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Xiaomi Yi 2 4k Actioncamera Test

Xiaomi Yi 2 4k Actioncamera Test

Tempo, Zewa, Tesa, GoPro – was haben diese vier Dinge gemeinsam? Mit allen assoziiert man ein bestimmtes Produkt, obwohl dies eigentlich nur Markennamen sind. Bei letzterem gab es früher auch nur eine sehr beschränkte Auswahl an Alternativen, wodurch Action-Kameras oft auf den Hersteller der berühmten Hero-Modelle reduziert werden. Aber schon seit einigen Jahren versuchen vor allem Hersteller aus China auf diesen Zug aufzuspringen und teilweise sogar mit besserer Ausstattung und deutlich niedrigeren Preisen zu punkten. 

Da die Preise für günstige Modelle mittlerweile wirklich am Minimum angekommen sind und sich dort eine unüberschaubare Vielzahl an Anbietern tummeln, liegt der Fokus nun vermehrt auf einer herausragenden Bildqualität. Dies drückt sich dann jedoch auch wieder am Preis aus. Ob die Xiaomi Yi 2, die deutlich mehr als 200 Euro kostet, tatsächlich merklich besser abschneidet wie die deutlich günstigeren Modelle und wie nutzerfreundlich Xiaomi die Bedienung gelungen ist, erfahrt ihr hier.

Xiaomi Yi 2 4k - Verpackung & Lieferumfang

Ungewöhnlich ist die kompakte Verpackung der Yi2. Verglichen mit anderen Action Kameras ist der Karton, in der die Kamera geliefert wird, wirklich sehr klein. Das hat aber auch einen ganz einfachen Grund: fehlendes Zubehör. Trotz des hohen Preises verzichtet Xiaomi fast komplett auf Zubehör für die Kamera und geht damit einen ähnlichen Weg wie bei den Smartphones. Einzig ein MicroUSB-Kabel und eine Schnellanleitung finden sich im originalen Lieferumfang. Die Yi2 versteht sich also wirklich als Premium-Kamera und um das Zubehör sollen sich andere kümmern. Im Grunde finden wir das gar nicht so schlimm, denn das Zubehör ist meist sowieso identisch oder für kleines Geld bei Amazon zu bekommen, aber zumindest ein wasserdichtes Gehäuse hätte aus unserer Sicht mitgeliefert werden müssen. Ansonsten ist die Box hochwertig und der Inhalt aufgeräumt. Den besten Eindruck von der Verpackung bekommt ihr in unserem Unboxing.

Design & Verarbeitung

Optisch setzt sich Xiaomi mit der Yi 2 in jedem Fall von der Konkurrenz ab. Der Formfaktor entspricht nicht dem Standard und die Kamera sieht dadurch sehr hochwertig aus. Auch die Struktur der Oberfläche und vor allem die ausgezeichnete Haptik spiegeln diesen Anspruch wieder. Die Front hat einen metallisch glänzenden Effekt in der in unserem Fall weißen Oberfläche. Außer der Linse findet sich auf der Front noch ein Schriftzug, der auf die Fähigkeit einer 4k-Aufnahme verweist, und eine LED, die den Betriebszustand der Kamera anzeigt.

Außer an der Oberseite findet sich an der Kamera kein weiterer Knopf. Dieser dient als Auslöser und hat einen satten Druckpunkt. Toll ist auch, dass dieser Button sehr breit ist und man ihn so sehr leicht findet und auch blind drücken kann. Neben diesem Button ist eine LED angebracht, die beim Drücken des Auslösers kurz aufblinkt, um eine erfolgreiche Aufnahme zu signalisieren. 

Die Rückseite wird vom 2,2 Zoll großen LCD Display dominiert. Dieser regelt die gesamte Bedienung bis auf den Auslöser. Der Premium-Look der Yi 2 wird auch dadurch unterstrichen, dass die Ports für den MicroUSB-Anschluss und die Speicherkarte nicht einfach außen am Gehäuse angebracht sind, sondern unter einer Abdeckung beziehungsweise neben dem Akku unter dessen Abdeckung versteckt wurden.

Display

​Größe: ​2,19 Zoll
Auflösung:​ 640 x 360​
Technologie​:​LCD OGS
​Anzahl Berührungspunkte:2​
Gehärtetes Glas:​Ja, Gorilla Glass​
Anti Fingerabdruck Beschichtung:​Ja​

Wie bereits erwähnt besitzt das Display eine Diagonale von 2,2 Zoll. Mit einer Auflösung von 640x360 Pixeln ergibt sich daraus eine Pixeldichte von 333 ppi. Damit kommt das Display fast an ein Smartphone mit 5,5 Zoll und FullHD heran, was in einer Action-Kamera sehr ungewöhnlich ist. Sowohl die Vorschaubilder als auch die Symbole und der Text in den Menüs sind dadurch detailliert und ausgesprochen scharf. Zusammen mit dem guten Digitizer und sogar einer Unterstützung für Wisch-Gesten fühlt sich die Bedienung fast wie auf dem Smartphone an.

Leider ist das Bild jedoch etwas übersättigt, sodass die Aufnahme in der Realität anders aussieht als es auf dem Display den Anschein macht. Immerhin hat sich Xiaomi auch Gedanken um die Haltbarkeit der Kamera gemacht, denn das Display ist mit Gorilla Glass unbekannter Version geschützt, sodass man vor Kratzern und Macken keine Angst zu haben braucht. Schnell übersieht man zudem die fettabweisende Beschichtung des Displays. Das Problem, dass verschmierte Fingerabdrücke einen Schleier über das Bild legen ist Vergangenheit. Diese Beschichtung arbeitet zuverlässig und ist wirklich ein Segen.

Hardware & Performance

​Prozessor: Ambarella A9SE75
Architektur: ​Dual Core Cortex-A9 @800MHz
Besonderheiten:​
​Elektronische Bildstabilisierung
Abmessungen / Gewicht:​
65 x 42 x 21mm

Als Prozessor fungiert bei der Yi 2 ein Ambarella A9SE75 Chipsatz, der eine Dual Core CPU-Architektur bestehend aus zwei Cortex-A9 Kernen mit 800MHz Takt beinhaltet. Die Strukturbreite der Fertigung des Chips beträgt 28nm und der Chip kann Videos bis zu einer Auflösung von 4k mit 30 Bildern pro Sekunde in einen H.264 Codec packen. Die Modems für die Verbindung über WLAN und Bluetooth sind jedoch nicht direkt in den Chip integriert, sondern via USB beziehungsweise UART angeschlossen. Dieser Chip ist wirklich sehr schnell und erlaubt eine gute Performance. Die Eingaben über den Touchscreen werden umgehend umgesetzt und auch die Dauer vom Einschalten der Kamera bis zur eigentlichen Betriebsbereitschaft beträgt nur rund 2 Sekunden. Um die großen Video-Dateien auch ablegen zu können, unterstützt der MicroSD-Slot Karten bis zu einer maximalen Größe von 128GB. Hier sollte man jedoch ganz besonders darauf achten, eine schnelle Karte – am besten Class 10 – zu verwenden, da die Datenmenge pro Sekunde bei einem 4k-Video schon sehr hoch ist. Wenn die Karte zu langsam ist, bricht eine 4k-Aufnahme bereits nach 30 Sekunden ab, wird zwischen gespeichert und erst dann wird die Aufnahme fortgesetzt. Ohne passende Speicherkarte kann man die Yi 2 quasi nicht nutzen.

Software

Die Software ist speziell für die Action Kamera von Xiaomi entwickelt worden und ihre Bedienung ziemlich intuitiv. Zwar sind die Einstellungen ein wenig verschachtelt beziehungsweise unlogisch strukturiert, aber im Grunde findet man sehr schnell, wonach man sucht. Zudem wurde beispielsweise auch eine Funktion integriert, die es erlaubt, eine Schnelleinstellungsleiste ähnlich wie bei Android einzublenden, indem man von oben nach unten über den Bildschirm streicht. Dank des hochauflösenden Bildschirms können die Grafiken und Schriften auch sehr scharf dargestellt werden, wodurch sich die Optik des Systems deutlich von der Konkurrenz abhebt.

Die Kamera bietet diverse verschiedener Aufnahme-Modi, die jeden Einsatzzweck abdecken. Neben Film-und Bildaufnahmen können auch Zeitraffer als Bilder oder Videos, regelmäßige Auslösungen der Kamera, wiederholte Aufnahmen einer bestimmten Länge, die Kombination aus Video und Foto oder Slow Motion Aufnahmen gewählt werden. Ehrlich gesagt sind das aus unserer Sicht fast zu viele Möglichkeiten und man weiß gar nicht genau, wo die Unterschiede zwischen den verschiedenen Modi sind. Hier hätte man sich eher auf das wesentliche konzentrieren sollen, statt möglichst viele Modi aufzuzählen.

Konnektivität & App

WLAN:​
​​802.11 b/g/n
​Bluetooth:​​
​Ja, für Fernbedienung​​

Generell kann die Kamera vollständig über den eingebauten Touchscreen bedient werden. Bei einer Action Kamera kommt es jedoch ziemlich häufig vor, dass dieser nicht bequem erreicht werden kann. Um dennoch zu wissen, was man gerade vor der Linse hat und auch um die Einstellungen zu verändern, besitzt die Yi 2 ein WLAN-Modul. Mit der passenden Smartphone-App kann man sich so mit der Kamera verbinden. Die App für die Yi Action Kameras gibt es sowohl in Googles Play- als auch Apples App-Store und besitzt ein knallig grünes Icon.

Leider ist die App jedoch wie viele ähnliche Apps aus China extrem schlecht übersetzt. Zwar kann man aus dem Zusammenhang meist schließen, was gemeint ist, aber rein aus dem Text lässt sich das oft nicht sagen. Atemberaubende Formulierungen gesellen sich zu fehlenden Wörtern und plötzlich endenden Sätzen, sowie einfach nicht übersetzten, englischen Formulierungen. Das ist sehr schade, da das Konzept der App wirklich gut ist. Man kann tatsächlich komplett alle Einstellungen vornehmen, die sich auch auf der Kamera finden lassen. Zudem erhält man einen Stream des Live View-Bildes der Kamera und kann sich die Inhalte der SD-Karte direkt aufs Smartphone herunterladen. Die App ist jedoch nicht nur schlecht übersetzt, sondern läuft auch unstabil und manchmal kommt es zu Force Closes oder es kann keine WLAN-Verbindung hergestellt werden. Xiaomi hat versucht, der App darüber hinaus noch einen Mehrwert zu geben, indem man versucht eine eigene Community aufzubauen. Diese konzentriert sich natürlich stark auf Bilder, die man mit der Yi geschossen hat. Optisch erinnert das ganze sehr stark an Instagram. Ob man das für sinnvoll hält muss jeder für sich entscheiden, in jedem Fall findet sich dort das eine oder andere wirklich gute Foto.

Außerdem besitzt die Yi 2 ein Bluetooth-Modul, das man manuell ein und aus schalten kann. Dieses ist nötig, um Zubehör wie die Fernsteuerung mit der Kamera zu verbinden. Diese ermöglicht es beispielsweise, den Auslöser aus der Ferne zu betätigen.

Kamera

​Hauptkamera: ​Sony IMX377, 12MP, f/2.8
Aufnahme-Modi: ​4k @30fps,
2,5k @60fps,
1080p @120fps,
720p @240fps

Videoaufnahmen gelingen mit der Yi2 von Xiaomi wirklich ausgezeichnet. Da sind wir nicht die ersten, die das feststellen und auf Youtube gibt es bereits zahlreiche Videos, in der die Kamera beispielsweise mit einer GoPro Hero 4 verglichen wird – und gewinnt. Die Farbdarstellung, der Kontrast, die Schärfe - selbst von bewegten Objekten - sind erstklassig. Die Kamera-Hardware in Verbindung mit dem schnellen Chipsatz und einer top Software sorgen dafür, dass es hier wenig zu bemängeln gibt.

Schade ist aber, dass die Kamera nicht besonders lichtempfindlich ist. Dunklere Motive gelingen eher schlecht als recht, es rauscht und ist trotzdem sehr dunkel. Die Yi 2 ist in jedem Fall eine Action Kamera für den sonnigen Strand. Aufnahmen bei Nacht sollte man dann eher mit einem Smartphone oder einer Spiegelreflex-Kamera machen.

Was richtig viel Spaß macht, sind die Slow-Motion-Aufnahmen mit 240 Bildern pro Sekunde. Hier kann man mit den simpelsten Motiven richtig spannende Effekte erzielen und 240fps sind schon wirklich viel. Das ist acht mal langsamer als „normale" Videos und nochmal doppelt so langsam als die meisten anderen Action-Kameras. Die Auflösung wird dann zwar auf 720p zurück gefahren, aber darauf kommt es in diesem Fall nicht an. 120 Bilder pro Sekunde kann man sogar in FullHD aufnehmen.

Akku

​Kapazität (Angabe): ​1.300mAh
​Kapazität (Gemessen): ​1.194mAh
​Wechselbar:​Ja
Fast Charging:​Nein​

Der Akku ist bei Smartphones aktuell eines der wichtigsten Punkte. Viele Geräte sind toll ausgestattet, man kommt mit ihnen jedoch nicht über den Tag. Auch bei einer Kamera ist eine lange Laufzeit wichtig. Man will ja nicht gerade dann ohne Energie dastehen, wenn man das perfekte Motiv gefunden hat oder den besten Move endlich landet. Bei der Xiaomi Yi 2 wird ein 1.300mAh großer Akku eingesetzt, der lange durchhält. Diese Kapazität wurde auch mit dem Messgerät verifiziert - die 100mAh Abweichung können auf die Messungenauigkeit und die Toleranz der Zelle zurückgeführt werden. Zwar verbrauchen sowohl das hoch auflösende Display als auch der Chipsatz einiges an Energie und vor allem die 4k-Aufnahmen zerren merklich am Akku, für mehrere Stunden Aufnahme bei höchster Qualität reicht es aber dennoch. Wenn man die Auflösung auf 1080p reduziert, erhöht sich diese Zahl merklich. Im Standby verbraucht die Kamera zudem überraschend wenig Energie. Für Zeitraffer-Videos ist die Yi 2 also perfekt geeignet.

Der Akku kann lediglich über die eingebaute MicroUSB-Buchse geladen werden. Eine externe Ladestation und zusätzliche Akkus sind mittlerweile aber für kleines Geld selbst bei Amazon zu haben. Da der Ladestrom in der Kamera jedoch maximal 1 Ampere beträgt dauert es mit rund 1,5 Stunden ziemlich lange, bis der Akku voll aufgeladen ist. Da ist es durchaus hinderlich, wenn man gerade losziehen möchte und dann noch eine Stunde auf den Akku warten muss. Deshalb ist die Anschaffung von weiteren Energiespeichern wirklich empfehlenswert.

Xiaomi Yi 2 - Fazit

Eine Action-Kamera aus China. Was bisher immer ein Preiskampf vieler Hersteller mit teils mäßiger Qualität war, wird von Xiaomi auf ein neues Level gepackt. Natürlich hängt es stets vom Anspruch ab und für den Sommerurlaub am Strand tut es vielleicht auch eine Kamera im 100 Euro-Segment, doch die Yi 2 will hier auch gar keine Alternative sein. Sowohl die Haptik, die Verarbeitung als auch die Software und die Bildqualität zeigen, dass man hier ambitionierte User anspricht. Der Preis jenseits der 200 Euro ist aus unserer Sicht aber definitiv gerechtfertigt. Die Yi 2 liefert richtig gute Qualität ab und es macht einen riesigen Spaß, damit auf Tour zu gehen. Vor allem der Slow-Motion-Modus mit 240 Bildern pro Sekunde hat es uns angetan. 

Leider passt aber auch hier die zugehörige App nicht zum Gesamtanspruch an die Kamera – und vor allem nicht zum Preisschild. Konnte man beim Mi Band noch verstehen, dass die Margen sehr gering sind und die Übersetzung der App dadurch leidet, sieht es hier anders aus. Wenn man dem gesetzten Premium-Anspruch gerecht werden möchte ist die erste Anforderung, dass die App stabil und zuverlässig läuft. Leider ist bereits diese notwendige Bedingung nicht erfüllt. Darüber hinaus ist die deutsche Übersetzung unterirdisch schlecht. Die chinesischen Hersteller haben noch immer nicht verstanden, wie wichtig hier der subjektive Eindruck beim Nutzen der Software ist. Allerdings ist das auch schon alles was es zu bemängeln gibt. Die Kamera an sich ist wirklich klasse. Die Software auf der Kamera ist zwar etwas verschachtelt, aber das ist bereits Jammern auf hohem Niveau – verglichen mit anderen Action-Kameras.

Pro Contra
​+ Außergewöhnliches, edles Design ​-​ Zu viele Einstellmöglichkeiten, unübersichtliche Software
+​​ Großes Display mit sehr guter Auflösung- Sehr schlecht übersetzte Smartphone-App​
+ Erstklassige Performance dank schnellem Chip​-​​ Schwache Aufnahmequalität bei schlechten Lichtverhältnissen
+ Schickes User-Interface​- Kein Zubehör im Lieferumfang​
+ Sehr gute Bildqualität​
+ Slow-Motion mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde​
+ Großer Akku ​

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