Beim chinesischen Hardwarehersteller Chuwi reißt die Serie fragwürdiger Produktangaben bzw. Falschangaben nicht ab. Nach Unregelmäßigkeiten bei Prozessorspezifikationen zu Beginn des Jahres gerät nun das kompakte Chuwi UniBook in die Kritik. Das im Juni 2026 als preiswerte Alternative zum Apple MacBook Neo vorgestellte 14 Zoll Notebook wurde zum Zeitpunkt der Ankündigung und auch zum Start der Vorbestellungen herstellerseitig mit einer vollständigen Abdeckung des sRGB Farbraums beworben. Unabhängige Messungen zeigen jedoch ein gänzlich anderes Bild: Das verbaute IPS Panel verfehlt die zugesagten Werte deutlich.
Notebookcheck deckt den Betrug im Test auf
Das Fachportal Notebookcheck hat das Chuwi UniBook im Rahmen eines Testberichts genauer untersucht und die Farbdarstellung des Bildschirms mit der Messsoftware CalMAN analysiert. Statt der in Marketingmaterialien und technischen Daten genannten 100% sRGB Abdeckung misst das Panel tatsächlich lediglich knapp 60%. Diese Abweichung führt zu einer deutlich fehlerhaften Farbwiedergabe, wodurch sich das Gerät nicht für Aufgaben wie die Foto oder Videobearbeitung eignet. Laut Notebookcheck ist dies sogar mit bloßem Auge zu erkennen.
Auf Nachfrage bestätigte Chuwi die Messwerte. Anstatt die Angabe auf der offiziellen Produktseite transparent zu korrigieren, löschte der Hersteller den Hinweis auf die Farbraumabdeckung ersatzlos. Eine Information zum realen Wert fehlt auf der Website weiterhin vollständig. Für potenzielle Käufer ist dieses Vorgehen maximal intransparent.
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Wiederkehrendes Muster bei Produktdaten und Hardware
Der Vorfall beim Chuwi UniBook ist allerdings kein Einzelfall im Portfolio des Herstellers, was dem Thema eine zusätzliche Brisanz verleiht. Bereits im Januar 2026 zeigte sich beim Test des Chuwi CoreBook Air in unserem Hause ein identisches Verhalten. Auch dieses Notebook bewarb Chuwi mit einer 100% sRGB Farbraumabdeckung. Nach eigenen Messungen stellte sich jedoch eine tatsächliche Abdeckung von lediglich 67% heraus. Nach einem entsprechenden Hinweis entfernte Chuwi auch damals die Angabe von der Produktseite, ohne die Käuferschaft über den tatsächlichen Wert zu informieren.
Zusätzliches Gewicht erhält die aktuelle Thematik durch den Skandal um fehlerhafte Prozessorangaben zu Beginn des Jahres 2026. Damals lieferte Chuwi Notebooks aus, die mit älteren AMD Zen 2 Prozessoren des Typs AMD Ryzen 5 5500U bestückt waren. Diese wurden im System durch manipulierte Firmware als neuere AMD Ryzen 5 7430U Prozessoren auf Zen 3 Basis erkannt und auch als solche vermarktet, obwohl sie eine geringere Rechenleistung boten.
Für Personen, die das Chuwi UniBook im Vertrauen auf die ursprünglich genannten Spezifikationen vorbestellt oder erworben haben, bedeutet das verbaute Panel eine deutliche Einschränkung gegenüber der zugesicherten Eigenschaft. In solchen Fällen bleibt betroffenen Käufern die Möglichkeit, sich bezüglich einer Retoure und Kaufpreiserstattung direkt an den Hersteller oder Händler zu wenden.
Die erneuten Abweichungen zwischen Datenblatt und Realität verdeutlichen, dass vor dem Kauf von Produkten der Marke Chuwi eine Überprüfung durch unabhängige Testberichte aus vertrauenswürdigen Quellen ratsam ist. Zudem sollte man aber auch selbst sein gekauftes Produkt genau unter die Lupe nehmen, denn es kann auch später noch zu Abweichungen in der Ausstattung durch Änderungen in der Produktion kommen. Zudem besteht immer die Möglichkeit, dass ein Testbericht etwas übersieht, wie es ja auch uns beim Chuwi CoreBook X mit dem Fake Prozessor passiert ist. Damals hatten wir die Unstimmigkeit nicht direkt erkannt, weil wir von einer reduzierten Prozessorleistung durch das Fehlen von Dual Channel RAM ausgegangen waren.
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Update, 14. August 2026: Chuwi meldet sich zu Wort
Nach Veröffentlichung dieses Artikels hat sich Chuwi über den derzeit für den deutschen Markt zuständigen Digital Marketing Specialist bei uns gemeldet. Laut Chuwi sei das UniBook von Anfang an in zwei Konfigurationen geplant gewesen: einer Basisversion mit Intel Core 3 304, 60 % sRGB-Abdeckung, 8 GB RAM und 256 GB Speicher sowie einer höherwertigen Variante mit schnellerem Prozessor, 100 % sRGB-Abdeckung, 12 GB RAM und 512 GB Speicher. Das von uns bemängelte Testgerät habe demnach lediglich der Basisversion entsprochen, nicht der gesamten UniBook-Reihe.
Dieses Statement sollte allerdings eingeordnet werden, da es nicht dem entspricht, was uns bekannt ist. Zwar lässt sich über Google tatsächlich ein Chuwi Unibook Modell mit der Bezeichnung "315" finden (https://www.chuwi.com/product/items/chuwi-unibook-315.html), doch wurde dieses niemals aktiv von Chuwi vermarktet und wurde auch nie im Verkauf angeboten. Weder war vor dem Launch in den Pressemitteilungen die Rede von zwei verschiedenen Modellen, noch war auf der früheren Shop Seite, auf der man das Chuwi UniBook mit 100% sRGB bestellen konnte, die Rede von zwei Modellen.
Selbst wenn Chuwi tatsächlich zwei Modelle geplant hat, wonach es basierend auf dem oberen Link tatsächlich aussieht, so wurde dies nie aktiv kommuniziert - weder auf der breit vermarkteten Produktseite, noch in uns übersandten Presse-Informationen, noch in Presse-Informationen die anderen Publikationen vorlagen. In der Berichterstattung um das Chuwi UniBook findet man nämlich nirgendwo Angaben zu zwei unterschiedlichen Modellen. Es ist immer nur vom Chuwi UniBook mit dem Intel Core 3 304, einem 100% sRGB Display, 8GB LPDDR5 RAM und einer 256GB SSD die Rede.
Somit liegt hier ganz offensichtlich ein Kommunikationsfehler seitens Chuwi vor. Ob nun beabsichtigt oder versehentlich, lässt sich natürlich nicht sagen. Vorkommen sollte so etwas jedoch in jedem Fall nicht und der Umstand, dass dies nicht das erste mal ist, macht die Geschichte umso brisanter.
Quelle(n): Notebookcheck | Chuwi | Eigener Test