Der taiwanische Hardwarehersteller Asus hat offiziell bestätigt, dass ab 2026 keine neuen Smartphones mehr entwickelt werden. Die Entscheidung betrifft sowohl die Zenfone-Serie als auch die auf Gaming spezialisierten ROG Phones. Chairman Jonney Shih (Shi Chongtang) kündigte den Schritt bereits am 16. Januar 2026 während einer Unternehmensveranstaltung in Taipei an.
Asus begründet den Rückzug mit einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens. Die bisher für Smartphones eingesetzten Entwicklungsressourcen sollen künftig in zwei Bereiche fließen: kommerzielle PCs und sogenannte "physische KI". Darunter versteht das Unternehmen KI-gestützte Hardware wie Roboter und intelligente Brillen. Die im Smartphone-Bereich gesammelte Expertise mit ARM-Prozessoren von Qualcomm soll sich dabei als nützlich erweisen.
Der Strategiewechsel folgt wirtschaftlichen Überlegungen. Während Asus im Smartphone-Markt nie nennenswerte Marktanteile erreichte, konnte die Sparte für KI-Server-Hardware ihre Umsätze im Jahr 2025 verdoppeln. Die Gesamterlöse des Konzerns stiegen um 26,1 Prozent auf umgerechnet rund 20 Milliarden Euro. Der Ausstieg kommt somit nicht unbedingt überraschend. Beide Produktlinien konnten sich trotz solider Modelle gegen die etablierte Konkurrenz nicht durchsetzen.
Die Zenfone-Reihe hatte sich ursprünglich als kompakte Alternative zu anderen Flaggschiffen positioniert, verlor diesen Vorteil aber mit dem Wechsel zu größeren Displayformaten. Das ROG Phone fand zwar Anerkennung in der Gaming-Szene, blieb aber außerhalb Asiens ein Nischenprodukt. Verschärft wird die Situation durch strukturelle Veränderungen am Markt. Gestiegene Kosten für Komponenten, insbesondere für Speicherchips, und die hohe Nachfrage nach Halbleitern für KI-Anwendungen erhöhen den Druck auf kleinere Hersteller. In einem von wenigen großen Anbietern dominierten Umfeld fehlt es Asus an der notwendigen Skalierung und Preissetzungsmacht.
Besitzer aktueller Modelle wie des Zenfone 12 Ultra oder des ROG Phone 9 Pro müssen sich keine Sorgen machen. Asus garantiert die Fortsetzung von Gewährleistungsansprüchen, technischem Support und angekündigten Software-Updates. Allerdings sollten Nutzer keine Beschleunigung der Update-Auslieferung erwarten, da intern für abgekündigte Produkte üblicherweise weniger Ressourcen bereitgestellt werden.
Interessant ist die Formulierung des Ausstiegs. Shi Chongtang erklärte zwar eindeutig, dass keine neuen Modelle mehr entwickelt werden, schloss eine spätere Rückkehr in den Markt aber nicht explizit aus. Das Unternehmen werde das Segment weiterhin beobachten. Ob es sich dabei um eine echte Option oder lediglich um eine diplomatische Floskel handelt, bleibt offen.
Mit dem Rückzug von Asus verliert der Smartphone-Markt einen weiteren Hersteller. Nach LG im Jahr 2021 konzentriert sich nun auch Asus auf andere Geschäftsfelder. Für die Branche insgesamt dürfte der Verlust überschaubar bleiben, da beide Produktlinien zuletzt keine relevante Marktposition mehr innehatten.
Quelle(n): Inside.com.tw
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