Face ID in China Handys: Die neue "Dual Kamera"?!

b2ap3_large_pexels-photo-709732 Face ID in China Handys: Muss das sein?!

Als Apple mit "Face ID" eine neue Entsperrmethode im iPhone X vorgestellt hat - und dafür sogar den Fingerabdruck Sensor über Bord warf - konnte es in der Android-Welt gar nicht schnell genug gehen. Plötzlich muss auch hier möglichst jedes Flaggschiff und Möchtegern-Flaggschiff mit diesem Feature ausgerüstet sein. Gut, ohne Frage ist Face ID beziehungsweise Face Unlock - also die Entsperrung per Gesichtserkennung - ein äußerst komfortables Feature. Im Optimalfall nimmt man das Smartphone in die Hand, drückt den Power Button, schon erscheint der Home Screen. Das OnePlus 5T hat dies sehr schön vorgemacht. Hier merkt man meistens gar nicht, dass das Smartphone überhaupt gesperrt ist. Und mehr oder weniger Sicher ist das Ganze auch noch. Tricks wie das Vorhalten eines Fotos funktionieren beim OnePlus 5T nicht ohne weiteres. Insofern ist die Umsetzung von Face Unlock zu begrüßen, sofern ein Hersteller die Ressourcen und das Know How hat, eine anständige und halbwegs sichere Implementierung umzusetzen.

Face Unlock in "Billigheimern" ist die neue Dual Kamera

​Nun ist es aber leider so, dass auch die typischen Chinahandy-Hersteller abseits der großen Marken vermehrt auf Face ID setzen. Mit dem UmiDigi S2 Pro hatten wir vor kurzem schon solch ein Chinahandy hier, welches die Funktion unterstützt hat. Leider bestätigte sich bereits hier genau das, was wir schon vorab befürchtet hatten: Face Unlock in Billigheimern kann man vergessen. Klar, das Entsperren damit funktioniert auch bei den günstigen Chinahandys kleinerer Hersteller mehr oder weniger gut. Doch befasst man sich genauer mit der Technik, stellt man schnell fest, dass sie nicht einmal ansatzweise mit den Face Unlock Features der Geräte größerer Hersteller mithalten können. Schon bei ansatzweise schlechten Lichtverhältnissen versagt die Technik - und viel schlimmer - es handelt sich nur um ein Komfort-Feature. Von Sicherheit kann keine Rede sein. Macht ein Selfie von euch, stellt es auf einem Bildschirm dar oder druckt es aus. Ratet mal was passiert, wenn ihr dieses Foto nun dem Face Unlock Feature vorsetzt. Richtig! Das Smartphone entsperrt sich.

Ein Einzelfall? Nein! Mittlerweile haben wir nach dem UmiDigi S2 Pro das zweite Chinahandy vorliegen, welches Face Unlock an Bord hat. Es handelt sich um das Ulefone Power 3. Hier wird sogar eine Dual Kamera genutzt. Naja, zumindest auf dem Papier. Tatsächlich haben wir es hier mit der neuesten Innovation aus China zu tun: Eine "Dual-Fake Dual-Kamera". Auf beiden Seiten - Vorne und Hinten - befindet sich eine Dual-Kamera, jeweils mit dem altbekannten VGA Sekundärsensor und gefälschten Bokeh-Effekt. Halleluja! Darauf hat die Technik-Welt gewartet. Unnötig zu erwähnen, dass hier auch kein besseres Face ID zu erwarten ist. Gleich nach dem Auspacken war das erste, was wir getestet haben, exakt dieses Feature. Und auch hier haben wir wieder den Foto-Test gemacht. Bingo! Auch das Ulefone Power 3 entsperrt sich umgehend, sobald man ein Foto des Inhabers vor die Kamera hält. Ein weiteres Mal haben wir es eher mit einem Komfort Feature zu tun, als mit einem Sicherheits-Feature. Wobei, sonderlich komfortabel ist das Feature eigentlich gar nicht. Anders als ein Fingerabdruck Sensor, funktioniert es ja nicht im Dunkeln. Und nein, natürlich kann man nicht Face Unlock und den Fingerprint Sensor gleichzeitig nutzen. Warum auch? Der Nutzer wird die Innovation ja lieben.... NICHT! Wir beobachten hier wieder genau dasselbe Spiel wie mit den brühmt berüchtigten Dual Kameras. Auch diese sind zu 99% nichts als Schall und Rauch. Und eine absolut unnötige Verschwendung von Ressourcen.

Jetzt fehlt nur noch, dass die Chinesen (und noch einmal, wir sprechen hier von den kleinen Herstellern, nicht von Größen wie Huawei, OnePlus und Co.) für Face Unlock den Fingerprint Scanner komplett streichen. Dann wäre das Desaster wieder komplett. Nicht ohne Grund hat sich das bereits im Jahr 2012 in Android 4.1 implementierte Face Unlock-Feature nicht durchgesetzt. Ohne vernünftige Sensoren und Algorithmen funktioniert dieses Gimmick einfach nicht. Damals war die Technologie noch nicht so weit und deshalb wurden mit Freude Fingerabdruck-Sensoren verbaut. Nun, 6 Jahre später, kramen die kleinen Hersteller dieses Feature wieder aus den Untiefen von Android aus und verkaufen es als innovative und bahnbrechende Technologie. Dieses "Face ID" hat rein gar nichts mit der Technik von Apple gemein.

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Weniger ist mehr, liebe Chinesen!

Stellt man sich nun die Frage nach dem Sinn des Ganzen, dann tut man das mit Recht. Eigentlich sollte den kleinen Herstellern doch bewusst sein, dass ihre Umsetzung der High-End-Features größerer Hersteller nichts taugt. Warum dann dieses Theater? Will man das schnelle Geld machen? Vermutlich. Die Frage ist, wie lange das noch funktionieren wird. Kleine Chinahandy-Hersteller wollen immer mehr Features für wenig Geld bieten. Möchtegern High-End zum kleinen Preis. Und genau damit fällt man immer wieder auf die Schnauze. Auf der Seite des Kunden führt das immer und immer wieder zu schlechten Erfahrungen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird sicherlich irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem keiner mehr die Produkte kaufen möchte. Beziehungsweise nicht genug, als dass sich die "Marken" halten könnten.

Was wäre die Alternative? Ganz einfach: Man könnte sich auf ein wirklich gutes Produkt konzentrieren, statt immer und immer wieder zu versuchen, den großen Marken und ihren Features hinterherzurennen. Wer braucht ein mittelmäßig bis schlecht funktionierendes Face ID? Wer braucht eine Fake Dual Kamera? Und wer verdammt nochmal braucht 10 verschiedene Smartphone Modelle pro Jahr? Richtig: keiner. Was wir brauchen, sind ordentliche Kameras, aktuelle und fehlerfreie Software, regelmäßige Updates, gute Akkulaufzeit und eine angemessene Performance. Genau darauf sollte sich jeder einzelne der kleinen Hersteller konzentrieren. Das Geld und die Ressourcen für nicht funktionierende Dual-Kameras und schlecht umgesetzte Features kann man sich sparen. Stattdessen investiert man es in das restliche Gesamtpaket und bereinigt endlich einmal die Missstände, welche alle Chinahandy-Käufer schon seit Jahren stören. Uns würde es nicht wundern, wenn genau das am Ende noch die Preise senken würde.

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