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Rant: OnePlus macht sich die Welt, wie es ihnen gefällt

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​Tun sie? Ja, leider. Die Hintergründe dazu gibt es hier. Vornehmlich geht es um das Punktesystem und dessen Erstattungsoptionen, sowie um die eigentliche Rechnungsstellung beim Kauf eines Smartphones und beim Kauf von Accessoires. Da wir in der Vergangenheit selbst eifrige Käufer der OnePlus Smartphones und einiger OnePlus Gimmicks waren, schreiben wir hier nicht nur aus der Sicht anderer Erfahrungen, sondern über unsere Eigenen.

Doch was war geschehen? OnePlus bietet seinen Kunden ein sogenanntes Empfehlungsprogramm (Referral) an. Das ist nicht neu und wird von vielen anderen Herstellern und Händlern ähnlich gehandhabt. Ziel ist es den Kunden stärker zu binden, da dieser auf Grund des Empfehlungsmarketings gebunden bleibt, Punkte sammeln kann und diese dann letztlich in Gutscheine (Voucher), beim Kauf von OnePlus Zubehör und anderen Produkten einsetzen kann. Für 7.000 Punkte gibt es zum Beispiel das aktuelle OnePlus Flaggschiff. Ein Betrag also, den viele nicht erreichen können. Doch keine Sorge, es gibt auch günstigere Gutscheine. Für 1000 Punkte kann man sich z.B. einen 100€ Gutschein holen. Laut Bezeichnung soll der Gutschein dann für „Accessories & Gear" gültig sein. Accessories ist Zubehör, klar. Gear dagegen kann vieles sein – die englische Sprache ist da nicht sehr präzise. Wovon geht man also aus? Richtig, der Rest des OnePlus Angebots muss gemeint sein. Immerhin wird man auch hier erst auf „Accessories & Gear" hingewiesen, also nach Abschluss des Tausches seiner Punkte und nicht schon vorher durch beispielsweise AGB. Das böse Erwachen folgte dann prompt nach dem Umwandeln der Punkte in einen Gutschein und dem Versuch diesen einzulösen. Beim Bestellversuch eines OnePlus 6 konnte der Gutschein nicht eingelöst werden. Wie sich nach einem Gespräch mit OnePlus herausstellte, ist der Gutschein nur für Zubehör und Dinge wie T-Shirts und Rucksäcke gedacht.

Doch wo liegt nun das Problem? Nun, das Problem ist eine Summe aus verschiedenen Faktoren und liegt unter anderem daran, dass dieser Umstand zu keinem Zeitpunkt für den Kunden ersichtlich wird. OnePlus listet zum jetzigen Zeitpunkt an keiner einzigen Stelle auf, für welche Kategorien und Produkte die mit Bonuspunkten gekauften Gutscheine gelten. Vergessen wir nicht, dass ein Gutschein nach §807 BGB ein sogenanntes Inhaberpapier ist und eben jenen Wert besitzt, der auf diesem aufgedruckt ist. Es wäre nun also nicht verwunderlich, wenn diese Auflistung erst in den AGB auftaucht und nicht schon vor bzw. während der Tauschaktion. Doch auch in den AGB findet man keinen einzigen Hinweis darauf, welche Regeln für die Gutscheine gelten.

Um Punkte einzulösen, besucht der OnePlus Besitzer dann einfach die Empfehlungsseite. Der OnePlus Besitzer kann seine Empfehlungspunkte für Gutscheine, OnePlus Zubehör und andere Produkte einsetzen.

Auszug OnePlus Referral AGB Stand 30. Mai 2017
  • Only one coupon can be used per order. Multiple voucher codes cannot be applied to the same purchase.
  • The difference in value between your coupon and your purchase cannot be redeemed for cash.
  • Should you refund your purchase, you will not be able to reuse your coupon.
Komplette OnePlus Voucher AGB Stand 30. Mai 2018

Unten findet ihr noch PDF Backups der jeweiligen AGBs und Seiten mit den Regeln. Dort könnt ihr euch selbst davon überzeugen, dass OnePlus an keiner Stelle erwähnt, welchen Gültigkeitsbereich die Gutscheine haben.

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Alleine die beiden Wörter „andere Produkte" implizieren nicht nur jenes Zubehör & Gear im Allgemeinen, sondern folglich auch andere Produkte wie beispielsweise ein Smartphone. Hinzu kommt, dass die Umwandlung in Gutscheine, wie oben erwähnt, nicht ausdrücklich den Smartphone-Kauf ausschließt.

Der OnePlus Support beruft sich also auf die AGB. Diese enthalten die genannten Regelungen jedoch nicht. Auch nach mehrmaliger Aufforderung uns den entsprechenden Passus zu zeigen oder zu zitieren, konnte der Support dies nicht tun. OnePlus wirft also mündlich irgendwelche Regeln in den Raum und beruft sich auf seine AGB, obwohl diese dort überhaupt nicht existieren.

Was dem Fass allerdings den Boden ausschlägt ist, dass man anschließend, nachdem man das böse Erwachen hatte, keine Möglichkeit hat, seine Punkte zurückzubekommen um weiter zu sammeln. Der OnePlus Support weigert sich vehement, obwohl der Rücktausch nicht ausgeschlossen wird. Darf OnePlus übrigens rechtlich betrachtet auch gar nicht, denn dem Kunde muss beim Erwerb eines Online-Gutscheins ein 14-tägiges Widerrufsrecht nach Fernabsatzgesetz eingeräumt werden. Das gilt auch für Punkte als Währung, sofern diese einen reellen Gegenwert haben, was hier definitiv der Fall ist. Man kann das also durchaus als Betrug ansehen. In unserem Fall geht es um einen Gutscheinwert in Höhe von 100€. Der Gutschein selbst ist rechtlich eine Währung in Höhe von 100€. In den Gutschein-AGB (Voucher-AGB) wird zwar explizit darauf hingewiesen, dass einmal umgewandeltes und eingesetztes(!) Guthaben nicht erstattet werden kann, dies bezieht sich jedoch auf den Kauf eines Produktes und nicht auf den mit Punkte gekauften Gutschein an sich.

Beispiel: Der Gutschein hat einen Wert von 50€ und die Kaufsache ihrerseits nur einen Wert von 30€, so erhält der Käufer die 20€ Rest nicht erstattet und der einmalige Gutscheincode erlischt. Hier steht eben nichts davon, dass der Gutschein in Gänze nicht zurückgetauscht werden kann. Schließlich ist der Voucher-Code noch existent und unangetastet.

Nach etlichem Hin- und Her via Chat kamen wir uns dann ein wenig veralbert vor. Zu Beginn hatte man uns völlig unsinnige Antworten, die vorbei am Thema gehen gegeben und anschließend beruft man sich auf angebliche Passagen der AGB, welche überhaupt nicht existent sind. Und wir waren am Ende beim Status Quo: Der Gutschein kann nicht eingelöst werden (wir brauchen kein Zubehör!) und die Punkte lassen sich nicht mehr erstatten. Die Krönung war übrigens folgende Aussage des Supports, als wir direkt auf die Unstimmigkeiten zwischen AGB und den Aussagen hingewiesen haben: ​

„Es tut mir leid, aber die angegebenen Rabatte sind nur für Zubehör und Ausrüstung verfügbar. Diese Informationen stammen von OnePlus. Wenn Sie diese Informationen nicht finden, bedeutet das nicht, dass wir versuchen Sie zu betrügen. Bitte haben Sie Verständnis, dass dies nicht möglich ist."

nach OnePlus Support

Ein sehr interessantes Weltbild, welches der Herr da an den Tag legt. Uns würde ja mal interessieren, ob der Herr sich nicht doch auch betrogen fühlen würde, wenn man ihm eine Truhe verkauft und diese am Ende nicht nutzbar ist, weil der Schlüssel nicht im Lieferumfang enthalten ist und der Verkäufer anschließend auf eine nicht existierende AGB verweist, aus der man den Umstand angeblich hätte entnehmen können und der man zugestimmt habe.

Halten wir also fest:

Punkt 1: Die laut Aussagen von OnePlus existierenden Regeln decken sich mit keinem Punkt der AGBs und werden auch sonst nirgendwo erwähnt.

Punkt 2: Wenn „wir" die Informationen nicht finden, dann auch kein normaler Kunde. Zumal wir beide AGBs und weitere Regelungen im Original vorliegen haben.

Punkt 3: OnePlus verschafft sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil, und zwar dadurch, dass viele Werbende, die sich davon Rabattierungen erhoffen, natürlich auch viele neue Kunden einbringen. Blöd nur, wenn der Werbende dann letztlich dumm aus der Wäsche schaut, weil OnePlus eben oben beschriebene Masche beim Eintausch der Punkte fährt. Hier wird die erbrachte Leistung nicht wie versprochen vergütet respektive ist die gegebene Vergütung unter Umständen nutzlos. 

Punkt 4: OnePlus verweigert das 14-tägige Widerrufsrecht. Das BGB steht immer über den AGB. Und selbst diese schließen den Rücktausch nicht einmal aus. Ja, OnePlus ist ein chinesisches Unternehmen. Dennoch sind sie in der EU und auch in Deutschland tätig. Damit haben sie sich auch an geltendes Recht zu halten (Beispiel Fernabsatzrecht).

​Apropos Recht...

Es gibt da bei OnePlus noch einige andere Unstimmigkeiten. Mal ganz abgesehen davon, dass der Hersteller sich nicht an die Impressums-Pflicht, DSGVO und Cookie Richtlinie / ePrivacy Direktive hält, werden sämtliche ausgestellte Rechnungen von Käufen bei OnePlus ohne ausgewiesene Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) ausgestellt. OnePlus sitzt in China? Richtig. Ist aber unerheblich. OnePlus verkauft seine Produkte hier in Deutschland bzw. der gesamten EU und hat dafür eigene, lokalisierte Webseiten und eine lokale Infrastruktur für den Vertrieb. Selbst Amazon wird bereits für den Vertrieb genutzt. Unser Staat ging genau wegen solchem Schindluder mehrfach gegen chinesische eBay und Amazon Händler vor. OnePlus ist in Europa tätig und hat sich damit an die europäischen Regeln inklusive Gesetze der jeweiligen Länder zu halten. Tun sie aber nicht. Es werden weder gültige Rechnung ausgestellt (das Finanzamt akzeptiert diese laut unserer Erfahrung gar nicht erst), keine Steuern gezahlt und noch nicht einmal an die EU-weiten Regelungen bezüglich Elektro-Gesetz (ElektroG, WEEE) oder Batterie Gesetz (BattG) gehalten. Diesbezüglich müssten auf den Verpackungen, Rechnungen und im nicht existenten Impressum entsprechende Registrierungsnummern enthalten sein, was hauptsächlich für die WEEE Nummer gilt.

In den Anfangstagen von OnePlus konnte man diesbezüglich vielleicht noch Verständnis zeigen. Zumindest dann, wenn man an die Start-Up Aussagen geglaubt hat (nein, OnePlus war nie ein Start-Up sondern ist schon immer eine Tochter von BBK). Doch heute? OnePlus ist zu einer etablierten Marke geworden, unglaublich vielen Menschen ein Begriff und noch dazu von einem der weltweit größten Smartphone-Hersteller gestützt (BBK Electronics). Und solch ein Hersteller schafft es nicht, sich an lokale Gesetze der Länder zu halten, in denen man agiert? Dies eine Unverschämtheit und geduldeten Rechtsbruch zu nennen, ist noch nett ausgedrückt.

Wir hoffen, dass die Story die Runde macht und OnePlus eventuell dazu bewegt zu überdenken, wie man auftritt, welche Regeln man aufstellt und diese transparent mit dem Kunden kommuniziert. Weiterhin hoffen wir, dass OnePlus es in absehbarer Zeit schafft, sein Geschäft den rechtlichen Gegebenheiten anzupassen. Was z.B. Honor schafft, muss doch auch OnePlus schaffen – oder?

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