ARM hat am gestrigen 8. September die zweite Generation seiner mobilen Lumex Compute Plattform vorgestellt. Nach nur einem Jahr verabschiedet sich das Unternehmen dabei allerdings bereits wieder vom Namen Lumex, unter dem 2025 die erste Generation mit den C1 CPU Kernen und der Mali G1 GPU eingeführt wurde. Die neue Plattform heißt nun schlicht CSS for Mobile 2 und bringt mit den C2 CPU Kernen sowie der Mali G2-Ultra NX GPU zwei komplett neue Recheneinheiten mit, die laut ARM vor allem auf sogenannte agentische KI Anwendungen sowie neue Grafiktechniken zugeschnitten sind.
Für unsere Leser ist die Vorstellung vor allem deshalb relevant, weil beide Bausteine in absehbarer Zeit in echten Smartphone Chips zu finden sein dürften bzw. schon zu finden sind. Die neue C2 Generation gilt als wahrscheinlichste Basis für die kommenden Flaggschiff Chips von Mediatek aus der Dimensity 9600 Serie, die am 15. September vorgestellt werden. Die Mali G2-Ultra NX GPU ist dagegen bereits im Einsatz: Sie steckt im Xring O3, dem hauseigenen Chip von Xiaomi, der im kürzlich vorgestellten Xiaomi 18 Fold zum Einsatz kommt.
C2-Ultra und C2-Pro: mehr Leistung und doppelte KI Kapazität
Im Zentrum der neuen CPU Generation steht der C2-Ultra als schnellster verfügbarer Kern, der Nachfolger des bisherigen C1-Ultra. Ergänzt wird er durch die auf Effizienz ausgelegten C2-Pro Kerne, in ARM's eigenem Referenzdesign kombiniert zu einem Cluster mit zwei C2-Ultra und mehreren C2-Pro Kernen. Neu ist vor allem, dass beide Kerntypen mit zwei SME2 Einheiten für KI Berechnungen ausgestattet werden können, doppelt so viele wie bei der Vorgängergeneration.
Laut ARM liefert der C2-Ultra gegenüber dem C1-Ultra bis zu 15% höhere Singlecore Leistung, dazu 15% schnelleres Web Browsing sowie 12% schnellere App Starts. Auf Clusterebene soll die Multicore Leistung um 12% steigen, was laut Hersteller vor allem paralleles Arbeiten an mehreren Aufgaben wie Datenabruf, Modellvorbereitung und gleichzeitig laufenden Anwendungen erleichtert. Bei gleicher Rechenleistung soll der neue Kern zudem bis zu 38% weniger Energie benötigen als sein Vorgänger.
Deutlich größer fällt der Sprung bei KI Aufgaben aus. Die verdoppelte SME2 Kapazität soll aktuelle kleine Sprachmodelle laut ARM um bis zu 70% beschleunigen, über mehrere aktuelle KI Modelle hinweg nennt der Hersteller ein Plus von bis zu 1,7-fach gegenüber der Vorgängergeneration. In einem von ARM selbst durchgeführten Test eines kompletten agentischen Arbeitsablaufs, der Spracherkennung, Gedächtnisabruf, logische Schlussfolgerungen, App Ausführung und Web Browsing umfasst, soll der C2-Ultra mit den zwei SME2 Einheiten die Gesamtaufgabe 24% schneller abschließen als die vorherige Generation. Die CPU übernimmt dabei laut ARM zunehmend die Rolle eines Koordinators, der Kontext hält, Aufgaben einplant und je nach Bedarf an GPU oder andere Beschleuniger im Chip weiterreicht.
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Mali G2-Ultra NX: erste Mali GPU mit eingebautem Neural Accelerator
Bei der Grafikeinheit wechselt ARM von der Mali G1-Ultra auf die neue Mali G2-Ultra NX, laut Hersteller die erste Mali GPU mit fest in die Shader Kerne integrierter neuronaler Beschleunigung. Der Zusatz NX steht dabei für diese eingebaute KI Einheit, die sich Speichersystem und Steuerlogik der GPU teilt, statt als separater Block zu arbeiten. Ergänzt wird das Ganze um eine neue Execution Engine, laut ARM das größte Update der GPU Befehlssatzarchitektur seit sieben Generationen, sowie eine dritte Generation der hauseigenen Raytracing Einheit.
Drei neue Techniken unter dem Namen ARM Neural Technology sollen die eigentliche Praxiswirkung liefern. Neural Super Sampling (NSS) rekonstruiert aus niedrig aufgelösten Renderbildern eine höhere Auflösung, Neural Frame Rate Upscaling (NFRU) erzeugt zusätzliche Zwischenbilder für höhere Bildraten, und Neural Super Sampling and Denoising (NSSD) kombiniert beides mit einer Rauschunterdrückung für aufwendige Raytracing Szenen. In Kombination sollen diese Techniken laut ARM bis zu viermal höhere Leistung pro Watt bei neuronal berechneter Grafik ermöglichen. Klassische, nicht KI gestützte Grafikleistung legt laut Hersteller unabhängig davon um 14% gegenüber der Vorgängergeneration zu, allein durch die architektonischen Verbesserungen der GPU.
Bei der Raytracing Einheit nennt ARM bis zu 13% weniger Speicherverkehr auf gängigen Benchmarks, zusätzlich soll eine neue Hardwareunterstützung für sogenannte Opacity Micromaps komplexe transparente Geometrie wie Laub oder Stoffe effizienter darstellen. In einer eigenen Demo führte diese Technik laut ARM zu 30% höheren Bildraten bei gleichzeitig bis zu 70% geringerer Rechenlast für das Raytracing. Als Showcase dient die selbst mit dem Studio Sumo Digital entwickelte Techdemo Neural Dawn, die laut ARM bis zu vierfache Effizienz sowie bis zu 70% weniger externen Speicherverkehr gegenüber klassischem Rendering erreicht und dadurch Techniken wie Unreal Engine's MegaLights auf Mobilgeräten praktikabel machen soll.
Für die Softwareseite verweist ARM auf bereits bestehende Kooperationen mit Spieleentwicklern. Tencent Games integriert die Technik in die eigene MagicDawn Engine, Unity China bindet sie in die Tuanjie Engine ein, und NetEase plant für sein Spiel "Where Winds Meet" noch dieses Jahr eine Version mit NSS Unterstützung. In einem in der Ankündigung zitierten Statement bezeichnet auch Vivo die neue Plattform als Grundlage für kommende eigene Flaggschiff Smartphones - ein weiterer Hinweis darauf, dass die neuen ARM Designs in der Mediatek Dimensity 9600 Serie zum Einsatz kommen werden.
Ökosystem und was als Nächstes ansteht
Damit CPU und GPU im Chip überhaupt effizient zusammenarbeiten können, erneuert ARM zudem den internen Systemverbund unter der Bezeichnung SI L2. Dieser soll laut Hersteller niedrigere Latenzen, höhere Bandbreite sowie verbesserte Priorisierung bieten, wenn mehrere Recheneinheiten gleichzeitig auf denselben Speicher zugreifen. Für Entwickler stellt ARM zudem Werkzeuge wie die KleidiAI Bibliothek, das Neural Graphics Development Kit sowie das neue ARM AI Portal bereit, über das sich laut Unternehmen vorab optimierte KI Modelle und Beispielcode finden lassen sollen.
Wichtig bei der Einordnung all dieser Zahlen: Es handelt sich durchweg um Herstellerangaben von ARM selbst, gemessen im eigenen Referenzdesign zwischen März und August 2026. Wie sich die neue Plattform in echten Chips schlägt, hängt am Ende stark davon ab, wie die einzelnen Halbleiterhersteller Taktraten, Kernanzahl und Cache Ausstattung konfigurieren, denn ARM liefert nur die Baupläne, nicht die fertigen Chips. Als erster konkreter Praxistest gilt die für den 15. September erwartete Vorstellung der Dimensity 9600 Serie von Mediatek, bei der sich zeigen dürfte, wie viel von den angekündigten Verbesserungen tatsächlich bei den Nutzern ankommt. Und was die GPU betrifft, konnte der Xiaomi XRing O3 bereits in einigen Benchmark die Leistungsfähigkeit und Effizienz des neuen GPU Designs unter Beweis stellt.
Quelle(n): ARM
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