Bluboo S1 Kurz Test

Das Bluboo S1 ist ein weiteres der so genannten Tri "Bezel Less" Smartphones, welche dem Design des Xiaomi Mi Mix ähneln. Das fehlen des oberen breiten Randes am Display soll die Größe des Smartphones effektiv reduzieren. Auf dem Papier verspricht das Bluboo S1 einiges: Einen Helio P25 Prozessor, 4GB LPDDR4X RAM, 64GB Speicher, eine Dual Kamera, einen 3.500mAh Akku und ein edles Design aus Metall und Glas. Preislich bewegt sich das Bluboo S1 mit rund 170€ auf dem Niveau vom Doogee Mix und dem Maze Alpha, welche eine ähnliche (teils bessere) Ausstattung bieten und schon länger am Mark vertreten sind.

Wir haben das Bluboo S1 nun seit ein paar Tagen hier liegen und haben uns heute dafür entschieden, keinen ausführlichen Testbericht anzufertigen. Der Grund dafür ist schlicht und einfach, dass uns dafür die Zeit zu schade ist. Das Bluboo S1 enttäuscht nämlich auf ganzer Linie und uns tun die Vorbesteller des Smartphones wirklich leid. In diesem Sinne gleich vorweg: Sollte eure Bestellung noch nicht versandt worden sein, versucht sie zu stornieren. Im folgenden wollen wir einmal kurz und knapp auf die Punkte eingehen, weshalb das Bluboo S1 euer Geld nicht Wert ist.

Kein Kopfhörer Port

Zugegeben: Das ist nun das kleinere Übel. Immerhin ist dieser Umstand bereits vor dem Verkaufsstart hinreichend bekannt gewesen. Trotzdem verstehen wir nicht, warum sich Bluboo gegen den klassischen 3,5mm Anschluss entschieden hat. Das Smartphone ist weder wasserdicht nich besonders dünn. Man hat hier einfach mal wieder ein nutzloses Pseudo Feature umgesetzt, nur weil es die Großen ja auch tun. Einen Mehrwert hat man dadurch nicht. Das Bluboo S1 klingt mit 3,5mm Adapter genauso wie jedes andere Smartphone mit nativem 3,5mm Anschluss auch. Auch mit Typ-C Kopfhörern ist kein Unterscheid wahrzunehmen. Dafür muss man den Adapter immer mit sich herumtragen und wohl auch regelmäßig neu kaufen, denn basierend auf bisherigen Erfahrungen mit diesen Adaptern, halten diese nie lange durch.

Schlechte Verarbeitung

Das Bluboo S1 sieht aus einer gewissen Entfernung ganz schick aus, doch bei genauer Betrachtung wirkt es billig. Vor allem dann, wenn man es in die Hand nimmt. Der Rahmen um das Smartphone scheint zwar aus Metall zu bestehen, doch die glänzende Lackierung lässt ihn aussehen wie billiges Plastik. Und die Haptik unterstreicht diesen Eindruck noch einmal deutlich. Das geringe Gewicht trägt nochmal dazu bei - wenngleich ein geringes Gewicht natürlich auch seine positiven Seiten haben kann.

Doch damit nicht genug. Das Gerät ist alles andere als Stabil. Mit nur wenig Kraftaufwand lässt sich das Bluboo S1 durchbiegen, und das hat folgen. Schon bei geringem Druck auf die Front - egal an welcher Stelle - sieht man Komponenten von hinten auf das LCD Panel drücken. An diesen Stellen entsteht dann dieses typische flirren, dass jeder kennt, der schon einmal mit dem Finger auf ein ungeschütztes LCD Display gedrückt hat. Das Problem dabei ist, dass sich dadurch mit der Zeit die Folien verformen, welche das Licht der Beleuchtung gleichmäßig verteilen. Das Resultat sich dann unschöne Lichthöfe, welche das Bluboo S1 unvermeidbar nach einer gewissen Nutzungsdauer zeigen wird. Wer schon länger Chinahandys nutzt, der wird dieses leidige Problem noch aus den Jahren 2014 und 2015 Kennen, wo dieses noch sehr verbreitet war.

LPDDR3 statt LPDDR4X RAM

Während sämtliche Konkurrenzprodukte auf den vom Helio P25 unterstützten LPDDR4X RAM setzen und damit den beworbenen Spezifikationen treu werden, sieht das beim Bluboo S1 ganz anders aus. Hier wird nur LPDDR3 RAM verbaut - und noch dazu recht langsamer Speicher. Dies wird deutlich, wenn man entsprechende Benchmarks ausführt. Im Schnitt werden hier nur 3,91GB/s Durchsatz erreicht. Damit liegt das Bluboo S1 gut 50% hinter dem, was die Konkurrenz erreicht. 

Kein Lichtsensor im Bluboo S1

​Richtig gelesen! Das Bluboo S1 hat keinen Lichtsensor an Bord. Ein elementares Feature heutiger Smartphones, welches sogar billige 50 Dollar China Smartphones bieten, fehlt beim Bluboo S1 einfach so. Daraus resultiert, dass es keine automatische Regelung der Displayhelligkeit gibt. Das mag nun für manche nach einem verschmerzbaren Problem klingen, doch wer im Alltag ständig manuell die Helligkeit regeln muss, wird schnell bemerken, dass dies nicht praktikabel ist und die Helligkeit dann immer auf 100% belassen. Was das für die Akkulaufzeit bedeutet, müssen wir euch nicht weiter erklären.

Apropos Akku...

... auch hier gibt es massig Raum für Kritik. Beworben wird das Bluboo S1 mit einem 3.500mAh Akku. Doch davon merkt man seltsamerweise gar nichts. Beim Spielen ist der Akku je nach Displayhelligkeit nach 1,5 - 2 Stunden leer. Das hat uns stutzig gemacht, weshalb wir das Bluboo S1 einmal auf 0% entladen und dann mit dem Amperemeter dazwischen komplett aufgeladen haben. Das Resultat war 2.400mAh. Und selbst wenn man nun von einer großzügigen Fertigungstoleranz ausgeht und dann noch die Ungenauigkeit des Messverfahrens berücksichtigt, ist eine derartige Abweichung einfach zu viel. Der Akku ist kleiner als beworben - die Laufzeit deshalb Mist.

Butterglas

Butterglas? Naja, beschreibt das was Bluboo da verbaut hat eben am besten. Das Glas auf beiden Seiten verkratzt enorm leicht. Einmal in der Hosentasche transportiert, einmal über einen Holztisch geschoben - schon war es passiert. Nach sporadischer Nutzung über zwei Tage hinweg (keine Alltagsnutzung!) zeigen sich bereits auf beiden Seiten deutliche Kratzer. Wer das Bluboo S1 ohne Schutzfolie und Bumper nutzt, wird also binnen kürzester Zeit ein Smartphone haben das aussieht, als wäre es mit Sandpapier bearbeitet worden.

Und dann wäre da noch die Kamera.

Nicht einmal hier kann das Bluboo S1 überzeugen, nachdem der Hersteller sie mit großen Tönen und vielen Fake Beispielbildern beworben hat. Die Dynamik ist zum Davonlaufen, Details und Schärfe sucht man vergebens - selbst bei Nahaufnahmen. Bei Videos spielt der Fokus verrückt und die Qualität überzeugt nicht.

Fazit:

Das Bluboo S1 ist auf dem Papier vielversprechend, überzeugt in der Realität jedoch überhaupt nicht. Hier wurde so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Nein, das Bluboo S1 ist sicherlich nicht das schlechteste Phone des Jahres. Nichts desto trotz ist es sein Geld nicht wert und es gibt es auch keinen Grund dem Bluboo S1 nachzutrauern. Es gibt für das gleiche oder wenig mehr Geld deutlich bessere Smartphones aus China. Zu nennen sind da das Maze Alpha, das Elephone P8, diverse Meizu, Xiaomi und LeEco Geräte - ja sogar das Doogee Mix.