Mit deutlicher Verzögerung hat nun auch Chuwi auf den Skandal um gefälschte AMD Ryzen 5 7430U Prozessoren reagiert. Während Ninkear Ende letzter Woche ein Statement veröffentlichte und konkrete Schritte ankündigte, herrschte bei Chuwi bis zum 23. März 2026 Funkstille. Presseanfragen beantwortet das Unternehmen zwar nach wie vor nicht, allerdings hat Chuwi einen kurzen Beitrag im unternehmenseigenen Blog veröffentlicht, der zwar eine Rückgabemöglichkeit in Aussicht stellt, aber mehr Fragen aufwirft als er beantwortet.
Das Statement und seine Schwachstellen
In dem Blogeintrag spricht Chuwi von einem "Produktionsfehler", durch den eine "begrenzte Anzahl" von CoreBook X und CoreBook Plus Einheiten mit dem falschen Prozessor ausgeliefert worden seien. Betroffene Kunden können ihr Gerät bis zum 31. Mai 2026 zurückgeben und erhalten eine vollständige Erstattung, entweder über den ursprünglichen Kaufkanal oder direkt über den Support unter service@chuwi.com.
Die Behauptung, nur eine kleine Anzahl von Geräten sei betroffen, lässt sich allerdings kaum mit dem vereinbaren, was bislang bekannt ist. Bis heute konnte unter den betroffenen Modellen kein einziges Gerät nachgewiesen werden, das tatsächlich mit dem beworbenen Ryzen 5 7430U ausgeliefert wurde. Es finden sich ausschließlich betroffene Nutzer und auch Tester im Netz. Hinzu kommt, dass Chuwi den Verkauf der meisten betroffenen Modelle inzwischen eingestellt hat. Wäre wirklich nur eine einzelne Charge betroffen, wie es etwa bei Ninkear der Fall zu sein scheint, wäre dieser Schritt kaum nötig gewesen.
Auch die Bedingungen für die Rückgabe sind fragwürdig. Chuwi setzt voraus, dass das Gerät neuwertig ist und mit dem vollständigen Originalzubehör zurückgeschickt wird. Bei Produkten, die seit dem Sommer 2025 im Handel sind und entsprechend genutzt wurden, ist diese Anforderung schlicht unrealistisch. Rechtlich ist sie ohnehin irrelevant: Wer ein Gerät erhält, das nicht der beworbenen Spezifikation entspricht, hat unabhängig vom Gerätezustand Anspruch auf Rückabwicklung. In der Praxis dürfte es für viele Kunden jedoch schwierig sein, diesen Anspruch gegenüber einem chinesischen Anbieter ohne erheblichen Aufwand durchzusetzen.
Ob Chuwi betroffene Kunden, die über den eigenen Shop gekauft haben, aktiv per E-Mail informiert, geht aus dem Statement nicht hervor. Rückmeldungen betroffener Nutzer dazu wären aufschlussreich. Meldet euch also gerne mit euren Erfahrungen in den Kommentaren.
Statement Regarding CoreBook X and CoreBook Plus
Chuwi Statement im hauseigenen Blog vom 32. März 2026, abgerufen am 24. März 2026 um 12:00 Uhr
Dear Users and Fans,
Thank you for your continued trust and support of CHUWI.
Due to a production error, a limited number of CoreBook X and CoreBook Plus units were assembled with incorrect processors. If you have received a device that does not match the specifications you ordered, please return it for a full refund. You may initiate the return through your original purchase channel or contact our official support team at service@chuwi.com for assistance.
We sincerely apologize for any inconvenience this may have caused. We are committed to resolving this matter promptly and ensuring that your rights are fully protected.
Return Guidelines:
Please ensure the device is in original condition with all accessories included
Valid period: From now until May 31, 2026
With 22 years of brand history, CHUWI has always placed the highest priority on quality and innovation. Moving forward, we will continue to uphold a "user-first" philosophy and strive to deliver high-quality, innovative products with exceptional value.
Thank you again for your understanding and support.
Sincerely,
CHUWI Team
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Betroffenes Mini PC Modell bleibt unerwähnt
Auffällig ist zudem, was in dem Statement fehlt: Die Chuwi UBox 7430U, ein Mini PC, bei dem Notebookcheck durch einen regulären Testkauf ebenfalls den falschen Prozessor identifiziert hatte, wird mit keinem Wort erwähnt. Dass Chuwi das Gerät von seinen eigenen Webseiten entfernt hat, zeigt, dass man sich des Problems intern bewusst ist. Trotzdem ist die UBox 7430U nicht Teil des angekündigten Rückgabeprogramms. Aktuell wird im Chuwi Store nur noch die nicht betroffene UBox 6600H verkauft.
Zur eigentlichen Frage, wie es zu dem Betrug kommen konnte, schweigt Chuwi weiterhin bzw. hat nichts dazu zu sagen. Dabei war das Unternehmen bereits Anfang Januar 2026 durch uns auf die Problematik hingewiesen worden und hatte seinerzeit angegeben, den Vorfall intern zu prüfen. Wir hatten vor Veröffentlichung unseres Beitrags, welcher dann das breite mediale Interesse ausgelöst hat, auch extra noch etwas über einen Monat gewartet, um Chuwi Zeit zu geben der Sache auf den Grund zu gehen. Zudem musste sich erstmal zeigen, wie weit verbreitet der CPU Betrug tatsächlich ist. Das Ergebnis dieser Prüfung bleibt der Hersteller allerdings weiterhin schuldig und nach der langen Zeit drängt sich langsam der Verdacht auf, dass her im Hintergrund in Wahrheit keine Nachforschungen laufen, sondern man lediglich uns und die restliche Presse vertrösten wollte.
Eigene Recherchen zum Ursprung des CPU Betrugs blieben bislang leider ohne greifbare Ergebnisse. Das verwundert aber auch nicht weiter, da wohl die wenigsten beteiligten Akteure Interesse an einer tief gehenden Aufklärung des Betrugs haben. Ninkear verwies in der letzten Anfrage auf laufende Untersuchungen, der mutmaßlich beteiligte Auftragsfertiger Emdoor Digital aus Shenzhen reagiert auf unsere Anfragen überhaupt nicht. AMD hatte sich zuletzt auf eine Anfrage von HKEPC klar positioniert: Der Chiphersteller war nach eigenen Angaben weder an der Kennzeichnung noch am Marketing der betroffenen Geräte beteiligt und sieht in dem Vorgang einen Verstoß gegen eigene Marken- und Lizenzrichtlinien.
Zum technischen Hintergrund:
Die verbauten Prozessoren in den Modellen Chuwi CoreBook X 7430U, Chuwi CoreBook Plus 7430U, Chuwi UBox 7430U und Ninkear A15 Pro (hier nur Modelle aus einer bestimmten Charge betroffen) sind in Wirklichkeit AMD Ryzen 5 5500U Chips, die auf der älteren Zen 2 Architektur basieren und gegenüber dem beworbenen 7430U rund 20 Prozent weniger Singlecore-Leistung bieten. Das BIOS der betroffenen Geräte wurde so manipuliert, dass Windows und die meisten Analysetools weiterhin den 7430U anzeigen. CPU-Z ist seit Version 2.19 in der Lage, die Täuschung aufzudecken, indem es direkte Hardware-Parameter ausliest statt sich auf den von der Firmware im MSR gesetzten Prozessornamen zu verlassen.
Im Vergleich zu Ninkear, das offenbar proaktiv kommuniziert, Händler und wohl auch Nutzer informiert und die Zusammenarbeit mit der Presse ausdrücklich angeboten hat, fällt Chuwi's Reaktion insgesamt deutlich schwächer aus. Ein knapper Blogeintrag mit eingeschränktem Rückgabeangebot, beschönende Angaben zu den tatsächlichen Ausmaßen des Problems, und weiterhin keine Antworten mehr auf direkte Presseanfragen. Ob sich daran noch etwas ändert, bleibt abzuwarten.
Quelle(n): Chuwi