Von ChinaMobileMag auf Montag, 23. März 2026
Kategorie: News

CPU-Betrug: Ninkear reagiert, Chuwi schweigt weiter

Der Skandal um gefälschte AMD Ryzen 5 7430U Prozessoren in Laptops und Mini PCs chinesischer Anbieter entwickelt sich weiter. Nachdem zuletzt mit der Chuwi UBox ein drittes betroffenes Gerät identifiziert worden war und AMD sich offiziell zu Wort gemeldet hatte, gibt es nun eine weitere neue Entwicklung. Erstmals hat mit Ninkear eine der betroffenen Marken ein konkretes offizielles Statement veröffentlicht und angekündigt, aktiv tätig zu werden. Wer auf eine ähnliche Reaktion von Chuwi hofft, dürfte vorerst enttäuscht werden.

Der Stand der Dinge

Zur Erinnerung: Im Mittelpunkt des Betrugs stehen Geräte, die mit einem AMD Ryzen 5 7430U beworben werden, tatsächlich aber einen AMD Ryzen 5 5500U verbaut haben. Der ältere Chip basiert auf der Zen 2 Architektur und stammt aus dem Jahr 2021, während der beworbene 7430U auf Zen 3 setzt und deutlich neueren Datums ist. In der Praxis bedeutet das ein Leistungsminus von rund 20 Prozent im Single Core Bereich. Besonders perfide: Die Firmware der betroffenen Geräte wurde so manipuliert, dass Betriebssystem und die meisten Analysetools weiterhin den 7430U anzeigen. Nur wer physisch auf den Die schaut oder entsprechende Tools nutzt, kommt dem Betrug auf die Spur. CPU-Z hat allerdings mittlerweile ein Update erhalten und ist in der Lage den tatsächlich verbauten Chip zu identifizieren.

Bei Chuwi sind mittlerweile drei Modelle als betroffen bestätigt worden: das CoreBook X 7430U, das CoreBook Plus 7430U sowie der Mini PC UBox 7430U (der von uns getestete Chuwi Ubox 6600H Mini PC ist nicht betroffen, genauso wie auch das Chuwi CoreBook Air). Alle Hinweise deuten darauf hin, dass sämtliche ausgelieferten Einheiten dieser Modelle den falschen Chip enthalten. Zumindest konnte bisher niemand ein Gerät nachweisen, welches tatsächlich mit dem beworbenen Chip ausgeliefert wurde. Als mutmaßlicher Ursprung des Betrugs gilt der Auftragsfertiger Emdoor Digital aus Shenzhen, der mindestens die Mainboards für die betroffenen Geräte produziert hat und auch für Ninkear als ODM tätig ist. Bestätigt ist dies allerdings noch nicht. Emdoor hat bisher auf Presseanfragen von und und auch von Kollegen nicht reagiert.

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Lobenswert: Ninkear meldet sich offiziell zu Wort

Dass auch Ninkear betroffen ist, war bereits durch Nutzerberichte bekannt. Die Kollegen von Notebookcheck haben den Verdacht nun durch einen regulären Handelskauf des Ninkear A15 Pro bestätigt. Auf dem Die des verbauten Prozessors fand sich erneut die OPN-Nummer 100-000000375, die AMD eindeutig dem Ryzen 5 5500U zuordnet. Gleichzeitig hatte das von Ninkear bereitgestellte Testgerät aus dem Sommer 2025 noch den korrekten 7430U verbaut und auch ein voriger Testkauf hatte keinen "Fake-Prozessor" an Bord. Beide Geräte verwenden dasselbe Mainboard von Emdoor Digital. Im Gegensatz zu Chuwi scheint bei Ninkear also nur eine bestimmte Charge betroffen zu sein, nicht die gesamte Produktion. Belastbare Zahlen dazu gibt es zwar noch nicht, aber die bisherige Beweislage deutet auf ein geringeres Ausmaß hin.

Ein technisches Detail am Rande: Die Analysesoftware CPU-Z hat mit Version 2.19 ein Update erhalten, das die bisherige Verschleierung zumindest teilweise aushebelt. Wie die Entwickler erläutern, nutzt das manipulierte BIOS eine AMD-spezifische Schnittstelle über sogenannte MSR-Register, um den im System hinterlegten Prozessor-Namen zu überschreiben. Da sich Windows und die meisten Tools auf diesen Eintrag verlassen, war die Täuschung bislang schwer zu erkennen. CPU-Z liest nun direkte Hardware-Merkmale aus und zeigt damit die tatsächlich verbaute CPU an. Dass ein BIOS dafür konfiguriert werden muss, den Prozessornamen bewusst in einen anderen zu ändern, ist nach Einschätzung der CPU-Z-Entwickler kein Versehen, sondern eine vorsätzliche Manipulation.

Ninkear hat nun auf die Berichte reagiert und ein offizielles Statement per E-Mail veröffentlicht. Darin erklärt das Unternehmen, eine Untersuchung der betroffenen Produktchargen beim Auftragsfertiger Emdoor eingeleitet zu haben. Händler und Nutzer seien bereits informiert worden. Wer von dem Problem betroffen sei, solle sich an den jeweiligen Distributor oder direkt an Ninkear unter support@ninkear.com wenden. Darüber hinaus wurde nach eigenen Angaben ein eigenes Serviceteam eingerichtet, das sich um entsprechende Fälle kümmert. Medienvertreter seien ausdrücklich eingeladen, sich jederzeit zu melden.

Das Statement ist in seiner Substanz wohltuend anders als alles, was bislang von Chuwi zu hören war. Es benennt das Problem direkt, kündigt konkrete Schritte an und signalisiert die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Ob den Worten nun auch Taten folgen und betroffene Kunden tatsächlich unkompliziert zu ihrem Recht kommen, muss sich noch zeigen. Aber der Kontrast zu Chuwi ist kaum zu übersehen: Während Ninkear zumindest kommuniziert, hat Chuwi seinen Pressekontakt offenbar vollständig eingestellt. Anfragen werden nicht mehr beantwortet, auf unsere letzten Nachrichten erfolgte keine Reaktion mehr.

Chuwi bleibt ein Problemfall

Bei Chuwi hat sich die Lage in den vergangenen Wochen nicht verbessert. Der bislang zuständige Pressekontakt ist nicht mehr erreichbar. Im globalen Chuwi-Store wurden allerdings immerhin weitere betroffene Modelle komplett entfernt. Lediglich der Hongkonger Händler Hornington Computer Company hat eine Rückrufaktion für den lokalen Markt eingeleitet und bietet Kunden, die eines der drei betroffenen Modelle bei ihm erworben haben, eine vollständige Rückerstattung bis zum 31. Mai 2026 an. Eine vergleichbare Initiative seitens Chuwi selbst gibt es nicht. Kunden wurde bisher ein kleiner Rabatt oder eine Rücksendung auf eigene Kosten angeboten, was nicht akzeptabel ist.

AMD hatte sich vergangene Woche über das Hongkonger Portal HKEPC offiziell geäußert. Der Chiphersteller stellt klar, weder an der Kennzeichnung noch an den Marketingmaßnahmen der betroffenen Geräte beteiligt gewesen zu sein und von den Vorgängen keine Kenntnis gehabt zu haben. AMD bezeichnet den Vorfall als Verstoß gegen eigene Marken- und Lizenzrichtlinien und behält sich rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen vor.

Wer das letztlich ist, ob der Auftragsfertiger Emdoor Digital eigenständig handelte oder ob die jeweiligen Marken eingeweiht waren, ist weiterhin ungeklärt. Ninkears Bereitschaft zur Kooperation und die Tatsache, dass dort nicht alle Geräte betroffen sind, spricht eher dafür, dass zumindest in diesem Fall die Marke selbst nicht direkt involviert war. Bei Chuwi bleibt die Frage offen, auch weil das Unternehmen durch sein Verhalten jede Möglichkeit zur Aufklärung aktiv verhindert.

Wir bleiben an dem Thema dran und berichten, sobald es neue Erkenntnisse gibt.

Quelle(n): Pressemitteilung von Ninkear | Notebookcheck

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