Von ChinaMobileMag auf Freitag, 09. Dezember 2022
Kategorie: Testberichte

Motorola Moto G72 Testbericht

Einleitung

​In diesem Test schauen wir uns nach längerer Zeit mal wieder ein Smartphone von Motorola an. Erreicht hat uns das Moto G72, welches die Lenovo-Tochter erst vor kurzem in Deutschland auf den Markt gebracht hat. Wir haben es hier mit einem Mittelklasse Smartphone zu tun, wobei das Moto G72 eher den Preiskracher Ansatz verfolgt, denn zu einer UVP von nur 279,99€ in Deutschland kann sich die Ausstattung echt sehen lassen.

Neben dem neuen Mediatek Helio G99 mit 6nm Fertigung bringt das Moto G72 ein 120Hz OLED Display, eine 108MP Hauptkamera, Dolby Atmos Stereo Lautsprecher, einen großen Akku und sogar ein IP-Rating mit. Damit kann es zumindest auf dem Papier recht problemlos mit klassischen "Preisbrecher-Marken" aus Fernost mithalten und hat uns beim Start direkt neugierig gemacht.

In Deutschland verkauft Motorola das Moto G72 mit 6GB RAM und 128GB Speicher für 279,99€ in den Farben "Meteorite Grey" und "Polar Blue". Weitere Auswahlmöglichkeiten gibt es nicht. Stürzen wir uns also in den Testbericht und fühlen dem Moto G72 mal ausführlich auf den Zahn. Wer sich den Test als Video ansehen möchte, findet diesen bei uns im YouTube Kanal.

Kapitel in diesem Testbericht

Moto G72 Lieferumfang

Das Moto G72 wird euch in einem dunkelblauen Smartphone-Karton geliefert, welcher ein großes Motorola Logo und die Produktbezeichnung trägt. Auf der Rückseite finden sich einige technische Eckdaten. Im Inneren finden sich keine großen Überraschungen. Dem Moto G72 liegt eine transparente Schutzhülle, ein 33W Fast-Charger, ein USB Kabel, eine SIM Nadel und etwas Papierkram bei. Eine Schutzfolie liegt nicht bei und es befindet sich auch ab Werk keine Folie auf dem Bildschirm. Unser Moto G72 Unboxing könnt ihr euch auf YouTube ansehen.

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Moto G72 Design

​Materialien ​Rahmen: Kunststoff
Rückseite: Kunststoff
Front: Corning Gorilla Glass
Gewicht​166g
Abmessungen​160,5 x 74,4 x 7,9mm
Wasserdicht​Ja (IP52 Spritzwasser-Schutz)

Materialien & Aussehen

Das Moto G72 sieht schick aus und mit der silbrig-blauen sowie schwarzen Farboption sollten die gängigsten Geschmäcker abgedeckt sein. Das Design entspricht einer Mischung aus den lange Zeit vorherrschenden "abgerundeten" Designs und den jüngst wieder stärker verbreiteten flachen Designs. Der Kunststoffrahmen ist komplett flach und matt gestaltet. Links und rechts läuft er schmal zu, oben und unten ist er etwas breiter. Die Rückseite ist links und rechts stark abgerundet und matt gehalten. Dem Aussehen und Gefühl von Glas kommt sie sehr nahe, auch wenn das Moto G72 vollständig aus Kunststoff besteht. Der Übergang der Rundungen zum flachen Rahmen ist gut gelungen und fühlt sich nicht kratzig oder sonst irgendwie unangenehm an. Das Kameramodul ist vergleichsweise klein gehalten, steht aber aufgrund der Dicke von nur 7,9mm ein Stück weit aus der Rückseite hinaus, wodurch das Moto G72 auf einem Tisch deutlich wackelt.

Verarbeitung, Tasten & Anschlüsse

​An der Verarbeitung finden sich beim Moto G72 keine Mängel, die sofort ins Auge stechen. Feinheiten wie die Tasten sind gelungen, klappern nicht und bieten einen knackigen Druckpunkt mit ausreichend Widerstand. Unnötig große oder unregelmäßige Spaltmaße finden sich keine. Der einzige Makel ist die relativ geringe Stabilität. Das Moto G72 lässt sich mit vergleichsweise wenig Kraftaufwand biegen, was wohl der geringen Gehäusedicke geschuldet ist. Die Gesäßtasche sollte man deshalb meiden. Lobenswert ist, dass Motorola dem Moto G72 ein IP52 Rating verpasst hat. Damit kann man das Smartphone bei Regen bedenkenlos nutzen.

Die Tasten sind rechts übereinander platziert, wodurch die Lautstärkewippe für Rechtshänder etwas schwer zu erreichen ist. Unten im Rahmen befinden sich der Medienlautsprecher, das Sprachmikrofon, der USB-C Port und der 3,5mm Anschluss. Oben findet man eine weitere Mikrofon-Öffnung. Links oben befindet sich der SIM Tray, welcher entweder zwei Nano SIM Karten oder eine Nano SIM und eine Micro SD Karte aufnehmen kann.

Moto G72 Display

​Größe ​6,6 Zoll
Auflösung ​2400 x 1080 @120Hz
Adaptive Sync: 48/60/90/120Hz​
Technologie​​10-Bit AMOLED Panel
​1300 Nits Peak Helligkeit
640 Nits HBM Helligkeit
HDR10 & HLG Unterstützung
In-Screen Fingerprint Scanner
​Anzahl Berührungspunkte​10 (bis zu 576Hz Abtastrate)
Gehärtetes Glas​Gorilla Glass (unbekannte Generation)
Anti Fingerabdruck Beschichtung​Ja

Panel & Bild

​Beim Display ist das Moto G72 für ein Mittelklasse Gerät einer "Mainstream Marke" ziemlich gut aufgestellt. Motorola bietet hier ein 6,6 Zoll großes AMOLED Panel mitsamt FHD+ Auflösung und sogar 120Hz Bildfrequenz, wobei das Panel 10-Bit Farben unterstützt und darüber hinaus Adaptive Sync mit 48Hz, 60Hz, 90Hz und den maximalen 120Hz unterstützt. Das Panel erreicht im Normalbetrieb eine Helligkeit von 640 Nits und lässt sich somit bei Sonneneinstrahlung gut ablesen. Im HDR Betrieb soll das Panel bis zu 1300 Nits liefern können, wobei laut Datenblatt und System-Infos HDR10 und HLG unterstützt wird. Leider bietet auf dem Moto G72 keine App (auch YouTube) HDR Unterstützung an, sodass hier keine Tests möglich waren. Hier scheint es einen Fehler in der Firmware zu geben, durch welchen Apps die HDR Unterstützung nicht erkennen. An dieser Stelle ist also ein Update fällig. Ansonsten gibt es nichts auszusetzen. Farblich bewegt sich das Display ab Werk auf einem sehr guten Niveau und macht in allen Situationen Spaß. Das Bild wirkt scharf, die Schwarzwerte sind AMOLED-typisch astrein und die Blickwinkelstabilität fällt sehr gut aus. Das Moto G72 bietet darüber hinaus symmetrische Displayränder, was in der Preisklasse nicht selbstverständlich ist.

Einstellungen & Features

​In den Displayeinstellungen vom Moto G72 finden sich die üblichen Verdächtigen wie Helligkeit, Schriftgröße und Skalierung sowie ein Dark Mode, welcher dank dem AMOLED Display auch Einsparungspotential beim Akku bietet. Die Refresh Rate des Displays kann auf feste 60Hz oder 120Hz gesetzt werden. Der dynamische Modus nutzt Adaptive Sync zur Anpassung basierend auf dem dargestellten Inhalt. Darüber hinaus gibt es eine Farbkonfiguration mit zwei Presets (Natürlich und Gesättigt), für welche man jeweils eine eigene Farbtemperatur festlegen kann.

Zur Steuerung bietet das Moto G72 On-Screen Tasten oder Wischgesten an den Bildschirmrändern. Einen Einhand-Modus gibt es ebenfalls, welcher auch per Wischgeste aktiviert wird. Ein Info-Display im Standby wird unterstützt, wobei es sich aber nicht um ein echtes Always-On Display handelt, denn dieses deaktiviert sich nach einigen Sekunden. Angezeigt wird es beim Anheben des Moto G72, beim Berühren des Displays oder wenn gerade eine Benachrichtigung eingegangen ist.

Abseits davon bietet das Moto G72 noch verschiedene Multitouch-Gesten z.B. für Screenshots und auch einen Anti-Flimmer-Modus, mit welchem die Bildschirmhelligkeit per DC-Dimming geregelt wird, was für alle Nutzer mit einer Empfindlichkeit für PWM Flackern ein willkommenes Feature sein dürfte.

Touchscreen & Displayglas

​Beim Touchscreen vom Moto G72 handelt es sich um einen 10-Punkt Touchscreen mit einer sehr hohen Abtastrate von 576Hz, was für die Preisklasse ein sehr ordentlicher Wert ist und sich im Alltag, aber auch beim Spielen äußerst positiv bemerkbar macht. Der Bildschirm reagiert prompt auf alle Eingaben und beim Scrollen oder der Touch-Steuerung in Spielen gibt es kaum eine merkbare Latenz. Insgesamt hat man es hier also mit einem exzellenten Touchscreen zu tun. Beim Glas soll es sich um Gorilla Glass handeln, wobei es keine Angabe zur Generation gibt. Im Testzeitraum blieb das Glas kratz frei. Abdrücke lassen sich langsam nieder und sind einfach abwischbar. Die Gleitfähigkeit fällt sehr gut aus.

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Moto G72 Ausstattung

​Prozessor ​Mediatek Helio G99 (6nm)
2x ARM Cortex A76 @2,2GHz
6x ARM Cortex A55 @2,0GHz​
GPU ​Mali G57 MC2
RAM​6GB LPDDR4X
Speicher​128GB UFS 2.1
Lesen: 840MB/s | Schreiben: 518MB/s​
Micro SD​Ja (Hybrid Slot)
➡️ Micro SD Karten bei Amazon
Fingerabdruck Scanner​Ja (im Display)
​Sensoren​Beschleunigung, lineare Beschleunigung, Kompass, Gyroskop, Umgebungslicht, Annäherung, Gravitation, Ausrichtung, Rotationsvektor
Besonderheiten​Keine Benachrichtigungs LED, "Sometimes-On" Display, 3,5mm Anschluss, UKW Radio, USB-C 2.0, USB OTG, rotierender Vibrationsmotor, IP52 Schutz, Micro SD Hybrid Slot

​Alltags Performance

​Im Moto G72 kommt der noch recht neue Helio G99 zum Einsatz, welcher als erster Chip der Helio G9X Serie in 6nm gefertigt wird. Mit dem Chip haben wir bereits beim Poco M5 Erfahrungen gesammelt und waren dort mit der Leistung nicht so ganz zufrieden. Nun stellt sich beim Moto G72 allerdings heraus, dass die mäßige Performance wohl nicht dem Helio G99 geschuldet war, sondern eher einer schlechten Optimierung vom Poco M5.

Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir das Moto G72 in Betrieb genommen haben und direkt von Beginn an eine sehr gute Performance mit extrem flüssigem und schnell reagierendem System genießen konnten. Da war zuerst mal ein Blick ins System angesagt, ob hier tatsächlich der Helio G99 verbaut ist, oder ob wir das falsch in Erinnerung hatten. Aber nein, es ist der Helio G99, der hier in der Lage ist, eine einwandfreie Performance zu bieten, die absolut auf dem derzeit erwartbaren Niveau der Preisklasse liegt. Und ja, auch die 120Hz vom Moto G72 kommen im System und den allermeisten Apps sehr gut zur Geltung. Verglichen mit dem Poco M5 ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das zeigt, dass Motorola beim Moto G72 eine ganz hervorragende Arbeit bei der Optimierung geleistet hat und der Helio G99 wohl doch mehr kann als gedacht.

Sehr schön ist dabei auch, dass der Helio G99 trotz der recht guten Leistung keine übermäßige Abwärme an den Tag legt. Das Moto G72 bleibt im Alltag stets angenehm kühl und im CPU Throttle Test zeigt sich kein drastisches Thermal Throttling. Auch beim Spielen bleiben die Temperaturen auf einem niedrigen Niveau, wobei das Moto G72 auch hier deutlich besser abschneidet als das Poco M5. Das Moto G72 schafft beispielsweise Shadowgun Legends mit dem "Hoch"-Grafikpreset in einer spielbaren Framerate, was beim Poco M5 zumindest im Testzeitraum nicht möglich war. Wer also keine übermäßig hohen Anforderungen an die Spieleleistung hat, wird mit dem Moto G72 recht zufrieden sein.

Benchmarks

Speicher, Sensoren & Sonstiges

​Beim Speicher hat sich Moto G72 für 128GB UFS 2.1 Festspeicher und 6GB LPDDR4X RAM entschieden, was für die Preisklasse in Ordnung geht. Der Arbeitsspeicher wird gut verwaltet und hat im Test auch für anspruchsvollere Multitasking-Szenarien gereicht. Wem die 128GB Festspeicher nicht reichen, der kann per Micro SD Karte aufrüsten, muss dann allerdings wegen des Hybrid Slots ohne Dual SIM auskommen.

Bei den Sensoren zeigt das Moto G72 keine größeren Schwächen. Die wichtigen Sensoren sind alle an Bord und Kompass sowie Gyroskop zeigen keine Ungenauigkeiten. Der Fingerabdrucksensor befindet sich am unteren Displayrand und funktioniert sehr gut. Eine Positionierung etwas weiter oben wäre allerdings bequemer gewesen. Face Unlock gibt es über die Frontkamera und auch das funktioniert ohne Probleme selbst bei schlechten Lichtverhältnissen.

Der USB-C Anschluss vom Moto G72 unterstützt USB 2.0 und bietet USB OTG. Ein Videosignal kann der Anschluss nicht ausgeben. Eine Schwäche vom Moto G72 ist das Vibrationsfeedback, welches leider nicht auf einem Linearmotor basiert, sondern stattdessen einen klassischen rotierenden Vibrator nutzt.

Moto G72 Software

​Variante Erweitertes Stock Android
Version im Test: S3SV32.45-24-3​
​Android Version ​Android 12
​Sicherheitspatch im Test: Oktober 2022
Google zertifiziert​Ja
DRM Technologien​Widevine L1 DRM, ClearKey CDM
Bloatware​​Ja (Motorola Apps, Facebook, TikTok)
Root Zugriff​Nein
OTA Updates​Ja (ein Update im Testzeitraum)
Schadsoftware​Nein

​Android Version & Variante

​Dass das Moto G72 extrem gut optimiert wurde, haben wir ja eben schon angerissen, doch auch sonst gibt es Software-seitig nicht viel zu kritisieren. Motorola verzichtet auf eine umfassend angepasste Oberfläche und setzt stattdessen auf Stock Android. Man hat es hier also mit einem fast naturbelassenen Android 12 zu tun, an dem lediglich mit einigen Smartphone-spezifischen Zusatzfunktionen gefeilt wurde. Auf diese wird man in den ersten Tagen dezent hingewiesen und kann sie dann entweder nutzen oder deaktivieren. Insgesamt wirkt das System auf dem Moto G72 sauber und aufgeräumt.

Der Sicherheitspatch wurde mit dem letzten Update auf den damaligen aktuellen Stand vom Oktober 2022 gebracht. Updates soll es für das Moto G72 übrigens 3 Jahre lang erhalten. Dies bezieht sich allerdings auf Sicherheits-Updates. Android Updates wird es nur eines geben - also vermutlich auf Android 13. Wann dieses wiederum erscheinen soll, ist derzeit noch nicht bekannt gegeben worden.

Zertifizierung & DRM

​Google-Zertifizierung bietet das Moto G72 natürlich und hat im Test keine Probleme mit den Google Diensten oder Banking Apps gezeigt. Google Pay wird dank der Zertifizierung ebenfalls unterstützt. Zum Streaming in Full HD Auflösung (z.B. Netflix) gibt es Widevine Level 1 DRM. HDR wird in Netflix allerdings nicht unterstützt. Auch hier würden wir uns ein Update wünschen, welches Unterstützung dafür nachliefert.

Bloatware, Schadsoftware & Bugs

​Bloatware findet man auf dem Moto G72 nur wenig - eine Moto App und die TikTok App. Die TikTok App lässt sich deinstallieren. Facebook ist auch vorinstalliert, kommt allerdings ohne die Systemdienste daher und lässt sich ebenfalls rückstandslos deinstallieren. Scans nach Schadsoftware haben keine positiven Befunde geliefert. Gravierende Bugs oder Abstürze sind im gesamten Testzeitraum keine aufgetreten.

Moto G72 Konnektivität

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​Mobilfunk Keine Angaben
WLAN ​WLAN 802.11a/b/g/n/ac
Bluetooth​Bluetooth 5.3
NFC​Ja (mit Google Pay)
​Dual SIM​Dual Nano SIM
Positionsbestimmung​GPS, A-GPS, GLONASS, BDS, Galileo

Mobilfunk

​Komischerweise macht Motorola im Datenblatt keinerlei Angabe zu den unterstützten Mobilfunkfrequenzen vom Moto G72, sodass die Tabelle oben an dieser Stelle leer bleibt und wir euch keine Infos zur Netzunterstützung im Ausland geben können. Zumindest in Deutschland gab es im Test jedoch keine Einschränkungen und sogar 4G+ funktioniert. Der Empfang bewegt sich im durchschnittlichen Bereich - also nicht sehr gut, aber auch keinesfalls schlecht. In schwach abgedeckten Gegenden tut sich das G72 teilweise etwas schwer mit einer Datenverbindung.

WLAN, Bluetooth & NFC

​WLAN unterstützt das Moto G72 bis zum AC-Standard und liefert hier einen durchschnittlichen Empfang. Neben dem Router erreicht das Smartphone im Schnitt 241Mbit/s Nettobandbreite. Ein Stockwerk darunter wechselt es ins 2,4GHz Band und erreicht im Schnitt noch 47Mbit/s. Bluetooth wird in Version 5.3 unterstützt und kann ohne Aussetzer zwei bis drei Räume überbrücken. NFC wird unterstützt, funktioniert ohne Probleme und bietet Google Pay Unterstützung.

GPS Test

​Im GPS Test bindet das Moto G72 um die 20 Satelliten ein. Der Empfang ist sehr gut und in der GPS Test App sind die meisten Balken grün. Im Praxistest gab es weder beim Navigieren noch beim Tracking Aussetzer oder starke Abweichungen. Zurückgelegte Strecken werden auch in der Hosentasche genau erfasst.

Moto G72 Audio

​Lautsprecher ​Stereo (Rahmen unten + Telefonhörer)
Noise Cancelling Mikrofon ​Ja (Rahmen oben)
Weitere Merkmale​3,5mm Anschluss, Dolby Atmos Klangverbesserung, Systemequalizer, VoLTE, VoWiFi

Lautsprecher & Kopfhörer

​Das Moto G72 bietet über die internen Lautsprecher Stereo Sound. Ein Medienlautsprecher befindet sich im unteren Rahmen, als zweiter Lautsprecher wird der Telefonhörer genutzt. Der Klang ist erfreulich gut und auch bei maximaler Lautstärke (welche sehr hoch ist) nicht unangenehm. Bässe kommen recht deutlich durch und Dolby Atmos sorgt für Feinschliff. Insgesamt gehören die Lautsprecher zu den besseren Vertretern in der Preisklasse. Anpassungen am Klangbild kann man im Dolby Atmos Sound Enhancer mit einem System Equalizer realisieren. Kopfhörer lassen sich neben USB-C auch klassisch an einem 3,5mm Anschluss betreiben. UKW Radio Empfang ist hierüber auch möglich.

Sprachqualität (Telefonie)

​Beim Telefonieren nutzt das Moto G72 zwei Mikrofone, um Geräusche aus der Umgebung zu reduzieren. Das funktioniert ganz gut und sorgt im Zusammenspiel mit VoLTE und VoWiFi (muss in den SIM Einstellungen manuell aktiviert werden) für eine sehr gute Sprachqualität an beiden Enden. Da die Ohrmuschel auch als Medienlautsprecher dient, kann sie bei Bedarf sehr laut werden. In lauter Umgebung kann man den Gesprächspartner so weiterhin gut verstehen.

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Moto G72 Kamera

​Hauptkamera 108MP Samsung HM6 f/1.7 (Haupt)
8MP Samsung S5K4H7 f/2.2 (UWW)
2MP OmniVision OV02B f/2.4 4cm (Makro)
Video: FHD60 / FHD30
Codec: H.264 / H.265 (HEVC)
​Frontkamera 16MP SK Hynix HI1634Q f/2.45 (Punch Hole)
Video: FHD30
Codec: H.264 / H.265 (HEVC)
​Blitz​Eine LED
​Fokus​PDAF + CDAF Hybrid
​Slow Motion​HD120

​Auch bei den Kameras ist das Moto G72 ganz solide aufgestellt. Die Hauptkamera besteht aus einem 108MP Samsung HM6 mit großer f/1.7 Blende und wird von zwei Kameras für 8MP UWW- und 2MP Makroaufnahmen unterstützt. Für Selfies gibt es eine 16MP Kamera in einer zentrierten Punch Hole, welche im Durchmesser recht klein und damit unscheinbar ausfällt. Im Folgenden schauen wir uns alle Kameras etwas genauer an.

Standard Modus (Tag, 12MP)

​Die 108MP Hauptkamera liefert im Standard Modus 12MP Fotos mit Pixel Binning. Damit ist die Auflösung relativ ungewöhnlich, da 108MP Kameras hier bei den meisten Smartphones 16MP Fotos liefern. Auf die Ergebnisse scheint sich das jedoch positiv auszuwirken, denn die üblichen Schwächen der 108MP Sensoren treten beim Moto G72 vergleichsweise subtil in Erscheinung. Tatsächlich liefert das Moto G72 knackscharfe Fotos, was selbst bei eher schlechten Lichtverhältnissen wie z.B. innerhalb von Räumen oder draußen bei regnerischem oder nebligem Wetter der Fall ist. Auch auf die Distanz erhält man hier eine solide Detaildarstellung, was bei den 108MP Kameras nicht ganz selbstverständlich ist. Bei den Farben sollte Realitätstreue allerdings keine Priorität haben. Das Moto G72 liefert einen etwas zu kräftigen Kontrast und tendiert zu leicht rot stichigen Bildern. Ob man das nun mag oder nicht, ist wie so oft Geschmackssache. Ansonsten liefert das Moto G72 eine sehr kurze Auslösezeit, setzt den Fokus ohne große Verzögerung und hat keine Probleme mit Wacklern. Der natürliche Bokeh-Effekt bei Nahaufnahmen fällt dank des großen Sensors recht intensiv aus.

108MP Modus (Ultra-Res)

​Unter dem Titel "Ultra-Res" bietet das Moto G72 auch einen Modus für die volle Sensorauflösung. Hier zeigt sich das Smartphone ebenfalls gut optimiert und liefert schöne große Bilder mit reichlich Details, in welche man weit reinzoomen kann, bevor man Pixelmatsch sieht. Erfreulich ist dabei, dass das Moto G72 auch bei 108MP relativ unempfindlich für schwierige Lichtverhältnisse bleibt und der Modus so auch in anspruchsvolleren Situationen einen Vorteil bringen kann.

2-fach Digitalzoom (12MP)

​Beim Digitalzoom schwächelt das Moto G72 leider. Mit einem 108MP Sensor sollte bei entsprechender Optimierung zumindest bei guten Lichtverhältnissen ein verlustfreier 2-fach Zoom möglich sein. Dies erfüllt das Moto G72 allerdings nicht. Man erkennt in den Fotos deutliche Einbußen in der Bildqualität, welche auch bei guten Lichtverhältnissen und Nahaufnahmen deutlich zu sehen sind.

Portrait Modus (12MP)

​Der Portrait Modus funktioniert beim Moto G72 gut und liefert eine recht zuverlässige Erkennung der Umrisse vom Objekt im Vordergrund. Der Bokeh Effekt sieht aber eher wie ein Weichzeichner aus. Nutzt ihn also nur bei einem Abstand zum Motiv, wo der Sensor keinen natürlichen Bokeh Effekt mehr liefert, denn dieser sieht deutlich hübscher aus.

Ultraweitwinkel (8MP)

​Das Moto G72 bietet auch eine Ultraweitwinkel Kamera, welcher aber typisch für die Preisklasse nur mit 8MP auflöst und einen festen Fokus hat. Immerhin ist der Sensor überdurchschnittlich gut optimiert worden, sodass die Fotos etwas schärfer und detaillierter wirken, als man es von solchen Kameras gewohnt ist. Perfekt sind die Fotos zwar nach wie vor nicht, unterm Strich dadurch aber deutlich brauchbarer. Nur bei wenig Licht sollte man auf die UWW-Kamera verzichten, denn dann steigt sie schnell aus.

Makro (2MP)

​Die Makro Kamera liefert leider nur 2MP mit festem Fokus auf etwa 4cm Abstand. Gute Ergebnisse gelingen damit nicht. Eine 5MP Tele-Makro Kamera hätte dem Moto G72 definitiv besser gestanden. Alternativ hätte man sie auch einfach weglassen können.

LED Blitz (12MP)

​Obwohl das Moto G72 nur einen Blitz mit einer LED an Bord hat, schlägt sich das Smartphone damit überdurchschnittlich gut. Der Blitz wird relativ hell und der 108MP Sensor zeigt sich noch dazu sehr lichtstark, sodass mit dem Bild rauschfreie, helle und detaillierte Fotos gelingen. Dabei ist auch die Reichweite ganz ordentlich, sodass das Moto G72 mit Blitz nicht nur bei Nahaufnahmen oder in kleinen Räumen, sondern auch auf größere Distanz noch brauchbare Bilder liefert. Auch für Wackler ist die Kamera mit Blitz kaum anfällig.

Nachtfotos (12MP)

​Bei Nachtfotos schlägt sich das Moto G72 sehr gut und kommt nahe an deutlich teurere Smartphones heran. Schon im Standard Modus liefert die Kamera eine erfreulich gute Lichtausbeute und damit gut aussehende Bilder mit schöner Farbdarstellung. Lediglich bei sehr wenig Lichtquellen kommt es zu einem deutlich sichtbaren Bildrauschen in manchen Bereichen, was uns aber besser gefällt, als der Versuch das Bildrauschen per Weichzeichnung zu kaschieren. Für die besten Ergebnisse sollte man aber den Nachtmodus vom Moto G72 nutzen. Dieser wurde sehr gut umgesetzt und eliminiert auch bei sehr wenigen Lichtquellen das Bildrauschen fast bis komplett. Darüber hinaus liefert er häufig mehr Details, eine etwas bessere Bildschärfe und auch einen deutlich besseren Dynamikumfang.

Langzeitbelichtung (12MP)

​Im Pro Modus bietet das Moto G72 die volle Kontrolle über die Kamera, was insbesondere bei Nachtfotos mit einem Stativ noch bessere Bilder ermöglicht. Dabei kommen auch Anfänger auf ihre Kosten, denn das Moto G72 bietet eine hervorragende Halbautomatik. Es genügt, die Belichtungszeit manuell zu setzen und die anderen Einstellungen auf Automatik zu belassen. Die unteren Resultate sprechen an dieser Stelle für sich. Alle Testaufnahmen wurden mit Halbautomatik und Belichtungszeiten zwischen 4 und 32 Sekunden aufgenommen.

Frontkamera (4MP)

​Die Frontkamera vom Moto G72 grenzt leider fast schon an einen Totalausfall. Auch wenn ein 16MP Sensor verbaut wird, entstehen mit der Stock Kamera App nur 4MP Fotos. Diese wirken noch dazu übertrieben weichgezeichnet und sehen dadurch alles andere als gut aus. Bei Lichtmangel geht die Bildqualität dann rapide in die Knie. Für die Preisklasse ist das definitiv nicht ausreichend.

Videos

​Beim FIlmen ist das Moto G72 ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei, wobei das mehr dem Helio G99 geschuldet ist. Mediatek Chips liefern generell keine gute Qualität beim Aufnehmen von Full HD Material und eine höhere Auflösung unterstützt der G99 leider nicht. Maximal FHD60 sind möglich und dabei gibt es sogar EIS, doch die Bildqualität ist für die Preisklasse einfach nicht gut genug und auch der Ton könnte besser sein. Wer aufs Filmen keinen Wert legt, wird sich daran sicherlich nicht stören, doch alle anderen sollten vom Moto G72 besser die Finger lassen. Slow Motion Aufnahmen sind mit HD Auflösung und 120fps möglich, liefern aber keinen Ton und liegen bereits abgebremst als 30fps Videodatei vor.

Moto G72 Akku

​Kapazität (Angabe) ​5.000mAh
​Kapazität (Gemessen) ​4.908mAh
​Wechselbar​Nein
Fast Charging​33W (USB-C)

Akkulaufzeit

​5.000mAh Akkus sind mittlerweile in Mittelklasse Smartphones zum Standard geworden und auch das Moto G72 hält sich daran. Zusammen mit dem recht effizienten Helio G99 und der guten Optimierung erreicht das Moto G72 trotz des 120Hz Displays eine sehr gute Akkulaufzeit von 2 Tagen bei durchschnittlicher Nutzung und immer noch locker einem Tag bei sehr intensiver Nutzung. Die erreichbare Screen-On Zeit im Dauerbetrieb liegt bei über 12 Stunden und der Standby Verbrauch ist erfreulich gering, auch wenn man einige Apps aus dem Energiemanagement ausgeschlossen hat. Wer auf 120Hz verzichtet, kann die Laufzeit nochmal in die Länge ziehen. Bei wenig intensiver Nutzung (wenig Kamera, keine Spiele, kein GPS) kann man dann auch drei Tage Laufzeit erreichen. Insgesamt also sehr überzeugende Resultate, welche das Moto G72 hier abliefert.

Ladezeit

​Erfreulich schnell ist auch das Fast-Charging. Obwohl das Moto G72 mit nur 33 Watt lädt, wird der Akku in kurzer Zeit wieder aufgefüllt. Die Ladekurve ist relativ steil, sodass man schon nach 30 Minuten von 20% auf 75% kommt. Bis auf 100% vergeht insgesamt nur etwas mehr als eine Stunde. Da 75% bei durchschnittlicher Nutzung schon locker für einen Tag Betrieb ausreichen, ist man also im Notfall schnell wieder bereit. Was dem Moto G72 leider fehlt, ist Wireless Charging. Sicherlich ist das in der Preisklasse ohnehin eine Seltenheit, doch damit hätte Motorola mit wenig Aufwand noch einen weiteren Kaufgrund umsetzen und sich so von der Masse abheben können.

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Moto G72 Test Fazit

​Das Moto G72 stellt eindeutig unter Beweis, dass es für preislich attraktive Smartphones nicht immer Xiaomi oder Realme sein muss. Auch Mainstream Marken - und dazu gehört Motorola ohne Zweifel - können zuweilen sehr attraktive Gesamtpakete liefern. Das Moto G72 ist dafür ein hervorragendes Beispiel, denn für knapp 280€ und manchmal auch für 250€ bekommt man hier tatsächlich ein sehr gutes Smartphone geboten, welches nur wenige Schwächen an den Tag legt. Das 120Hz OLED Display und die trotz Helio G99 erstaunlich gute Performance zusammen mit der sehr gut optimierten Hauptkamera, den guten Lautsprechern und der sehr guten Akkulaufzeit überzeugen absolut. Hinzu kommt eine recht saubere Software, die vor allem Freunden von Stock Android sehr zusagen dürfte.

Enttäuscht hat uns die zumindest im Testzeitraum nicht funktionierende HDR Unterstützung des Displays, welche hoffentlich per Update noch in Gang gebracht wird, sowie die enttäuschende Frontkamera. Letztere wird aber zumindest durch die insgesamt sehr gut optimierte 108MP Hauptkamera ausgeglichen, sodass hier allenfalls die "Selfie-Fans" enttäuscht werden. Wer auf hochwertige Frontkameras wenig Wert legt, wird darüber vermutlich leicht hinwegsehen können. Leichte Schwächen haben sich zudem bei der Signalstärke im Mobilfunk und WLAN gezeigt, wobei sich die konkreten Auswirkungen im Alltag eher in Grenzen gehalten haben. Ein No-Go wird das nur für jene Nutzer sein, die sich häufig in schlecht abgedeckten Gegenden aufhalten bzw. mit der WLAN Abdeckung zu Hause ohnehin grundlegende Probleme haben.

Insgesamt hat das Moto G72 also nur sehr spezifische Schwächen, ist ansonsten jedoch für den Preis ein grundsolides und preiswertes Gesamtpaket, welches man durchaus auch als Alternative zu den genannten Preisbrecher-Marken aus Fernost empfehlen kann.

Bei uns im YouTube Kanal könnt ihr euch den Test zum Moto G72 auch noch als Video ansehen.

Vorteile

  • ​Schlichtes aber ansprechendes Design mit matter Rückseite
  • Rundum gute Verarbeitung und IP52 Rating (Spritzwasser-Schutz)
  • Sehr schönes AMOLED Display mit 120Hz und Adaptive Sync
  • Hohe Helligkeit für weitgehend problemlose Nutzung unter Sonnenlicht
  • Unterstützung für DC-Dimming
  • Sehr guter und schneller 10-Punkt Touchscreen (576Hz)
  • Exzellente Optimierung holt aus dem Helio G99 eine extrem gute Performance raus
  • Genügend RAM und Festspeicher mit Micro SD Option (Hybrid Slot!)
  • Alle wichtigen Sensoren vorhanden, keine Schwächen
  • Fingerprint Scanner im Display, schnell & zuverlässig
  • Gutes Face Unlock per Frontkamera (funktioniert auch bei wenig Licht)
  • Sauberes Stock Android 12 mit wenigen Anpassungen
  • Kaum Bloatware, Facebook deinstallierbar, keine Schadsoftware
  • Widevine L1 DRM und Google Zertifizierung
  • Allgemein exzellente Software Optimierung und 3 Jahre Sicherheitsupdates
  • Bluetooth 5.3, NFC mit Google Pay, gutes GPS
  • Sehr gute Stereo Lautsprecher mit Dolby Atmos
  • 3,5mm Anschluss mit Dolby Atmos und UKW Radio Empfang
  • Sehr gute Sprachqualität mit VoLTE, VoWiFi und zwei Mikrofonen
  • Sehr gute 108MP Kamera auch bei wenig Licht und Nacht
  • Sehr gute Akkulaufzeit trotz 120Hz Display
  • Erfreulich schnelles Aufladen trotz "nur" 33W Leistung

Nachteile

  • ​Kunststoff Design - leicht aber nicht sehr stabil
  • Die HDR10 / HLG Unterstützung hat im Testzeitraum nicht funktioniert
  • Keine Status LED, nur "Sometimes-On" Display
  • Leichte Schwächen beim Mobilfunkempfang (nur in bestimmten Szenarien relevant)
  • Leichte Schwächen beim WLAN Empfang (nur in bestimmten Szenarien relevant)
  • Farbtreue & Kontrastbalance der 108MP Kamera könnte etwas besser sein (Geschmackssache!)
  • Vergleichsweise schlechte Frontkamera
  • Videoqualität beim Filmen nicht sehr gut
  • Sinnlose 2MP Makro Kamera
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