Der Fall des CPU Betrugs rund um das Chuwi CoreBook X 7430U zieht immer weitere Kreise. Nachdem wir zuletzt berichteten, dass das Laptop offenbar flächendeckend mit einem AMD Ryzen 5 5500U statt dem beworbenen Ryzen 5 7430U ausgeliefert wird (gegenteilige Beweise gibt es zumindest bislang nicht) und die Chip-Identität per Firmware-Manipulation verschleiert wird, gibt es nun neue Erkenntnisse, die den Vorfall deutlich über einen Einzelfall hinaus heben.
Anderes Modell, selbes Muster
Die Kollegen von Notebookcheck haben sich nach ihrem Bericht zum CoreBook X 7430U nun auch das Chuwi CoreBook Plus vorgenommen, den 16-Zoll-Ableger des betroffenen Modells, der ebenfalls mit dem AMD Ryzen 5 7430U beworben wird. Das Gerät wurde dabei nicht als Teststellung beim Hersteller angefragt, sondern regulär im Handel gekauft. Das Ergebnis der Analyse ist eindeutig: Auch im Chuwi CoreBook Plus steckt ein AMD Ryzen 5 5500U, wiederum mit manipulierter Firmware, die dem Betriebssystem und sämtlichen Systemtools eine falsche CPU-Identität präsentiert. Die auf dem Die aufgedruckte OPN-Nummer 100-000000375 ist dieselbe wie beim CoreBook X und wird von AMD klar dem Ryzen 5 5500U zugeordnet.
Damit sind nun zwei unterschiedliche Modelle des Herstellers betroffen. Da davon auszugehen ist, dass beide Geräte vom selben Auftragsfertiger produziert werden, liegt die Vermutung nahe, dass das Problem in der Lieferkette wurzelt und nicht bei Chuwi als Marke selbst. An der grundsätzlichen Verantwortung als Markeninhaber ändert das jedoch nichts. Chuwi hat die Pflicht zu prüfen, was sie am Ende ausliefern.
Noch ein weiteres Detail verdient Aufmerksamkeit: Während die getesteten Chuwi-Geräte mit angeblichem Ryzen 5 7430U allesamt den falschen Chip enthalten, sind andere Modelle des Herstellers offenbar nicht betroffen. So war beispielsweise das von uns getestete Chuwi CoreBook Air korrekt bestückt, was extra nochmal geprüft wurde und auch von anderen Berichten auf Reddit bestätigt wird. Der Betrug scheint also gezielt an den Geräten mit diesem spezifischen Prozessor (Ryzen 5 7430U) zu hängen, was die These stützt, dass ein Auftragsfertiger hier Altbestände des 5500U verbaut und die Firmware entsprechend angepasst hat.
Nicht nur Chuwi: Auch Ninkear offenbar betroffen
Hinzu kommt, dass der Betrug anscheinend nicht auf Chuwi beschränkt ist. Unter dem Golem-Bericht zu dem Thema haben zwei Nutzer angegeben, dass auch das Ninkear A15 Pro von derselben Problematik betroffen sei. Auffällig dabei: Das Gerät sieht dem Chuwi CoreBook X 7430U äußerlich und innerlich sehr ähnlich und dürfte vom selben Auftragsfertiger stammen. Sollte sich das bestätigen, wäre der Auftragsfertiger der eigentliche Ursprung des Betrugs, der seine manipulierten Geräte an mehrere Marken gleichzeitig ausgeliefert hätte.
Chuwi droht Presse mit rechtlichen Schritten
Das Verhalten von Chuwi in dieser Angelegenheit gibt unterdessen wenig Anlass zur Hoffnung auf eine konstruktive Lösung. Gegenüber uns wurde wiederholt darum gebeten, unseren Artikel zu dem Thema zu entfernen. Dem kommen wir selbstverständlich nicht nach und werden auch weiterhin zu dem Thema berichten.
Gegenüber Notebookcheck soll Chuwi nach den Angaben der Publikation sogar rechtliche Schritte angedroht haben, mit der Begründung, der entstandene Reputationsschaden sei durch die Berichterstattung verursacht worden. Dass solche Schritte kaum Aussicht auf Erfolg hätten, liegt auf der Hand. Die Reaktion zeigt aber, dass Chuwi die Situation weiterhin in erster Linie als PR-Problem betrachtet und nicht als einen Sachverhalt, der einer ehrlichen Aufklärung und angemessenen Entschädigung der betroffenen Käufer bedarf.
Auf den Shopseiten von Chuwi wurde das CoreBook X 7430U für den deutschen Markt inzwischen aus dem Angebot genommen. Im globalen Chuwi-Store wird es jedoch (Stand 12. März 2026) weiterhin angeboten und nach wie vor mit dem Ryzen 5 7430U beworben. Ein Hinweis auf die bekannte Problematik findet sich dort nicht. Lediglich die Produktseite auf der Chuwi Global Webseite wurde zensiert, nicht jedoch die Shop-Seite. Darauf wurde Chuwi von uns auch schon hingewiesen, hat darauf bislang jedoch nicht reagiert. Auch auf Aliexpress verkauft Chuwi das CoreBook X 7430U weiterhin mit falscher Chip Bezeichnung.
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Was Betroffene tun können
Für Käufer im EU-Raum gilt: Wer das Gerät bei einem deutschen oder europäischen Händler erworben hat, kann sich auf die gesetzliche Gewährleistung stützen. Die gelieferte Ware entspricht nicht der vertraglich zugesicherten Beschaffenheit, was grundsätzlich einen Anspruch auf Nacherfüllung, Rücktritt vom Kauf oder Preisminderung begründet. Dies umfasst auch die Übernahme der Versandkosten durch den Verkäufer. Dei Forderung von Chuwi, dass Kunden die Versandkosten selbst tragen sollen, hat also keine rechtliche Grundlage. Kunden müssen Versandkosten aus rechtlicher Sicht nur dann übernehmen, wenn die Ware der Beschreibung entsprach und aus anderen Gründen vom Rückgaberecht Gebrauch gemacht wird.
Wer das Gerät direkt bei Chuwi oder über eine Plattform wie AliExpress gekauft hat, hat es ggf. schwerer, steht aber nicht vollständig ohne Optionen da. In diesen Fällen lohnt es sich, den Kaufprozess und den Schriftverkehr mit dem Verkäufer gut zu dokumentieren und gegebenenfalls eine Rückbuchung über den Zahlungsdienstleister anzustoßen. Wer das nötige Kleingeld und die entsprechende Geduld hat, könnte auch versuchen, rechtliche Schritte gegenüber der EU Niederlassung von Chuwi einzuleiten, sofern sich das Unternehmen quer stellt. Die Aussichten auf Erfolg eines solchen Vorgehens sind allerdings fraglich.
Fazit
Aus einem zunächst isoliert wirkenden Fall ist binnen weniger Wochen ein handfester Skandal geworden, der zwei bestätigte Modelle und möglicherweise weitere Hersteller umfasst. Die technischen Beweise sind eindeutig, und bislang deutet alles darauf hin, dass es sich nicht um Einzelfälle innerhalb der Modelle handelt, sondern alle ausgelieferten Geräte der genannten Modelle betroffen sind.
Ob Chuwi als Marke direkt in den Betrug eingeweiht war oder selbst Opfer eines skrupellosen Auftragsfertigers wurde, bleibt weiterhin offen, wenngleich die Indiezienlage langsam eher in Richtung des Auftragsfertigers geht. Was sich jedoch klar beurteilen lässt: Der bisherige Umgang mit der Situation, das Ausweichen gegenüber Medien, das Ignorieren der Kundschaft und die Versuche, kritische Berichterstattung durch Androhung rechtlicher Schritte zu unterdrücken, macht die Lage für Chuwi von Woche zu Woche schwieriger. Wir bleiben an dem Thema dran.