das wird allmählich nicht nur langweilig, sondern führt auch zu Problemen den richtigen Karton zu finden wenn man mehrere Xiaomi Geräte sein Eigen nennen darf.

Aber gut, das wollen wir dem Unternehmen jetzt mal nicht vorhalten, irgendwas wird man sich dabei schon denken. Also, what's inside? Nun, natürlich das Tablet, und das an oberster Stelle, ganz wie sich das gehört. Nimmt man es dann aus der Verpackung, so erscheint darunter das restliche Zubehör. Viel ist das nicht, aber das ist ja typisch für Xiaomi. Der chinesische Smartphone Gigant macht die Gewinne ja schließlich nicht mit seinen Geräten, sondern über den Verkauf von Zubehör und natürlich Software. Ergo finden wir im Lieferumfang nur ein Netzteil, USB Kabel und natürlich ein bisschen Papier aka Anleitung. Ein Werkzeug zum Öffnen des Micro SD Slots liegt freundlicherweise auch bei.

Design

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Xiaomi wird gerne „the Apple of China" genannt, und das nicht nur wegen gewisser Ähnlichkeiten des Systems. Das Auftreten des Chefs, der Erfolg der Marke, der Hype – all das hat ihnen diesen Ruf „eingebrockt". Wirft man Xiaomi allerdings vor Plagiate zu produzieren, dann ist man bei den Fans schnell unten durch. Mit Recht? Ich wage zu behaupten: Ja! Sicherlich finden sich bei den Xiaomi Geräten die ein oder anderen Parallelen. Doch damit sind die Geräte noch lange keine Klone oder Plagiate. IMHO wird man bei so ziemlich jedem Hersteller etwas finden, das von woanders geliehen wurde. Das Witzige daran ist ja, dass das keinen stört, außer es wurde bei Apple kopiert. Dabei sind die Jungs in Cupertino ja selbst ganz groß im Abkupfern – und das sage ich als Apple User – oho, man hänge ihn!

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Na da komme ich doch gerade vom Thema ab! Nun also zurück zum MiPad. Eine Schönheit aus Polycarbonat und Glas mit einer Frontkamera und satten drei Touch Buttons mit Hintergrundbeleuchtung sowie Status LED auf der Front. Die Kanten schön gerundet mit einer Lautstärkewippe und dem Ein- / Ausschalter an der Seite. Die Rückseite in Hochglanzoptik mit einer kleinen Kamera und Stereolautsprechern an der unteren Kante. Die Verarbeitung astrein ohne scharfe Kanten oder große Spalten. Kurzum: So wie man es sich von einem Tablet wünscht das nicht aus Metall besteht!

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Von Apple keine Spur, außer vielleicht die Umrisse, die Verarbeitungsqualität und bis zu einem gewissen Grad auch das OS. Aber einen gerundeten Umriss und gute Verarbeitung als Abklatsch zu bezeichnen, das geht dann doch zu weit – habe ich Recht oder habe ich Recht? Ach, ihr merkt schon, mir gehen diese Apple Vergleiche die derzeit überall die Runde machen auf den Zeiger.

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Schließen wir das Kapitel also mit folgendem Satz ab: Das Xiaomi MiPad sieht gut aus, ist sehr gut verarbeitet und fühlt sich keineswegs billig an, trotz fehlendem Metall.

Display

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Endlich, meine Gebete wurden erhört! Endlich einmal ein günstiges Tablet aus Fernost mit OGS Panel. So langsam ging mir dieser monströse Spalt zwischen Panel und Glas auf den Sack (man verzeihe mir die Wortwahl). Ich hätte es ja früher ja nie für möglich gehalten, als OGS plötzlich so gehyped wurde, aber es verbessert die Bildqualität wirklich signifikant und steigert auch die Ablesbarkeit im Freien. Da ist es kein Wunder, dass mir das Display vom Xiaomi MiPad wirklich enorm gut gefällt.

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7,9" sind wirklich etwas klein, zum Arbeiten eignet sich das Tab daher nur bedingt. Aber für alles andere ist es definitiv Bombe. Die Farbwiedergabe ist top, dank der hohen Auflösung sehen Schrift und Bilder gestochen scharf aus und auch die Leuchtkraft ist für ein Tablet Display enorm. Der Benutzung im Freien steht damit nichts im Wege. Die Blickwinkel sind wie nicht anders zu erwarten ebenfalls exzellent.

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Beim Digitizer geht der Spaß dann auch gleich weiter. Enorm präzise und nahezu ohne Input Lag erkennt dieser Eingaben und Bewegungen. Das Material ist noch dazu sehr rutschig, was definitiv ein Plus ist. Wirbt Xiaomi eigentlich mit einer „Anti-Fingerabdruck-Beschichtung"? Mir ist bisher nichts dergleichen unter gekommen, kommt es aber so vor als ob das Dingen nicht so recht beschmutzt werden will. Ich als „Dauerpolierer" bei Tabs musste bis dato noch nicht zur allseits beliebten Mikrofaser greifen.

Hardware & Software

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Das Xiaomi MiPad kommt mit einer Nvidia Tegra K1 CPU daher. Es handelt sich hier um die Quad Core Variante mit 2,2GHz und 192 Kepler GPU Kernen. Dem Prozessor stehen 2GB RAM zur Verfügung. Es gibt Modelle mit 16GB und 64GB internem Speicher. Beide unterstützen zusätzlich Micro SD Karten mit bis zu 128GB Speicherplatz. Da geht dann wirklich einiges drauf, wenn man die Möglichkeiten voll ausnützt. Mir liegt hier die 16GB Version des Tablets vor.

Bevor es mit der Bewertung weiter geht will ich zunächst einmal die Bedürfnisse der Benchmark Fetischisten befriedigen. Im Antutu Benchmark kommt das Xiaomi MiPad auf satte 41.180 Punkte – und glaubt mir wenn ich sage, dass diese Punktzahl echt ist. Gewisse andere Chipsätze erreichen zwar höhere Punktzahlen, bei der Systemperformance merkt man davon aber letztlich nichts. In 3DMark liegt das Tablet bei 23.525 Punkten im Unlimited Test, die anderen Tests zeigen wie nicht anders zu erwarten ist „Maxed Out“ an. In GFX Bench zeigt sich dann das erste mal was die 192 Kepler Kerne können. Sämtliche Tests liefen hier butterweich, was der Snapdragon 801 z.B. im Manhattan Test nicht schafft. In FPS: 27,5 im Manhattan und 56 im T-Rex Test! Im Vellamo Browser Test gab es für das MiPad 2.886 Punkte, im Multicore Test 2.361 Punkte und im Metal Test 1.762 Punkte. Und weil es so schön ist: Im Anomaly2 Benchmark wurden fast 1,3 Millionen Punkte erreicht. Das muss dem Gerät erstmal jemand nachmachen.

Doch wie schlägt sich das schnieke Teil im Praxiseinsatz? Nun, eines muss man Xiaomi lassen: Sie haben es wirklich geschafft MIUI perfekt auf ein Tablet zu portieren. Dennoch bleibt es aber MIUI und man wird sich kaum umgewöhnen müssen, wenn man zuvor schon einmal die ROM oder ein Xiaomi Smartphone in den Händen hatte. Die Performance im System und einzelnen Apps ist bombe und lässt wirklich keine Wünsche offen. Nur ab und an gibt es noch so kleine Stellen wo noch Optimierung nötig ist. Dazu zählt der Standard Browser, welcher noch zu schnell ins Stocken kommt. Google Chrome schafft hier aber schnell Abhilfe.

Es gibt dann aber doch noch die ein oder andere Stelle die mir den Schaum in die Mundwinkel treibt, allen voran die Settings App. Diese ist in der aktuellen Version so dermaßen unstabil, dass sie mitunter das gesamte System zum Absturz bringt. Noch dazu muss am RAM Management gefeilt werden, denn die 2GB reichen oft nicht aus, was Multitasking zu einem Ding der Unmöglichkeit macht. Nicht schön! Und dann wäre da noch der Oberhammer: Updates können nur mit einem Xiaomi Account per OTA durchgeführt werden. Hallo? Geht’s noch?!

Empfang & Audio

Beim Empfang kann ich mich kurz halten, denn hier gibt es bei einem Tablet ohne 3G und GPS ja nicht sonderlich viel zu erzählen. WLAN – das Wichtigste – funktioniert am MiPad einwandfrei. Endlich mal wieder ein Tab das im ganzen Haus nicht das geringste Problem hat ein stabiles Signal zu empfangen! Und Bluetooth? Auch hier wird nahezu das gesamte Haus abgedeckt, was angesichts der Tatsache, dass Bluetooth eigentlich nur durch maximal zwei Wände funktionieren sollte doch sehr beeindruckend ist.

Nun zur Qualität von Audio. Kenner wissen: Bei China Tabs ist das fast immer ein Thema mit hohem Enttäuschungsfaktor. Nicht so beim MiPad. Zwar dürften die internen Lautsprecher noch etwas Bass lastiger sein, aber laut und klar sind sie. Und mit laut meine ich wirklich laut. Vorbei die Zeiten als man sein Tablet ans Ohr halten musste um was zu hören (ja ich übertreibe). Wer richtig fetten Sound haben will, der sollte dann aber zum Kabel oder Kopfhörer greifen. Hier zeigt sich das MiPad von seiner besten Seite mit störungsfreiem, kraftvollem und ausgewogenem Klang. Mehr davon!

Kamera

Das Xiaomi MiPad ist mit zwei Kameras mit jeweils 8 Megapixeln und Sony Sensor ausgestattet. Sony steht bekanntlich für mit die besten mobilen Kamerasensoren, doch davon merkt man beim MiPad leider nicht so viel. Für den schnellen Schnappschuss allemal ausreichend und bei Gott besser als bei vielen anderen China Tabs, aber bei weitem nichts mit dem man seine Urlaubsbilder machen will. Die Bilder sagen alles was es sonst noch zu sagen gibt.

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Akku

Das MiPad verfügt über einen fest verbauten 6.700mAh Akku. Das ist definitiv reichlich für ein Tablet mit nur 7,9“ Bildschirmdiagonale. Fakt ist aber auch, dass der K1 so viel Kapazität benötigt. Ein kleinerer Akku wäre wegen des Energiehungers definitiv fatal gewesen. So schlägt sich das MiPad aber einwandfrei. Ich habe versucht das Teil zum Artikel schreiben und Emails verwalten zu verwenden und auch am Abend das ein oder andere YouTube Video angesehen. Dabei hielt das MiPad volle zwei Tage durch, musste dann am Abend aber meistens mit 18 bis 24% Restladung ans Netz. Beim Spielen nuckelt man das Teil aber auch gerne mal in 3 Stunden leer. Das Aufladen geht aber erstaunlich schnell von statten. Mit meinem 2A Ladegerät dauert das grob geschätzte 2 bis 2,5 Stunden.

Fazit

Das Xiaomi MiPad ist definitiv ein grundsolides Tablet mit reichlich Akkulaufzeit und Leistung für jeden der es gerne etwas handlicher mag und nicht so viel Wert darauf legt, ob ein Tablet nun für den produktiven Einsatz geeignet ist oder nicht. Man kann zwar durchaus damit arbeiten – allerdings nicht sehr effizient. Was bei Android Tablets generell ein Problem ist, wird durch das kleine Display nur verschlimmert. Wer allerdings ein Gerät zum Surfen, für Multimedia und natürlich für Spiele sucht, der ist hier bestens bedient, vor allem für den geringen Preis von 255€. Die Kinderkrankheiten der Software sollten spätestens mit MIUI V6 behoben werden.

Danke an Tradingshenzhen für das Testgerät!

 

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