Nach dem Aufsehen, das die heimlich eingeschleusten Amazon-Affiliate-Links auf Motorola-Smartphones verursacht haben, hat sich der Hersteller nun öffentlich geäußert. Das Unternehmen bezeichnet das Verhalten als unbeabsichtigt und erklärt, das Problem bereits behoben zu haben.
Laut Motorola entstand das Problem im Rahmen einer Kooperation mit dem Werbedienstleister Device Native, mit dem man gemeinsam eine "App-Suche und Empfehlungsfunktion" für den Motorola App Launcher entwickelt hatte. Diese Funktion soll Nutzern dabei helfen, installierte Apps schneller zu finden und zu öffnen. Im Zuge eines Updates der Smart Feed App soll dabei eine fehlerhafte Routing-Konfiguration eingeführt worden sein, die dazu führte, dass Aufrufe der Amazon-App über einen Web-Tracking-Link umgeleitet wurden.
Im vollständigen Statement, das der Hersteller gegenüber dem Portal Android Authority abgegeben hat, heißt es, man habe das Problem schnell erkannt und die Konfiguration korrigiert. Apps sollen sich nun wieder direkt öffnen, ohne Umweg über den Browser. Nutzer müssten ihrerseits nichts unternehmen. Wer die Smart Feed App als Vorsichtsmaßnahme deaktiviert hat, kann dies rückgängig machen, muss es aber nicht.
Recently, Motorola acted quickly to resolve an issue that was identified, which caused some users in the US launching the Amazon Shopping app to be routed through a web tracking link before opening the app. This behavior was unintended and resulted in an inconsistent user experience.
Statement von Motorola gegenüber Android Authority
Upon identifying the issue, we promptly corrected the routing configuration. Users can now expect all installed apps to launch directly as intended.
Motorola takes user experience, privacy, and platform integrity seriously and will continue to closely monitor the system to ensure expected behavior across devices.
Motorolas Statement beantwortet die drängendste Frage nicht: Wie landet Affiliate-Infrastruktur überhaupt in einer Funktion, die eigentlich nur App-Starts beschleunigen soll? Eine fehlerhafte Routing-Konfiguration erklärt, dass Nutzer umgeleitet wurden. Sie erklärt nicht, warum in diesem Routing ein Affiliate-Code einer Mode-Influencerin steckte, der zudem nicht mit deren bekannten offiziellen Codes übereinstimmt, und warum der Netzwerkverkehr über devicenative.com abgewickelt wurde.
Denkbar ist, dass Device Native als Werbepartner eigenmächtig Affiliate-Funktionen in das SDK eingebaut hat, ohne dass Motorola davon wusste oder es bewusst freigegeben hätte. Das würde zumindest erklären, warum die verwendeten Codes keinen erkennbaren Bezug zu Motorola haben. Belege dafür gibt es allerdings nicht, und Motorola äußert sich zu den Details nicht.
Für Nutzer ist die Nachricht zunächst erfreulich: Das Problem soll serverseitig behoben sein, ohne dass ein App-Update oder manuelle Schritte nötig sind. Wer die Smart Feed App bislang nicht kannte, wird das vermutlich auch weiterhin nicht tun, da sie als versteckte Systemapp nicht im normalen App-Menü auftaucht.
Dennoch lohnt es sich, die Implikationen des Vorfalls nicht zu schnell beiseitezuschieben. Der Fall zeigt, dass vorinstallierte Systemapps in der Lage sind, das Verhalten anderer Apps auf dem Gerät zu verändern, ohne dass Nutzer davon Kenntnis haben oder es verhindern können. Wer die Umleitung nicht bemerkt hätte, wäre nie informiert worden. Eine nachträgliche Konfigurationskorrektur auf Serverseite ändert daran strukturell nichts.
Ob Motorola mit dieser knappen Stellungnahme das Vertrauen der betroffenen Nutzer zurückgewinnen kann, ist fraglich. Transparenz über die genauen Umstände und eine klarere Abgrenzung der Verantwortlichkeiten zwischen Motorola und Device Native wären dafür ein notwendiger erster Schritt, den das Unternehmen bislang nicht gegangen ist.
Quelle(n): Android Authority
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