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Offiziell: Nothing spaltet CMF ab, Sitz in Indien

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Carl Pei, Mitgründer und CEO von Nothing sowie Mitgründer von OnePlus, hat am 21. September in einem ausgedehnten Artikel auf X mit dem Titel "India Is Inevitable" den nächsten Schritt für die Budget Marke CMF angekündigt: Die Untermarke wird aus Nothing herausgelöst und als eigenständiges Unternehmen neu aufgestellt. Die Mehrheit der Anteile soll künftig indischen Gesellschaftern gehören, der Hauptsitz kommt nach Indien, dorthin verlagern sich auch das operative Team und die Forschung und Entwicklung. Nothing bleibt demnach Anteilseigner und Partner, verzichtet aber auf die Kontrolle der Marke.

Die Marke ist in Deutschland kein Unbekannter: Seit 2023 sind CMF Produkte hierzulande im Handel erhältlich, von den Uhren und Ohrhörern über die Netzteile bis zu den Smartphones. Was sich durch die Ausgliederung konkret ändert und was sie für den Rest der Welt bedeutet, erklärt Pei in seinem Beitrag nur teilweise.

Von der Untermarke zur eigenständigen Marke

CMF startete im August 2023 als Untermarke von Nothing, dem Smartphone Hersteller den Carl Pei nach seinem Ausstieg bei OnePlus gegründet hatte. Die ersten Produkte, die CMF Watch Pro, die CMF Buds Pro und das 65W GaN Netzteil, folgten noch im September desselben Jahres. Der Name leitet sich vom Begriff "Colour, Material, Finish" ab. Der Fokus lag hier immer auch auf dem Design, trotz des Budget Anspruches. Zwei Smartphones hat die Marke inzwischen auf den Markt gebracht: das CMF Phone 1 im Juli 2024 und das CMF Phone 2 Pro im April 2025. Dazu kommen Smartwatches, Earbuds und Netzteile, zuletzt etwa die CMF Watch 3 Pro, die CMF Buds Neo und die CMF Clip Pro, die beide im August 2026 erschienen sind.

Der Schritt in Richtung Eigenständigkeit ist nicht ganz neu. Bereits am 25. September 2025 hatte Nothing angekündigt, CMF zusammen mit dem indischen Elektronikhersteller Optiemus zu einem eigenständigen Geschäft mit Basis in Indien auszubauen. Dafür war laut damaligen Angaben ein Investment von über 100 Millionen Dollar geplant, das in drei Jahren rund 1.800 Arbeitsplätze in Indien schaffen sollte. Am 23. Dezember 2025 wurde die CMF India Private Limited in Indien registriert. Neu ist nun die Frage des Eigentums: Indische Anteilseigner sollen die Mehrheit halten, während Nothing auf eine Minderheitsbeteiligung zurücktritt. Nothing Mitgründer Akis Evangelidis, der als Präsident von Nothing India fungiert, kündigte zudem an, dass CMF und Optiemus gemeinsam Indiens erste vollständige Kapazität für Forschung und Entwicklung im Bereich Smartphones aufbauen wollen. Optiemus soll sich an der bevorstehenden Series A Finanzierungsrunde von CMF beteiligen.

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Was Pei unter echter Entwicklung versteht

In seinem Beitrag nimmt sich Pei die Zeit zu definieren, was er unter eigener Entwicklung versteht. Fünf Punkte seien dafür prüfbar: Wer konstruiert den Aufbau des Geräts, also Materialien, Wärmeabfuhr und Langlebigkeit? Wer wählt die Kamera Sensoren aus und baut die Bildverarbeitung? Wer schreibt und pflegt das Betriebssystem und legt sich auf Updates über mehrere Jahre fest? Wer justiert und zertifiziert die Antennen, wenn sich das Design ändert? Und wer arbeitet direkt mit den Zulieferern zusammen, um Displays, Chipsätze und Kamera Module zu qualifizieren und mitzuentwickeln?

Klingt die ehrliche Antwort auf die meisten dieser Fragen mit "our manufacturing partner", dann wählt die Marke lediglich ein Gerät aus, statt es zu entwickeln. Es spricht nichts dagegen, es setzt aber eine Decke: Eine Marke, die nur anbieten kann, was es schon gibt, konkurriert fast ausschließlich über den Preis. Und auf diesem Weg findet sich immer jemand, der noch billiger ist. Eine Marke, die ihre Entwicklung selbst in der Hand hat, kann dagegen Neues bauen, Kosten senken, indem sie Aufschläge entfernt statt Qualität, und sich Jahr für Jahr verbessern.

Mit ins neue Unternehmen nimmt CMF laut Pei konkret Folgendes: Nothing OS, einen vollständig in Eigenregie entwickelten Android Build mit eigener Kameraverarbeitung und regelmäßigen Updates für jedes Gerät seit 2021, der kürzlich zur besten Android Erfahrung Indiens gewählt wurde. Das Industriedesign mit mehreren Red Dot und iF Preisen. Die direkten Beziehungen zu den Zulieferern für Displays, Chipsätze und Kamera Module. Und die globale Markenmaschine, mit der Nothing weltweit Millionen von Produkten verkauft. Pei sieht Indien als Schwerpunkt der Marke, wo mehrere hundert Millionen Menschen unter 30 Jahren entschieden, wie ein Smartphone in Zukunft aussehen soll.

Und dann ist da die Zahl 100 Millionen. In Pei's Artikel ist sie die Grenze zwischen einer Marke und einer Plattform. Darunter bleibt ein Hersteller Kunde der Lieferkette, darüber bauen die Zulieferer nach seinen Spezifikationen. Teams für Betriebssystem, Kamera und KI Stack werden zu dieser Größenordnung keine Kosten mehr, sondern Vorteile, die sich auf 100 Millionen Geräte verteilen. Nur ein Handvoll Unternehmen habe diese Schwelle je überschritten, schreibt Pei. Für einen Neueinsteiger sei Indien der letzte beste Ort, um es zu versuchen. Der einzige Weg dorthin: in Indien bauen, nicht nur nach Indien liefern.

Indien's zweite Chance

Der Kontext für diese Ambitionen: Indien ist nach China der zweitgrößte Smartphone Markt der Welt und absorbiert über 150 Millionen Geräte pro Jahr. Dazu kommen die größte junge Bevölkerung der Erde und einer der tiefsten Pools an Software Talent. Die Regierung hat die lokale Fertigung zum Prioritäts-Projekt gemacht und den Kurs zehn Jahre lang gehalten. Das Ergebnis: 99 Prozent der in Indien verkauften Smartphones werden heute vor Ort produziert, vor einem Jahrzehnt waren es so gut wie keine. Auch Xiaomi und Apple fertigen in Indien. Pei nennt das einen massiven industriellen Erfolg, aber erst den ersten Schritt. Der zweite Schritt ist Entwicklung: Ein Großteil der zugrunde liegenden IP liegt nach wie vor außerhalb des Landes, weil in Indien niemand verlangt, mehr als das zu bekommen, was im Regal liegt.

Pei erinnert an das Jahr 2015: Damals verkauften indische Marken fast die Hälfte der Smartphones im Land, eine von ihnen war zeitweise sogar die meistverkaufte Marke, noch vor Samsung. Es sah aus wie der Anfang von etwas, wurde es aber nicht. Innerhalb von zwei Jahren kamen ausländische Marken mit dem, was den heimischen Spielern fehlte: echter Ingenieursleistung. Ein jedes Jahr wirklich besseres Smartphone, mit neuen Kamerasystemen, engerer Integration, besserem Design. Die indischen Marken hatten unterdessen vorgefertigte Designs lizenziert, den Deckel ausgetauscht und ein Logo draufgesetzt. Bis 2025 hielten sie weniger als 1 Prozent eines Marktes, den sie mal angeführt hatten. Die harte Arbeit beginnt laut Pei genau hier.

Die Politik schiebt in dieselbe Richtung: Im Juli hat das Kabinett in Neu Delhi das Mobile Phone Manufacturing Scheme mit einem Budget von 625 Milliarden Rupien freigegeben, um heimische Marken und Skaleneffekte zu stützen. Und der Preiskorridor, in dem CMF Smartphones positioniert sind (unter 200 Dollar) macht laut IDC Daten über 42 Prozent der indischen Lieferungen im zweiten Quartal 2025 aus.

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Speicherkrise als Katalysator

Die Ausgliederung passiert zu einem schwierigen Zeitpunkt für das Budget Segment. Bereits im Juni hatte Nothing gewarnt, dass stark gestiegene Preise für RAM und Flash Speicher es zunehmend unmöglich machen, günstige Smartphones zu bauen. In der Folge stellte das Unternehmen die Entwicklung des CMF Phone 3 Pro ein, und Akis Evangelidis bestätigte, dass CMF in diesem Jahr kein neues Smartphone veröffentlichen wird: Ein würdiger Nachfolger des CMF Phone 2 Pro lasse sich bei der aktuellen Kostenlage nicht mehr zu einem CMF Preis bauen. Weitere CMF Produkte, teils in neuen Kategorien, sind für dieses Jahr weiterhin geplant. Die Audio Linie läuft derweil weiter, die CMF Buds Neo und die CMF Clip Pro kamen im August 2026 auf den Markt.

Der Markt selbst ist intakt: Im zweiten Quartal 2026 wuchs Nothing in der Region laut Berichten um 105 Prozent. In Indien ist der Preiskorridor, in dem CMF agiert, gleichzeitig das größte Segment überhaupt. Die Ausgliederung liest sich deshalb auch als defensive Maßnahme: Ein mehrheitlich indisches Unternehmen mit lokaler Entwicklung soll Kosten senken können, indem es Aufschläge entfernt statt Qualität, und auf Komponentenpreise schneller reagieren. Parallel dazu berichten indische Medien, dass Himanshu Tandon, einer der Architekten des indischen CMF Aufbaus, das Unternehmen verlassen hat. Eine Bestätigung seitens Nothing liegt dafür nicht vor.

Pei stellt klar, dass CMF den globalen Markt nicht aufgibt. Produkte sollen auch außerhalb von Indien weiter erscheinen, auch wenn der Fokus auf dem indischen Markt liegt. Konkrete Angaben fehlen allerdings: Welche indischen Unternehmen oder Investoren die Mehrheit halten werden, wie genau sich die Anteile aufteilen und wann der Übergang vollzogen sein soll, verrät der Beitrag nicht. Offene Punkte bleiben auch für Käufer bestehender CMF Geräte: Wer künftig die Updates und den Support für Nothing OS auf CMF Smartphones übernimmt, ist nicht beantwortet.

Ob aus dem Vorhaben eine Marke wird, die in Indien nicht nur fertigt, sondern auch entwickelt, wird sich an den nächsten Produkten zeigen. Neue Smartphones von CMF wird es wohl frühestens 2027 geben.

 

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Donnerstag, 24. September 2026

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