So nicht, liebe Freunde aus dem fernen Osten!

Am heutigen Abend möchte ich zum Abschluss des Tages noch einmal ein ganz anderes Thema anreisen. Es geht um Grundsätze. Genauer gesagt um Grundsätze der Bloggerei, Tech-Blogging insbesonders. Es geht darum, wie die Marketingabteilungen von Herstellern versuchen, Blogs zu ihrem Vorteil zu manipulieren. Klingt interessant? Dann solltet ihr definitiv mal weiter lesen, denn ich gebe euch hier einen wichtigen Einblick in meinen Alltag.

Verdammt nochmal, wenn ich so auf die Anfänge dieser Seite zurückblicke und damit vergleiche, wo wir heute stehen. Einiges hat sich da getan! Als ich im Frühling 2013 ChinaMobileMag ins Leben gerufen habe - Neuzugänge wundern sich, aber ja, das war früher der Name - steckte ich viel Zeit und vor allem auch Geld in das Projekt. Finanziert wurde der Start komplett mit Eigenkapital, und glaubt mir, das kostet einiges an Geld, vor allem wenn man Lesern einen Mehrwert bieten will. Das bedeutet natürlich das Besorgen von möglichst vielen Testgeräten - und dann kam der Erfolg. Mittlerweile wurde aus ChinaMobileMag GizChina Deutschland, und die Zeiten in denen das noch ein Hobby-Projekt war sind auch vorbei. Mittlerweile müssen auch nicht mehr alle Testgeräte mit Eigenkapital finanziert werden, denn die meisten Hersteller aus China stellen die Gerätschaften gratis zur Verfügung - und genau das bringt mich zum Zielthema!

Als Blogger der mit Sponsoren zusammenarbeitet, befindet man sich unweigerlich in einer verzwickten Situation. Zumindest, wenn man sich als Solcher noch nicht so ganz über seine Motive im klaren ist. Will man sich nun auf Seite der Leser oder auf Seite der Sponsoren bewegen? Ganz klar: Sponsoren schicken Testgeräte an Blogger nicht zum Spaß. Hier geht es um Marketing, darum die Verkaufszahlen anzukurbeln. Das ganze funktioniert nach dem Prinzip "eine Hand wäscht die Andere", und das ist auch legitim, sofern alles mit rechten Dingen zugeht. Im Idealfall profitieren dann drei Parteien davon: Der Tester, der Sponsor, und natürlich ihr als Leser. Doch das ganze hat einen Haken, welcher sich nicht zwingend, aber unter Umständen zu einem entscheidenden Nachteil entwickeln kann: Die menschliche Gier. Nicht jeder Blogger wird es schaffen, sich auf Dauer gegen die Sponsoren durchzusetzen. Denn diese versuchen Druck auszuüben. In den Marketing Abteilungen weiß man ganz genau: Zu einem gewissen Teil sind Blogger von Sponsoren abhängig. Genau aus diesem Grunde wollen es sich viele mit diesen auch nicht verscherzen. Und genau das kann man zum Nachteil der Leser ausnutzen.

Bevor ich euch sage wie, bin jetzt mal ganz offen mit euch und sage, auf die Gefahr hin eingebildet zu klingen, dass ich stolz auf das Team hier, aber auch auf mich bin. Obwohl wir mittlerweile 80% der Testgeräte kostenlos bekommen, haben wir es hier geschafft unabhängig zu bleiben was das Resultat der mit den Samples angefertigten Testberichte betrifft - und das wird auch so bleiben. Wir lassen uns nicht von irgendwelchen externen Marketing-Leuten die Arbeit verpfuschen. Ist hier mit einem Gerät etwas faul, dann wird das auch verdammt nochmal an den Pranger gestellt, und nicht verschwiegen. Denn wem würde es nützen? Uns temporär? Eventuell. Dem Leser? Mit Sicherheit nicht. Auf Dauer würde das zu Vertrauensverlust führen und Vertrauen ist einer der Kernbausteine, welche diesen Blog antreiben, denn hättet ihr kein Vertrauen, dann würdet ihr euch wohl kaum die Testberichte hier geben. Diese Problematik betrifft übrigens nicht nur kleinere Blogs, sondern auch große Publikationen. Davon könnt ihr euch bei den Kollegen von Mobilegeeks ein Bild machen, welche zu dem Thema zwei interessante Artikel parat haben (hier und hier).

Wer sich nun so langsam zu wundern beginnt, warum ich diesen Artikel hier verfasst habe und mit Gedanken um mich werfe, welche man eigentlich nur selten außerhalb der vier Wände eines Unternehmens zu hören bekommt, dem erkläre ich das genau jetzt. Der Grund ist ganz einfach, dass mir gestern Morgen die Hutschnur geplatzt ist. Vor kurzem habe ich ja das Doogee F1 testen dürfen und dabei so einige Mängel ans Tageslicht gebracht. Genau das hat der PR Abteilung von Doogee nicht so recht gepasst. Freundlich aber bestimmt wurde mir via Skype mitgeteilt, dass das Review den Verkaufszahlen schadet und ich doch bitte die negativen Punkte einfach löschen sollte. Hallo? Geht es noch?! Ganz ehrlich, bei so einer Aufforderung kommt mir das Kotzen. Soll ich meine Leser anlügen, nur weil es Hersteller X aus China mal wieder nicht auf die Reihe bekommen hat, bestehende Fehler zu erkennen und vor dem Release zu beseitigen? Mit Sicherheit nicht! Man könnte fast meinen, die Probleme würden nicht mehr existieren, nachdem sie von keinem mehr erwähnt werden. Solche Aufforderungen empfinde ich persönlich als eine bodenlose Frechheit, ja sogar als Beleidigung. Egal wie groß der Hersteller auch sein mag, ich werde mich doch nicht irgend einem PR Heini beugen, und dafür meine Leser belügen, welche mir vertrauen und eventuell sogar aufgrund meines Reviews ihr sauer verdientes Geld für ein Gerät ausgeben. Lieber riskiere ich da eine Partnerschaft und kaufe mir etwaige Testgeräte dann selber, denn letztendlich ist es die Leidenschaft für die Sache, warum ich das alles hier mache und nicht das Geld.

Wichtig ist mir auch, dass ihr versteht, dass ich mit diesem Artikel keineswegs bezwecke, Doogee zu diskreditieren oder an den Pranger zu stellen. Ich wollte einfach nur auf eine sehr wichtige Problematik aufmerksam machen. Es gibt möglicherweise Blogger da draußen, welche solch einer Aufforderung kommentarlos nachkommen würden - und genau das solltet ihr wissen.