Von ChinaMobileMag auf Samstag, 04. April 2026
Kategorie: News

Xiaomi nennt Speicher Mehrkosten, Preiserhöhungen für einige Handys in China

Der weltweite Halbleitermarkt für Speicher steht ja bekanntlich seit einer Weile vor einer Zerreißprobe, die auch direkte Auswirkungen auf die Endkundenpreise hat. Xiaomi Präsident Lu Weibing hat sich auf der chinesischen Plattform Weibo ungewöhnlich detailliert zur aktuellen Kostensituation geäußert. Der chinesische Hersteller sieht sich aufgrund massiv gestiegener Preise für Speicherbausteine gezwungen, die Verkaufspreise für mehrere Modelle der Tochtermarke Redmi anzuheben. Diese Transparenz ist in der Branche selten und verdeutlicht den enormen Druck, unter dem Smartphone Hersteller derzeit stehen.

Massive Kostensteigerung bei DRAM und NAND Flash

Laut den Ausführungen von Lu Weibing haben sich die Preise für Speicherkomponenten im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres nahezu vervierfacht. Besonders drastisch verdeutlicht er dies an einem Beispiel aus der Produktion: Die Kombination aus 12GB Arbeitsspeicher und 512GB internem Speicher kostet Xiaomi im Einkauf aktuell etwa 1500 Yuan mehr als noch vor einem Jahr. Das entspricht einer Kostensteigerung von rund 190 Euro pro Gerät, allein für diese beiden Komponenten. Bei High End Konfigurationen mit 16GB RAM und 1TB Speicher soll der Preissprung laut dem Xiaomi Präsidenten noch deutlicher ausfallen, wobei er hier keine konkreten Summen nannte.

Diese Entwicklung trifft insbesondere die Marke Redmi hart, die sich über ein aggressives Preis-Leistungs-Verhältnis definiert. Da die Margen in diesem Segment ohnehin sehr knapp kalkuliert sind, lassen sich solche Mehrkosten kaum intern auffangen. Xiaomi meldete bereits für das vierte Quartal 2025 einen Rückgang der Bruttomarge im Smartphone Bereich auf 8,3% nach 12% im Vorjahreszeitraum.

Als direkte Reaktion auf die Marktlage hat Xiaomi offizielle Preiserhöhungen für den chinesischen Markt angekündigt, die ab dem 11. April 2026 in Kraft treten. Betroffen ist primär das aktuelle Flaggschiff der Tochtermarke, das Redmi K90 Pro Max (bei uns als Poco F8 Ultra erhältlich). Dessen Listenpreis wird um 200 Yuan (ca. 26 Euro) angehoben. Bei der Redmi Turbo 5 Serie verfolgt der Hersteller eine etwas andere Strategie: Hier werden bestehende Aktionsrabatte wie der Neujahrsbonus gestrichen, was einer Rückkehr zur unverbindlichen Preisempfehlung entspricht. Lediglich für die 512GB Variante gewährt Xiaomi weiterhin einen Rabatt von 200 Yuan, um den Anreiz für größere Speicherkapazitäten aufrechtzuerhalten.

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Der Einfluss des KI Booms auf den Speichermarkt

Die Ursachen für diese Speicherkrise sind vielschichtig, finden ihren Ursprung jedoch primär im anhaltenden Boom der Künstlichen Intelligenz. Große Cloud Anbieter und Unternehmen wie OpenAI benötigen enorme Mengen an High Bandwidth Memory (HBM) für ihre Serverfarmen und KI Trainingszentren. Die großen Speicherproduzenten haben daraufhin ihre Produktionskapazitäten massiv in Richtung dieser lukrativen Enterprise Segmente verschoben. Dies führt zu einer Verknappung von klassischem LPDDR Arbeitsspeicher und UFS Speichermodulen für den Consumer Markt.

Analysten von TrendForce stützen die Aussagen von Lu Weibing mit aktuellen Marktdaten. Für das zweite Quartal 2026 wird ein Anstieg der Vertragspreise für DRAM um bis zu 63% und für NAND Flash um bis zu 75% prognostiziert. Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Situation erst 2028 entspannen könnte, während pessimistischere Stimmen eine Knappheit bis zum Ende des Jahrzehnts befürchten. Neben der hohen Nachfrage treiben auch gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik die Preise in der gesamten Halbleiterlieferkette nach oben.

Ob und wann diese Preiserhöhungen auch Europa erreichen, ist derzeit noch unklar. Xiaomi und andere chinesische Hersteller wie Oppo oder Vivo, die ebenfalls Preisanpassungen angekündigt haben, starten auf dem europäischen Markt traditionell mit deutlich höheren Preisen als in ihrem Heimatland. Diese größere Marge dient oft als Puffer für Währungsschwankungen und logistische sowie regulatorische Mehrkosten. Sollte die Speicherkrise jedoch wie prognostiziert anhalten, dürften auch die Preise für kommende Modelle in Deutschland und ganz Europa spürbar steigen.

Lu Weibing stellte zwar in Aussicht, dass Xiaomi die Preise wieder senken werde, sobald sich der Speichermarkt stabilisiert, doch angesichts der aktuellen Prognosen dürfte dies in absehbarer Zeit nicht der Fall sein. Für Kunden bedeutet dies, dass die Zeiten von extrem günstigen Smartphones mit großen Speicherkapazitäten vorerst vorbei sein könnten. Wer aktuell ein Gerät mit 512GB oder 1TB Speicher benötigt, sollte die Marktentwicklung genau beobachten, da schleichende Preisanpassungen ohne große Ankündigung auch bei anderen Herstellern wie Samsung oder Google zu erwarten sind.

Wie reagiert ihr auf steigende Kosten bei Smartphones? Werdet ihr Neuanschaffungen nach hinten verschieben oder in den sauren Apfel beißen und trotzdem weiter neue Modelle kaufen? Schreibt eure Sicht auf die Dinge gerne mal unten in die Kommentare.

Quelle(n): Lu Weibing (Weibo) | South China Morning Post

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