Von ChinaMobileMag auf Samstag, 01. November 2014
Kategorie: China Gadgets

WeLoop Tommy Smartwatch Review

Eine Smartwatch muss keine waghalsigen Spezifikationen haben und auch nicht 100€ und mehr kosten. Genau das haben die chinesischen Hersteller mittlerweile bewiesen, und einer dieser Hersteller ist definitiv WeLoop mit der Tommy Smartwatch.

Mit der WeLoop Tommy verfolgt der Hersteller ein gänzlich anderes Konzept wie z.B. Asus mit der ZenWatch oder Motorola mit der schönen aber teuren Moto 360. Die Smartwatch verzichtet auf Android Wear und ein Farbdisplay sowie einen schnellen Prozessor, und bietet stattdessen nur rudimentäre Funktionen. Dennoch kann sie genau das, für was die meisten Anwender eine Smartwatch benötigen: Einen darüber auf dem Laufenden halten, was in der Hosentasche gerade so vor sich geht. Durch die Einsparungen seitens der Hardware erkauft man sich dadurch einen erschwinglichen Preis und eine sehr lange Akkulaufzeit.

Ich habe mir die WeLoop Tommy bei Deal Extreme bestellt, und nun fast zwei Monate lang getestet. Meine Erfahrungen findet ihr in diesem Review.

Unboxing

Geliefert wird die WeLoop Tommy in einer schwarzen Box aus Pappe, auf der das WeLoop Logo prangt. Im Inneren befinden sich eine kleine Anleitung und die Uhr, an einem Plastikhalter befestigt. Im Inneren dieses Halters befindet sich außerdem das Ladekabel der Uhr, leicht zu übersehen. Das Ladekabel wird per Magnet an der Uhr befestigt und kann dann mit jedem USB Netzteil oder am Computer verwendet werden.

Design

Die WeLoop Tommy verfügt über ein schlichtes, aber dennoch optisch ansprechendes Design mit guter Verarbeitung. Die Uhr ist in den Farben Rot und Schwarz erhältlich. Die Front besteht aus einer recht dicken Glasabdeckung, welche das Display ausreichend schützt. Trotz mehrmaliger provozierter Stürze und Zusammenstöße hat das Glas nicht eine Macke, was schon einmal von hoher Robustheit zeugt. Angeblich soll die Uhr auch bis 50m wasserdicht sein. Getestet habe ich das allerdings nicht, ich traue den Chinesen da einfach nicht über den weg, man möge mir das verzeihen. Spritzwasser hält sie aber allemal aus – in der Dusche verifiziert.

Der Rest des Gehäuses besteht aus hartem Kunststoff, welches auf der Rückseite leicht angeraut ist, um für Grip zu sorgen. Das Armband ist aus einer Art Gummi gefertigt und kann nicht gewechselt werden. Der Verschluss besteht aus Metall. Einmal geschlossen, hält dieser auch wirklich gut zu und man muss sich durchaus ein wenig anstrengen, um die Uhr wieder vom Handgelenk zu entfernen.

Auf der linken Seite der Uhr befinden sich der Ladeanschluss und ein Knopf der die Funktion „zurück“ repräsentiert. Rechts gibt es drei Tasten: Runter, Auswahl und Hoch. Mit diesen 4 Tasten bedient man alle Funktionen der Uhr, es gibt keinen Touchscreen.

Funktionen

Die wohl wichtigste Funktion der Smartwatch ist die Anzeige der aktuellen Uhrzeit. Hierfür stehen verschiedene Watchfaces zur Verfügung, welche entweder nur die Zeit anzeigen, oder auch das Datum. Mit der WeLoop App können nachträglich noch Watchfaces hinzugefügt werden. Auf der Uhr ist aber maximal Platz für drei zusätzliche Watchfaces zusätzlich zu den bereits installierten. Man kann zwischen verspielten Motiven, modernen Digitalanzeigen oder klassischen Uhrenblättern wählen. Letztere Option ist dabei mein Favorit.

Die Lesbarkeit des Displays ist unter Tageslicht einwandfrei, da die Anzeige recht gut reflektiert. Wird es jedoch dunkler, so wird die Aktivierung der Beleuchtung unerlässlich. Diese kann man entweder durch Bewegung oder durch Tastendruck aktivieren, je nach Geschmack und Einstellung. Die Watchfaces wechselt man bequem mit den beiden Tasten „hoch“ und „runter. Ein Druck auf die Auswahltaste öffnet das Menü. Ein Druck auf die Zurück Taste zeigt das aktuelle Datum, den Ladestand der Uhr und die Bluetooth ID an.

Im Hauptmenü kann man bequem durch die Funktionen scrollen und die gewünschte Funktion mit einem Tastendruck auswählen. Die Schrift ist angenehm groß gehalten und jeder Menüpunkt verfügt über ein Icon. Das macht es einfach die erste Einrichtung der Uhr durchzuführen, da diese standardmäßig auf die chinesische Sprache eingestellt ist. Es gibt übrigens nur Englisch und Chinesisch zur Auswahl. Das sollte aber kein Problem sein, denn selbst wer kein Englisch kann, wird die paar Begriffe in null komma nichts beherrschen.

Die zweitwichtigste Funktion, und damit auch die erste Option im Hauptmenü, sind die Benachrichtigungen aka Notifications. Wählt man diese Option an, so erhält man einen Überblick darüber, was während der vergangenen Minuten bis Stunden so auf dem Smartphone vor sich ging. Erhält man eine neue Benachrichtigung, so wechselt die Uhr automatisch in diese Ansicht und vibriert zweimal. Selbiges gilt für Anrufe, welche man auch gleich mit der Uhr annehmen und abweisen kann.

In der WeLoop App kann man konfigurieren welche Apps Benachrichtigungen auf die Uhr pushen dürfen. Leider ist die Auswahl etwas unübersichtlich geraden, da in der Liste selbst System Apps angezeigt werden, welche überhaupt keine Benachrichtigungen erzeugen können und damit total unnötig sind. Das hätte deutlich besser gelöst werden können.

Die zweite Option im Menü ist „Music“. Hier kann man die Musikwiedergabe auf dem Handy steuern. Wichtig ist es, dass man hier zunächst den verwendeten Player in der WeLoop App auswählt. Erst dann funktioniert die Steuerung mit der WeLoop Tommy. Verwendet man mehrere Musik Player, z.B. den vorinstallierten und Spotify, dann muss man dies immer vor der Verwendung ändern, was etwas nervig ist. Schön wäre es, wenn die Apps selbstständig erkennen würde, welche Musik App gerade in Verwendung ist. Auf der WeLoop Tommy bekommt man dann den abgespielten Titel und dessen Interpreten angezeigt. Man kann die Musikwiedergabe pausieren und wieder starten, sowie in zwischen den Titeln in beide Richtungen wechseln. Ein Vorspulen oder Ändern der Lautstärke ist leider nicht möglich.

Die dritte Option im Menü der WeLoop Tommy nennt sich „Camera“. Diese Funktion ist im Grunde recht Sinn frei. Um sie zu verwenden, muss man in der WeLoop App das Kamera Icon antippen, woraufhin sich eine rudimentäre integrierte Kamera App öffnet. Mit der Uhr kann man hier nun den Auslöser betätigen. Wer’s braucht…

Die vierte Option „Fitness“ ist da schon wesentlich interessanter. Hier werden Schritte gezählt, die zurückgelegte Distanz gemessen und die verbrannte Energie in KJ angezeigt. Dies funktioniert überraschend akkurat und lässt sich nicht so leicht austricksen. Die Daten sollen mit der WeLoop App synchronisiert werden können, was allerdings bei den Meisten nicht funktioniert, inklusive mir.

Auf der Uhr kann man die Daten der vergangenen Tage ansehen, was einem einen Überblick über sein Bewegungsprofil gibt. So kann man sich dann selbst Ziele stecken, welche es zu erreichen gilt.

Die fünfte Option nennt sich „Find Phone“. Das dürfte selbsterklärend sein. Hat man sein Smartphone verlegt, ist aber mit Selbigem über die Uhr verbunden, so kann man hier einen Alarm anfordern. Das Smartphone gibt dann einen Ton von sich und vibriert, solange bis man es gefunden hat und Selbiges bestätigt.

Apropos Alarm: In der WeLoop App kann man sich auch einen Alarm auf die Uhr speichern, z.B. als Wecker.

Die restlichen Menüpunkte dienen der Information und den Einstellungen. Hier kann man Datum und Uhrzeit konfigurieren, die Beleuchtung aktivieren, deaktivieren und festlegen wann diese aktiv sein soll (nur in der Nacht oder auch am Tag), und auch die Fitness und Anti Loss Funktion kann man hier steuern. Weiterhin kann man die Uhr auf Werkszustand zurücksetzen und sich die aktuelle Firmware Version und die Hardware Revision anzeigen lassen.

Leider mehr Buggy als Smart

Wie ihr seht bietet die Smartwatch einige Funktionen, und es ist eigentlich alles dabei was der durchschnittliche Benutzer im Alltag so benötigt – mit Ausnahme einer Freisprechfunktion. Doch leider ist die WeLoop Tommy im Moment eher etwas für Bastler. Es gibt noch starke Kompatibilitätsprobleme, und das Gerät funktioniert nur mit sehr wenigen Smartphones so wirklich gut (mit dem Meizu MX4 z.B.). Bei den meisten Geräten kommt es zu Verbindungsproblemen oder eine Verbindung ist gar nicht erst möglich. Auch die Uhr an sich ist recht instabil. Es kommt häufig zu plötzlichen Abstürzen, Neustarts oder die Uhr bleibt komplett hängen und man muss warten bis der Akku leer ist. Das ist alles sehr ärgerlich und vermiest das Gesamtbild stark. Es gibt allerdings regelmäßig Updates, sodass früher oder später die Probleme mit Sicherheit noch behoben werden. Im Moment werden neue Software Versionen sogar offiziell als Beta markiert. Dies führt noch einmal deutlich vor Augen, dass die WeLoop Tommy kein fertiges Produkt ist.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass für den Betrieb ein Smartphone nötig ist, welches Bluetooth 4.0 mit Bluetooth LE unterstützt und auf Android 4.4 KitKat läuft.

Akkulaufzeit

Die WeLoop Tommy wird offiziell mit 21 Tagen Akkulaufzeit vermarktet. Das stimmt auch, aber eben nur, wenn man sie nur als Uhr verwendet und nicht mit einem Smartphone verbindet. Verwendet man sie wirklich als Smartwatch, dann sinkt auch die Akkulaufzeit. Wie stark, das hängt von der Anzahl der Benachrichtigungen ab (durch den Vibrationsalarm), als auch von den Einstellungen zur Hintergrundbeleuchtung. Ich als Power User komme hier (je nachdem wie viel los ist) auf 1 bis 2 Wochen Akkulaufzeit, was immer noch sehr viel ist, und die Android Wear Konkurrenz so richtig alt aussehen lässt. Besonders beachtlich ist dies in Anbetracht dessen, dass der Akku beim Aufladen an einem USB high-power Port schon nach einer Stunde wieder voll aufgeladen ist.

Mein Fazit zur WeLoop Tommy

Die WeLoop Tommy ist einfache aber schicke und gut verarbeitete Smartwatch, welche beim Funktionsumfang nicht übertreibt, dafür aber eine solide Akkulaufzeit und einen niedrigen Preis bieten kann. Leider ist die Software noch lange nicht ausgereift, und so ist die Uhr derzeit nur etwas für Bastler. Auch der Preis erscheint nach dem Test doch etwas hoch, in Anbetracht der Bugs und der fehlenden Freisprech-Funktion, welche z.B. die günstigere Elephone W1 bietet. Letztlich muss jeder selber entscheiden, ob er bereit ist, für ein Gerät mit ungewisser Zukunft 40 bis 55€ auszugeben.

Zu Bestellen gibt es die WeLoop Tommy zum Beispiel bei Deal Extreme, wo auch ich mein Exemplar geordert habe.

 
Kommentare hinterlassen