Google hat auf der Android Show seinen Ausblick auf Android 17 gegeben, das sich noch in der Betaphase befindet. Im Mittelpunkt steht Gemini Intelligence, ein Sammelbegriff für eine Reihe tief integrierter KI-Funktionen, die das Betriebssystem von einem klassischen OS in Richtung eines proaktiv handelnden Systems weiterentwickeln sollen. Daneben gibt es Verbesserungen bei Multitasking, Sicherheit, Creator-Werkzeugen und der plattformübergreifenden Gerätekommunikation.
Zudem führt Google mit den Googlebooks eine neue Gerätekategorie ein, mit der man eine Antwort auf das MacBook Neo von Apple (derzeit ab ca. 609€ bei Amazon*) liefern möchte. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum hat Google nicht genannt; die Rede ist lediglich von „diesem Sommer", wobei zunächst aktuelle Google Pixel und Samsung Galaxy Geräte bedient werden sollen.
Gemini Intelligence: Der KI-Agent im Alltag
Das große Thema der Ankündigung ist Gemini Intelligence, das auf Premium-Hardware wie dem Galaxy S26 und dem Pixel 10 startet und später auf Smartwatches, im Auto und auf den neuen Googlebook-Laptops verfügbar sein soll. Die Idee dahinter ist, dass Gemini nicht mehr nur auf Anfragen reagiert, sondern mehrstufige Aufgaben selbstständig ausführt. Dazu gehört etwa das Buchen eines Sportkurses in einer unterstützten App oder das Heraussuchen einer Schullektüre in Gmail mit anschließendem Befüllen eines Online-Warenkorbs.
Zusätzlichen Kontext kann Gemini über den Bildschirminhalt oder ein aufgenommenes Foto gewinnen. Wer eine Einkaufsliste in der Notizen-App geöffnet hat, kann per langem Druck auf den Ein-/Ausschalter Gemini anweisen, daraus einen Lieferdienst-Warenkorb zu erstellen. In allen Fällen bleibt die finale Bestätigung beim Nutzer, denn Gemini führt keine Aktionen ohne explizite Freigabe durch.
Ebenfalls neu ist Rambler, eine Ergänzung für Gboard. Wer beim Diktieren Füllwörter wie „ähm" oder Selbstkorrekturen verwendet, muss sich darum künftig keine Gedanken mehr machen: Rambler filtert den Kern des Gesagten heraus und formt daraus einen lesbaren Text. Das Werkzeug unterstützt dabei mehrsprachige Eingaben innerhalb einer einzigen Nachricht. Diktiertes Audio wird ausschließlich für die Echtzeit-Transkription verwendet und nicht gespeichert.
Autofill with Google wird über Geminis Personal Intelligence erweitert, sodass auch komplexe Formulare mit vielen Textfeldern automatisch ausgefüllt werden können. Die Verknüpfung zwischen Autofill und Gemini ist ausdrücklich als Opt-in gestaltet und lässt sich jederzeit in den Einstellungen deaktivieren. Ebenfalls Teil von Gemini Intelligence ist Chrome Auto Browse, das ab Ende Juni verfügbar sein soll und unter anderem Terminbuchungen oder das Reservieren von Parkplätzen übernehmen kann.
Für den Startbildschirm führt Google „Create My Widget" ein. Widgets lassen sich per Texteingabe in natürlicher Sprache erstellen, etwa ein wöchentlich aktualisiertes Rezept-Dashboard oder eine Wetteranzeige, die ausschließlich Windstärke und Niederschlag zeigt. Die Funktion soll auch auf Wear OS Geräten verfügbar werden. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Art von Vibe Coding Funktion für den Massenmarkt.
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Design: Material 3 Expressive und neue Glaseffekte
Android 17 setzt die im vergangenen Jahr eingeführte Designsprache Material Expressive fort und ergänzt sie um tiefere Unschärfe- und Glaseffekte, die Google unter dem Begriff „Luminous Design" zusammenfasst. Sichtbar wird das unter anderem in der Benachrichtigungsleiste, dem Lautstärkeregler und dem Power-Menü. Systemicons für Helligkeit, Standort oder Datenschutz wurden überarbeitet und treten optisch etwas zurückhaltender auf. Auch das Einstellungsmenü wurde kompakter gestaltet, sodass mehr Einträge gleichzeitig auf dem Bildschirm Platz finden.
Für Tablets und Foldables verbessert Google das Multitasking-Erlebnis spürbar. Jede App lässt sich per langem Druck auf das Icon als schwebendes Fenster öffnen, auf Tablets erscheint dazu eine Bubble-Leiste in der Taskleiste. Der Desktop-Modus erhält besseres Window Snapping, eine vollständige Taskleiste und anpassbare Tastaturkürzel, Apps müssen sich künftig flexibel an beliebige Fenstergrößen anpassen. Für den Split Screen Modus testet Google vordefinierte Verhältnisse wie 50:50 oder 70:30. Im Pixel Launcher können App-Beschriftungen auf dem Homescreen ausgeblendet werden, im App Drawer bleiben sie sichtbar.
Nach anhaltender Kritik kehrt Google außerdem zu getrennten Kacheln für WLAN und mobile Daten in den Schnelleinstellungen zurück. Neu hinzu kommt eine Kachel für Satellitenverbindungen sowie eine verbesserte Wi-Fi Ranging Funktion für präzisere Entfernungsbestimmung im Nahbereich. Gemini erhält einen eigenen Lautstärkeregler, getrennt von Medien- und Klingeltonlautstärke. Der Bildschirmrekorder bekommt eine schwebende Steuerleiste, die nicht im fertigen Video sichtbar ist. Außerdem lassen sich Apps nun nativ mit PIN, Muster oder Biometrie sperren, ohne auf Drittanbieter-Apps angewiesen zu sein. Neu hinzu kommen auch 3D Emojis im Noto-3D-Stil, die plastischer wirken als die bisherigen flachen Symbole. Der Rollout der 3D Emojis soll mit Pixel-Geräten beginnen.
Creator-Werkzeuge: Screen Reactions, Instagram und Adobe Premiere
Für Content Ersteller bringt Android 17 einige praktische Neuerungen mit. Screen Reactions erlaubt es, Bildschirminhalt und Frontkamera gleichzeitig aufzunehmen, also klassische Reaktionsvideos ohne externe App oder Greenscreen zu erstellen. Der Rollout startet im Sommer zunächst auf Pixel-Geräten.
In Zusammenarbeit mit Meta wurden Ultra HDR Aufnahmen und -Wiedergabe, systemseitige Videostabilisierung und Night Sight direkt in die Instagram-App integriert. Zudem hat Google nach eigenen Angaben die gesamte Upload-Pipeline überarbeitet, damit Videos und Fotos beim Hochladen keine Qualitätseinbußen mehr erleiden. Instagram ist außerdem ab sofort vollständig für Android-Tablets optimiert.
Die Edits-App von Instagram erhält auf Android zwei KI-gestützte Funktionen, die vollständig auf dem Gerät selbst laufen: Smart Enhance skaliert Foto- und Videomaterial per Knopfdruck hoch, Sound Separation trennt einzelne Audiospuren wie Windgeräusche, Musik oder Sprache voneinander, um sie gezielt anzupassen oder zu entfernen.
Adobe Premiere soll noch im Laufe des Sommers für Android erscheinen und dabei Vorlagen und Effekte speziell für YouTube Shorts mitbringen. Für den professionellen Bereich fördert Google zudem den APV Codec (Advanced Professional Video), der gemeinsam mit Samsung und Qualcomm entwickelt wurde und auf Hardwarebeschleunigung durch den Snapdragon 8 Elite Gen 5 setzt. Aktuell läuft APV auf dem Samsung Galaxy S26 Ultra und dem Vivo X300 Ultra (derzeit 1.999€ bei Amazon* oder ab 927€ bei TradingShenzhen*). Weitere Flaggschiffe sollen im Jahresverlauf folgen.
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Sicherheit und Datenschutz
Android 17 bringt mehrere substanzielle Sicherheitsverbesserungen. Post-Quantum-Kryptografie hält Einzug in den Android-Keystore, um das System langfristig gegen potenzielle Angriffe durch Quantencomputer abzusichern. Certificate Transparency ist standardmäßig aktiv, gefälschte HTTPS Zertifikate sollen damit schneller erkannt werden. Apps erhalten keinen automatischen Zugriff mehr auf Geräte im lokalen Netzwerk, dafür ist eine explizite Nutzerfreigabe notwendig. Ein neuer Systemdienst erkennt verdächtige Verhaltens- und Speichermuster von Apps und kann diese entsprechend einschränken.
Zum Schutz vor gefälschten Bankanrufen (Caller ID Spoofing) prüft Android eingehende Anrufe im Hintergrund gegen installierte Banking-Apps und beendet Verbindungen von gefälschten Nummern automatisch, sofern die jeweilige Bank das System unterstützt. Die „Mark as Lost"-Funktion im Find Hub setzt jetzt zwingend eine biometrische Verifizierung voraus, was die Hürde für Diebe erhöht, die den Entsperrcode kennen. Für OTP Codes per SMS gilt künftig, dass diese für drei Stunden vor dem Zugriff durch andere Apps verborgen bleiben. Für den Kontaktzugriff steht ein neuer Contact Picker bereit, über den Apps nur den gezielt ausgewählten Kontakt erhalten, nicht das gesamte Adressbuch.
Android Auto & Interoperabilität
Android Auto bekommt eine vollständige visuelle Überarbeitung auf Basis von Material 3 Expressive mit anpassbaren Widgets, kantenfüllendem Google Maps und Unterstützung für unterschiedliche Displayformen und Seitenverhältnisse. Das größte Update ist Immersive Navigation: Google Maps zeigt eine detaillierte 3D Ansicht mit Gebäuden, Spuren, Ampeln und Stoppschildern. Auf unterstützten Fahrzeugen lassen sich im geparkten Zustand YouTube-Videos in Full HD mit 60fps anschauen. Beim Losfahren wechseln Videos automatisch in einen reinen Audiomodus. Dolby Atmos soll in ausgewählten Fahrzeugen und Apps für räumlichen Klang sorgen.
Gemini ist in Android Auto nun breiter verfügbar und übernimmt auf Wunsch auch kontextsensitive Aufgaben, wie das Beantworten einer Frage nach einer Adresse aus dem eigenen Kalender oder das Vorbestellen von Essen bei DoorDash während der Fahrt. Fahrzeuge mit direkt integriertem Google-System erhalten zusätzlich eine kameragestützte Spurerkennung in Echtzeit sowie die Fähigkeit, fahrzeugspezifische Fragen zu beantworten.
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Auch die Interoperabilität wird von Android 17 weiter in Angriff genommen. Quick Share wird in diesem Jahr für Geräte von OnePlus, Vivo, Xiaomi und Honor um Apple AirDrop Kompatibilität erweitert. Wer kein kompatibles Gerät besitzt, kann ab sofort über Quick Share einen QR Code generieren, um Dateien per Cloud mit iOS-Geräten zu teilen. Künftig soll Quick Share auch direkt in Apps wie WhatsApp verfügbar sein.
Der Wechsel von iOS zu Android wurde in Zusammenarbeit mit Apple grundlegend überarbeitet. Passwörter, Fotos, Nachrichten, Apps, Kontakte und sogar das Homescreen-Layout lassen sich kabellos übertragen und eine eSIM-Übertragung ist ebenfalls vorgesehen. Der neue Prozess startet zunächst auf Samsung- und Pixel-Geräten.
Neu im Bereich Digital Wellbeing ist Pause Point. Beim Öffnen einer als ablenkend markierten App erscheint eine zehn Sekunden lange Unterbrechung, die zur kurzen Reflexion einlädt. In dieser Zeit stehen Atemübungen, ein Timer, eigene Fotos oder alternative App-Vorschläge zur Auswahl. Wer Pause Point deaktivieren möchte, muss das Gerät dafür neu starten.
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Googlebook: Neue Laptop-Kategorie
Neben Android 17 kündigte Google auch eine neue Gerätekategorie an: das Googlebook. Die Laptops kombinieren den Android-Technologie-Stack mit ChromeOS und sollen speziell für Gemini Intelligence ausgelegt sein. Ein augenfälliges Merkmal ist der Magic Pointer, der beim Bewegen des Cursors kontextsensitive Vorschläge von Gemini einblendet. Auch Create My Widget steht auf Googlebooks zur Verfügung. Die ersten Modelle werden in Zusammenarbeit mit Acer, ASUS, Dell, HP und Lenovo gebaut. Ein konkreter Marktstart ist für Herbst 2026 geplant. Mit den neuen Laptops will Google wahrscheinlich auch das MacBook Neo von Apple angreifen.
Ein genaues Datum für die finale Release-Version von Android 17 hat Google noch nicht kommuniziert. Zumindest Gemini Intelligence rollt ab Sommer 2026 zunächst auf aktuellen Samsung- und Pixel-Geräten aus, viele der KI-Funktionen erfordern mindestens 4GB RAM sowie ein aktives Gemini Pro oder Ultra Abonnement. Weitere Plattformen wie Wear OS, Android Auto und Googlebook sollen im Laufe des Jahres folgen. Andere Hersteller dürften ihre Android 17 Updates wie üblich in der zweiten Jahreshälfte nachreichen. Als Beta Version steht Android 17 bereits für einige Geräte zur Verfügung. So ist z.B. Honor kürzlich mit dem Magic 8 Pro in die Beta-Phase eingestiegen.
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Quelle(n): Google Android Blog (1, 2, 3, 4, 5, 6)